Kapitel
35
Der Weg aus der
Finsterniss
Damelos, der Sohn Thranduils, jüngerer Bruder von Legolas Grünblatt,
Zwilling von Damenyon und der zweite in der Thronfolge Düsterwalds,
hatte noch nie etwas für den Nahkampf übrig gehabt. Daher
war es eine sehr große Überraschung für ihn, als
er in letzter Sekunde der hervor schnellenden Klinge seines Gegners
ausweichen konnte. Er sprang schnell nach hinten, um etwas Distanz
zu schaffen, als der andere eine unvorhergesehene Bewegung machte.
Damelos, der vor Schreck leider nicht schnell genug reagieren konnte,
stolperte über seine eigene Füße und landete mit
einem Schrei auf seinen königlichen Hintern. Sein Gegner entwaffnete
ihn mit einem einzigen Tritt, sprang auf ihn und packte ihn fest
an die Gurgel. Obendrein drückte sich kaltes, scharfes Metall
fest an seine Wange. „Lostach, Damelos Thranduilion.“
[1]
Lautes und schadenfrohes Lachen von nicht allzu weit weg füllte
seine Ohren, die vor Scham ganz rot und heiß waren. Nein,
Nahkampf war ganz sicher nicht seine Disziplin. Zaghaft blinzelte
er zu dem „Feind“ hoch und wünschte sich, diesem
unzufriedenen Blick entkommen zu können.
Elladan, Sohn Elronds, saß auf seiner Brust, klemmte mit den
Knien Damelos Arme ein und hielt ihn bloß mit einer Hand nieder.
Der Bruchtal Elb machte keine Anstalten, sich zu erheben, sondern
verlagerte absichtlich ungünstig sein Gewicht. Damelos wagte
es nicht, zu stöhnen oder gar seinem Unmut Luft zu machen,
da Elladan wie ein finsterer Gott über ihr ragte. Statt dessen
sank er in sich zusammen und legte resigniert den Kopf so weit wie
möglich in den Nacken, um noch höher zu den Bäumen
Bruchtals blicken, die den Übungsplatz umsäumten, auf
dem sich die beiden Elben gerade befanden.
Es war eine große Ehre gewesen, als Lord Elrond auf dem Fest
in Lothlorien die Zwillinge nach Bruchtal eingeladen hatte. Thranduil
war es zwar lieber gewesen, daß sie mit ihm nach Düsterwald
zurückkehrten, da Legolas wieder auf Wanderschaft war. Aber
ebenso erkannte der König, daß ein Besuch in Bruchtal
für die jungen Prinzen von Vorteil sein konnte. Damelos und
Damenyon konnten von dem Moment an nicht mehr still sitzen, als
ihr Vater ihnen seinen Segen für die Reise gegeben hatte.
Bruchtal war so anders als Düsterwald. Alles war heller und
erhabener. Elrond persönlich führte sie durch sein Haus
und stellte sie schließlich seinen Söhnen Elladan und
Elrohir vor. Nach einem Abendessen schlug Elrohir einen freundschaftlichen
Wettbewerb in Bogenschießen vor. Damelos konnte sich nicht
erinnern, welcher Dämon seinen Bruder geritten hatte, als dieser
mit großem Enthusiasmus zustimmte. Er hatte nichts gutes geahnt,
als sie schließlich zu viert auf den Übungsplatz in Bruchtal
standen. Es stellte sich heraus, daß die beiden Düsterwald
Zwillinge dem anderen Zwillingspaar absolut nicht gewachsen waren.
Aber statt die beiden oder gar Düsterwald zu verspotten, nahmen
Elrohir und Elladan sie kurzerhand unter ihre Fittiche.
Auch davon war Damenyon einfach nur begeistert und er stürzte
sich mit vollem Elan in die entsetzlichen Übungen, die auch
bald andere Disziplinen einschlossen. Wie zum Beispiel den Nahkampf.
Damelos war sich der unglaublichen Ehre zwar bewußt, aber
er stellte sich so unendlich ungeschickt an. Wie gerade eben. Außerdem
war Elladan ein äußerst strenger und anspruchsvoller
Nahkampf-Lehrer. Wenn es nach ihm gegangen wäre, würden
sie auch die Nächte auf dem Übungsplatz verbringen.
Am Rande eben dieses Platzes lachte immer noch der andere Zwilling
aus Düsterwald, Damenyon. Er hielt sich mit beiden Armen den
Bauch und lachte so hart, daß er von der Bank zu fallen drohte.
Neben ihm saß Elrohir. Seine Reaktion auf Damelos‘ Ungeschick
war weitaus ruhiger, dennoch sprach sein breites Lächeln Bände.
Damelos‘ Blick schwenkte von den Bäumen zu seinem Bruder,
den er zutiefst beleidigt ansah. Er hatte mehr Mitgefühl von
jemanden von selbem Fleisch und Blut erwartet.
Doch Elladan drückte seine Klinge gegen Damelos‘ Kinn
und der junge Elb beeilte sich, seinen Lehrer anzusehen, denn sonst
hätte ein langer Schnitt seinen Unterkiefer für einige
Tage geziert.
„Was sollte das?“ fragte Elladan mit tödlicher
Ruhe.
„Es tut mir leid“, murmelte der junge Elb betreten.
„Ich habe nicht aufgepaßt.“
Elladans Blick verfinsterte sich noch mehr. „Du wirst die
Übungen bis zum Sonnenuntergang machen.“
Damelos nickte gehorsam, sofern es mit der scharfen Klinge an seinem
Gesicht ging. Kopfschüttelnd erhob sich der Bruchtal Elb und
schlenderte zu seinem Bruder hinüber. Damelos rappelte sich
hastig auf und folgte ihm.
„Elladan, sei nicht so hart. Damelos macht sich nur große
Sorgen um seinen Bruder“, meinte Elrohir, als die beiden sich
ihnen näherten. Damenyon hatte sich soweit unter Kontrolle,
daß er nur noch leise vor sich hin kicherte.
„Wer sich im Kampf ablenken läßt, hat bereits verloren“,
entgegnete Elladan ungnädig und sah seinen Schüler über
die Schulter hinweg scharf an.
„Es tut mir leid“, wiederholte Damelos ehrlich betrübt.
„Ich werde mich beim nächsten Mal mehr bemühen.“
Elladan blickte dem unglücklich wirkenden Elben eine Weile
schweigend an, runzelte die Stirn und brummte schließlich:
„Vergiß die Übungen. Wir machen für heute
lieber Schluß.“
Statt erleichtert aufzuatmen, sah Damelos noch elender aus als vorher.
Er blickte voller Reue dem Bruchtal Elben hinterher, der ohne ein
weiteres Wort den Platz verließ. Elrohir drückte tröstend
seine Schulter und sagte lächelnd: „Geht und seht nach
Legolas. Er sollte sich wirklich ausruhen oder wenigstens einen
Bissen essen.“
Wie aufs Stichwort verschwand Damenyons heiteres Lächeln und
er blickte düster auf den Boden. Seine Lippen verzogen sich
mißmutig, als er finster prophezeite: „Er wird auch
heute nicht auf uns hören.“
„Das heißt nicht, daß Ihr aufhören dürft,
Euch um ihn zu bemühen“, tadelte Elrohir. Damenyon hatte
den Anstand zu erröten. Elladans Zwilling zwinkerte ihm zu
und schlenderte summend von dannen. Seufzend begaben sich Damelos
und Damenyon zu ihrem Bruder Legolas.
