Kapitel
15
JUGENDFREIEVERSION
Oh süßer,
schwerer Wein
Als Legolas aus dem großen Badezimmer
trat, war alles ruhig im Gasthaus. Er mußte die letzte wache
Seele in diesem Haus sein. Zumindest hoffte er es. Er hatte sich
viel Zeit beim Baden gelassen und das heiße Wasser in vollen
Zügen genossen. Anders als Aragorn, Gimli und die fünf
Ritter, die sogar für ein schnelles Abschrubben zu müde
waren und sich nichts sehnlicher wünschten, als sich in die
weichen Daunen ihrer Betten zu kuscheln. Eigentlich stand dem Elben
genau das im Sinn, aber er war sich nicht ganz sicher, ob er zur
Ruhe kommen würde. Schließlich teilte er sich das Zimmer
mit seiner Sklavin.
Ein säuerliches Lächeln schlich sich über seine Lippen.
Sklavin. Wie kam die Wirtin bloß darauf? Aber wenigstens verstand
er, warum sie ihn mit soviel Ekel und Abscheu angesehen hatte. Legolas
schloß seufzend die Tür und warf Hemd und Jacke über
die Schulter. Da jetzt sowieso jeder schlief, machte er sich nicht
die Mühe sich ganz anzuziehen. Die Schuhe in einer Hand und
die Hosen nur locker zugebunden, hing etwas tiefer als sonst in
der Hüfte. Das lange Haar hatte er nicht gewaschen, dafür
hatte der Regen gesorgt, durch den er und die Gruppe geritten waren.
Er war froh, daß sie endlich trocken waren.
Lautlos machte er sich auf den Weg zu dem Zimmer, daß ihm
der Wirt, der ihn für Asanis Vater hielt, gezeigt hatte. Es
war ein kleines Gemach gewesen, aber sehr gemütlich mit niedriger
Balkendecke und eigenem Kamin, vor dem ein sorgfältig gekämmter
Fellteppich lag. Es gab nur ein Fenster, aber es war liebevoll mit
buntem Glas gestaltet. Legolas konnte sich das Farbenspiel im Zimmer
bei Tageslicht ausmalen. Es mußte wunderschön sein. Aber
leider gab es nur ein Bett. Es war zwar aus massiven Holz und einigermaßen
breit. Aber eben nur ein Bett.
Etwas überrascht hörte er, wie eine Tür geöffnet
wurde. Aber es war in einem Gasthaus nichts außergewöhnliches,
wenn jemand mitten in der Nacht auf stille Örtchen mußte.
Dennoch hielt Legolas inne. Er kannte den Klang dieser energischen
Schritte. Seufzend blieb er stehen und lächelte höflich,
als die Wirtin um die Ecke bog und fast in ihn hineinlief.
Legolas verkniff sich das Lachen, als die Wirtin entsetzt Luft holte,
als sie plötzlich seinen nackten Bauch vor sich fand. Völlig
entgeistert starrte sie seinen Bauchnabel an und auf ihrer Stirn
erschien eine steile Falte, als sie langsam zu ihm hochsah. Indigniert
hob sie die Brauen, als er keine Anstalten machte, sich das Hemd
überzuziehen.
Sein Bruder Damelos hätte sich an seiner Stelle sofort angezogen,
um der Zwergin zu zeigen, daß Elben durchaus Anstand und Moral
hatten. Aber er war nicht Damelos und viel zu müde, um seine
guten Manieren oder sein diplomatisches Geschick hervorzuholen.
Also tat er so, als sei er vollständig gekleidet und verneigte
sich vor ihr. "Ich wünsche Euch eine gute Nacht, Frau
Wirtin."
Als sie ihn immer noch stumm anstarrte, schenkte er ihr noch ein
liebenswürdiges Lächeln und ging an ihr vorbei.
"Halt!"
Der Elbenprinz drehte sich langsam zu ihr um und auf sein Gesicht
breitete sich ein erstaunter Ausdruck aus, als sie ihm mit grimmiger
Miene einen gerollten Schlafsack hinhielt. "Hier!"
Als er zuerst fragend den Schlafsack und dann sie ansah, zog sie
hochmütig die Brauen hoch und erklärte brüsk: "Die
junge Dame schläft im Bett und Ihr werdet es auf den Boden
tun. Unser Haus hat einen anständigen Ruf, also beherrscht
Euch wenigstens für diese Nacht."
