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Sonne über Ithilien
-eine Fanfiction von Stoffpferd
Anmerkungen der Verfasserin:
Disclaimer: Das ist purer Hohn, einen Autoren zu
so etwas zu verpflichten. Als ob es nicht schon schlimm genug wäre,
dass man kein Geld für den Kram einheimst, da gehört einem
der ganze Plunder auch nicht...*seufz*...was soll‘s, Tolkien
owns it all...
Der Regen hielt noch immer an. Das leise Plätschern und das
Rauschen des Wassers, wenn sich der Wind erneut in diesem Tanz der
Naturgewalten drehte, ließ die Erde aufatmen. Lalaithwen hatte
Legolas das durchnässte Hemd ausgezogen. Er lag auf dem weichen
Polster vor ihr, auf seinem nackten Oberkörper hatten sich
winzige Wassertröpfchen niedergelassen, die nun im sanften
Kerzenschein schimmerten wie kristallene Opale.
Sie umfuhr seinen Oberarm mit ihren Fingerspitzen, so langsam, dass
sich die feinen Härchen leicht aufstellten und sich eine Gänsehaut
darunter bildete. „So...der Herr Prinz ist also noch genau
so empfindlich wie vor dreißig Jahren“, flüsterte
sie und er grinste, „Und er ist auch noch genauso kitzlig“,
lächelte sie, als sie spürte, wie sich seine Bauchmuskeln
anspannten, als sie über die weiche Haut strich. Wie goldene,
reine Seide. Ja, so fühlte sie sich an. „Ich habe es
so vermisst, dich zu berühren“, sagte sie nach einer
längeren Zeit des Schweigens, ihre Augen waren auf seine Brust
gerichtet, die sich mit jedem Atemzug hob und wieder senkte. Er
fasste ihre Hand mit der seinen und zog sie näher zu sich,
sodass sie genau neben ihm zum Sitzen kam. „Wie bist du ausgerechnet
nach Ithilien gekommen?“, fragte er leise und hörte nicht
auf, ihre Hand zu streicheln. „Pernoth hatte gute Handelsbeziehungen
in den Süden. Seiner Schwester gehörte dieses Haus hier.
Sie hat mir gestattet, hier zu leben. Als Filegon noch sehr klein
war, ist Pernoth gestorben. Ich habe ihm so viel zu verdanken, denn
er war wie ein Vater für mich in Zeiten, in denen ich keine
Familie hatte. Ohne ihn...wäre ich dir auf dem Weg nach Lorien
damals nie begegnet“, ein Lächeln huschte über ihr
Gesicht, heiterte die traurigen Züge ein wenig auf. Er tat
es ihr gleich. Der Weg nach Lorien hatte sein Leben verändert.
„Und deine Familie? Wolltest du nicht nach ihr suchen?“,
fragte er sanft, ihre vorsichtigen Berührungen genießend.
„Ich hatte nicht viel Zeit. Filegon war bald geboren und ich
musste für ihn sorgen. Ich gab es letzten Endes auf, meiner
wahren Herkunft hinterher zu jagen wie der Jäger seiner Beute.“
„Und das Medaillon?“, fragte er vorsichtig. „Ich
habe es Filegon gegeben. Als Symbol der Familie, sozusagen...auch
wenn ich nicht weiß, welche Bedeutung es nun eigentlich hat“,
grinste sie schief und fügte leise hinzu: „Solange Filegon
bei mir war, konnte ich den Schmerz, dich und meine Familie verloren
zu haben, ein wenig verdrängen.“ Er sah in ihr hübsches
Gesicht. Lalaithwen sah sehr mitgenommen aus. So viele Narben waren
ihrem Herzen zugefügt worden, dass Legolas sich einen Augenblick
lang selbst hasste. Warum hatte er sie nicht aufgehalten, als sie
gegangen war? Er hätte bei ihr sein müssen, als sie das
Kind zur Welt brachte, hätte ihre Hand halten müssen in
den schweren Stunden der Nacht, wenn die Einsamkeit Besitz über
sie ergriff.
„Aber jetzt bist du ja wieder bei mir“, lächelte
sie warm und Legolas konnte Freudentränen in ihren Augen sehen.
Er zog sie zu sich herunter und küsste sie gefühlvoll,
kostete ihre Lippen, ihre Zunge, sog den Duft ihrer Haut ein. „Warum
vergesse ich ständig deinen Kratzer?“, lachte sie plötzlich
und eine kleine Träne kullerte an ihrer Wange hinab, als sie
sich ein wenig aufrichtete und die Schüssel ergriff. „Weil
dich das Zubehör zu sehr ablenkt?“, lächelte der
Elb verschmitzt. „Mag sein“, zwinkerte sie ihm zu. Er
setzte sich auf und sie strich leicht über seinen Oberarm.
„Oder weil er so winzig ist, dass nur ein Elbenauge ihn ausmachen
kann“, lachte Legolas, als er die kleine Schramme bemerkte,
„Lalaithwen, du musst ihn nicht extra verarzten...in zwei,
drei Tagen ist er fort und hinterlässt nichts als eine winzige
Narbe“ „Ach, solche Kratzer können sich schneller
entzünden, als du denkst“, widersprach sie ihm und ehe
er protestieren konnte, legte sie den Zeigefinger auf seine schmalen
Lippen. „Typisch Mutter“, lächelte er kopfschüttelnd.