Ihr Weg führte sie vom Übungsplatz durch die vielen schönen
Gärten, durch die große Eingangtür, an der Halle
des Feuers, an der Bibliothek vorbei und über viele Stufen
zu den Schlafzimmern, denen man gerne den sterblichen Gästen
Bruchtals zur Verfügung stellte. In einem der hinteren und
versteckten Räumen lag Asani mo Ifrey. Ständig überwacht
von den Heilern Bruchtals und von Legolas Grünblatt.
Vor genau vier Tagen war Legolas mit Fräulein Asani in den
Armen in Bruchtal eingetroffen. Reiter und Pferd hatten arg mitgenommen
ausgesehen.
Nur Asani war völlig unversehrt gewesen. Eingewickelt in vielen
Decken hatte sie ausgesehen wie ein schlafendes Kind. Aber laut
Legolas war sie alles andere als unversehrt. Sie war vergiftet und
etwas in ihrer Seele wehrte jeden Heiler ab. Keiner der elbischen
Heiler aus Aragorns Garde hatte ihr helfen können und nun war
er mit ihr die lange Reise nach Bruchtal angetreten, um Lord Elrond
deswegen zu konsultieren. Dieser war jedoch zwei Tage zuvor nach
Minas Tirith aufgebrochen, um seine Tochter zu besuchen..
Ohne genau zu wissen, was vorgefallen war, hatten sich Damelos und
Damenyon auf einmal gezwungen gesehen, die Toren zu verschließen,
als Legolas wütend verkündet hatte, daß er Lord
Elrond eben hinterher reiten würde. Elronds oberster Ratsherr
Erestor, der ihn in seiner Abwesenheit vertrat, konnte den aufgelösten
und wütenden Prinzen beruhigen und schickte sofort einen Boten,
um Lord Elrond zurückzuholen. Glorfindel, angelockt von dem
Tumult am Eingang, tauchte alsbald auf und ihm gelang es dann, Legolas
Asani abzunehmen und in ein Krankenzimmer zu bringen. Aber leider
waren weder Glorfindel noch Erestor Heiler von Lord Elronds Klasse.
So blieb ihnen nichts anderes übrig, als die Wirkung des Giftes
zu verlangsamen, um für Lord Elronds Rückkehr mehr Zeit
zu schinden, und zu warten. Und Legolas wartete...wartete...und
wartete...
Anfangs hatten sich die Düsterwald Zwillinge die Mühe
gemacht, zu fragen, ob Legolas auch wirklich bei Fräulein Asani
saß. Aber mittlerweile wußte jeder Elb im Bruchtal,
daß der Prinz von Düsterwald sich seit vier Tagen nicht
vom Fleck bewegt hat.
Damelos trat diesmal als erster in das Schlafzimmer und sein Herz
sank in tiefe Trauer, als er seinen Bruder so vorfand wie gestern.
Wie immer saß Legolas neben Asanis Bett. Wie immer hielt er
ihre Hand zwischen seinen. Wie immer versuchte er es aus eigener
Kraft, ihr Bewußtsein zu erreichen. Wie immer war er nach
einigen Stunden völlig erschöpft und war der Verzweiflung
nahe, denn sie zeigte nie eine Reaktion.
Damelos sah zu Damenyon, aber dieser stand noch in der Tür
und beobachtete mit einer undurchdringlichen und seltsam finsteren
Miene seinen älteren Bruder. Es sah nicht aus, als wollte er
eintreten. Damelos war von Damenyons Verhalten zwar verwirrt, aber
es machte ihn noch mehr Sorgen, als Legolas sich nicht nach ihnen
umdrehte. Für gewöhnlich gab sein Bruder mit einer Geste
zu verstehen, daß er ihre Anwesenheit wahrnahm. Aber von Tag
zu Tag wurde sein Bruder geistesabwesender...
~*~
Rückblende: Perrigon, vor sieben Tagen...
Der Rückweg erschien Legolas noch länger und undurchdringlicher
als der Hinweg. Trotz der Kreidemarkierungen schien sich die Anzahl
der Gänge in der Zwischenzeit verdreifacht zu haben. Legolas
verdrängte seine Angst und Verzweiflung, war doch anderes wichtiger.
Asani wurde immer schwerer in seinen Armen und Bahrio schien immer
langsamer zu werden. Aber Legolas war dem Ritter dankbar, daß
er ihm trotz seiner Schmerzen den Weg leuchtete. Daher schluckte
der Elb jede Bemerkung über das Schneckentempo hinunter. Er
brauchte Bahrio, sonst hätte er Asani schultern müssen,
um die Fackel tragen zu können.
Dennoch schien der Mensch Legolas‘ Ungeduld zu spüren,
denn er wandte sich mit einem entschuldigen Lächeln um und
flüsterte kaum hörbar: „Jetzt müßt Ihr
nur noch rechts abbiegen und Ihr seid wieder an der Treppe, Hoheit.“
Legolas nickte bloß und rannte an dem Menschen vorbei. In
seiner Sorge um Asani fand er sich unfähig, ein dankendes oder
gar ein tröstendes Wort zu sprechen. Er brauchte vor allem
letzteres selbst. Asani sah im Schein der Fackel zunehmend blasser
aus und Legolas fragte sich, ob die Linien an ihrem Hals und ihrem
Gesicht nur Dreck oder die Venen waren, die durch ihre Haut schienen.
Er wußte nicht, ob er sich nicht doch zu sehr auf Asani konzentriert
hatte, denn bei der nächsten Biegung sah Legolas viel zu spät
die 30 Pfeilspitzen, die auf ihn gerichtet waren. Sofort wirbelte
der Elb herum, drückte Asani dabei schützend an sich und
wollte schon wieder zurückrennen, als eine männliche und
autoritäre Stimme hastig Einhalt gebot. Legolas drehte sich
mit einem erleichterten Lächeln um, denn die Stimme gehörte
einem Freund. „Aragorn!“
Der König stand in voller Rüstung hinter drei Reihen seiner
Ritter und sah den Elbenprinz mit einer Mischung aus Überraschung
und Erleichterung an. Sein Blick fiel auf Asani und er öffnete
den Mund, um etwas zu sagen, als Gimli ihm zuvorkam.
„Legolas!“ brüllte der Zwerg hinter den blitzenden
Pfeilen und schon fielen die ersten Ritter um, als er sich unwirsch
seinen Weg durch die Männer suchte. „Runter mit den Bögen,
Männer!“
Aragorn folgte dem Zwerg und stieg über die umgefallenen Männer
weg.
„Elb, sag mir nicht, du bist allein unterwegs!“ schimpfte
Gimli sofort. Er hielt jedoch abrupt inne, als er Asani in Legolas‘
Armen sah. „Du hast sie wiedergefunden? Wie geht es ihr?“
Der Zwerg sprang auf und ab, um etwas von dem Mädchen zu sehen,
denn der Elb hielt sie einfach zu hoch.
