OBL
als Startseite | Lesezeichen
setzen Deutschlands größte Orlando Bloom, Legolas und Will Turner Seite
- die beste Adresse zum Thema. Bilder, Downloads, Artikel, Community und noch
vieles mehr
Den Jäger erlegen
-eine Fanfiction von Sleepy
Tiger
Anmerkungen der Verfasserin:
An alle HdR Kenner: Ich gehe sehr unbefangen
und unbekümmert mit diesem heiligen Stoff um (heißt: Ich
hab' die Bücher noch gar nicht gelesen *geht in die Ecke und
schämt sich*). Seid mir nicht böse!!!! Ich bin nur eine
völlig verstörte, gelangweilte, lebensmüde, erbärmlich
verarmte, faule, vergeßliche, doofe Studentin, die keine Ahnung
von Rechtschreibung und Grammatik hat...leider will mich keine Irrenanstalt...
Disclaimer: Herr der Ringe habe ich
mir nicht ausgedacht, nein, das war Mr. Tolkien persönlich, deswegen
verdiene ich mit dieser kleinen Geschichte kein Geld...so 'n Mist
aber auch...
Kapitel
19
Elbenwald
Vor genau zwei Tagen hatte König
Aragorn von Gondor die neuen Feiertage ausgerufen und seitdem herrschte
auf den Straßen Perrigons viel Aufregung. Außer den
ununterbrochenen Lieferungen aus der gesamten Region kamen Unterhaltungskünstler
von überall her, um vor dem König bei dem abschließenden
Festmahl zu spielen. Daher stand an jeder Straßenecke mindestens
ein halbes Orchester oder eine ganze Akrobatengruppe. Aber die Basare
der Stadt hatten die Geschichtenerzähler zu ihrem Hoheitsgebiet
erklärt. An den Brunnen, wo die Frauen ihre Wasser holten und
Kinder gebadet wurden, und an eigens aufgebauten Ständen, an
denen auch Tee und Gebäck serviert wurde, saßen diese
Männer und Frauen und erzählten unermüdlich die Märchen,
Legenden und Sagen Mittelerdes.
Namen wie Bruchtal, Elrond, Galadriel, Lothlorien und Sauron tauchten
immer wieder auf. Aber es waren vor allem die Namen des tapferen
Ringträgers und die seiner Gefährten, die die Erzählungen
beherrschten. Außer von Frodo Beutlin und den anderen tapferen
Hobbits, handelten die meisten Geschichten von ihrem König
und seiner unendlichen Liebe zu der schönen Elbe Arwen Abendstern,
seiner geliebten Königin. Natürlich.
Die Geschichten und Anekdoten über den mysteriösen Zauberer
Gandalf den Grauen waren vor allem bei den Kindern beliebt. Und
genauso gern gehört wurden auch die Epen über den starken
Boromir, der bis zuletzt für Gondor kämpfte. Selbstverständlich
erschienen auch die beiden Gefährten Gimli Gloins Sohn und
Legolas Grünblatt. Ihre ungewöhnliche Freundschaft wurde
zum Ideal erhoben und ihre Fähigkeiten, Orks zu töten,
auf diesen Basaren zur Legende gemacht. Die Erzähler waren
alle sehr begabt, denn die Menschen waren so gefesselt von ihren
Worten, daß sie gar nicht merkten, wie diese zwei Helden gemütlich
an ihnen vorbei schlenderten.
Mit einem milden Lächeln, das von einem amüsierten Grinsen
abgelöst wurde, sah Gimli zu Legolas hoch. "Hast du das
gehört, du schöner und unnahbarer Elbenprinz? Sogar hier
wird von meinen Taten erzählt."
Legolas nickte lediglich lächelnd und suchte sich weiter einen
Weg durch das bunte Getümmel des großen Marktplatzes.
Es wäre ihm lieber gewesen, sie wären drum herum gegangen,
aber die Wachen hatten ihnen versichert, daß man so am schnellsten
zu den roten Laternen kam. Dem berüchtigten Vergnügungs-
und Künstlerviertel Perrigons.