Sie tupfte den Kratzer vorsichtig ab, gab ein wenig Salbe darauf
und legte einen schmalen Verband an. Als sie fertig war und das
Verbandszeug auf einem kleinen Tisch abstellte, betrachtete sie
den Elben in ihrem Bett. Wie sein schlanker Körper im rötlich-gelben
Licht leuchtete und die Schatten ihren Tanz auf seiner nackten,
feuchten Haut vollführten. Das Haar lag offen auf seinen Schultern,
sein schönes Gesicht war zu ihr gewandt, die saphirblauen Augen
verfolgten erwartungsvoll jede ihrer Bewegungen. Ein perfekteres
Wesen hatte sie nie erblickt. „Komm zu mir, kleine Diebin“,
wisperte er. Und sie gehorchte. Sie hatte gerade erst die Kante
des Bettes erreicht, als er einen Arm nach ihr ausstreckte und sie
zu sich zog, bis sie auf seinem Schoß saß. Wieder und
wieder strich er durch das blonde Haar, während er sie sinnlich
küsste, ihre Zungen sich in einem endlosen Reigen umkreisten
und nur sehr widerwillig voneinander abließen, nur um den
nötigen Atem zu erhaschen. Sie spürte, wie er unter ihr
erzitterte, als sie mit ihren Fingerkuppen die Konturen seiner Wangenknochen
umfuhr und über die warme Haut strich, bis sie seine Ohrenspitzen
erreicht hatte. Sie stahl einen weiteren, leidenschaftlichen Kuss
von seinen Lippen und lehnte sich über ihn, sodass ihr Mund
auf seiner Stirn verweilte. Seine Hände umfassten ihre Hüften,
zogen sie noch ein Stückchen näher zu ihm. Legolas hatte
sich so sehr nach dieser Nähe gesehnt, dass es ihm fast unwirklich
erschien, wieder bei Lalaithwen zu sein. Der Elb tupfte federleichte
Küsse auf ihr Schlüsselbein und ihre Kehle, ließ
sie kaum hörbar aufstöhnen, was ihn unglaublich erregte.
Dreißig lange Jahre hatte er in Enthaltsamkeit verbracht,
nur um wieder ihr zu gehören.
Jetzt und hier. „Lalaithwen“, hauchte er mit heiserer
Stimme und sie sah ihn fragend an. Aber sie verstand ihn auch ohne
weitere Worte und küsste ihn, während sie sich selbst
die Tunika von den Schultern streifte, ihre blassen, nackten Schultern
entblößte. Er stöhnte unwillkürlich, als sie
sich erneut vornüber beugte und ihren nackten, warmen Oberkörper
gegen den seinen, feucht und kühl, presste. Er vergrub sein
Gesicht in Lalaithwens Nacken, genoss jede einzelne ihrer Berührungen,
die kreisenden Bewegungen ihrer Hände auf seinem Rücken.
Seine Finger umspielten ihre lieblichen Brüste, folgten ihrer
zarten Rundung, nur um dann sacht ihre Brustwarzen zu streifen.
Sie zitterte. Er hätte beinahe vergessen, dass er sie erst
zum zweiten Mal berührte.
Lächelnd beugte er sich herab, um mit seiner Zunge die Bewegungen
seiner Finger zu imitieren. Sie keuchte schwer und schloss ihre
Arme hinter seinem Hals zusammen, um ihn noch näher zu spüren.
„Legolas“, murmelte sie, als er an der empfindlichen
Haut nagte und sacht saugte. Der Elb blickte zu ihr auf. Ihre Wangen
waren gerötet, ihre Lippen leicht geschwollen. In ihren Augen
brannte ein Feuer, das nicht nur sein Herz angesteckt hatte. „Ich
will dich, Lalaithwen“, flüsterte er und zog den überflüssigen
Stoff weiter herunter, sodass nun auch ihr Bauchnabel unverhüllt
vor ihm war. „Das habe ich gemerkt“, lächelte sie
frech unter hastigen Atemzügen, als sie sich leicht bewegte
und dabei die Härte zwischen seinen Beinen fühlte, die
gegen ihren Unterleib presste. Seine Finger glitten durch ihr weiches
Haar, als er sie erneut küsste, seine rechte Hand wanderte
über ihren Rücken, an ihrer Wirbelsäule hinab, bis
sie unter dem Stoff verschwand, der nur noch knapp auf ihren Hüften
lag. „Leg dich hin“, forderte sie sanft und schob seine
Schultern zurück, bis diese auf dem Laken ruhten. Er stöhnte
wieder, als sie ein wenig zurückglitt, nur um seinen Oberkörper
besser mit ihrem Mund zu erreichen. Mit der Zunge sammelte sie die
letzten nassen Tropfen auf, die auf seinem mittlerweile erhitzten
Brustkorb zu verdunsten begonnen hatten. Lalaithwen schmeckte seine
glatte Haut und versank vor Wonne in seiner Umarmung, als er ihren
nackten Oberkörper mit seinen Fingern liebkoste. Zärtlich
küsste sie die empfindliche, vernarbte Stelle an seiner Brust,
ließ ihn sich unter ihr winden. Sie spürte, wie sein
Herz immer heftiger schlug, wie sein Puls förmlich raste. Sie
glitt weiter an ihm herab, sodass seine schmerzende, vom Stoff seiner
Hose verhüllte Erregung von ihrem Brustkorb gestreift wurde.
„Oh, Lalaithwen...“, keuchte er und sie wusste, dass
er sie wollte, dass er sie brauchte. Und dass ihre Zärtlichkeiten
für ihn wie eine Folter erscheinen mussten. Sie tauchte mit
ihrer Zunge in seinen Bauchnabel und er warf den Kopf zurück,
hatte die Augen fest verschlossen, als stünde er Höllenqualen
durch. Er bohrte seine Finger in ihren Nacken, als sie leicht über
seinen Hosenbund blies und seine Stimme war nicht mehr als ein flehendes
Keuchen. Zitternd stütze sie ihre Hände neben seinen Seiten
ab und küsste qualvoll langsam ihren Weg hinab zu der Beule
im Stoff. Legolas hielt es nicht mehr aus, mit jedem Atemzug entwich
ein Stöhnen seiner Kehle. Erst als sie endlich den Gürtel
löste, mit geschickten Fingern das Gewand von seinen Beinen
streifte und somit seine Männlichkeit von der zu eng gewordenen
Hose befreite, lockerte er den Griff an ihrem Nacken. Ein Schauer
durchlief ihren Körper, als er nackt und in all seiner Schönheit
vor ihr lag. Er streckte die Hand nach ihr aus, wollte keine Sekunde
mehr länger ohne ihre Berührung sein. Sie streifte das
Gewand gänzlich von ihrem Körper und bewegte sich zögerlich
auf ihn zu, bis seine Hände die ihren zu fassen bekamen. Einen
langen Moment sahen sie sich nur an, mit bebenden Lippen, rasendem
Atem. Ihre Hände umschlossen einander, als sich Lalaithwen
vorsichtig auf ihn herabließ, ihn ganz in sich aufnahm. Sie
hatte die Augen fest verschlossen, wagte es kaum zu atmen. Legolas
keuchte, hielt ihre Hände fest, spürte ihre Wärme
und küsste ihre Finger, jeden einzelnen. Langsam begann sie,
sich zu bewegen, brachte ihn gänzlich um den Verstand. Er richtete
sich in eine sitzende Position auf, küsste sie innig, umschloss
ihre Finger sanfter, nur um dann eine Hand zu lösen und sie
auf ihre Hüfte zu legen, ihren Rhythmus ein wenig dirigierend.