„Legolas, hier laufen Orks herum“, sagte Aragorn dann
zu dem Elben. „Wir müssen auf der Hut sein.“
„Hier war nur ein Ork“, erzählte Legolas schnell
und ungeduldig. Sein besorgter Blick löste sich nicht eine
Sekunde von Asanis Gesicht. „Die vier Männer mit denen
ich gegangen bin, wurden von ihm überwältigt und drei
liegen immer noch in einer Zellen im hinteren Bereich des Verlieses.
Der vierte ist schwerverletzt, aber sollte gleich hier eintreffen.
Es gibt Kreidemarkierungen an den Wänden. Wenn ihr ihnen folgt,
werdet Ihr die anderen drei finden.“ Legolas sah kurz zu Aragorn
auf. Seine Stimme begann zu zittern. „Asani braucht dringend
einen elbischen Heiler.“
Der König Gondors hatte während Legolas‘ Bericht
immer wieder besorgte Blicke auf Asani mo Ifrey geworfen. Sie erinnerte
Aragorn mehr an eine Tote. Aber er sagte nichts dazu, sondern wandte
sich mit einem barschen Befehl an seine Männer: „Holt
mir Lhûrniel!“
„Lhûrniel ist noch bei dem älteren Lord Kerrigan“,
erwiderte ein Ritter prompt.
Aragorn fuhr ihn beinahe ungehalten an: „Dann geht und holt
ihn!“
„Sehr wohl!“ Und sofort rannten vier Männer los.
„Vielleicht sollten wir sie irgendwo hinlegen, wo es nicht
so kalt und feucht ist“, schlug Gimli ruhig vor, der es aufgegeben
hatte, einen Blick auf Asani zu erhaschen. Er starrte nämlich
voller Entsetzen auf ihren Arm, der vor ihm jetzt vor ihm baumelte.
Er sah die Adern und Venen durch die fahle Haut, die mit getrocknetem
Blut und Dreck überzogen war. „Wie wäre es mit der
Küche? Da gibt es eine große Feuerstelle und viel Platz.“
Legolas schien mit dem Vorschlag einverstanden. Er nickte knapp
und rannte schon los. Aragorn schickte zur Sicherheit einen Teil
der Männer in die Gänge, um nach Orks und den drei Rittern
zu suchen. Nur Gimli dachte daran einen weiteren Boten den ersten
vier hinterher zu schicken, damit dieser Lhûrniel auch sofort
in die Küche kam und nicht hier im Verlies landete.
Minuten später wurde die große Palastküche im Erdgeschoß
von der Garde des Königs besetzt. Das Personal wurde grob hinausgeworfen
und an jeder Tür und jedem Fenster postierte sich ein grimmig
dreinschauender Ritter. Eine große Arbeitsplatte wurde geräumt
und Asani darauf gelegt. Zwei Mägde kochten Wasser, legten
saubere Tücher bereit und räumten die Kräutersammlung
des Palastes aus, für den Fall, daß dieser Lhûrniel
etwas davon brauchen sollte.
Gimli und Aragorn halfen den beiden Dienerinnen und sahen möglichst
nicht zur Legolas und Asani hin. Denn der Elb hatte seiner Geliebten
die schmutzigen Lumpen ausgezogen und wusch sie vorsichtig. Während
er den feuchten Lappen über ihren Körper führte,
war er peinlich genau auf der Suche nach Wunden oder gebrochenen
Knochen. Er hatte ihren Pakt mit dem Schwert nicht vergessen. Aber
er wünschte, sie hätte eine Wunde, die er versorgen konnte.
Er wünschte sich, daß er etwas für sie tun konnte.
Etwas, daß sie die Augen wieder öffnen ließ. Aber
da war nichts, wo er hätte Hand anlegen könnte. Legolas
sah ihr verzweifelt ins Gesicht. Er konnte ihr nicht helfen und
es blieb ihm nur das Warten auf Lhûrniel.
Der elbische Heiler, nach dem Aragorn rufen ließ, kam einige
Augenblicke später. Sehr außer Atem und sichtlich nervös
betrat er die Küche. Sofort verneigte er sich tief vor seinem
König. „Verzeiht, Majestät, aber Seine Lordschaft
ist erst jetzt über den Berg.“
Aragorn lächelte milde. „Wir brauchen deine Fähigkeiten
als Heiler, Lhûrniel.“ Er deutete auf das Mädchen
auf dem Küchentisch. Der junge Elb sah erstaunt hin. Fragen
schossen durch seinen Kopf. War dies das Mädchen, nach dem
alle gesucht hatten? Er hatte doch das Zimmer gesehen, aus dem sie
entführt wurde. Warum sah sie so unversehrt aus? Schnell entledigte
er sich seinem Umhang und stellte sich neben dem Mädchen. Legolas
stand ihm gegenüber auf der anderen Seite des Tisches. Lhûrniel
wollte den Prinzen beten, zur Seite zu gehen, aber er bemerkte,
daß Legolas die Hand des Mädchens fest in seiner hielt.
Stimmt, das Mädchen war seine Geliebte.
„Ein Ork hat sie vergiftet und sie ist in einem schwarzen
Schlaf gefallen“, flüsterte er ihm zu. Sein Daumen strich
zärtlich über Asanis Handknöchel, als er den jungen
Heiler angespannt beobachtete. „Aber ihr Geist war für
mich unzugänglich.“
Lhûrniel lächelte beruhigend den Prinzen an und begann
dann mit einer schnellen Untersuchung. Legolas Grünblatt von
Düsterwald war ein Held und Krieger und kannte sicherlich nur
die Grundlagen der elbischen Heilkunst. Er, Lhûrniel, hingegen
hatte Lord Elrond als Lehrer gehabt, ehe er Lady Arwen nach Gondor
gefolgt und schließlich in die Dienste des Königs getreten
war.
Zuerst mußte er das Mädchen aus der Finsternis holen,
ehe er die Vergiftung heilte. Er hatte ihre verfärbten Lippen
bemerkt und bei einer näheren Untersuchung ihrer Mundhöhle
fand er Rückstände des Orkgiftes an ihren Zähnen.
Gifte, die eingenommen wurden, sollten erbrochen werden oder man
trank so lange, bis der Körper davon gereinigt war. Beides
war jedoch unmöglich, wenn sich das Opfer in einem schwarzen
Schlaf befand. Wie Legolas zuvor auch, sandte Lhûrniel ein
Licht in Asanis Geist und versuchte sie aus dem schwarzen Schlaf
zu wecken. Aber er stieß auf unerwarteten Widerstand. Es fühlte
sich hart und sehr kalt an. Er hatte das Gefühl, auf eine Mauer
aus Metall gestoßen zu sein. Der junge Heiler stutzte. So
etwas hatte er noch nie erlebt. Er entschied sich, noch etwas tiefer
in ihren Geist einzudringen. Das Ergebnis war, daß die Mauer
aus Metall anfing, sich zu bewegen. Sie schob ihn Stück für
Stück aus der Seele des Mädchens. Als er sich mit aller
Macht dagegen stemmte, wurde das Metall heiß. Glühend
heiß. Schließlich glaubte Lhûrniel, in blauen
Flammen zu stehen. Voller Angst und Panik floh der Elb schreiend
aus der Seele des Mädchens.
