Das Lied der Sterne
Kapitel 1:
Es war Nacht in Mittelerde. Der Mond schien blass auf die
Ebenen Eriadors und ließ die Felsgipfel der Nebelberge schroffe Schatten
werfen. Das Firmament war übersät von Sternen, deren Licht sich
im Wasser des Großen Stromes widerspiegelte, der durch das Land Rhovanion
verlief. Dort auf der Ostseite des Anduin befand sich auch der Taur-nu-Fuin,
wie ihn die Elben nannten. Der Düsterwald hieß er im Westron.
Außer in den Gebieten der Waldelben drang dort selten sowohl Mond
– als auch Sternenlicht durch das dichte Geflecht aus Geäst und
Nebelfetzen, die der Schatten mit sich gebracht hatte, als er sich des einstigen
Grünwaldes bemächtigt hatte. Bisher konnte das Elbenreich König
Thranduils sich noch vor dem Eindringen der dunklen Kreaturen schützen,
die seitdem dort ihr Unwesen trieben. Aber der Zauber des Schönen Volkes
würden das Grauen, das von Dol Guldur aus um sich griff, nicht ewig
aufhalten können - mochte die Macht der Elben auch noch so stark sein.
Aus diesem Grund patrouillierten schon seit vielen Jahrhunderten die Wachen
des Elbenkönigs an den Grenzen des Reiches.
In dieser Nacht jedoch musste Tirion, seines Zeichens Hauptmann
der königlichen Garde, besondere Maßnahmen ergreifen und die
Grenzpatrouille verstärken. Zusätzlich zu den üblichen Wachtposten
hatte er noch einige Kundschafter ausgesandt, die die Grenzgebiete beobachten
sollten.
Am Abend war das Fest des Königs zu Ehren seiner Gäste aus Imladris
unterbrochen worden. Als sei eine Störung allein jedoch nicht schon
genug, handelte es sich bei den Verursachern auch noch um Zwerge. Es war
furchtbar gewesen. Der König hatte getobt wie schon lange nicht mehr
und die Zwerge hatten den fatalen Fehler begangen, sich zu erdreisten trotz
ihres unerlaubten Eindringens eine respektvolle Behandlung zu verlangen.
Besonders der Zwerg, welcher ihr Anführer zu sein schien – er
nannte sich selbst Thórin Eichenschild – schien nicht sonderlich
an seinem Leben zu hängen. Nach dem Gezeter, das dieser veranstaltet
hatte, konnte er Eru danken, nur im Kerker gelandet zu sein – wenn
auch in der entlegendsten Einzelzelle, die das größtenteils unterirdische
Schloss Thranduils aufbieten konnte.
Dieses ungehobelten Winzlinge wurden nicht müde, wirres Zeug zu reden,
aus dem allerdings am Ende zu entnehmen war, dass sie nur knapp einer Horde
Ungols entkommen waren – jenen achtbeinigen Biestern, die das Schlimmste
waren, was der Dunkle Schatten mit sich gebracht hatte. Sie waren riesig
und ihr Gift tötete jeden, der kein Elb war, in kürzester Zeit.
Jedoch konnten sie auch für Elben eine Gefahr darstellen, brachte doch
eine Begegnung mit dem giftigen Stachel oft Depression und Weltenmüdigkeit
mit sich, die auch die Angehörigen des ansonsten Unsterblichen Volkes
in Mandos Hallen bringen konnte. Aus diesem Grund waren die Ungols selbst
über die Grenzen Düsterwalds hinaus bekannt und gefürchtet.
Tirion schüttelte den Kopf. Es kam einem Wunder gleich,
dass dies dumpfen Geschöpfe hatten entkommen können. Um sicher
zu gehen, dass die Ungols den Zwergen nicht gefolgt waren und in die Grenzen
eindrangen, was sie andernfalls nur sehr selten taten, hatte Tirion nun
seine Wachen verstärkt und war selbst mit den Kundschaftern ausgeschwärmt.
Ein möglicher Angriff musste sofort im Keim erstickt werden.