Dort in einem Gasthaus namens "Elbenwald" würde Asani
sein. Legolas konnte es kaum erwarten, sie wiederzusehen. Es waren
zwar nur wenige Tage vergangen, aber er vermißte sie. Vielleicht
hätte er sich ab und zu hinlegen sollen, wie Gimli es ihm geraten
hatte. Denn Zwerg hatte es etwas beunruhigend gefunden, daß
Legolas seit der Nacht im Gasthaus bei den freundlichen Zwergen
nicht mehr geschlafen hatte. Legolas hätte dann etwas Ruhe
vor seiner Sehnsucht nach ihr gefunden. Aber beim Aufwachen hätte
ihn die Frage gequält, wann sie kommen würde, um den Tag
mit ihm zu beginnen. Nein, er konnte nicht ruhen, wenn nicht ihr
Lächeln das Letzte war, das er vor seiner Nachtruhe sah. Und
schon gar nicht, wenn er sich nicht sicher sein konnte, daß
sie ihn am nächsten Morgen erwartete.
So blieb er lieber wach und arbeitete sich durch die Kolonnen von
Zahlen und undurchsichtigen Geschäfte des Statthalters. Aber
er konnte es nicht leugnen, mit jeden weiteren Blättern und
Schreiben wuchs seine Sehnsucht nach ihr. Diese Unruhe war neu für
ihn. Nicht einmal seine Familie hatte er bei seiner Mission mit
Frodo und den anderen so schrecklich vermißt. Vielleicht lag
es daran, daß er seine Familie damals sicher in Düsterwald
wußte. Umgeben von Getreuen und beschützt von seinem
Vater. Asani hingegen war praktisch allein in dieser Stadt, die
von korruptem Statthalter und gefährlichen Sklavenhändlern
regiert wurde.
Aber kaum, als Aragorn den Perrigoner die fünf Feiertagen verkündet
hatte, wollte Legolas nur noch diese verfluchte Bibliothek verlassen
und sich auf den Weg zu Asani machen. Dann würde er sie, wenn
nötig, fesseln und knebeln, um sie nach Düsterwald zu
bringen. Dort, wo sie sicher war und immer bei ihm sein konnte.
Aber die Pflicht als Freund und Verbündeter wog immer noch
schwer auf seinen Schultern. Da der Haushalt des Statthalters etwas
perplex auf die Ankündigung des Königs reagierte, mußten
Legolas und Gimli auch hier mit anpacken, ehe alles reibungslos
lief.
Nun jedoch spazierte er neben Gimli Gloins Sohn durch Perrigon...immer
nach den roten Laternen Ausschau haltend, die das Gebiet des Vergnügungsviertels
markierten. Allerdings brauchte dieses Viertel diese Laternen nicht
wirklich. Schon vom weiten erkannte man es an seinen verwinkelten
Gassen und den großen Schildern, auf denen Namen der Gasthäuser
standen, die "Lustgarten" oder "Glücksschmied"
hießen. Selbst am Tage herrschte in diesem Viertel reges Treiben.
Frauen in bunten Kleidern flanierten dort und flirteten schamlos
mit jedem Mann, der an ihnen vorbeiging. Fliegende Händler
boten nebst Haarbänder auch Kräutersäfte zur Stärkung
der Manneskraft an. Schauspieler probten auf offener Straße,
während neben ihnen Maler saßen, die über Farbmischungen
diskutierten oder eine junge Frau zu überreden versuchten,
für sie Modell zu stehen. Nackt und kostenfrei natürlich.
Sänger trällerten beim Holzhacken oder beim Entleeren
ihrer Nachttöpfe die Tonleiter herauf und hinunter und schrien
zurück, wenn man ihre Kunst lautstark kritisierte.
Gerne hätten sich Legolas und Gimli weiter in diesem Viertel
umgesehen oder wären bei einem der "öffentlichen"
Theaterproben stehen geblieben. Aber sie suchten weiter nach dem
Gasthaus namens "Elbenwald". Fragen nach diesem Haus wurde
mit "einfach gerade aus" beantwortet. Aber wie geradeaus
gehen, wenn die Straßen und Gassen krumm und verwinkelt waren?
Die Stadtmauern kamen bereits in Sicht, als Legolas sich fragte,
ob es überhaupt ein Elbenwald bei den roten Laternen gab. Aber
dann fiel sein Blick auf eine gediegene Villa ganz am Rande des
bunten Treibens. Umgeben von sauber gestutzten Sträuchern und
sorgfältig angelegten Blumenbeeten ragte dieses Gebäude
direkt vor ihnen. Legolas konnte die saubere Gravur auf der Metallplakette,
die gleich neben der Tür angebracht war, lesen. Das Haus schien
anständig und edel zu sein, auch wenn es in einer etwas fragwürdigen
Gegend stand. Kein schreiend buntes Schild warb um Kunden und die
gesamte Fassade war dezent und sehr elegant.