Als er die Augen aufriß und nach Luft japste, sah er die Küche
und alle anderen wieder vor sich. Aber der Rückzug aus ihrer
Seele war so übereilt gewesen, daß er die Orientierung
und die Balance verlor. Er wankte und schwankte gefährlich,
als ihn plötzlich jemand an der Jacke festhielt. Es war Legolas,
der ihn über den Tisch hinweg stützte.
„Was ist los?“ fragte er stirnrunzelnd. „Konntet
Ihr sie erreichen?“
Der junge Heiler mußte einige Male blinzeln und Legolas’
Worte im Gedanken wiederholen, ehe er eine verständliche Antwort
geben konnte, die dann leider „Ich weiß nicht so genau“
lautete.
Legolas ließ ihn mit einem Schnauben los und wieder begann
der andere Elb zu straucheln. Aragorn hatte mehr Mitleid für
seiner elbischen Garde und ließ einen Stuhl und ein Glas Wasser
holen. Unter Legolas’ düsteren Blick trank der junge
Elb und sortierte diesmal sorgfältiger seine Worte. „Nun,
Hoheit...Ich konnte sie nicht erreichen, weil es nicht das Gift
ist, das sie in dem schwarzen Schlaf hält. Mir scheint, etwas
anderes in Form einer Mauer aus Metall versucht sie vor allem, das
von außen auf sie eindringen könnte, zu schützen.“
Lhûrniel hielt kurz inne. „Es ist, als wäre noch
jemand in ihrer Seele.“
„Eine Mauer aus Metall?“ wiederholte Gimli brummend
und sah den Heiler an, als wäre er nicht ganz zurechnungsfähig.
Aber plötzlich hellten sich seine Augen auf und er rief: „Legolas,
das Schwert! Sie hat doch diesen Pakt mit dem Schwert geschlossen,
oder nicht? Es soll sie doch vor allem Übel beschützen.“
„Bitte was?“ fragte Lhûrniel verwirrt und von
seinem König zu dem Zwerg und dann zu Legolas, der geistesabwesend
die Hand seiner Geliebte küsste, ehe er langsam von diesem
mysteriösen Pakt erzählte. Der junge Heiler erbleichte
bei jedem Wort.
„Dann...“, begann er entsetzt und wich unwillkürlich
vor Asani zurück. Dabei bemerkte er nicht, wie sich Legolas‘
Augen gefährlich verengten. „Dann ist ihre Unsterblichkeit
unnatürlich!“
Legolas fuhr ihn scharf an: „Das braucht Euch nicht zu interessieren.
Helft ihr!“
Aragorns und Gimlis Köpfe fuhren bei diesen harten Ton überrascht
herum. Lhûrniels Wangen röteten sich. Vor Empörung
oder Scham war nicht zu erkennen. Er biß sich auf die Lippen,
bevor er bedauernd sagte: „Vergebt mir. Aber in dem Fall kann
ich nichts für sie tun.“
Legolas atmete scharf ein. Seine linke Hand schoß mit einem
Male vor, packte den anderen Elben am Kragen und zog ihn so nah
zu sich, daß sich ihre Nasen berührten. „Könnt
Ihr wirklich nichts für sie tun oder wollt Ihr nicht, weil
Ihr glaubt, daß sie womöglich zur dunklen Seite gehört?“
„Mein Prinz!“ keuchte Lhûrniel mit weit aufgerissenen
Augen. Verängstigt versuchte er sich dem harten Griff zu entziehen.
„Ich würde nie...“
„Erlaubt Euch kein Urteil über jemanden, den Ihr nicht
kennt“, zischte Legolas ihm zu und schüttelte ihn einmal.
Gehorsam schüttelte Lhûrniel den Kopf und würgte
ein „Niemals, Hoheit“ heraus.
„Legolas, beruhige dich!“ rief Gimli und versuchte Legolas
vor noch mehr Unsinn abzuhalten. „Das hilft uns doch nicht
weiter!“
Gimlis Appell schien etwas zu bewirken, denn Legolas ließ
den anderen Elben los. Aragorn scheuchte den immer noch geschockten
Lhûrniel aus Legolas‘ Griffweite, als dieser jedoch
wieder vortrat, seinen Kragen richtete und Legolas’ vernichtenden
Blick trotzte. „Es war nie meine Absicht, schlecht von diesem
Fräulein zu denken. Aber ihr Zustand übersteigt meine
Fähigkeiten als Heiler. Ich will Euch auch erklären, warum.“
Er wartete auf Legolas’ Reaktion. Erst als dieser nicht mehr
den Eindruck machte, als wollte er auf ihn losgehen, fuhr der Heiler
fort: „Ihr Pakt mit dem Schwert könnte einige Schwierigkeiten
bei der Heilung machen.“
„Aber es soll doch seine Herrin schützen und heilen“,
warf Gimli verwirrt ein. „Warum sollte es hinderlich sein?“
„Eine Waffe kann nicht Gut oder Böse unterscheidet. Es
soll nur töten. Das allein ist seine Bestimmung“, erklärte
Lhûrniel. „Aber eine Waffe ist auch nur ein Ding und
wird eines Tages beiseite gelegt und vergessen. Durch den Pakt wird
dem Schwert versprochen, daß es ihm dieses Schicksal nie widerfahren
wird, dafür muß es den Geist und den Körper seine
Herrin vor allem schützen. ‚Vor allem’ meint auch
alle, die versuchen in ihren Geist einzudringen. Sei es aus bösen
oder guten Absichten. Das Schwert kann ja nicht unterscheiden.“
„Warum hält es sie überhaupt in diesem Schlaf?“
brummte Gimli verwirrt.
„Weil Orkgifte auch den Geist angreifen“, erwiderte
der Heiler. „Die Opfer verfallen meist dem Wahnsinn und bringen
sind am Ende selbst um. Um seine Herrin davor zu schützen,
hat das Schwert wohl eine Mauer um ihren Geist gezogen.“
„Aber das Schwert hat doch auch nichts...davon“, meinte
der Zwerg vorsichtig und sah bedeutungsvoll auf den stillen Körper
auf dem Tisch. Lhûrniel zuckte hilflos mit den Schultern.
Er fuhr allerdings zusammen, als Legolas eine Hand auf seinen Arm
legte. Aber diesmal wurde ihm weder gedroht noch wurde er angeschrien
oder durchgeschüttelt. Statt dessen sah er in zwei Augen voller
Schmerz und voll tiefem Kummer.
„Sagt mir“, flüsterte Legolas. „Gibt es wirklich
keine Hoffnung für sie?“
Lhûrniel mußte schlucken. Legolas’ Qual war so
deutlich zu spüren, daß es sein Herz rührte und
es ihm vor Mitleid bis zum Hals schlug. Er war jünger als Legolas
und hatte noch lange nicht gelernt, seine Emotionen unter Kontrolle
zu halten. Daher war er den Tränen nahe und seine Stimme zitterte
verdächtig, als er leise vorschlug: „Lord Elrond könnte
ihr helfen. Vielleicht kann er die Mauer aus Mithril überwinden.“
Der junge Elb errötete bis unter die hellen Haarwurzeln, als
ihn alle auf einmal ansahen. Er räusperte sich verlegen und
sah überallhin nur niemanden in die Augen.