Sie versuchte, Halt an seinen Schultern zu finden, verbarg ihr Gesicht
in seinem weißblonden Haar. Er strich über ihren Bauch,
fühlte, wie angespannt sie war. Legolas entdeckte die lange
Narbe auf ihrer nackten Haut und fuhr sie sanft nach. Ein schiefes
Lächeln lag auf seinen Lippen, bei dem Gedanken, wie viele
Narben sie beide seit dreißig Jahren trugen. Sie stöhnte
und das holte ihn in die Wirklichkeit zurück, der Elb musste
sich zurückhalten, um nicht die Beherrschung und somit sich
selbst in ihr zu verlieren. Er kostete ihre süße Haut,
nagte verspielt an ihren Ohrläppchen, während sich seine
Finger fester in ihren Rücken bohrten. Sie bewegten sich in
einem immer schnelleren und festeren Rhythmus miteinander, er drang
tiefer und tiefer in sie ein, wollte dieses Gefühl nicht missen,
Eins mit ihr zu sein. Sie wisperte seinen Namen, immer leiser, bis
auch ihre Stimme versagte, als sie ihren Höhepunkt in seinen
Armen erreichte und auf ihm zusammensank. Ihr ganzer Körper
zitterte und auch Legolas verlor jede Zurückhaltung, stieß
ein letztes Mal in sie, ehe er in ihr kam, erschöpft mit dem
Kopf an ihrer Brust lehnte. Sie küsste seine Stirn, strich
ihm sanft eine Haarsträhne hinter das Ohr und murmelte: „Willkommen
Zuhause“, worauf er lachte und sie küsste, bis beider
Herzschlag wieder langsamer und gleichmäßiger wurde.
Langsam trennten sie sich wieder voneinander, Legolas schlang seine
Arme um ihren Rücken und zog sie zu sich auf das weiche Polster.
Er hüllte sie beide in eine Decke ein, platzierte einen zarten
Kuss auf ihre linke Schulter und sah sie einfach nur an, wie sie
erschöpft neben ihm lag, ihre Finger über seine Brust
streichelten. „Dass dir eines klar ist, ich lasse dich nie
wieder gehen“, flüsterte er und zauberte ein Lächeln
auf ihre Lippen. „Wer sagt denn, dass ich das wieder vorhabe?“
Sie kuschelte sich noch ein wenig mehr an ihn und lauschte seinen
regelmäßigem Atemzügen, sowie dem schwächer
werdenden Plätschern der Regentropfen. „Ich habe eine
Elbenkolonie gegründet, hier in Ithilien“, sagte er plötzlich,
sodass sie wieder den Kopf hob und ihn neugierig ansah. „Du
und Filegon...kommt doch mit mir...es ist auch nicht weit von hier“,
fuhr er leise fort. „Filegon könnte seine Freunde natürlich
besuchen, wann immer er will“ Lalaithwen sah ihn lange an,
lächelnd. „Ich muss ihm erst einmal beibringen, dass
du sein Vater bist, Legolas...“ „Ich weiß“,
grinste er schief, „Aber ich will jede Sekunde mit dir auskosten,
ich will bei euch sein, ich will, dass du meine Frau wirst“,
sein Herz war so in Aufruhr, sie endlich wieder in die Arme schließen
zu können, dass er alles daran setzte, bei ihr zu sein. „Ist
das dein Ernst?“, fragte sie vorsichtig lächelnd und
er nickte. „Na ja...die Hochzeitsnacht haben wir ja schon
vorgeschoben“, bemerkte sie kleinlaut und brachte ihn damit
erneut zum Lachen. „Also...was sagst du?“, wollte er
wissen. „Sehr gern“, sagte sie nach einer kurzen Pause
und küsste ihn. „Ich werde Aragorn Bescheid geben. Alle
sollen nach Minas Tirith kommen. Du wirst meine Freunde kennen lernen
und wir werden das schönste Fest feiern, dass je ein sterbliches
Auge hier erblickte.“, er war ganz aufgeregt und schon ganz
mit der Planung beschäftigt, dass Lalaithwen leise lachte.
„Immer mit der Ruhe, Herr reinblütiger Elb, zunächst
einmal sollten wir den nächsten Morgen abwarten, ehe wir die
Sterne der nächsten Nacht vom Himmel holen“ Er küsste
ihre Nasenspitze. „Ich kann dir gar nicht sagen, wie glücklich
ich bin, dich wieder bei mir zu haben“, murmelte er, „Nach
all den Jahren vergeblicher Suche...“ Lächelnd schmiegte
sie sich an ihn. Der Regen begleitete ihre ruhigen Atemzüge,
bis der letzte Tropfen gefallen und die beiden Elben friedlich eingeschlafen
waren.
~*~*~
Thíluil legte seine Hand schützend über die Augen,
als er in Rufus Hof stand und abschätzend hinauf zur Sonne
blickte. Die Erde war noch feucht vom Regen der vergangenen Nacht,
Pfützen, die schon beinahe tümpelartige Größen
annahmen, zäumten das kleine Grundstück des Schmiedes.
Die Sonne strahlte zwischen den Wolken hindurch, die so weiß
waren wie der Schnee, der sich auf das Blätterdach des Grünwaldes
niederließ und in bitterkalten Winternächten geheimnisvoll
im Mondlicht schimmerte. Der Elb seufzte ein wenig wehmütig.