Legolas hatte sich schon Sorgen gemacht, daß Asani in eins
dieser zweifelhaften Häuser wohnte. Natürlich wußte
er, daß sie sehr gut auf sich Acht geben konnte, aber es war
ihm doch lieber, sie hier zu wissen. Ein erleichtertes Lächeln
erhellte seine Züge und seine Schritte wurden beschwingter,
als er auf dieses Haus zulief. Denn dort stand in großen,
kunstvollen Lettern der Name des Hauses: Elbenwald.
Er hörte Gimlis Rufe, er solle gefälligst warten, in seiner
Freude nicht und streckte die Hand aus, um nach dem Türklopfer
zu greifen, als in diesem Moment die Tür aufging. Ein Junge
mit kurzen blonden Haaren und großen braunen Augen sah ihn
überrascht an. Er mochte allerhöchstens zwölf sein,
war hochgewachsen und etwas zu dünn. Aber Legolas' geübtes
Auge erkannte, daß dieser Junge sehr flink und geschickt sein
mußte. Das Funkeln in den großen braunen Augen deutete
auf einen schnellen und aufmerksamen Verstand. Er trug ein Döschen
Politur und einen Lappen in der Hand. Wahrscheinlich wollte er den
Glanz der Metallplakette ein wenig auffrischen. Mit einem freundlichen
Lächeln verneigte der Junge sich vor ihnen. "Guten Tag.
Kann ich Euch helfen, Herr Elb?"
"Wir hätten gern mit einer Eurer Gäste gesprochen",
erwiderte Legolas ebenso freundlich. Gimli hatte ihn endlich eingeholt
und blickte seinerseits diesen Jungen neugierig an.
Dieser lächelte gerade bedauernd. "Es tut mir fürchterlich
leid, aber wir haben noch nicht geöffnet."
"Die Gasthäuser haben hier Öffnungszeiten?"
fragte Gimli etwas befremdet. "Das hat Fräulein Asani
aber nicht erwähnt."
"Asani?" wiederholte der blonde Junge erstaunt. Legolas
hatte recht. Der Junge war aufmerksam und mit einem guten Gehör
gesegnet. Nicht jeder konnte verstehen, was ein Zwerg in seinen
Bart brummte. "Die Herren suchen Fräulein Asani?"
"Genau die suchen wir", bestätigte der Elb. "Asani
mo Ifrey."
Der Junge grinste auf einmal breit und verbeugte sich vor den Herrschaften.
"In dem Fall steht Euch dieses Haus jederzeit offen."
Schwungvoll öffnete er die Tür und bedeutete ihnen mit
einer Geste, einzutreten. "Das Elbenwald heißt Euch herzlichst
willkommen. Bitte folgt mir."
Der Junge führte sie in die Eingangshalle. Sie war nicht so
groß und elegant wie im Palast des Statthalters, aber hier
herrschte eine ruhigere und gesetztere Atmosphäre, wie Legolas
fand. Die hohen Rundbogenfenster an den Seiten hatten kein buntes
Glas und so schien die Sonne in ihrer reinsten Form in die Halle.
Es gab hier kein kaltes Marmor in Überfluß, sondern hier
dominierten mehr dunkle Hölzer und dicke, kostbare Teppiche
an den Wänden oder auf dem Boden, die jeden noch so schweren
Schritt dämpften. An der gegenüberliegenden Wand schmiegte
sich eine geschwungene Treppe, die zu den oberen Stockwerken führte.
Ihr Geländer war ein kunstvolles Arrangement aus Holzschnitzereien
und schwarz lackiertem Stahl. Unter dieser Treppe gab es eine große
Tür, die lediglich mit einem schweren Samtvorhang verhangen
wurde.