„Es ist eine Überlegung wert“, brummte Gimli langsam.
Legolas begann auch zu überlegen. Zumindest versuchte er es.
Seine Gedanken ließen sich nicht sortieren, als er Asanis
kalte, schlaffe Hand in seiner hielt. Er sah auch beinahe durch
den jungen Elben hindurch. „Lord Elrond?“
„Dann sollten wir nach ihm schicken“, schlug Aragorn
vor und blickte gleichzeitig zu seiner Garde, die in unmittelbarer
Nähe stand.
„Nein“, entschied Legolas kühl. „Das wird
nicht nötig sein. Ich bringe sie zu ihm“
„Legolas! Sie ist schwerverletzt und vergiftet“, warf
Gimli entsetzt ein. Er hielt den Elben am Arm fest, als er Asani
fest in einen Umhang wickelte und hochheben wollte. „So eine
lange Reise ist nicht gut für sie.“
„Wenn wir einen Boten nach Bruchtal schicken, wird er mindestens
drei Tage brauchen“, erwiderte Legolas. „Die gleiche
Zeit wird Lord Elrond brauchen, um hierher zu kommen. In sechs Tagen
wird auch Lord Elrond ihr nicht mehr helfen können.“
„Woher willst du das wissen?“ rief Gimli und warf die
Hände in die Luft. „Legolas, sei nicht so stur! Denk
mal an Fräulein Asani!“
Legolas beugte sich zu Asani hinunter und strich schweigend über
ihre fahlen Wangen. Es schien, als würde er Gimli nicht mehr
antworten, aber dann drehte er sich mit glasigen Augen zu seinem
Freund und gestand flüsternd: „Ich denke an nichts anderes.“
Rückblende Ende
~*~
Tatsächlich schaffte Legolas die harte Strecke zwischen Perrigon
und Bruchtal in drei Tagen. Er hatte dabei weder sich noch das Pferd
geschont. In Bruchtal angekommen hatte ihn die nächste böse
Überraschung erwartet. Lord Elrond war nicht Bruchtal. Legolas
wäre mit Asani auf das nächste Pferd gesprungen, denn
seines war zu Tode erschöpft und zeigte offen sein Widerwillen,
als Legolas wieder nach seinen Zügeln gegriffen hatte. Aber
die beiden Berater Elronds hatten ihn rechtzeitig davon abgehalten
und ließen Asani in Elronds Haus bringen. Diejenigen, die
dort verweilten, erfuhren Ruhe, Frieden und Heilung und wurden von
Kummer und Angst befreit.
Nach der ersten Nacht wurde ihr Atem tiefer. Ihre Lippen und Wangen
bekamen einen rosigen Schimmer. Dennoch wurden Legolas‘ Sorgen
immer größer. Ihr Körper schien kälter und
dünner zu werden. Es war, als würde das Gift sie langsam
von innen verzehren.
„Legolas?“ Ein sanftes Schütteln schreckte ihn
auf. Sein jüngerer Bruder Damelos stand neben ihn und blickte
ihn besorgt an. Damenyon hatte den Raum nicht betreten und beobachtete
ihn abwartend.
Statt einer Begrüßung sah der ältere Bruder fort.
Er wußte bereits, was die Zwillinge ihm sagen wollten. Seit
Tagen sagten sie nichts anderes. Damelos’ Hand drückte
seine Schulter, als seine Stimme die schon bekannten Worte zu ihm
trug. „Geh und ruh dich aus, Legolas.“
„Nein, ich kann nicht.“ Die Worte klangen hohl und flach,
weil er sie schon so oft gesagt hatte.
„Legolas, ich bitte dich“, fuhr Damelos fort. „Sie
würde nicht wollen, daß du dich so quälst.“
Er kniete sich neben seinem älteren Bruder und blickte zu ihm
hoch. „Geh und ruh dich aus.“
Legolas sah seinen Bruder hart und kalt an. Für einen Moment
schien es, als würde er sie beide aus dem Zimmer werfen, aber
statt dessen vergrub er sein Gesicht in beide Hände und schüttelte
schweigend den Kopf. Er atmete tief ein. „Ich kann sie nicht
allein lassen.“
„Legolas...“
„Ich sagte, nein.“
„Bitte, Legolas“, drängte Damelos weiter.
„Legolas!“ zischte Damenyon plötzlich wütend.
Er schloß die Entfernung zwischen ihm und seinem Bruder nur
mit wenigen Schritte und riß Legolas’ Hände herunter,
damit er ihm wieder in die Augen sehen konnte. „Ich kann das
nicht mehr mit ansehen.“
„Dann geh“, erwiderte Legolas unbarmherzig. Aber er
bereute seine Worte sofort.
Für einen Moment blitzte Schmerz in Damenyons Augen auf. Aber
er ließ Legolas nicht los. „Komm mit uns, Legolas, ansonsten
bin ich gezwungen, dich hier an den Haaren hinauszuschleifen.“
„Das wagst du nicht“, wisperte Legolas mit einer Mischung
aus Erstaunen und Empörung.
„Oh doch.“ Damenyon blickte ihn mit tödlicher Entschlossenheit
an. „Ich wage es.“
„Und ich werde ihm helfen“, fügte Damelos ruhig
hinzu. Er zuckte unter Legolas‘ eiskalten Blick nicht zusammen.
Das Training mit Elladan hatte ihn abgehärtet.
Legolas erhob sich und fegte die Hand von seiner Schulter. Er und
seine Brüder waren gleich groß, aber er war der Ältere
und der erfahrene Krieger. „Ihr wollt mir drohen?“
„Ich drohe nicht“, gab Damenyon mit der gleichen Arroganz
zurück und kam sogar einen Schritt näher. Sein Blick war
genauso hart wie der von Legolas.
Damelos wußte, daß Nyon nicht den Hauch einer Chance
gegen Legolas hatte. Aber sein Zwilling würde sich gegen Legolas
stellen, wenn er überzeugt war, daß es seinem geliebten
Bruder helfen würde. Damelos zwängte sich zwischen sie.
„Legolas, du kannst nicht Tag und Nacht bei ihr wachen ohne
zu essen und zu ruhen. Willst du wirklich, daß sie dich so
sieht? - Weißt du, wie du aussiehst?“ Er sah Legolas
zögern und redete daher schnell weiter: „Willst du wirklich,
daß sie sich gleich nach dem Aufwachen Sorgen um dich macht?
Legolas, breche ihr damit nicht das Herz.“
Für einen Moment fürchtete der Zwilling, daß Legolas
nun auf ihn losgehen würde, als er ihn mit einem vernichtenden
Blick durchbohrte. Aber statt dessen begann er zu wanken und schließlich
fiel er kraftlos in den Stuhl zurück und bedeckte erneut sein
Gesicht mit beiden Händen. „Ich kann sie nicht noch einmal
allein lassen. Seht doch, was ihr beim ersten Mal widerfahren ist.“
Damelos konnte nicht umhin, erleichtert aufzuatmen. Legolas konnte
manchmal wirklich furchterregend sein. Er begann auch zu wanken.