Nicht, dass er seine Heimat sonderlich vermisste, nur verunsicherte
ihn der Gedanke immens, dass Legolas es sich wohl auf ewig mit seinem
Vater verscherzt hatte. Jetzt hoffte Thíluil inständig,
dass Legolas vor dem Sturm eine Behausung für die Nacht gefunden
hatte. Eigentlich war es ihm gar nicht recht, dass er seinen Bruder
aus den Augen verloren hatte. Sicherlich würden sich die Elben
in der neuen Kolonie bald Sorgen um ihren Fürsten machen. Naru
tapste mit verschlafener Miene auf den Hof und ließ sich keine
drei Meter von dem Elben entfernt auf einem sonnigen Plätzchen
nieder. Thíluil bedachte ihn mit einem Lächeln. Wie
der große Rüde am gestrigen Abend um den Tisch gestrolcht
war, um den ein oder anderen Happen des Abendbrotes abzubekommen.
Tari, der nur wenig größer als das gemütliche Tier
war, hatte nach dem Essen mit dem Hund gespielt, sich wie wild auf
dem Boden mit ihm herumgewälzt. Bei solch einer Kampferfahrung
war es kein Wunder, dass er auch Thíluil im Zweikampf ins
Straucheln gebracht hatte. Ein schiefes, aber anerkennendes Lächeln
schlich sich auf Thíluils Lippen. Taris Eltern hatten wirklich
alles getan, damit sich ihr Gast über Nacht bei ihnen wohl
fühlte. Alina hatte ihm ein warmes Bad hergerichtet, neue Kleider
gegeben, bis die seinen fertig gewaschen und getrocknet waren. Und
nun wartete er darauf, dass Tari fertig wurde. Denn der junge Knabe
hatte gestern so lange gefleht und gebettelt, bis Thíluil
ihm gewährt hatte, ihn zu begleiten, wenn er sein Pferd in
den städtischen Stallungen abholen würde. Rufus und Alina
hatten beschämt auf das Verhalten ihres Sohnes reagiert, aber
Thíluil fühlte es dem Jungen nach. Auch er hatte als
Jüngling nicht locker gelassen, ehe er nicht mit seinem Vater
auf die Jagd gehen konnte. Die schwere Holztür, die den Vordereingang
zu Rufus‘ Haus bildete, wurde mit einem tiefen Knarren geöffnet.
Heraus ertönte nur Alinas belehrende, aber nichtsdestotrotz
sanfte Stimme: „Aber mach dem Herrn keinen Ärger und
sei pünktlich zum Mittagessen wieder hier. Dein Vater braucht
eine helfende Hand“ „Jaja, Mutter, ich weiß...“,
erwiderte Tari genervt und sprang aus dem Haus und ließ die
Tür unachtsam ins Schloss gleiten, sodass Naru durch den lauten,
dumpfen Ton aufschreckte und murrend und knurrend von dannen trottete,
um ein ruhigeres Lager für sein Schläfchen zu finden.
Thíluil lächelte, als Tari zu ihm stieß. Das rotblonde
Haar war zerzaust und ungekämmt. Er schien verschlafen zu haben.
„Na komm, ich möchte nicht zu viel Zeit verlieren“,
sagte der Elb und ging ein Stückchen voraus. „Werdet
Ihr heute wieder zurückreiten?“, fragte Tari, dem es
nicht gelang, den traurigen Unterton in seiner Stimme zu verbergen.
„Ich fürchte ja“, sprach Thíluil, „Jedoch
muss ich zuerst meinen Bruder wiederfinden...er könnte überall
in dieser Stadt sein“ „Ach, ich vergaß...Euer
Bruder...Prinz Legolas...ist er wirklich so ein großer Held,
wie alle sagen?“, Tari schaute staunend und fasziniert zu
Thíluil auf, der seine Hand auf des Jungen schmale Schultern
legte. „Er hat im Ringkrieg mitgekämpft und stand tapfer
und furchtlos dem König zur Seite. Sogar, als sie vor den Toren
Mordors standen und dem Bösen unterlegen schienen. Ja, Tari,
man kann schon sagen, dass er ein Held ist“ Der Menschenjunge
lächelte breiter. „Ich wünschte, ich könnte
ein Elb sein...wie Ihr“, seufzte er dann nachdenklich. „So?
Warum denn?“, fragte Thíluil überrascht, während
eine große Kutsche an ihnen vorbei in Richtung Markt fuhr.
„Ihr seid so unerschrocken, kennt keine Furcht, Euer Leben
endet nie und alle Mädchen begehren Euch wegen Eures schönen
Aussehens“ Wegen dem letzteren Punkt musste Thíluil
leise lachen. „Meinst du denn nicht, dass es auch einige Mädchen
gibt, die dich mögen?“, fragte er. Tari schüttelte
bestimmt mit dem Kopf. „Nein...ich prügele mich immer
mit denen, die ich kenne...abgesehen von Selina, aber die ist ja
auch noch zu klein...“ „Selina?“, fragte Thíluil
nach. „Ja, sie ist die Schwester meines besten Freundes Jolly“,
erzählte Tari voller Eifer. „Weißt du, Tari...es
ist manchmal gar nicht so schön, ein Elb zu sein...“
Der Junge sah ihn recht entsetzt an. „Ich verstehe nicht...warum
denn?“ Thíluil nahm den entfernten Geruch von Rosen
wahr, als er gemeinsam mit Tari die große Brücke überquerte.
Die Menschen hier hatten zwar nicht alles im Einklang mit der Natur
erbaut, wie es bei Elben üblich war, aber trotzdem hegten und
pflegten sie ihre Umgebung. Thíluil spürte, dass die
Welt in Menschenhänden gut aufgehoben sein würde...aber
wohl nicht für alle Ewigkeit. „Weil dein Leben als Elb
zeitlos ist. Wir kennen nur den schweren, langsamen Kreislauf unseres
eigenen Daseins. Wenn wir Bekanntschaften mit Sterblichen machen,
wie mein Bruder Legolas, so erscheint uns deren Leben nur wie ein
Augenblick. Außerdem schmerzt es sehr, wenn du die, die du
kennst und denen du nahe warst, nach und nach sterben siehst, während
du immerfort jung bleibst. Fast, als wäre die Zeit bei dir
stehengeblieben.“ Tari starrte nachdenklich auf den Boden.