Tirion befand sich nun im Südosten der Waldelbengebiete, wo der verzauberte
Fluss den Elbenpfad kreuzte. Der Weg führte an zwei Ungolgebieten vorbei.
Aus diesem Grund musste Tirion hier besonders wachsam sein. Er durchstreifte
den Wald am Westufer des Flusses und etwas südlich des Pfades, als
er plötzlich inne hielt. Das Licht Earendils hielt seinen Blick gefangen;
der Stern strahlte durch die Wipfel der Bäume dicht über dem Horizont.
Es war faszinierend. Earendil war einer, der wenigen Sterne, die den Mantel
des Schattens durchbrechen konnten und keiner von ihnen war so schön.
Doch der Moment der Unachtsamkeit wurde sofort bestraft. Mehr einer Ahnung
als einem seiner Sinne folgend wollte er seinen Bogen ergreifen, doch eine
Stimme knapp über seinem Hinterkopf ließ ihn mitten in der Bewegung
erstarren.
„Das würde ich nicht tun“, warnte sie und
Tirion kam sie irgendwie bekannt vor, aber er konnte sie nicht einordnen,
„sofern diese Pfeilspitze nicht deinen Hals durchbohren soll.“
Nachdrücklich streifte der Pfeil des unbekannten Angreifers Tirions
Nacken und ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken, Der Riemen
seines Köchers wurde durchtrennt und auch sein Bogen und sein Schwert
wurden ihm abgenommen. Dann hörte er das leise Ächzen eines Astes
über ihm und nahm einen leichten Lufthauch wahr. Der Angreifer hatte
wohl sein Versteck in der Baumkrone verlassen. Da er keinen Laut hörte,
den das Aufkommen auf dem Erdboden verursacht hätte, musste der unbekannte
Bogenschütze wohl ebenfalls ein Elb sein und eine leise Ahnung kam
in Tirion auf. Es gab nur einen im gesamten Königreich, der sich auf
derartig geschickte Angriffe verstand.
„So und nun umdrehen, aber ganz langsam“, befahl
die Stimme, deren Klang er nun eindeutig zuordnen konnte.
Der Hauptmann tat, wie ihm geheißen und sah sich nun
einer gefährlich aufblitzenden Klinge gegenüber, die an seine
Kehle gehalten wurde. Eine weitere war bereit, ihm den Bauch aufzuschlitzen.
Der Anblick ließ ihn schlucken. Beide Klingen wurden von einem blonden,
in unauffälligen Grüntönen gekleideten Elben geführt,
der ihn aus grimmigen Augen anfunkelte und dessen Miene nichts Gutes verhieß.
Der Gesichtsausdruck wich jedoch dem Erstaunen, als der Elb die Augenbrauen
hochzog. Langsam nahm er beide Kampfmesser herunter.
„Ich hatte erwartet einem jungen Grünschnabel eine
Lektion zu erteilen. Dass der Hauptmann der königlichen Garde so leicht
zu überrumpeln sein würde, hätte ich nicht für möglich
gehalten, Tirion.“
„Es tut mir leid, Euer Hoheit“, Tirion ließ die Schultern
hängen, „Mein Versagen ist unentschuldbar.“
„Ich hätte es nicht besser formulieren können“, meinte
der Prinz streng und musste sich alle Mühe geben, die Fassade aufrecht
zu erhalten, als der Hauptmann zusammenzuckte und ihn erschreckt ansah,
„aber ich werde noch einmal Gnade vor Recht ergehen lasse. Dass mir
so etwas ja nicht noch einmal vorkommt.“
Tirion wurde immer kleiner, doch als er bemerkte wie die Mundwinkel des
Sohns seines Königs verräterisch zuckten, entspannte er sich wieder.
„Das war aber sehr gemein, Euer Hoheit.“
„Ich weiß“, der Schalk blitze aus den Augen des Prinzen,
„aber ich konnte mir die Gelegenheit einfach nicht entgehen lassen.“
Tirion hätte es wissen müssen. Es war nicht die
Art des Prinzen, sich derart aufzuspielen. Die Loyalität stammte noch
aus der Zeit, in der er selbst – auf väterlichen Befehl hin –
in der Garde gedient hatte. Er hatte sich dort Respekt verschafft –
sowohl durch seine Leistungen, keiner konnte mit ihm mithalten, als auch
durch sein Verhalten: Denn obwohl er der Thronfolger war, hatte er sich
nie durch seine Stellung Vorteile verschafft.