Nahkampf war nichts für ihn...
„Legolas, hier ist sie sicher“, flüsterte Damenyon
beschwörend. Er legte beide Hände auf die herab gesunkenen
Schultern seines Bruders. „Das ist Bruchtal und wir sind im
Hause Elronds.“
Legolas sah auf und wollte wohl etwas erwidern, aber eine sanfte
Stimme kam ihm zuvor. „Ihr solltet auf Eure Brüder hören.“
Drei Augenpaare sahen abrupt zur Tür. Dort stand Lord Elrond.
Er mußte erst vor einigen Augenblicken angekommen sein, denn
er trug nicht die üblichen langen Gewänder, sondern steckte
noch in seinen Reisekleidern und war von einem wohl sehr scharfen
Ritt reichlich zerzaust. Sein langes Haar war ein wenig von Wind
verweht und etliche Strähnen hatten sich aus der silbernen
Spange gestohlen. Auf der linken Wange sah man noch die letzten
Spuren vom weggewischten Dreck und es haftete der Geruch von frischer
Erde und Wald an dem Lord.
„Lord Elrond!“ riefen Damelos und Damenyon gleichzeitig
und vergaßen fast, sich zu verbeugen und den Hausherren gebührend
zu begrüßen. Legolas blieben die Worte im Halse stecken.
Er wußte nicht, ob er den Elbenlord an die Gurgel springen
sollte, weil er so lange für die Heimreise gebraucht hatte,
oder ob er sich vor ihm auf den Boden werfen und für das Leben
seine Geliebten betteln sollte. Unbewußt entschied er sich
für eine etwas unglückliche Mischung aus beidem. Er fiel
vor dem Lord auf die Knie und sagte in einem befehlsähnlichen
Ton: „Lord Elrond, helft mir!“
Lord Elrond schmunzelte. „Steht wieder auf, Legolas. Es gibt
keinen Grund für solche Gesten.“
Er legte seinen Umhang ab und gab ihn Damelos, der ihn bereitwillig
in Empfang nahm. Mit schnellen Schritten ging er zum Bett und ließ
sich vorsichtig neben Asani nieder. Schnell und routiniert untersuchte
er sie und sagte dabei kein Wort.
Legolas, der sich mittlerweile wieder erhoben und dicht hinter Elrond
stand, flüsterte: „Es ist nicht das Gift, das den Heilern
Schwierigkeiten macht.“
„Das wurde mir gesagt“, erwiderte Elrond ruhig. Er sah
Legolas ernst ins Gesicht. „Aber geht und ruht Euch aus, Legolas.“
„Ich kann nicht“, erwiderte Legolas fest. Er schaffte
es, nicht gereizt zu klingen. „Ich werde nicht von ihrer Seite
weichen. Bitte laßt mich Euch helfen.“
„Ihr könnt mir in Euren Zustand nicht helfen“,
antwortete Lord Elrond ehrlich. Sein Ton und seine Augen wurden
weicher, als er fortfuhr: „Ihr könnt ihr damit nicht
helfen.“
„Bitte, Lord Elrond...“
„Wie viele Tage schon habt Ihr es versucht?“ unterbrach
der Lord einfühlsam. Legolas preßte die Lippen zusammen
und sah fort. Sein Schweigen war Antwort genug für Lord Elrond.
Dennoch fragte er weiter: „Hat sie dabei je das Bewußtsein
erlangt?“
Ein Muskel bewegte sich in Legolas‘ Wange. Er schüttelte
verbittert den Kopf. Ein letztes Mal sah er in die grauen Augen
des Lords, atmete tief ein und nickte zögernd. „Ich werde
gehen.“
Aber er bewegte sich nicht einen Zoll und starrte lange auf Asanis
schlafende Gestalt. Erst als Damelos ihn sanft am Arm zog, machte
Legolas einen Schritt weg vom Bett. Es fiel ihm schwer. Lord Elrond
konnte es ihm ansehen. Mit jedem Schritt weg von ihr, schienen sich
immer mehr die unterdrückte Müdigkeit, die verleugnete
Hoffnungslosigkeit und der tiefe Kummer in seinem schönen Gesicht
abzuzeichnen. Als er die Tür erreichte, mußte ihn einer
seiner Brüder stützen.
Der Elbenlord fragte sich, ob der Prinz hinter der Tür zusammenbrechen
würde, und spielte kurz mit dem Gedanken, Glorfindel oder Erestor
zu dem Elbenprinzen zu schicken, damit sie sich seiner annahmen,
als die beiden Ratsherren auch schon in der Tür auftauchten.
Sie hatten zwei Diener im Schlepptau, die anscheinend mit der halben
Apotheke Bruchtals, gefüllten und leeren Wassereimern und Tücher
beladen waren. Neugierig trat Glorfindel vor und blickte Lord Elrond
abwartend an. Dieser nickte bloß und ließ alle vier
Elben eintreten. Der Diener, der zuletzt eintrat, winkte eine Wache
herbei und verschloß sorgfältig die Tür. Niemand
war es nun erlaubt, den Raum zu betreten...
~*~
Sie war erschöpft. Ganz furchtbar erschöpft. Sie lehnte
sich an das kalte Metall und sah sich um. Alles war still. Alles
war schwarz. Alles war tiefe schwarze Finsternis. Um sie herum und
in ihr. Sie war seit Stunden hier. Waren es Stunden? Waren es vielleicht
doch schon Tage? Jahre?
Daran war nur dieser Ork schuld. Dieser verdammte Ork! Dieses verdammte
Zeug, das er ihr in den Hals gegossen hatte. Wie flüssiges,
bitteres Feuer hatte es sich seinen Weg in ihren Magen gebrannt
und sich in ihrem Körper ausgebreitet. Eine Ewigkeit war sie
Schmerzen und Trugbildern ausgesetzt gewesen, bis die schwarze Stille
sie in ihre tröstende Arme genommen hatte. Zuerst war sie glücklich,
daß die Schmerzen aufgehört hatten, und daß kaltes
Metall ihren überhitzten Körper kühlte. Obwohl sie
nicht wußte, woher dieses Metall herkam.
Aber als sie keine Schmerzen mehr hatte und dem Ork die Ohren abschneiden
wollte, fand sie keinen Weg mehr hinaus. Sie wußte ja nicht
einmal, wohin sie gehen mußte. Es war schließlich alles
gleich dunkel und finster. Außerdem war alles so still hier.
Anfangs hatte sie noch laut mit sich geredet, aber nach einer Weile
machte sie es wahnsinnig. Sie wünschte sich so sehr, Legolas’
Stimme zu hören. Aber wo war der blöde Elb nun? Er hatte
ihr doch versprochen, daß er ihr überallhin folgen würde.
Hatte er sich womöglich hier drin verlaufen? Ihr humorloses
Lächeln verschwand, als sie eine andere Möglichkeit erwog.
War er überhaupt hier? War er ihr wirklich gefolgt? Konnte
er ihr überhaupt bis hierhin folgen? Asani lehnte sich kraftlos
an die Wand und seufzte. Es klang so hohl in der Finsternis.