„Außerdem würdest du als Elb nicht in jedem Jahr
deinen Geburtstag feiern. Das bedeutete für dich, keinen Geburtstagskuchen...jedenfalls
nur alle hundert Jahre“, scherzte Thíluil, um den Jungen
nicht das Herz zu erschweren. Für ihn würde es immer unbegreiflich
sein, wie es war, die Ewigkeit zu erleben. Tari schaute empört
auf. „Na dann bleibe ich doch lieber ein Mensch“ „Eben.
Denn auch unter euch gibt es Helden...und wenn du erst einmal erwachsen
bist und gelernt hast, dich nicht mehr mit Mädchen zu raufen,
dann, so bin ich mir sicher, wirst auch du die Richtige finden“
Tari streckte fast angewidert die Zunge aus und murmelte: „Bääh,
Mädchen...na da bleib ich doch lieber ein kleiner Junge...“
Thíluil lachte und strich dem Knaben durch das Haar. „Warte
nur ab, mein lieber Tari...warte nur ab“ Die Stallungen waren
nicht mehr weit entfernt. Ein großes Schild unterrichtete
Besucher der Stadt darüber, dass sie hier ihre Reittiere in
gute Hände geben konnten, solange sie die Stadt besichtigten.
Angegeben war eine Miete von einem Silberstück pro Stunde.
Thíluil wagte es nicht, nachzuzählen. Als Elbenprinz
war er zwar wohlhabend, doch hatte er kein Geld nach Minas Ithil
mitgeführt, da er nicht mit dieser Dauer seines Aufenthaltes
gerechnet hatte. Möglicherweise würden sie ihm auch den
Preis erlassen, zumal er schließlich die Menge unterhalten
und von großen Abenteuern seines Volkes berichtet hatte. Tari
war schon einige Schritte voraus und unterhielt sich angeregt mit
dem Stallburschen, einem jungen Knaben, nur wenige Jahre älter
war als der Sohn des Hufschmiedes. „Ist das wahr?“,
fragte ihn der fremde Junge, dessen Gesicht mit Sommersprossen versehen
war. „Wenn du mir sagst, was wahr sein soll?“, fragte
der Elb höflich und der Knabe nahm den Strohhut vom Kopf und
nestelte mit seinen Fingern unruhig an der Hutkrempe herum. „Stimmt
es, wie mir Tari soeben zuflüsterte, dass Ihr der Bruder des
großen Elbenkriegers Legolas seid?“, seine Lippen bebten
vor lauter Aufregung und Schweiß trat ihm auf die Stirn. „Ja,
dem ist wohl so...“, erwiderte Thíluil geduldig. „Also,
Lak, bring ihm sein Pferd...“, meinte Tari hochnäsig
und stellte sich prahlerisch an die Seite des Elben. „Ich...nun
gut...wie...wie lange befindet sich Euer Pferd in unserer Obhut,
Herr?“, der Schweiß rann ihm jetzt sogar über die
Nase, sodass er Thíluil fast leid tat. „Seit gestern
Nachmittag...aber bedauerlicherweise habe ich kein Geld bei mir...“,
sagte er ruhig, damit rechnend, dass dies der Anfang einer langen
Diskussion um sein Pferd werden würde. „Aber...mein Herr
erlaubt mir nicht, Pferde ohne Bezahlung freizugeben. Er ist sehr
streng, müsst Ihr wissen...“ „Es wurde mir angeboten,
ich wusste nicht, dass ich hierfür Geld bürgen müsste“,
wehrte sich der Elb und Tari trat unruhig von einem Bein auf das
andere. „Lak, gib ihm sein Pferd zurück...du willst es
dir doch wohl nicht mit dem edlen Herrn verscherzen?“ Der
Junge biss sich auf die Unterlippe, schien zu überlegen, wie
er nun handeln sollte. „Es tut mir leid, aber ich möchte
keine Tracht Prügel riskieren...“, stammelte Lak ängstlich.
Thíluil zog eine Braue hoch. Hier wurden Kinder tatsächlich
geschlagen? Was für ein grobes Volk doch die Menschheit war.
„Lak, wenn du ihm nicht sein Ross aushändigst, verspreche
ich dir, wird dich noch etwas viel schlimmeres erwarten als eine
Tracht Prügel“, knurrte Tari. Thíluil hielt ihn
an der Schulter fest. „Tari, also wirklich...lass...“
weiter konnte er nicht sprechen, denn Tari löste sich aus seinem
beschwichtigenden Griff und trat ganz nahe an Lak heran, der zwar
einen halben Kopf größer war, als der Junge, bei weitem
aber eine erbärmlichere Figur machte. „Hast du denn noch
nie die Geschichte von den tapferen Elbenheeren aus Lothlorien und
Grünwald gehört? Sie sind lautlos und schnell und kennen
kein Erbarmen für Feiglinge und hinterhältige Abzocker
wie dich. Sie stehen alle im Dienste des Prinzen und er muss nur
mit dem Finger schnippen, damit sie kommen, um dich für deine
Dreistigkeit zu bestrafen!“, Tari hatte die Hände bedrohlich
zu Fäusten geballt und Lak war kreidebleich geworden. Thíluil
war verwundert über Taris großes Mundwerk, vor allen
Dingen deswegen, weil keineswegs Heere in Thíluils Diensten
standen. Wenn, dann dienten sie seinem Vater. Der Elb hielt es für
unnötig, den Jungen zu verschrecken und wollte Tari gerade
ein weiteres Mal ermahnen, als Lak plötzlich schwer schluckte
und wisperte. „Aber verratet es nicht meinem Herrn. Er wird
mich sonst windelweich schlagen“ Tari hatte erhaben die Arme
vor der Brust verschränkt und blickte richtend zu dem älteren
Jungen auf. „Wir können schweigen wie die Hügelgräber
Rohans...also geh, wir haben nicht ewig Zeit!“ Lak zögerte,
verbeugte sich kurz vor dem Elben und führte sie in die Stallung,
nur um kurz darauf Thíluils Pferd freizugeben. Thíluil
hatte ein schlechtes Gewissen. Er wollte nicht, dass dieser wirklich
sehr hart arbeitende Junge möglicherweise bestraft werden würde,
aber ehe er seinen Einwand aussprechen konnte, hatte Tari schon
die Zügel des Pferdes ergriffen und spazierte laut vor sich
hinpfeifend davon. „Du bist ganz schön gerissen für
dein Alter“, bemerkte der Elb, als er den Knaben wieder eingeholt
hatte. „Tja, man muss eben nicht erst erwachsen werden, um
gewissen Tricks zu beherrschen“, erzählte Tari stolz
und Thíluil fragte sich insgeheim, was sein Vater Rufus wohl
zu der Einstellung seines Sohnes sagen würde. Er konnte sich
bildlich vorstellen, wie er Tari über den Amboss legte und
ihm den Hintern versohlte. „Ihr wollt also Euren Bruder suchen,
wie? Und wo wollt Ihr da anfangen?“, fragte Tari und Thíluil
nahm ihm das Halfter aus der Hand. „Ich weiß es nicht...er
könnte überall sein“ „Darf ich fragen, was
ihn dazu bewegt hat, ohne Euch die Stadt zu erkunden?“ Thíluil
seufzte, strich sich kurz über das Kinn und sagte: „Weißt
du, Tari, er sucht jemanden, den er sehr, sehr gern hat und lange
nicht mehr gesehen hat.“ „Was, etwa eine Elbenfrau?“,
fragte Tari hellhörig und blieb abrupt stehen. „Ja, genau.