Ein Mädchen, ganz offensichtlich eine Dienerin, da es ein Tablett
in den Händen hielt, kam gerade die Stufen herunter. Der Elbenprinz
hielt bei ihrem Anblick inne. Nicht daß sie eine außergewöhnliche
Schönheit oder umgekehrt war. Nein, nur ihr Kleid erregte seine
Aufmerksamkeit. Es war dunkelrot und der Schnitt kam ihm ziemlich
bekannt vor. Es hatte ein eng geschnürtes Mieder und einen
Ausschnitt, der einen großzügig Blick auf ihr zartes
Dekolleté gestattete. Der Rock schmiegte sich nah an die
Hüften, um die schmale Taille zu betonten, ehe er in weiten
Falten bis zu den Knöcheln fiel. Bei jedem ihrer Schritte konnte
man das sachte, sanfte Wiegen ihrer Hüften beobachten und der
Rock betonte es verführerisch mit dem leichten Schwingen seiner
Falten. Ja, er hatte schon einmal so ein Kleid gesehen. Aber es
war schmutziger gewesen und da drinnen hatte eine Kriegerin aus
dem Norden mit langen verfilzten Haaren gesteckt.
Legolas lächelte etwas. Hier waren sie richtig.
"Puni! Du sollst doch so früh keine Gäste hereinlassen",
sagte das Mädchen streng, als sie die drei in der Eingangshalle
bemerkte. "Das wird Herrn Oberon gar nicht gefallen."
Puni, so hieß wohl der blonde Junge, lächelte das Mädchen
unbekümmert an und erwiderte: "Das geht schon in Ordnung,
Nini. Die Herren wollen mit Fräulein Asani sprechen."
Die strenge Miene wich einem erstaunten Ausdruck und Nini blickte
von Legolas zu Gimli und zurück. "Oh, so ist das. Soll
ich ihr Bescheid sagen?"
"Ja, das wäre nett, Nini", gab Puni zurück und
lächelte das ältere Mädchen wieder an. "Sagst
du ihr auch, daß ich die Herren in den Wald bringe?"
"Ja, aber sicher doch!" rief Nini und stellte in aller
Eile das Tablett auf die Stufen, ehe sie in Windeseile wieder hinauf
rannte.
Puni wandte sich wieder an Legolas und Gimli und führte sie
zu dem verhangenen Eingang. "Hier entlang, bitte. Fräulein
Asani pflegt ihre Gäste in unserem Wald zu empfangen."
"Wald?" Gimli sah den Jungen ungläubig an. "Ihr
habt ein Wald im Haus?"
Puni lächelte spitzbübisch und schob den schweren Vorhang
zur Seite. "Es gibt einen Grund, warum unser Herr dieses Haus
Elbenwald genannt hat."
"Ja, das glaube ich auch", murmelte Legolas stirnrunzelnd.
Er sah aus, als würde er angestrengt lauschen. "Es klingt
wirklich wie in einem Wald."
"Du solltest deine Ohren überprüfen lassen, Legolas",
lachte Gimli und folgte mit dem Elben den Jungen, der sie durch
einen sehr langen Gang führte, der wieder in einem verhangenen
Ausgang endete. Auch diesen Vorhang schob der Junge beiseite und
bedeutete den beiden mit einen Winken, einzutreten. Gimli spazierte
an dem Elb vorbei in den Raum. Ein Wald im Haus? Sicherlich waren
es nur einige Topfpflanzen mehr als üblich. Aber als er diesen
"Wald" betrat, entglitten ihm sämtliche Gesichtszüge
und aus seinem Mund kam nur: "Oh."
Sie hatten tatsächlich ein Wald im Haus. In diesem Raum wuchsen
Bäume! Richtige Bäume. Es waren keine künstlich angelegten
Pflanzen in großen Töpfen. Auch der Boden war sehr authentisch.
Die Erde, auf der sie gingen, sah nicht so aus, als wäre er
gestreut worden. Das Gras wuchs wild und nicht so geordnet wie es
in den Gärten der Menschen üblich war. Pilze sprossen
an und auf den Baumstämmen. Wildblumen gab es hier, auf denen
Schmetterlinge träge das strahlende Sonnenlicht genossen. Gimli
sah hoch, um nachzusehen, von wo soviel Licht kam.
Man hatte die Böden der anderen Stockwerke heraus gerissen,
damit die Bäume sich ungehindert in die Höhe strecken
konnten. Das ungeheuerlichste war jedoch das Dach. Es war vollkommen
aus Glas. Damit war das Geheimnis des vielen Lichts gelöst
und man hatte eine Vorstellung, wie groß dieser Raum war.
Er war sehr groß. Beinahe so groß wie der Audienzsaal
des Palastes des Statthalters, in dem immerhin 100 Würdenträger
lustwandeln konnten.
Gimli entdeckte auch einen Mechanismus an der Wand, der es erlaubte,
das Dach mit Hilfe von einigen Zahnrädern und Kurbeln zu öffnen.