Hier. Wo war bloß hier? Noch nie war sie an so einem Ort gewesen.
Alles war so düster und hatte den Charakter von Irgendwo im
Nirgendwo. Dann war diese seltsame Mauer aus Metall. Asani hätte
an ihr entlang laufen können, um wenigsten herauszufinden,
wo das Ende war. Aber sie war so müde. Sie war so entsetzlich
müde. So erschöpft. Und alles schien so sinnlos. Es war
so hoffnungslos...
Die Wand, an der sie lehnte, begann auf einmal zu beben. Erschreckt
krabbelte Asani davon weg und versuchte verzweifelt in der Finsternis
etwas zu sehen. Vergebens. Sie hörte nur ein tiefes, hartes,
grollendes, bedrohliches Geräusch, das sich ihr immer mehr
näherte. Die Vibrationen des Bebens erfaßten sie und
fuhren ihr durch Mark und Bein. Am deutlichsten spürte sie
es in ihrer rechten Schulter. Seltsamerweise schienen sich die Erschütterungen
nur auf dieses Körperteil zu konzentrieren. Die ersten feinen,
scharfen Kristalle betäubenden Schmerzes stachen fest in ihr
Fleisch und ließen sie zusammenzucken. Aber sie biß
die Zähne zusammen. Sie mußte schleunigst weg. Was immer
hier bebte und grollte. Es kam immer näher.
Asani hielt sich ihre Schulter, kroch und robbte sich weg. Jedoch
fügten sich die feinen Kristallen zu einem Klumpen zusammen,
der dumpf pochend in ihrer Schulter hing und schwer auf den rechten
Lungenflügel drückte. Sie mußte innehalten und zu
Atem kommen. Mit klopfenden Herzen starrte sie in die Richtung,
aus der das Beben kam. Neue Geräusche kamen hinzu. Etwas schien
zu zersplittern. Kleine Steine oder kleine Metallbrocken fielen
auf den Boden. Staub rieselte.
Machte sich jemand an der Metallmauer zu schaffen? Ihre Frage beantwortete
eine senkrechte Linie hellen Lichtes, die die massive Wand durchbrach
und die Dunkelheit durchschnitt wie ein Schwert. Gleichzeitig zerbrach
der schmerzhafte Klumpen ihrer Schulter. Asani japste erschrocken
nach Luft und fiel vornüber. Hastig wandte sie sich ab. Das
Licht, so wenig es auch war, blendete sie. Es folgte ein leises
Krachen und die Mauer explodierte mit viel Getöse. Ihre Schulter
explodierte mit.
Zumindest fühlte es sich so an. Ein scharfer Schmerz durchbohrte
ihre rechte Schulter und schoß einmal quer durch ihren Körper.
Der Schock und die Qualen rissen sie zu Boden. Licht flutete durch
ihre Finsternis und wärmten ihren steifen Körper. Aber
es war so unerträglich. Asani versuchte, sich aufzusetzen und
sich wieder davon zu machen. Aber ihre Schulter schien ihr dabei
im Weg zu sein.
„Asani, lasto beth nîn“, flüsterte eine männliche
Stimme in die Stille.
Sie fuhr herum und blinzelte ins das strahlende Licht. Diese Worte
kamen aus dem Licht. Und in diesem strahlenden, warmen Licht stand
eine hohe Gestalt mit langem Haar und weißen Gewändern.
Etwas unsicher sah sie sich um und sagte erneut: „Asani, lasto
beth nîn. Tolo dan nan galad.” [2]
Sie verstand kein Wort. Sie blieb sitzen, hielt sich ihre schmerzende
Schulter und starrte den Neuankömmling an, als wäre er
ein Wunder. Einen Moment lang ergötzte sie sich an die frische
Erinnerung an den Klang seiner Stimme. Außer daß es
sehr melodische Stimme war, war es wundervoll, Sindarin zu hören.
Sie hatte den Rhythmus der Sprache erkannt. Tränen traten in
ihre Augen und sie vergaß ihre Schulter. „Legolas, bist
du das?“
Der Fremde hörte sie wohl, denn sein Kopf ruckte in ihre Richtung.
Eine Weile schien er sie anzusehen. Genau erkennen konnte sie es
nicht. Dann verfolgte sie völlig regungslos, wie er auf sie
zukam. Es war ein Elb. Aber nicht der, den sie erwartet hatte. Dieser
hier schien älter und weiser zu sein als Legolas. Sein langes
Haar war dunkel und seine Augen grau und gütig. Er kam ihr
so bekannt vor. Aber sie konnte sich nicht erinnern, wer das war.
Sein Blick wurde besorgt, als er sie genauer musterte. Immer noch
hielt sie sich ihre rechte Schulter. „Schmerzt es sehr?“
Asani nickte wie ein dummes Kind.
„Das tut mir sehr leid“, sagte der Elb voller Bedauern
und hockte sich zu ihr hin. „Ich hätte daran denken müssen,
daß du und das Schwert miteinander verbunden seid. Wird das
Schwert beschädigt, leidest auch du Schmerzen.“ Sie antwortete
nicht, ließ es aber zu, daß er sich ihre Schulter ansah.
„Fürwahr ein hoher Preis...“
Asani blinzelte ihn verständnislos an. Wovon redete er?
„Ich kann hier nichts für dich tun, Asani. Möchtest
du nicht mit mir kommen?“
Sie schüttelte den Kopf und antwortete zaghaft: „Ich
warte auf Legolas.“
Der fremde Elb blickte sie traurig an. „Aber er wartet darauf,
daß du zu ihm kommst.“
„Der blöde Elb soll herkommen“, entgegnete sie
unerwartet trotzig und schluckte den Kloß hinunter, der sie
langsam aber sicher beim Atmen störte. Statt tief einzuatmen,
schluchzte sie leise auf. Schließlich gestand sie weinend:
„Ich komme hier nicht heraus.“
„Ich weiß“, flüsterte er beruhigend. „Komm
mit mir und ich führe dich hier heraus.“
Asani blickte ihn immer noch mißtrauisch an und schniefte.
„Wirklich?“
Er nickte lächelnd und reichte ihr die Hand. „Tolo gwanin,
Asani.“[3]
Sie sah zuerst skeptisch auf seine ausgestreckte Hand und blickte
sich unsicher um. Vorsichtig legte sie ihre Hand in seine.
„Mae, Asani. Tolo gwanin. Tolo dan nan galad.“ Der Elb
umschloß sie mit seiner warmen und starken Hand und zog sie
zu sich. Aber statt sicher in seinen Armen zu landen, flog sie durch
seinem Körper hindurch und wurde in das warmen Licht hinter
ihm hinein gesogen. Sie wehrte sich und wollte zurückspringen,
aber sie hatte nicht die Kraft dazu. Sie versuchte alles, um diesem
hellen Sog zu entkommen. Das Licht würde sie verbrennen! Aber
sie konnte sich nicht bewegen. So hob sie schützend beide Arme
vors Gesicht und biß die Zähne zusammen. Sie fiel durch
das gleißende Licht und landete...irgendwo. Zumindest spürte
sie, wie sie auf etwas lag. Es war weich, federnd und entsetzlich
warm und laut. Sie riß die Augen abrupt auf.