Legolas' Mundwinkel hoben sich zu einem widerstrebenden Lächeln,
als er den Schlafsack entgegen nahm. Was er sich nicht alles gefallen
lassen mußte. Die Wirtin stemmte ihre Hände in die Hüften
und fuhr im gleichen drohenden Ton fort: "Und ich rate Euch,
Euch daran zu halten, sonst wart Ihr die längste Zeit unsterblich."
Legolas blickte sie ungläubig an. Sie jedoch hob ihr Näschen
etwas höher, machte auf den Absatz kehrt und stolzierte einfach
davon. War er froh, daß Gimli nicht zugegen war. Der hätte
sich wahrscheinlich nur wieder krumm und schief gelacht. Den Kopf
schüttelnd klemmte er sich diese Rolle unter dem Arm und setzte
seinen Weg fort.
Vor der Tür seines Zimmers blieb er stehen und klopfte leise
an. Als sich drinnen nichts regte, öffnete er vorsichtig die
Tür. Er hatte damit gerechnet, sich in einem dunkeln Raum tasten
zu müssen, aber ein Meer von Kerzenlicht hieß ihn willkommen.
Vielleicht war es doch nicht so schlimm auf den Boden zu schlafen.
Schließlich brannte im Kamin ein Feuer und der Fellteppich
sah sehr dick aus.
Legolas warf einen Blick aufs Bett und schüttelte wieder den
Kopf. Asani schlief tief und fest, lag allerdings quer mit ausgebreiteten
Armen auf dem Bett und ihre Beine hingen heraus. Es sah aus, als
wäre sie aus lauter Müdigkeit einfach ins Bett gefallen.
Sie trug ein Hemd, das ihr die Wirtin geliehen haben mußte,
denn es war viel zu kurz und entblößte ihre Beine. Und
obendrein hatte sie ihre Armschienen nicht abgenommen.
Er warf Hemd, Jacke, Schuhe und Schlafsack auf einen Stuhl und ging
zum Bett. Man konnte sie wirklich nie aus den Augen lassen. Er beugte
sich, um einen Arm unter ihre Knie und den anderen unter ihren Rücken
zu schieben. Ohne viel Mühe hob er sie hoch und legte sie richtig
ins Bett. Dann machte er sich daran, ihr die Armschienen abzunehmen.
Er nahm ihr Handgelenk und griff nach den sensiblen Schnallen, als
ihre andere Hand plötzlich vorschoß und ihn an seiner
Gurgel packte.
Das war sogar für ihn zu schnell, denn er fuhr keuchend zurück
und hielt ihr Handgelenk fest. Während er nach Luft rang, versuchte
er sich ihrem harten Griff zu entziehen, aber das bewirkte nur,
daß er sie mit sich zog. Sie hing dann schließlich halb
aus dem Bett. Die Hand immer noch fest um seinen Hals.
"Asani!" stieß er hervor. "Wacht auf!"
Irgendwann, als Legolas dachte, daß er gleich ohnmächtig
werden würde, flatterten ihre Lider und schließlich blickte
sie ihn mit einem schläfrigen Blick an.
"Asani, laßt mich los...", keuchte er verzweifelt.
Ihre Brauen gingen etwas in die Höhe, als sie ihn endlich erkannte
und losließ. Legolas hatte kaum Zeit, sich um seine malträtierte
Gurgel zu kümmern, weil er sie auffangen mußte, damit
sie nicht auf den Boden aufschlug. Seine Arme schoben sich genau
unter ihre Achseln und stoppten so ihren Fall.
"Da seid Ihr ja endlich", murmelte sie mürrisch und
gleich darauf fiel ihr Kopf auf seine Schulter. "Hab auf Euch
gewartet", murrte sie weiter und rieb ihre Nase in der Kuhle
zwischen seinem Hals und seiner Schulter. "Was habt Ihr so
lange gebraucht?"
"Warum habt Ihr auf mich gewartet?" Legolas setzte sich
neben ihr auf das Bett und legte sie vorsichtig in die Kissen. Er
spürte immer noch ein Kribbeln, wo ihr warmer Atem auf seine
nackte Haut blies.
"Muß doch den Tag mit Euch beenden."
