Rückkehr
Endlich. Sauron besiegt, Mittelerde gerettet und die Garantie mindestens
für die nächsten 1000 Jahre Protagonist der Lieder und
Gedichte zu sein. Legolas konnte bei seiner Rückkehr in den
Düsterwald zu seiner Familie hochzufrieden sein, obwohl es
lange gedauert hatte. Wie Galadriel vorhergesagt hatte, war das
Meer war zu seinem Verhängnis geworden. Ein wenig ärgerte
es Legolas, dass die hohe Frau aus Lorien wieder einmal Recht behalten
hatte . Doch dem Zauber der sanften Wellen, der schreienden Seevögel
und dem leichten salzigen Geruch hatte er sich einfach nicht erwehren
können.
Gimli war während der vier Jahre
auf See bei ihm gewesen. Er war es auch, der Legolas doch noch dazu
gebracht hatte, wieder auf das Festland und nach Mittelerde zurückzukehren.
Schließlich hatte er Gimli versprochen, sämtliche Höhlen
Gondors und Umgebung mit ihm zu erkunden. Und das war für einen
Elb eindenkbar großes Opfer. Ihm hatte davor gegraut, nun
monatelang seine Zeit unter der Erde zubringen zu müssen, doch
der besessene Zwerg hatte gnadenlos gefordert, dass Legolas ihn
begleitete.
Mit einem hämischen Grinsen hatte
er verkündet: "Stell dich nicht so an, Elb! Deine Frisur
wird schon nicht ruiniert, mein Gott."
Also war Legolas Gimli durch halb
Mittelerde gefolgt und nach knapp zweijähriger Erkundungszeit
sämtlicher dunkler Wirkstätten der Zwerge, kehrte Legolas
endlich heim. Erst jetzt, wo er den Rande des Düsterwaldes
erreicht hatte, spürte er, wie sehr ihm sein Zuhause gefehlt
hatte. Die Luft roch frisch, die Vögel sangen und von weiten
tauchte der Rand Düsterwalds auf. Legolas war so glücklich,
dass er nicht an sich halten konnte und das letzte Stück rannte.
Er vergaß jegliche Vorsicht
und hatte nur noch Augen und Ohren für seine wiedergefundene
Heimat. Er erschrak dementsprechend, als ihm mit einem Mal jemand
in den Weg sprang. Legolas stoppte seinen Lauf abrupt und hatte
wenige Sekunden später Pfeil und Bogen in den Händen und
auf die vor ihm stehende Gestalt gerichtet, bereit jederzeit den
tödlichen Schuss abzufeuern.
Da erst erkannte er, wen er vor sich
hatte. "Haldir" rief Legolas erfreut aus "Was tust
du hier, so weit weg von Lorien?"
"Schön dich endlich wiederzusehen,
Legolas, Thranduils Sohn!"
Haldir schien sich nicht weniger freuen,
Legolas wieder zu sehen. "Ich erwarte dich. Meine geflügelten
Kundschafter haben mir gesagt, dass du kommen würdest. Weist
du denn wirklich nicht, was in Kürze bevorsteht?"
"Nein, aber wie ich dich kenne,
wirst du es mir sofort sagen" lachte Legolas.
"Aragorns Hochzeit! Er wird endlich
Arwen zur Frau nehmen!!!! Das ist das Großereignis in Mittelerde.
Du darfst da natürlich auf keinen Fall fehlen und ich sowieso
nicht!" Haldir schien wirklich aufgeregt zu sein.
Legolas freute sich für Aragorn.
Er hatte Arwen während ihrer Abenteuer sehr vermisst.
"Warum so spät?" fragte
Legolas.
"Deinet- und Gimlis wegen natürlich!"
meinte Haldir ungeduldig. "Ihr habt euch ja wirklich Zeit gelassen!"
Es klang vorwurfsvoll und Legolas
kam der Verdacht, dass seine Anwesenheit, die bei den Feierlichkeiten
erwarte wurde, nicht der einzige Grund für Haldirs Unruhe war.
Ihm schwante, dass ihm noch irgendetwas bevorstand. Doch Haldir
unterbrach seinen Gedankengang und drängte zur Eile. Gemeinsam
machten sie sich auf den Weg in den Palast von Legolas' Vater, des
König Thranduils.
******
Am späten Vormittag erreichten
Haldir und Legolas den versteckten Palast im Düsterwald. Schon
auf dem Weg hatte Legolas das Gefühl gehabt, nie fortgewesen
zu sein. Jetzt, da er sein Zuhause wiedersah, war ihm, als sei er
nie fortgewesen. Alles war so selbstverständlich, alles wie
immer. Nur eine Sache hatte sich verändert: Der düstere
Schatten von Angst und schwindender Hoffnung war verschwunden. Was
er vorfand, war der Düsterwald seiner Kindheit. Legolas lächelte:
Er war daheim.
Haldir und er betraten den Palast.