Wahrscheinlich für Regen oder frischen Wind. Im Sommer mußte
es hier wunderschön sein, dachte sich Gimli, als es plötzlich
in den Baumkronen über ihn zwitscherte und sich mit wenigen
Flügelschlägen in die Luft erhob.
"Die haben hier sogar Vögel!" flüsterte Gimli
ungläubig. Er blickte den jungen lächelnden Diener mit
offenem Mund an und in diesem Moment hoppelte etwas mit braunem
Fell an ihm vorbei. "Hasen!"
"Folgt bitte einfach dem Weg", sagte Puni freundlich und
deuteten auf einen mit grauen Steinen ausgelegtem Weg, der durch
die Bäume führte. Das einzige Zeichen, daß dieser
Wald doch von Menschenhand angelegt wurde. "Fräulein Asani
erwartete Euch an seinem Ende." Dann machte er kehrt und wollte
wieder hinaus, aber dann rief er grinsend über die Schulter:
"Und nicht den Weg verlassen, meine Herren. Im Wald lauern
viele Gefahren."
"So lange es keine Orks sind", brummte Gimli und folgte
Legolas über den besagten Weg.
"Gimli, das hier ist unglaublich", murmelte Legolas ehrfürchtig.
Er strich über die Baumstämme und blickte durch die Baumkronen
nach oben. Das Sonnenlicht spielte Verstecken mit den Blättern
und ließ deren Ränder gelegentlich golden aufleuchten.
Einer Eingebung folgend schloß er die Augen und ging zwischen
den Bäumen daher. Er stolperte nicht einmal. Er stieß
nirgends an.
"Legolas, was machst du da?" fragte Gimli etwas befremdet,
der verwundert das Tun des Elben beobachtet hatte. Wie in Trance
wandelte der junge Prinz daher und bewegte sich mit einer Sicherheit,
als kannte er sich hier aus.
Legolas öffnete wieder die Augen und blickte kurz zu Gimli,
ohne ihm jedoch zu antworten. Er war viel zu aufgewühlt. Der
Grund, daß er sich so sicher zwischen diesen Bäumen bewegen
konnte, war, daß er ihre Anordnung kannte. Sie war nämlich
wie Zuhause in Düsterwald! Der Elb winkte Gimli zu sich und
spazierte durch die vertraute und doch fremde Gegend. Wenn er sich
nicht irrte, war dieser "Wald" einem besonderen Teil Düsterwalds
nach gebaut worden.
"Legolas, wohin gehst du? Was ist los?" fragte Gimli zunehmend
beunruhigt. Er folgte dem aufgeregtem Elben durch die Bäume
und sah ein Rehkitz an ihm vorbei springen. Verwundert blieb sein
Blick an diesem scheuen Tier haften. Erst Schmetterlinge, Vögel
und Hasen und jetzt auch noch Rehe! Gab es hier auch Orks? Gimli
machte einen Schritt zwischen die Bäume, um nachzusehen.
Legolas' Herz indes klopfte wild und sein Verstand meinte, einem
bösen Scherz zum Opfer gefallen zu sein. Nach der dritten Buche
war er abgebogen und an einigen blühenden Büschen vorbeigegangen...wie
immer wenn er Zuhause durch den Wald streifte. Und da stand er nun.
In einer kleineren Version breitete sich eine blühende Wiese
vor seinen Augen aus. Die gleichen Blumen und Gräser. Auch
hier waren die Bäume so angeordnet, daß die Sonne ungehindert
darauf scheinen konnte. Einzig die Schatten des Rahmens, der das
Glasdach festhielt, erinnerten Legolas daran, daß dies nicht
der Spielplatz war, auf dem er und seine Geschwister getollt hatten.
Der Besitzer des Hauses mußte schon einmal in Düsterwald
gewesen sein. Obendrein war er ein Künstler. Dies war ein Elbenwald,
denn es war Düsterwald.
Legolas wandte sich um, um das Gimli zu sagen, als er sich auf einmal
alleine in diesem Wald wieder fand. Er sah sich verwirrt um sich.
Wo war der Zwerg bloß hin? Er war ihm doch gefolgt. Er hatte
seine schweren Schritte doch hinter sich gehört. "Gimli?
Wo bist du? Gimli?"