Als er sie erstaunt ansah, weiteten sich ihre Auge und sie blickte
ihn sehr bestürzt an. Sie setzte sich halb auf und griff nach
seiner Schulter. "Wir sind doch noch Waffenbrüder, oder?"
"Aber natürlich", versicherte er schnell. Sie schien
betrunken zu sein. Wieviel hatte sie getrunken? Vier oder fünf
Becher von dem Wein? "Warum sollten wir denn keine sein?"
"Weil Ihr einfach gegangen seid."
Er lächelte, als sie das Gesicht voller Kummer verzog und schmollte.
"Das tut mir leid."
"Das sollte auch", grummelte sie und schob seine Hände
weg, als er wieder nach den Armschienen griff. "Nein, ich nehme
sie nicht ab."
"Im Bett werdet Ihr sie nicht brauchen", versuchte er
einzulenken und hielt sanft ihr Handgelenk fest. "Außerdem
ist es nicht sehr angenehm, damit zu schlafen."
"Sie sind ein Geschenk von Euch", erwiderte sie trotzig.
"Ich kann sie nicht abnehmen."
So unsinnig diese Begründung auch klang, es rührte ihn
sehr und es brachte ihm sogar zum Lächeln. Bedeuteten diese
beiden Armschienen ihr tatsächlich soviel?
"So?" Er blickte sie gespielt streng an. "Dann werde
ich Euch dieses Geschenk wieder nehmen."
Es war scherzhaft gemeint, aber sie hielt ihm daraufhin sofort den
Arm hin. Legolas' Braue zuckte hoch, als er ihr die Armschienen
abnahm. Sie mußte sturzbetrunken sein, wenn sie so gehorsam
war. Er strich über ihren Arm und untersuchte bei dieser Gelegenheit
auch ihre Oberarme. Nur zu gut erinnerte er sich, wie der Orkpfeil
sie am Arm gestreift hatte. Der Schock, sie bluten gesehen zu haben,
war noch nicht ganz gewichen. Legolas rollte ihre Ärmel hoch
und strich mit sanfter Hand über die warme Haut. Nichts. Keine
Wunde, kein Kratzer, keine Narbe. Was hatte er erwartet? Sicherlich
nicht diese samtene Glätte unter seiner Hand. Ihre Beine fühlten
sich genau so an.
"Legolas?"
"Ja?"
"Seid Ihr mir noch böse?"
"Weswegen?"
"Wegen den Orks", erwiderte sie leise. Sie hob die Hand
und wollte ihn zu sich ziehen, aber da er kein Hemd trug, griff
sie nach seinen Haaren. Legolas gehorchte dem Ziehen und neigte
sich zu ihr. Zum Einem tat es weh und zum anderem war sie betrunken...und
zum dritten...sehnte er sich sehr danach, ihr nahe zu sein. Von
ihr schien immer ein leichter Blumenduft auszugehen, aber man roch
ihn erst, wenn man nah genug bei ihr war. "Seid Ihr mir noch
böse?"
"Nein, das bin ich nicht." Legolas küßte sie
flüchtig auf die Stirn. Heute roch sie nicht nach Blumen aber
nach einem sehr duftenden Öl. Es war ein sehr angenehmer Duft.
Betörend, aber so dezent, daß er am liebsten sein Gesicht
in ihren Hals gegraben hätte, um ihn ganz und voll einatmen
zu können. Erst ihre leise Stimme rief ihn in die Wirklichkeit
zurück.
"Wirklich nicht?"
Sie hatte ihn wieder losgelassen, aber Legolas blieb, wo er war
und schnippte eine Strähne aus ihrer Stirn. "Wirklich
nicht."
Auf ihrem Gesicht breitete sich ein so glückliches Lächeln
aus, wie er es noch nie gesehen hatte. Ihre Augen funkelten wie
Sterne und sie sah so zufrieden aus, daß er fast lachen mußte.
Aber dann wurde er wieder an den Haaren gezogen und diesmal berührten
sich fast ihre Nasenspitzen.
"Ich halte mich dann auch wirklich an mein Versprechen",
sagte sie ernst und blickte ihm direkt in die Augen. Als er ihr
nicht antwortete, verstärkte sich ihr Griff und sie hob ihm
sogar ihr Gesicht entgegen. Es fehlte nicht viel und sie hätte
ihn geküßt, aber statt dessen wisperte sie kaum hörbar:
"Ich werde Euch immer sagen, wann ich in den Kampf ziehe. Ich
werde mein Wort nicht brechen."