„Also, Tirion“, riss ihn die Frage des Prinzen
aus seinen Gedanken, „Welchen Umständen ist es zu verdanken,
dass ich Euch außerhalb der Grenzen unseres Reiches finde?“
„Das Fest Eures Vaters zu Ehren der hohen Gäste
aus Imladris wurde heute Abend gestört“, berichtete Tirion, „Einige
Zwerge wagten es, ohne Erlaubnis einzudringen und die Festlichtung zu stürmen.
Und obwohl wir mehrere Male den Ort wechselten, gaben sie nicht auf. Euer
Vater wurde natürlich sehr wütend und letztendlich nahmen wir
die Zwerge gefangen. Aus ihrem Gestammel entnahmen wir, dass sie knapp aus
einem Ungol-Nest entkommen waren. Geradezu unglaublich, wenn Ihr mich fragt,
immerhin sind Zwerge ja bekanntermaßen nicht sehr intelligent. Jedenfalls
verstärkte Euer Vater die Sicherheitsmaßnahmen. Ich gehöre
zu den Kundschaftern, die die Grenzgebiete nach verdächtigen Umtrieben
absuchen sollen.“
Des Prinzen Gesicht verfinsterte sich während des Berichtes. Er nickte
nachdenklich.
„Wahrhaftig nicht die besten Neuigkeiten. Auf dem Rückweg
zum Schloss werde ich meine Augen offen halten. Doch bis jetzt bin ich auf
nichts Ungewöhnliches getroffen. Sei trotzdem wachsam.“
Die Nahkampfmesser, die er noch immer in den Händen hielt,
wurden auf dem Rücken verstaut. Dann stieß er einen kaum hörbaren
Pfiff aus. Kurz darauf hörte man leise Hufgeräusche und ein Pferd
trat zwischen den Bäumen hervor. Im Schatten kaum auszumachen. Doch
als es die Lichtung betrat und das Mondlicht darauf fiel wurde es schneeweiß
und schien fast überirdisch schön.
„Ithilos“, ein Lächeln überzog das Gesicht
des Prinzen. Er saß auf und flüsterte etwas ins Ohr des Schimmels,
der zustimmend schnaubte. Sein Reiter legte die Hand auf den Rist des Pferdes.
Bevor er sich auf den Weg machte, wandte er sich noch einmal an den Hauptmann:
„Übrigens, Tirion: Deine Waffen findest du im Geäst über
dir. Und wer sich so leicht in einen Hinterhalt begibt, sollte nicht vorschnell
über die Intelligenz anderer urteilen.“
Danach verschwanden Pferd und Reiter lautlos im Schatten der
Bäume. Mit hochrotem Kopf blieb Tirion zurück. Das hatte gesessen.
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Leise entfernte sie sich vom Lager am Rande des Pfades. Sie
wollte nur ein wenig die Gegend erkunden. Wie üblich wollte ihr Bruder
den Beschützer spielen und hatte mit Phrasen wie „Zu gefährlich
für eine Frau“ und ähnlichem um sich geworfen. Er kannte
sie eigentlich zu gut, um zu wissen, dass sie das bestimmt nicht von ihrem
Vorhaben abhalten würde. Wenn man es recht sah, hatte es sie eher noch
bestärkt. Schließlich hatte sie gewartet, bis Feagil sich zum
Schlafen niedergelegt hatte und die Wache von einem der drei lórienischen
Soldaten übernommen worden war.
Es hatte schon Vorteile, wenn man die Nichte der Herrin des Goldenen Waldes
war. Allerdings gab es auch ein paar nicht außer Acht zu lassende
Nachteile: Zwei Jahrtausende hatte sie damit zubringen müssen, das
Hofzeremoniell auswendig zu lernen. „Wie verhalte ich mich in der
Öffentlichkeit“ auf ihrem Stundenplan gestanden, des weiteren
noch „Wie ich die Salatgabel von der Gabel für den Hauptgang
unterscheide“, „Wie ich mich unterhalte und damit meinen Gegenüber
zum Einschlafen bringe“ und ähnlich nützlich Dinge. Die
liste der Regeln und Vorschriften war schier endlos. Aber schließlich
wollte sie ihre Tante ja auch nicht blamieren, wenn sie an ihren Hof kam.