"Na, na...was soll das?" fragte eine schläfrige Frauenstimme
mürrisch zwischen den Bäumen. Legolas' Unterkiefer fiel
herunter, als eine verschlafene Waldnymphe auf die Wiese stolperte
und sich im Sonnenlicht räkelte, während sie gähnte
und sich immer noch die Augen rieb. "Was ist hier los? Es ist
doch noch viel zu früh!"
Langes Haar fiel in sanften, goldenen Wellen über ihren nackten
Oberkörper bis zu ihrer schmalen Taille. Ihre sonnengeküßte
Haut schimmerte wie Seide und zwischen den Locken lugten die rosige
Brustspitzen hervor. Sie trug nichts außer einem grünen,
dünnen, durchsichtigen und an den Seiten geschlitztem Rock,
der von einem breiten Gürtel ganz tief in der Hüfte festgehalten
wurde. Goldene Armreifen klirrten leise bei jeder Bewegung, während
ein blauer Stein in ihrem Bauchnabel funkelte.
Sie blinzelte in die Sonne und blickte verwirrt um sich, bis sie
ihn entdeckte. Große grüne Augen wurden vor Verwunderung
aufgerissen. Sie schien ziemlich erstaunt zu sein, ihn hier zu sehen.
"Ein Elb...", flüsterte sie ehrfürchtig und
betrachtete ihn mit leuchtenden Augen. Legolas mußte lächeln.
Es war wirklich entzückend, wie Menschen bei dem Anblick eines
Elben reagierten. Manchmal gerieten sie in Wut und fingen an zu
fluchen, weil sie glaubte, Elben brächten nur Unglück
und Elend. Manchmal jedoch gerieten sie in Panik und liefen davon.
Und manchmal blieben sie sogar vor Schreck stehen. Aber ganz selten
benahmen sie sich wie diese junge Frau.
Völlig unbefangen und neugierig kam sie auf ihn zu. Legolas
blieb stehen, wo er war und ermutigte sie damit, sich ihm zu nähern.
Vielleicht konnte sie ihm sagen, wo Asani war und wo dieser Zwerg
sein konnte. Ihre Augen verließen nie sein Gesicht und pure
Freude ließ sich in den grünen Augen ablesen.
"Du bist wirklich ein Elb, oder?" flüsterte sie,
als hätte sie Angst, daß er ihr entwischen könnte.
Wie gesagt, Menschen waren manchmal so entzückend.
"Ja, das bin ich", erwiderte er lachend.
"Oh, wie schön!" Mit einem Freudenschrei warf sie
sich ihm an den Hals. Überrascht taumelte Legolas zurück
und prallte gegen einen Baumstamm. Er hielt das Mädchen dabei
fest, die sein Gesicht mit Küssen bedeckte und ihr Gewicht
auf ihn verlagerte.
"Wartet!" rief er halb lachend halb entsetzt. Soviel Freude
hatte er nun doch nicht erwartet.
"Bevor ich es vergesse", wisperte sie weich, während
ihr üppiger Busen sich an ihn drückte und ihre katzenhaft
grünen Augen ihn mit einem Hunger verschlangen, der Legolas
an ein Raubtier denken ließ. "Ich bin Lucille."
Er wollte sagen: "Angenehm, Lucille. Bitte laßt mich
los." Aber Lucille schmiegte sich an ihm und küßte
ihn voll auf dem Mund. Als er sein Gesicht wegdrehte, verlagerte
sie ihre leidenschaftlichen Küsse auf eine andere Stelle. Gierig
koste sie sein Kinn, seinen Hals und seine Brust. Verwundert sah
er hinunter und bemerkte, daß sie ihn unbemerkt entkleidet
hatte.
"Nein, deswegen bin ich nicht hier!" rief er und hielt
sie schnell fest.
"Es wird dich nichts kosten", schnurrte sie verführerisch
und ließ den Gürtel ins Gras fallen, den er noch vor
einigen Sekunden um die Taille getragen hatte. "Für dich
mache ich absolut kostenlos..."
"Kostenlos?" wiederholte Legolas etwas verwirrt und reagierte
einen Takt zu spät, als sie ihn mit einem groben Schubs zu
Boden warf. Er konnte zwar ihre Hände festhalten. Aber es hinderte
sie nicht daran, sich direkt auf sein Geschlecht zu setzen. Keuchend
ließ er ihre Hände los und hob sie von sich hoch, um
sie auf eine weniger empfindlichen Stelle zu setzen. Aber nun hatte
sie die Gelegenheit seine Sachen von seinen Schultern zu schieben
und zu zerren. Diese Lucille hatte ihre Hände überall!