Leben denn Elben hier, in Minas Ithil?“, fragte der Elb, der
ein wenig verwundert war, über die plötzliche Reaktion
des Menschenjungen. „Nein...also...kaum...nur...also, ich
kenne zwei“, dachte er laut nach und nun wurde auch Thíluil
aufmerksam. „Zwei?“, der Elb war verwirrt. Legolas hatte
ihm berichtet, dass Lalaithwen damals allein mit einem Menschen
fortgegangen war. Wenn es sich bei den elbischen Bewohnern Minas
Ithils nun tatsächlich auch um sie handelte, wer bei Eru war
dann der andere Elb? Hatte sie Legolas‘ Liebe entsagt und
sich einen neuen Gefährten gesucht? Eine andere Erklärung
konnte Thíluil nicht finden, denn wie sollten denn aus einem
Elben plötzlich zwei werden? So pflanzte sich selbst das Schöne
Volk nicht fort. Bei Thíluil fiel der Groschen. „Sie
hat ein Kind“, sagte er laut und Tari zwinkerte ihn verdutzt
an. „Wer? Die Elbenfrau, die ich kenne? Ja, sie hat einen
Sohn. Er ist ein wirklich guter Freund von mir, lässt sich
auch nicht so schnell übers Ohr hauen. Ich kenne ihn seit...“
„Kannst du mich zu ihnen führen?“, unterbrach er
Tari, der ganz beleidigt dreinschaute. „Meint Ihr, dass Euer
Bruder bei ihnen ist? Na, meinetwegen, so folgt mir nur“,
murmelte er achselzuckend und lief voran, geleitete Thíluil
zu dem Hause seines Freundes Filegon, obgleich er nicht wirklich
verstand, warum es ausgerechnet den Königssöhnen so wichtig
war, dort hin zu gelangen.
~*~*~
Der Morgen schlich dahin, Sonnenstrahlen fielen seitlich durch den
dünnen Vorhang am Fenster in den Raum, erhellten das Schlafzimmer
nicht gänzlich, sodass eine friedvolle, schlaftrunkene Atmosphäre
entstand. Legolas lag noch immer eng an Lalaithwen geschmiegt und
vergaß die Zeit, gab sich ganz dem Gefühl hin, ihr nahe
zu sein. Sie streckte sich kurz und lächelte ihn müde
an, als er sich über sie lehnte und ihr einen Kuss auf die
Stirn hauchte. „Guten Morgen, Prinzessin“ Sie runzelte
die Stirn und lachte, versetzte ihm einen liebevollen Stoß
in die Seite. „Nenn mich nicht so, Legolas“, schmunzelte
sie und spielte mit den goldenen Strähnen seines Haares, das
offen auf seinen Schultern ruhte und Teile seines Gesichtes verbarg.
„Wieso? Bald ist das dein Titel...“, murmelte er lächelnd.
„Nenn mich noch einmal so und...“ „Und was?“,
provozierend beugte er sich noch weiter über sie, sodass seine
Lippen fast die ihren berührten. „Und du kannst was erleben“,
lachte sie. „Mmh...“, machte er und zog die Brauen hoch,
„Prinzessin, Prinzessin, Prinzessin“ Sofort stieß
sie ihn von sich, drehte ihn auf den Rücken und setzte sich
auf ihn, mit dem weichen Federkissen verspielt auf ihn einschlagend.
„Ah, so helft mir doch, ich erbitte Gnade...Gnade!“,
lachte Legolas, der nur mit Mühe die Treffer abwehren konnte.
„Nur wenn du mich nie wieder so nennst“, forderte sie
und hielt inne. Legolas lächelte, schlug das Kissen aus ihrer
Hand und drehte sich mit ihr um, sodass sie nun unter ihm lag. „Sehr
wohl...meine Prinzessin“, neckte er, doch ehe Lalaithwen protestierende
Worte einlegen konnte, versiegelte er ihre Lippen mit den seinen
zu einem langen, leidenschaftlichen Kuss. „Ich liebe dich“,
wisperte er, seine Lippen nur wenige Zentimeter von ihren entfernt.