„Edra i chin!“[4]
„Rathannech hen, Elrond!“ [5]
Was war? Aber Asani hatte keine Zeit, sich damit zu beschäftigen.
Ein scharfer Blitz schoß von ihren Zehen bis zur Schädeldecke
hoch und ließ sie schreiend hochfahren. Viele Hände drückten
sie nieder und Angst brandete in ihr hoch. Woher kamen all diese
Hände? Wem gehörten sie?!? Asani schlug wild um sich und
wollte nur noch weg.
„Es ist alles gut“, flüsterte eine melodische Stimme
direkt über ihr und zwei Arme schlangen sanft um sie. Asani
blickte hoch und sah wieder in diese grauen Augen. Es war der Elb
aus dem Licht. Nur sah er jetzt gar nicht so überirdisch aus.
Sein Haar war etwas zerzaust und er hatte Dreck im Gesicht. Außerdem
sah er so erschöpft aus. Vielleicht war es das, das sie schließlich
ruhiger wurde.
Sie wollte ihm keine Last sein, denn er hatte sie wirklich aus der
Finsternis heraus geführt, und sie vertraute ihm. Er schien
sie zu verstehen, denn er lächelte sie dankbar an und zog sie
enger in seine Arme.
„Asani mo Ifrey“, flüsterte er lächelnd. „Du
bist wieder bei uns.“
Es sah aus, als wollte ihm etwas antworten, aber zu seinem maßlosen
Erstaunen tastete sie ihn ab. Der Elb blinzelte und brach in schallendes
Gelächter aus. Als sie ihn jedoch beleidigt ansah, strich er
über ihren Kopf als wäre sie ein verirrtes Kätzchen
und schmunzelte: „Diesmal bin ich wirklich da.“
„Lord Elrond, die Medizin ist fertig“, sagte eine andere
Stimme von irgendwo her. Sofort fuhr Asanis Kopf herum und erst
jetzt sah sie vier weitere Elben, die um sie herum standen und anlächelten.
Wer waren sie? Wo kamen die auf einmal her?
„Gebt sie mir“, sagte der freundliche Elb und hielt
auf einmal ein kleines Gefäß in der Hand. Er hob es an
Asanis Lippen und nötige sie sanft, den Inhalt auszutrinken.
Asani war so schwach, daß sie sich nicht wehren konnte und
nur mit Widerwillen gehorchte. Sie versuchte den bitteren Saft auszuspucken,
aber der Elb hielt ihr Kinn etwas höher und goß alles
vorsichtig in ihren Rachen. Asani wimmerte hilflos und wollte seine
Hand fortschieben, aber sie bewegte sich nicht.
„Ich weiß, es schmeckt furchtbar“, flüsterte
er ihr zu und strich zärtlich über ihren Kopf und ihre
Schultern. „Aber du mußt das trinken, mein Kind.“
Sie begann zu weinen und wand sich in seinen Armen. Aber der Elb
hielt sie fest und flüsterte etwas in einer anderen Sprache.
Sie verstand den Sinn seiner Worte nicht, aber deren Klang war schön
und sehr beruhigend. Nach einer Weile gab sie auf und verkroch sich
geschlagen in seiner Umarmung. Unbeherrscht wie ein Kind begann
sie zu schluchzen. Der Elb wiegte sie sanft und strich dabei immer
wieder über ihren Kopf und ihren Rücken. Schließlich
legte er seine Wange auf ihren Scheitel und seufzte tief. „Es
ist alles nur halb so schlimm.“
Trotz ihres Gejammers hörte sie ihn und sah ungläubig
zu ihm auf. Sie wollte ihm sagen, daß es noch viel schlimmer
war. Aber statt dessen preßte sie die Lippen fest aufeinander.
Ihr Magen revoltierte und sie spürte, wie sich die Speiseröhre
langsam weitete. Mit weit aufgerissenen Augen versuchte sie den
plötzlichen Würgereiz zu unterdrücken. Aber es ging
nicht. Sie sah dem Elben verzweifelt ins Gesicht und er schien sie
sofort zu verstehen. Sanft zog er sie bis zum Bettrand, bis sie
in eine leere Waschschüssel hineinsah. Er hielt ihre Haare
zurück und strich beruhigend über ihren Rücken, als
sie ihre Finger in die weiche Matratze krallte und sich in die Schüssel
übergab, als gäbe es keinen Morgen.
Als ihr Magen nichts mehr hergab, brach sie erschöpft zusammen.
Die warme Luft fühlte sich unangenehm auf ihrer feuchten Haut
an. Mit schweren, fahrigen Bewegungen versuchte sie sich das weiße
Hemd von ihrem Körper zu ziehen. Sofort war jemand zur Stelle
und tupfte ihr schweißbedecktes Gesicht mit einem nassen,
kalten Tuch ab. Sanfte, tröstende Stimmen hüllten sie
ein und beruhigten allein durch ihren Klang Asanis wirren Geist
und rasenden Herzschlag. Es kamen noch mehr Hände hinzu, die
sie entkleideten, wuschen, vom Bett hoben, wieder hineinlegten und
sie zudeckten.
Sie machten sie nervös und verwirrten sie noch mehr. Ein letztes
Mal versuchte sie sich aufzusetzen, aber jemand drückte sie
in die Kissen zurück. Es war der freundliche Elb, der sie auf
der Finsternis geführt hatte. Hinter ihm standen zwei weitere
Elben, die sie freundlich anlächelten. Aber keiner von ihnen
war Legolas. Verwirrt sah sie sich um und Angst schnürte ihr
die Luft ab. Wo war der blöde Elb? „Legolas?“
„Sshh...beruhige dich, mein Kind. Er wird kommen“, flüsterte
der eine Elb beschwichtigend und strich sanft die nassen Strähnen
aus ihrer Stirn und tupfte ihr Gesicht mit einem Tuch ab. Sanft
wie der Winde berührten seine Fingerspitzen ihre Augenlider.
„Aber bis dahin...Losto, Asani.“[6]
Ihr Lider flatterten und plötzlich schoß sein Name durch
ihre Gedanken. Ein seliges Lächeln erhellte ihre Züge.
“Lord Elrond…”
Elrond lächelte sie an und nickte.
„Danke...“
Ende des 35. Kapitels
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Manchmal habe ich Lust, einfach nur „Hab kein Bock darauf.
Laßt uns zum nächsten Kapitel übergehen“ zu
schreiben. Warum müssen Elben eine eigene Sprache haben? Warum
habe ich das bloß eingebaut? Okay, Schwamm drüber....
[1] Lostach, Damelos Thranduilion. - Du schläfst, Damelos Thranduils
Sohn.
[2] Lasto beth nîn, tolo dan nan galad. - Höre meine
Stimme. Komm zurück zum Licht. (Das habe ich ja sowas von geklaut.)
[3] Tolo gwanin, Asani. – Komm mit mir.
[4] Edra i chin! – Sie öffnet die Augen!
[5] Rathannech hen, Elrond! – Ihr habt sie erreicht, Elrond!
[6] Losto, Asani. – Schlaf, Asani.
Habe ich mir dabei einen abgebrochen…
Kapitel 35
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