Frau Galadriel hatte ihr extra Soldaten geschickt, die sie begleiten sollten.
Und ihren Bruder natürlich, der schon länger am Hof lebte, aber
sie so oft es eben ging besuchen gekommen war.
Bevor sie jedoch nach Lórien gingen oder besser ritten,
wollte sie noch einen alten Freund besuchen. Er hatte immer so von seinem
Zuhause, dem Grünwald, geschwärmt, dass sie das alles auch unbedingt
einmal sehen wollte. Bis jetzt allerdings war sie ein wenig enttäuscht.
Von den vielen Wundern hatte sie noch nicht viel gesehen. Statt dessen wurde
die Atmosphäre immer bedrückender je weiter sie voran kamen. Die
Stille jagte ihr einen Gänsehaut nach der anderen über den Rücken.
Außerdem sprachen die Soldaten ständig vom Taur-nu-Fuin - der
Name schien ihr ebenfalls passender - und warnten sie vor den Ungols, riesig
und schrecklich sollten sie sein. Allerdings hörte sich das eher an
wie ein Schauermärchen. Doch irgendetwas seltsames ging hier vor und
sie würde nie herausfinden was, wenn sie sich nicht mal ein bisschen
umsah.
Sie würde ja nicht lange fort sein. In ein paar Minuten würde
sie wieder zurück sein. Zu weit wollte sie sich dann nämlich doch
nicht entfernen – nur für den Fall, dass es doch kein Märchen
war.
Hoffentlich bemerkte Feagil ihre Abwesenheit nicht. Andernfalls
würde sie sich einer stundenlangen Predigt über Verantwortungsbewusstsein
gegenüber sehen. Sie gähnte schon beim bloßen Gedanken daran.
Vorsichtig bahnte sie sich einen Weg durch das Unterholz. Trotz des nur
sehr schwachen Lichtes konnte sie als Elbe noch relativ gut sehen. Ein Mensch
wäre wohl verloren gewesen. Sie hatte sich schon ein gutes Stück
weit entfernt. Weiter als sie es eigentlich vorgehabt hatte. Sie wollte
schon umkehren, als sie vor sich eine Lichtung sah, auf die das spärliche
Licht der Nacht fiel. Sie lief darauf zu. Vielleicht war ja ihr Stern zu
sehen. Und tatsächlich – als sie unter den Bäumen hervortrat
erblickte sie Earendil. Wie verzaubert stand sie da und bemerkte nicht die
Schatten, die sich langsam auf sie zu bewegten und sie einkreisten.
Sie zuckte zusammen, als sie die stimme ihres Bruders nach
ihr rufen hörte. Sie seufzte. Warum konnte sie nicht einmal das Glück
haben, nicht erwischt zu werden. Missmutig wollte sie sich auf den Rückweg
begeben, doch aus den Augenwinkeln heraus bemerkte sie eine Bewegung. Sie
fuhr herum. Etwas großes Schwarzes sprang auf sie zu und sie konnte
gerade noch ausweichen. Ihre Augen weiteten sich vor Schreck und das Blut
wich aus ihren Wangen, als sie sah, was da neben ihr gelandet war. Soviel
zu den Schauermärchen. Ein Knurren drang aus dem Gebüsch hinter
ihr an ihr Ohr und das Ungetüm vor ihr stand langsam wieder auf. Bei
Iluvatar, warum musste sie eigentlich immer in solche Situationen geraten?
Sie rappelte sich auf und rannte in die Richtung, von der sie glaubte, dass
dort der Elbenpfad lag. Dieses Biest war hinter ihr her. Verwesungsgeruch
lag in der Luft und hinter ihr konnte sie das Getrappel von vielen Beinen
hören.