Sie sah ihn lange an, bewunderte seine Schönheit, seine zarte
Haut, das seidene Haar. „Ich liebe dich“, wiederholte
sie seine Worte fast nur noch flüsternd, ehe sie sich erneut
küssten. „Wir sollten aufstehen“, sagte sie dann
nach einem langen Moment besinnlicher Stille, „Selina und
Jolly sollen noch etwas in den Magen bekommen, bevor sie wieder
nach Hause gehen“ Lalaithwen küsste ihn noch einmal sanft
und löste sich aus seiner Umarmung. „Sind denn die Stunden
nicht zu weit fortgeschritten für ein Frühstück?“,
fragte er und setzte sich auf. Viel lieber wäre er für
den Rest aller Tage bei ihr liegen geblieben. „Oh, Legolas...das
sind Kinder...wenn die keinen Hunger haben, haben sie entweder etwas
angestellt oder sie sind krank“, lachte sie und kleidete sich,
sehr zum Bedauern des Prinzen, wieder an. „Du meinst, sie
sind wie Hobbits?“, grinste er. „Hobbits?“, wiederholte
sie und runzelte die Stirn, „Ich weiß nicht, ich habe
ja noch nie einen gesehen...“ „Verzeih, ich vergaß“,
entschuldigte sich Legolas und erhob sich letztendlich auch aus
dem Nachtlager, streifte sich schnell seine Hose über, „Du
sollst bald welche kennen lernen“ Er legte die Arme um ihre
Taille und küsste ihren Nacken. „Bist du dir dessen wirklich
sicher?“, fragte sie leise und sah ihn ernst an. „Natürlich,
ich werde Frodo, Sam, Merry und Pippin eine Einladung zukommen lassen“,
sagte er. „Nein...das...das meine ich nicht...“, warf
sie ein, „Ich meine, willst du wirklich, dass ich...dass wir...“
„Lalaithwen, ich will dich zur Frau, egal was ich auch dafür
geben muss“, sagte er fest, „Hast du Zweifel?“
Sie schüttelte augenblicklich mit dem Kopf. „Nein, es
ist nur so...es ist nur so, dass wir aus zwei völlig verschiedenen
Welten kommen...ich war noch niemals in Minas Tirith und alle, die
du deine Freunde nennst, darunter auch Gondors König, sind
mir so fremd.“ „Du musst dich nicht davor scheuen, sie
kennen zu lernen, Laith. Sie sind alle wirklich sehr freundlich
und ich bin mir sicher, dass du dich gut mit ihnen verstehen wirst...selbst
mit dem Zwerg“, fügte Legolas mit gespielt finsterer
Miene hinzu, „Denn der verwandelt sich ganz plötzlich
in einen Musterknaben, wenn er einer schönen Frau gegenüber
steht“ Lalaithwen lächelte. „Na das kann ja heiter
werden“ „Heirate mich“, murmelte Legolas lächelnd,
als er näher zu ihr herantrat, „Lass mich nie wieder
allein im Nebel wandern“, seine Augen bargen Traurigkeit,
veranlassten Lalaithwen dazu, ihm sanft mit der Hand über die
Wange zu streicheln und ihn zu küssen. „Verzeih mir,
dass ich dir so viel Kummer bereitet habe“, wisperte sie und
küsste ihn erneut. Versunken in dieser liebevollen Geste, bemerkten
die beiden zu spät, dass die Tür aufgestoßen wurde
und ihr Kind in das Schlafzimmer stürmte. „Mama, das
hättest du sehen sollen, Jolly...“, lachte Filegon heiter,
bis er seine Mutter in den Armen des halbnackten Elben sah und erstarrte.
Jolly und Selina lachten und rannten Filegon fast um, als sie ihm
eiligst gefolgt waren. Doch dann hielten die drei Kinder inne, als
stünden sie vor Eru selbst. Jolly hatte etwas Grünes im
Gesicht kleben, das Legolas entfernterweise an Algen erinnerte.
Von seinem Kinn tropfte Wasser auf den Fußboden. „Ich...“,
begann Lalaithwen und löste sich aus Legolas sehr eindeutiger
Umarmung. Filegon hatte die Augen weit aufgerissen und starrte ungläubig
auf Legolas. „Mama...du...und...und der Elbenprinz? Wie-...wieso?“,
seine Stimme war fast nur noch ein hilfloses Quietschen. Selina
war die einzige, die sich rührte. Sie machte einen beherzten
Schritt auf die erwachsenen Elben zu und schaute mit neugierigen
Augen zu ihnen auf. Legolas wusste nicht, wie er sich verhalten
sollte. Zum einen wollte er anfangen, zu lachen, weil die Kleine
mit ihrem Verhalten immer für eine Überraschung gut sein
konnte, zum anderen hoffte er inständig, dass Filegon die Situation
nicht falsch verstand. `Was haben wir für ein Glück gehabt,
dass er nicht gestern Nacht hereinplatzte´, dachte er sich.
„Habt ihr euch lieb?“, fragte das kleine Mädchen
mit den großen Augen. Lalaithwen und Legolas wechselten einen
irritierten Blick, bis sich die Elbe zu ihr herabbeugte und die
Hände auf ihre Schultern legte. „Ja, Selina...so kann
man das wohl sagen...“ das Menschenmädchen blinzelte
zweimal und lächelte dann strahlend in die Runde. „Deine
Mama hat den spitzohrigen Prinz lieb und andersrum“, erklärte
sie Filegon, „Heißt das, dass sein Happa noch ein paar
Tage länger hier rumstehen wird?“ „Ich...“,
begann Filegon und Lalaithwen versuchte angestrengt aus seiner Mimik
zu lesen, „Ja...das denke ich...aber Selina, Deriel ist verletzt...du
wirst in den nächsten Tagen nicht auf ihm reiten können“
Selina zog einen enttäuschten Schmollmund, schien die Tatsache,
dass Deriel noch hier bleiben würde anscheinend interessanter
zu finden als die vorher gesehene Szene. „Eure Eltern warten
sicherlich schon auf euch...ihr solltet gehen“, wand sich
Filegon an das Geschwisterpaar, das, wenn auch nur widerwillig,
damit begann, die getrockneten Kleider anzuziehen. „Filegon“,
hielt ihn Lalaithwen zurück, als er den Raum verlassen wollte.
„Ist schon in Ordnung, Mama...du sagtest ja selbst, dass Vater
weit weg von hier ist, weil er ein wichtiger Mann ist. Ich verstehe,
dass du es leid bist, auf ihn zu warten“, Filegon wollte sich
erneut wegdrehen, als Lalaithwen ihn schließlich zu sich drehte.