Legolas hauchte einen Kuß auf ihren Mundwinkel und stützte
sich auf den Ellbogen ab, als er auf sie herabsah. "Ich weiß."
"Ich werde mein Wort niemals brechen", wiederholte sie
etwas lauter. "Meine Mutter hat das auch immer getan. Aber
einmal sagte sie uns nichts und ging einfach los. Sie kam dann nie
mehr zurück."
Legolas hörte schweigend zu und legte sich vorsichtig zu ihr.
Sofort kuschelte sie sich an ihn und legte einen Arm um seine Taille.
Es störte ihn nicht, daß sie ihr Gesicht an seiner Brust
rieb und ihr warmer Atem gegen seine nackte Haut blies.
"Wir haben gewartet, aber sie kam nicht zurück. Vater
hatte wochenlang nicht geredet."
"Und Ihr?"
"Ich fühlte mich so klein", nuschelte sie und betonte
ihre Worte, indem sie Zeigefinger und Daumen zusammen preßte.
Legolas beobachtete teils befremdet teils amüsiert, wie sie
plötzlich anfing, mit zusammengekniffenen Augen auf ihre Hand
zu sehen. Sie fuhr erst fort, als er ihre Hand in seine nahm. "Ich
konnte gar nichts tun. Papa schickte mich ständig weg, wenn
die Orks angegriffen haben."
"Da band Ihr Euch an das Schwert?"
"Ja, genau", sie rollte sich auf den Rücken und blinzelte
ihn erstaunt an. "Genau, das habe ich getan. Woher wißt
Ihr das?"
"Ich habe geraten." Legolas lächelte milde. Sie war
betrunken.
"Ich war ziemlich überrascht, daß das geklappt hatte.
Ich meine, das passiert ganz selten und dann nur bei großen
Kriegern. Aber ich war noch nie bei einer großen Schlacht
dabei gewesen. Ich war doch nur so klein." Wieder hielt sie
Daumen und Zeigefinger zusammen gepreßt.
Grinsend fing er ihre Hand ein und drückte sie an sein Herz.
"Ihr seid keineswegs klein."
"Ich bin immer noch klein", sagte sie wehmütig, "obwohl
ich das Schwert hatte und all diese Orks besiegt hatte, kam Mama
nicht zurück."
Mit einem schweren Seufzer schmiegte sie sich wieder an ihm. Liebevoll
hielt er an sich gedrückt und hauchte tröstend einige
Küsse in ihr Haar. Legolas hatte nun seinen Moment voller Vertrauen
und Offenheit mit ihr. Daß sie betrunken war, wollte er übersehen.
"Legolas?"
"Ja?"
"Warum sind hier keine Haare?" fragte sie plötzlich
und tippte auf seine nackte Brust.
Legolas hielt sie etwas von sich und blickte sie baff an. Sie jedoch
sah ihn so ernst an, als wäre seine haarlose Brust ein wirklich
schwerwiegendes Problem. Er fing an zu lachen, als sie auf einmal
erschrocken verkündete: "Ihr seid gar kein Mann!"
"So? Warum nicht?" fragte er grinsend.
"Na, ein Mann hat da Haare", sagte sie simpel.
Legolas rückte noch mehr von ihr ab und blickte sie herausfordernd
an. "Wollt Ihr sagen, daß ich dann eine Frau bin?"
Sie runzelte nachdenklich die Stirn, antwortete aber nicht sofort,
sondern fuhr mit der Hand über seine Brust. Er hielt den Atem
an, als sie mit dem Finger eine flache Brustwarze umkreiste. "Für
eine Frau seid Ihr zu flach..." Ihr Blick verlor sich und sie
schien gar nicht wahrzunehmen, wie sich seine Bauchmuskeln anspannten,
als ihre Hand darüber strich. "...zu hart..."
"Asani..." Legolas schluckte schwer. Er fand sich so erbärmlich,
daß er nicht fähig war, ihre Hand zu packen und von sich
wegzunehmen. Statt dessen lag er wie angegossen da und sah zu, wie
ihre Hand über seinen Oberkörper strich. Es lag keine
erotischen Absichten in diesen Berührungen, das konnte er ihren
Blick entnehmen, aber trotzdem fing er an, zu zittern.