"Was wird mich nichts kosten?"
"Na, du weißt schon", gurrte sie zärtlich in
sein Ohr, während sie entzückt über seinen entblößten
Oberkörper strich. Wieder fing er ihre vorwitzigen Hände
ein und achtete sorgsam darauf, daß sie sich nicht wieder
auf seine Männlichkeit niederließ. Allerdings machte
sie diesmal etwas ganz anderes. Sie legte sich einfach auf ihn drauf.
Sie warf das lange Haar zurück und bald lag sie Haut an Haut
auf ihn. Ihre grünen Augen leuchtete verheißungsvoll,
als sie fortfuhr. "Etwas Freude und Entspannung...Liebe."
Legolas hob die Brauen und schüttelte angewidert den Kopf.
Das können sich auch wirklich nur Menschen ausdenken. Sie verkauften
wirklich alles. Sogar sich selbst. Sanft, aber kein Widerspruch
duldend, schob er sie von sich und hielt sie auf Distanz, während
er seine Sachen wieder schloß. "Dafür zahlt man
nicht und ich werde Eure...Dienste auch nicht in Anspruch nehmen.
Kostenfrei oder nicht."
"Aber weswegen bist du dann hier, schöner Elb?" fragte
sie schmollend und griff wieder nach seiner Jacke. "Was soll
man denn sonst in einem Bordell?"
"Ein Bordell?" Legolas sah sie mit großen Augen
an. "Das hier ist ein Bordell?" Asani war in einem Bordell
abgestiegen? Was machte sie hier? Doch nicht etwa das Gleiche wie
Lucille, oder?
Diese nutzte gerade seinen Schock schamlos aus und zog ihm die grüne
Jacke wieder von den Schultern. "Ja, das beste und exklusivste
weit und breit. Männer und Frauen sind hier gleichermaßen
willkommen. Wir sind diskret und sehr erfahren, daher das viele
Geld und die kostbaren Geschenke wert. - Aber für dich, meiner
schöner Elb, kostet dich das hier nicht einen Kupferling."
Mit einem geübten Handgriff riß sie ihm das Hemd wieder
auf und warf sich ihm mit viel Enthusiasmus entgegen. Ihre zarten
Arme lagen um seinen Hals und drückten sein Gesicht an ihren
weichen Busen, während sie sich mit einem Sprung auf seinen
Schoß setzte.
Legolas befreite sich vorsichtig aus ihrer Umarmung. So aufdringlich
und unverschämt sie auch war, er wollte ihr nicht wehtun. Er
packte sie an den Schultern und hielt sie eine Armlänge von
sich. "Deswegen bin ich nicht hier." Er unterstrich jedes
seiner Worte mit einem kleinen Schütteln, damit sie ihn aufmerksam
zuhörte.
Sie schien verstanden zu haben, denn sie verzog ihren schönen
Mund zu einer Schnute und ihre hohe, glatte Stirn runzelte sich.
Sie verschränkte ihre Arme unter dem Busen und blickte ihn
schmollend an. "Was willst du dann hier?"
Als sie ruhig sitzen blieb und ihre Hände bei sich behielt,
ließ er sie wieder los. "Ich suche jemanden. Ihr Name
ist Asani."
Sie verharrte völlig starr auf ihm und schien durch ihn hindurch
zu blicken. Aber dann atmete sie tief ein und ihre Hände krallten
sich in seine Sachen. "Asani? Du suchst Asani? Die Ifrey?"
"Ganz genau." Legolas seufzte. Diese Frau zerfetzte seine
Sachen. Vorsichtig löste er ihre Finger aus seinem Hemd. Er
wollte dieses Haus mit einem intakten Hemd verlassen.
Lucille schrie entsetzt auf. Wieder schlang sie ihre Arme um ihn
und sein Gesicht wurde erneut an ihren nackten Busen gedrückt.
"Oh, mein schöner Elb, was hast du bloß angestellt?"
"Verzeiht, ich verstehe nicht." Wieder hielt er sie an
den Armen fest und drückte sie von sich. Vielleicht sollte
er sie hier absetzen und gehen. Aber da hielt sie sein Gesicht mit
beiden Händen fest und zu seinem grenzenlosen Erstaunen sah
er Tränen und Panik in ihren schönen Augen.