Sie musste mehr als einmal einen Haken schlagen, um diesem
Ungol-Biest auszuweichen, um das es sich hier zweifelsfrei handeln musste.
Die Soldaten hatten nicht übertrieben. Das Gegenteil war eher der Fall.
Sie lief schon eine halbe Ewigkeit, so kam es ihr vor. Die Hoffnung jemals
das Lager wiederzufinden oder wenigstens auf den Pfad zu treffen hatte sie
schon aufgegeben. Statt dessen fand sie sich plötzlich am Ufer eines
Flusses wieder. Das Wasser schien zu flüstern und schien ihre Sinne
vernebeln zu wollen. Knackende Äste und fauchende Laute aus dem Wald
hinter ihr, riefen ihr jedoch wieder ins Gedächtnis, dass sie sich
in Lebensgefahr befand und die Idee, jetzt eine Pause am idyllischen Flussufer
zu machen, taktisch nicht sehr klug wäre. Als sie das Ungetüm
zwischen den Bäumen hervorbrechen sah, war ihr Kopf wieder gänzlich
frei und sie rannte weiter – am Ufer des Flusses entlang, in Richtung
Elbenpfad, wie sie hoffte. Sie hatte auf einer Karte der Soldaten einen
Fluss gesehen, der ihn kreuzte. Sie hoffte inständig, dass es dieser
Fluss war.
Zerkratzt von Dornen und Gestrüpp schmerzten ihre Füße,
Arme und Beine und ihre Kleider blieben immer wieder an Ästen hängen.
Sie stolperte über eine Baumwurzel und fiel der Länge nach hin.
Schnell drehte sie sich zur Seite, gerade rechtzeitig, sonst hätte
sie das Vieh mit seinem Stachel getroffen. Hinter dem ersten sah sie nun
jedoch noch ein Ungol auf sie zustürmen. Fluchend kam sie wieder auf
die Füße und setzte ihre Flucht fort. Verzweifelte Tränen
bahnten sich einen Weg und ihr Blickfeld verschwamm. Ärgerlich wischte
sie mit dem Handrücken darüber. Das war jetzt wahrlich nicht der
richtige Moment zum Heulen. Als ihr Blick wieder klar wurde sah sie vor
sich den Waldelbenpfad durch die Bäume hindurch. Angetrieben von der
Hoffnung auf dort irgendwo auf ihren Bruder zu treffen wurde sie noch schneller.
Sie wandte den Kopf nach hinten, um zu sehen, ob ihr die Ungols noch dicht
auf den Fersen waren.
Wumm.
Sie war gegen irgendetwas gelaufen. Sie hörte eine Stimme,
um sie herum war alles schwarz. Wie durch einen Schleier hindurch hörte
sie Kampfgeräusche. Sie glaubte das Wiehern eines Pferdes zu hören
und das Aufeinanderschlagen von Klingen. Dann das Fauchen und Knurren der
Ungols. Dann hörte es plötzlich auf und sie hörte wieder
die Stimme und dann ... nur noch stille, als sich die Ohnmacht ihrer bemächtigte.
Als ihre Sinne sich wieder regten, nahm sie ein Schaukeln
wahr und leise Hufgeräusche drangen an ihr Ohr. Sie konnte nichts sehen.
Eigenartig. Sie öffnete die Augen. Moment mal, sie schlief doch sonst
nicht mit geschlossenen Augen. Benommen versuchte sie zu sprechen, aber
ihre Lippen wollten ihr nicht gehorchen. Statt dessen kam nur ein glucksendes
Geräusch aus ihrer Kehle. Sie sah eine Gestalt vor sich, erkannte das
Profil aber nicht wieder. Es war nicht ihr Bruder, wie sie anfangs gehofft
hatte.
„Il umo quen“, sagte der offensichtliche Elb,
„Lle nach ulin ninn.“*
Sie betrachtete ihn forschend, doch sie konnte sein Gesicht
nicht richtig erkennen. Aber sie konnte sehen, dass er sie anlächelte.
Dann übermannte sie der Schlaf.
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* Sprecht nicht. Ihr seid zu schwach.
Kapitel 2
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