Die Dienerschaft schien erfreut, wenn auch nicht sonderlich überrascht,
ihn zu sehen. Sie verneigten sich tief vor dem heimgekehrten Prinzen
und Thronerben Düsterwalds. Legolas freute sich über soviel
Aufmerksamkeit und sprach mit nahezu jedem Untertan auf seine freundliche
und keineswegs überhebliche Art und Weise. Da sein Weg weit
gewesen war, verlangte es ihn nach einem Bad und anderer Kleidung.
So verabschiedete er sich von Haldir und ging in seine Zimmerflucht,
die er in Düsterwald bewohnte.
Als er die Tür öffnete,
blieb er stehen und atmete tief ein. Es roch frisch und alles war
für ihn vorbereitet. Auf einer Bank lag ein Stapel Handtücher
und frische Kleider lagen auf seinem Bett. Legolas entkleidete sich
und stieg in das nach Fichtennadeln duftende Badewasser. Aaahhhh....das
Wasser tat unendlich gut. Er entspannte sich vollkommen. Schließlich
stieg er nach einer Stunde aus dem Wasser und begann sich abzutrocknen
und sich anzukleiden. Gerade, als er seine Hose angezogen hatte,
bemerkte er einen frischen Luftzug und sein Blick richtete sich
auf das offene Fenster. Legolas betrat nur mit einer Hose bekleidet
den Balkon. Er sog die frische Luft in seine Lungen und spürte,
wie der sanfte Luftzug über seine nackte Haut strich. Er lehnte
den Kopf sanft zurück, sodass die langen blonden Haare auf
seinen schlanken Rücken festklebten. Plötzlich vernahm
er ein Geräusch. Wie aus einem schönen Traum gerissen,
drehte er sich um.
Vor ihm stand eine Palastdienerin,
eine hübsche junge Elbe mit langen dunklen Haaren und tiefblauen
Augen, die einen wachen Verstand und eine schnelle Auffassungsgabe
verrieten. Doch im Moment machte sie einen etwas verwirrten Eindruck:
Ihr Blick wanderte von den schönen ebenmäßigen Gesichtszügen
des Prinzen über dessen nasses Haar zu seinem Oberkörper.
Dort verweilte ihr Blick.
Ihre Augen wollten gerade tiefer wandern,
als sie ein belustigter Legolas fröhlich angrinste und unverhohlen
meinte: "Sind sie fertig? Wenn sie mich nämlich in Ruhe
begutachtet haben, würde ich mich gerne weiter anziehen."
Die junge Elbe wurde rot und wollte
sich beschämt zum gehen wenden. Doch Legolas hielt sie lachend
zurück. "Macht euch nichts daraus. Ich habe es nicht so
gemeint. Wie ist euer Name?"
"Alanedya" antwortete die
junge Elbe vorsichtig. Noch immer war sie rot im Gesicht. Legolas
musste angesichts ihres beschämten Anblicks erneut lächeln.
"Gut Alanedya. Bitte lasst mich
nun allein und richtet meinem Vater aus, dass ich in einer halben
Stunde bei ihm bin."
Sofort drehte sich die Palastdienerin
um und verließ die Räume des Prinzen. Legolas sah ihr
lächelnd und auch etwas wehmütig nach. Wie lange war es
eigentlich her, als ihn eine Frau das letzte Mal auf diese Weise
angesehen hatte? Er seufzte wehmütig und wendete sich wieder
seinem Vorhaben zu. Sein Vater wartete. Legolas kleidete sich vollständig
an und frisierte sein langes Haar. Schließlich erschien er
wieder in der königlichen Tracht des Düsterwaldes. Er
trug eine schwarze Hose, darüber ein grünes Hemd, das
am Kragen silbern abgesetzt war. Darüber einen langen Mantel
und einen Gürtel, der ebenfalls silberne Schnallen hatte. Er
verließ seine Räume und machte sich durch den Palast
auf den Weg zu seinem Vater.
Schließlich betrat er den Audienzsaal.
Sein Vater stand angespannt am Fenster und hatte seinen Blick starr
geradeaus gerichtet. Legolas kannte dieses angespannte und konzentrierte
Gesicht seines Vaters. Er setzte es immer genau dann auf, wenn er
vor einem Problem stand. Legolas seufzte innerlich. Er hatte geglaubt
nun endlich Ruhe zu finden.
"Vater" sprach er Thranduil
laut und deutlich an. Der König schrak zusammen und drehte
sich abrupt um.
"Legolas" und für eine
Sekunde überzog der Hauch eines Lächelns Thranduils Gesicht,
als er seines Sohnes ansichtig wurde. "Schön dich endlich
wieder zu sehen."
Mit schnellen Schritten gingen Vater
und Sohn aufeinander zu und umarmten sich. Schließlich richtete
sich Legolas auf und fragte: "Was bedrückt euch Vater?"
Thranduil fixierte seinen Sohn und
hob zu sprechen an.
************
Ende Kapitel 1
*****************
Tja, das war der erste Streich und der zweite folgt sogleich.....*gg*