„Filegon...du hast recht, ich habe lange gewartet...aber...das
Warten hat ja jetzt Eru sei Dank ein Ende...“, sie zwinkerte
ihm zu, als er verdutzt dreinschaute. Legolas trat nun auch zu seinem
Sohn und sah ihn lange und eindringlich an. „Filegon...darf
ich vorstellen? Das ist dein Vater...“. Bei dem Wort Vater
traten die beiden Menschenkinder wieder in den Raum und starrten
gebannt auf Legolas. „Mein...mein Vater?“, wisperte
Filegon mit erstickter Stimme und sah zu dem Elbenprinzen auf. Sogar
Selina fielen in diesem Moment keine Worte ein. Legolas schluckte,
lächelte warm. Sein Sohn. Er hatte Lalaithwens Lächeln,
die Farbe seiner Augen. „Wie...nach so langer Zeit? Was...wer...ich...“,
Filegon stockte der Atem und selbst seine Mutter konnte nur schwer
erahnen, was in ihm vorging. Plötzlich versetzte Selina Filegon
einen heftigen Stoß, sodass dieser vornüber strauchelte.
„Na los, umarme deinen Papi“, rief sie erfreut und klatschte
in die Hände, als Filegon in Legolas‘ Armen landete.
„Vater“, schluchzte Filegon mit heiserer Stimme und
Legolas fühlte kurz darauf, wie der kleine Junge in seinen
Armen zu weinen begann. Tröstend streichelte er ihm über
den blonden Schopf, hielt ihn ganz fest. „Ist ja gut, ist
ja gut“, murmelte er leise und Lalaithwen lächelte. „Du...bist
der Sohn des Prinzen von Grünwald?“, stammelte Jolly
fassungslos. „Ja, Jolly...er ist mein Sohn“, gab Legolas
zur Antwort, „Und ich habe ihn gestern zum allerersten Mal
gesehen“ Filegons Schluchzen ertönte ein weiteres Mal,
sodass Lalaithwen ihm sanft das Haar zurückstrich und dann
die beiden anderen Kinder aus dem Zimmer führte. „Seid
mir nicht böse, aber es gibt noch viel für Filegon und
Legolas zu besprechen...außerdem sorgen sich eure Eltern sicherlich
schon um euch.“, sagte sie. „Ach, die können sich
doch denken, dass wir bei Filegon übernachtet haben“,
plapperte Selina und wurde von ihrem älteren Bruder bei der
Hand genommen. „Wenn ich mir die Frage erlauben darf, wieso
habt Ihr Filegon nichts davon erzählt?“, fragte Jolly,
der noch immer bleich vor Schreck oder Überraschung war. Lalaithwen
schnippte dem Jungen kurzerhand die klebende Alge aus dem Gesicht
und sagte: „Weißt du, Jolly, ich kam hierher, als Filegon
noch gar nicht geboren war. Legolas hatte als Mitglied der Königsfamilie
für sein Reich zu sorgen, wohingegen mich nichts mehr dort
hielt. Er wusste nicht, dass ich sein Kind erwartete...“ „Also
wusste er auch nicht, ob er Euch wiedersehen würde?“,
fragte er fast wie in Trance, worauf Lalaithwen traurig nickte.
„Mach dir keine Gedanken mehr darüber, ja, Jolly? Und
versprich mir, dass du dieses Geheimnis für dich behältst“
Selina zog eine Schnute, vermutlich hätte sie nur zu gern die
ganze Stadt in die Kunde eingeweiht, dass ihr großer, starker
Freund Filegon ein echter Prinzensohn war. „Dürfen wir
morgen wiederkommen? Wegen Deriel?“, Lalaithwen lachte, als
Selina diese Bitte aussprach. Sie hatte ganz eindeutig einen Narren
an Legolas‘ Hengst gefressen. „Natürlich dürft
ihr das...und grüßt eure Eltern von mir“, sagte
sie dann und geleitete die Kinder nach draußen. Kaum hatte
Jolly die Türschwelle übertreten, wand er sich hastig
um: „Erwartet Ihr Besuch?“ Lalaithwen schüttelte
mit dem Kopf und sah in die Richtung, in die Jolly deutete. Ein
braunes Pferd mit schmaler Blesse kam dahergetrabt, auf seinem Rücken
saß ein großer, schlanker Mann mit blondem, langen Haar.
Sein Gewand kam Lalaithwen bekannt vor. So etwas ähnliches
hatte Legolas einst getragen, mit dem Banner Grünwalds auf
der Brust... . Noch verwirrender für sie war die Tatsache,
dass Tari, ein Bursche, der tagtäglich mit Jolly, Selina und
Filegon durch die Gegend stromerte, hinter ihm saß. Als der
Reiter sein Pferd zum Stehen brachte und mit Tari abstieg, der sogleich
zu seinen Freunden rannte und begeistert mit den Armen ruderte,
ging Lalaithwen zögerlich auf ihn zu. Er nickte ihr zu, verbeugte
sich dann höflich, wie es ihm wahrscheinlich schon als kleinen
Jungen gelehrt worden war und sagte: „Guten Tag, Milady, verzeiht
die Störung, aber ich komme nur, um zu erfragen, ob sich mein
Bruder bei Euch aufhält?“ „Euer Bruder?“,
fragte sie laut und trat einen Schritt zurück. „Ja...sein
Name ist Legolas“, erwiderte der fremde Elb und Lalaithwen
erstarrte. Bruder? Legolas hatte einen Bruder? Wieder einmal bestätigte
diese Neuigkeit, dass sie eigentlich so gut wie gar nichts über
ihren Geliebten wusste. „Ich...wer...wer seid Ihr?“,
Lalaithwen beschloss, sich ein wenig verdeckt zu halten. „Oh,
verzeiht mein unhöfliches Benehmen“, sagte er ehrlich
reumütig, „Ich bin Thíluil, Sohn Thranduils, jüngerer
Bruder von Legolas. Er...nein, wir...sind gestern hier angereist,
weil er seine verschollene Maid wiederfinden wollte. Ich...dachte
da vielleicht an Euch...Lalaithwen“ Er lächelte vorsichtig.
Sie hielt den Atem an. Woher kannte dieser Elb ihren Namen? Oder
besser, woher wusste er, dass sie Lalaithwen war? Ein kurzer Blick
auf Tari, der entschuldigend sein Haupt senkte, erklärte ihr
alles. Diese Menschenkinder. Plapperten den ganzen Tag lang, selbst
wenn ihr Mund voll war. „So tretet ein, mein Herr“,
sagte sie, sein leises Lächeln und den musternden Blick erwidernd.