"Diese Asani ist kein Freudenmädchen, mein schöner
Elb", flüsterte sie schluchzend. "Asani ist so ein
gemeines Biest. Sie lockt die gesuchten Männer herein, um sie
hier erlegen."
Legolas sah sie fragend an. Für so eine junge Person redete
sie ziemlich verworren. "Erlegen?"
"Sieh dich um!" rief sie leise und streckte dabei die
Arme weit von sich. "Das ist ein Wald. Und in Wäldern
pflegt man zu jagen. Asani ist der Jäger und du, mein Elb,
bist ihre Beute! Und wenn sie dich hat, verschnürt sie dich
ein wie ein Rindvieh und kassiert das Kopfgeld ein.- Verstehst du?
Sie ist eine Kopfgeldjägerin!" Sie stand auf und packte
seine Hand. Erfolglos versuchte sie ihn hochzuziehen. "Bitte,
du muß dich verstecken!"
Er seufzte geschlagen und packte das Mädchen am Handgelenk.
Sanft zog er sie zurück und hielt sie tröstend in den
Armen, als sie anfing, bitterlich zu weinen. "Keine Sorge.
Ich bin mir sicher, daß Asani mir nichts antun wird."
"Doch, das wird sie!" jammerte Lucille und hielt ihm fest
umklammert. "Erst schlägt sie dich grün und blau
und dann rasiert sie dir deinen Schädel, um dein wundervolles
Haar zu verkaufen! Sie ist gemein!"
"Nein, Asani ist nicht gemein", erwiderte er sanft und
klopfte dem Mädchen auf den Rücken, während er gleichzeitig
versuchte, ihre Umklammerung zu lösen. "So etwas macht
sie nicht."
"Du kennst sie nicht!" schrie Lucille und hämmerte
mit ihrer kleinen Faust gegen seine Brust. "Sie ist so eine
kleine, gemeine, absolut böse..."
Legolas legte die Hand über ihren Mund und unterbrach damit
ihre Beschreibung von Asani, als er eine Welle vor Zorn auf sich
zu kommen spürte. Sie war ganz plötzlich da und schreckte
ihn ziemlich auf. Beschützend drückte er Lucille an sich,
während er sich nach einer möglichen Gefahrenquelle umsah.
Als er keine erkannte, blickte er hinunter in Lucilles große
grüne Augen, die ihn verwirrt ansahen. Beruhigend strich er
über ihren Kopf und wollte ihr einige tröstenden Worte
sagen, um ihr die Angst zu nehmen, als er dieses verräterisch
Blitzen von Stahl zwischen den Bäumen sah...und es kam direkt
auf sie zu! Ihm gingen die Augen über, als er sah, was auf
ihn so blitzend und gefährlich auf ihn zu geschossen kam. Ein
Schwert!
Er drückte Lucilles Kopf an die Brust und warf sich mit ihr
flach auf den Boden, während das Schwert sich mit hohlen, lauten
Klingen in einen Baumstamm hinter ihn bohrte. Ein Zittern ging durch
den Baum, das bis hinauf ins Blätterdach reichte. Die Vögel,
die auf den dünnen Ästen gesessen hatten, flatterten hysterisch
zwitschernd davon.
Lucille schrie und klammerte sich schutzsuchend an Legolas, der
sich dieses Schwert genauer ansah. Das Schwert war aus Mithril und
im oberen Drittel waren zwei Lilien eingraviert. Die Verschnörkelungen
und Darstellung der Blumen waren elbischen Ursprungs. Der Griff
war ganz simpel mit einem dunklen Band verbunden. Es war Asanis
Schwert.
Legolas sprang auf die Beine...zumindest versuchte er es, denn mit
einer wimmernden und klammernden Lucille war es etwas schwer. So
setzte er sich nur auf und blickte sich um. Wo dieses Schwert war,
da war auch Asani nicht weit. Und er hatte recht. Sie stand direkt
vor ihm. Inmitten der Wildblumen und den saftigen Gras stand sie
mit verschränkten Armen und unbewegtem Gesicht da. "Störe
ich?"
Ende des 19. Kapitels
**********************************************************************
Ich hätte auch gern ein Wald im Haus...so mit eigenem Ökosystem
und Elben und so. Naja, wie auch immer...Hier ist also das Wiedersehen
von Asani und Legolas...leider nicht so süß und romantisch
und voller Liebe, wie ich es vorhatte...aber so ist es ja auch nicht
schlecht, ODER????