"Ihr riecht ganz anders", bemerkte sie etwas vorwurfsvoll,
"aber Euer Haar ist so lang wie meines..." Lächelnd
wickelte sie eine Strähne um ihren Finger. "Heller als
Mondlicht auf den Eisbergen...und so weich..."
Er beobachtete sie, wie sie mit seinen Haaren spielte und sich mit
einer Strähne über ihre Wange strich. Sie kicherte dabei
und sagte noch etwas, aber es war in ihrer eigenen Sprache und Legolas
verstand das Wort "schön". Fand sie sein Haar schön
oder ihn?
Eigentlich kümmerte es ihn nicht wirklich. Betrunken oder nicht.
Ihrer Neugier auf ihn begann ihn langsam zu verzaubern. Sie hatte
sein Haar losgelassen und war näher zu ihm gerückt. Mit
dem Fingerspitzen zeichnete sie seine Gesichtszüge nach. Er
schloß die Augen, als sie die perfekten Bögen seiner
Brauen nachfuhr, ihre Finger über die dichten Wimpernkränze
wisperten, die hohen Wangenknochen mit unendlicher Zartheit betasteten
und über den geraden Nasenrücken strichen. Er ächzte
überrascht, als sie sein rechtes Ohr einer näheren Untersuchung
unterzog. Seine Arme knickten ein und er hielt sich nur mit Mühen
auf den Ellbogen gestützt, als sie das Ohrläppchen zwischen
Daumen und Zeigefinger massierte. Zuerst vorsichtig und dann immer
kräftiger.
"Asani, bitte laßt das...", hauchte er hilflos.
Spätestens jetzt hätte er sich von ihr losreißen
müssen. Aber er ließ es zu, daß sie sein Gesicht
mit beiden Händen umfaßte und ihn näher an sich
zog. Er biß sich auf die Unterlippe, als er ihren heißen
Atem in seiner Ohrmuschel spürte. Unbewußt schob er einen
Arm unter ihren Rücken und hob sie etwas zu sich, während
er auf ihre nächste Berührung wartete. Er dachte sein
Herz blieb stehen, als sie in das Ohrläppchen biß.
Es war nicht zu leugnen. Es tat weh. Er zog zischend den Atem an
und kniff die Augen zusammen. Das Ohr eines Elben war sehr, sehr
empfindlich. Dann, als würde sie sich entschuldigen wollen,
küßte sie das mißhandelte Fleisch und Legolas vergaß
den Schmerz. Er schmolz dahin, als sie auch noch anfing, es zärtlich
mit der Zunge zu kosen. Seine Sinne schwanden langsam und grub mit
einem leisen Knurren in der Kehle sein Gesicht in ihren Hals. Wenn
sie sich nicht nur auf das Ohrläppchen konzentrieren würde.
Er drehte etwas seinen Kopf, um ihr einen kleinen Hinweis zu geben,
aber sie ignorierte das völlig und drückte ihn statt dessen
wieder etwas von sich weg. Seufzend gab er nach und blickte ihr
ins Gesicht.
Etwas enttäuscht bemerkte er, daß sie nicht so außer
Atem und außer sich war wie er. Nun ja, schließlich
wurde nur er an einer seiner empfindlichsten Stellen gebissen und
geküßt. Sie hatte ihre Entdeckungsreise wieder aufgenommen,
denn ihr Daumen strich über seine Unterlippe und sie untersuchte
mit gerunzelter Stirn die Weichheit seiner Lippen.
Legolas wußte nicht, was in ihm gefahren war, aber er hielt
ihre Hand fest und ließ ihren Daumen zwischen seinen Lippen
in seinen Mund gleiten. Mit einem wissenden Lächeln beobachtete
er, wie sie scharf einatmete und hypnotisiert auf seinen Mund starrte.
Er umkreiste ihren neugierigen Daumen mit der Zungenspitze und leckte
langsam über das sensible Fleisch. Sein Lächeln vertiefte
sich. Allein das hatte ihren Atem stocken lassen. Ihr tief in die
Augen blickend biß er zart in ihren Daumen. Sie zuckte zusammen
und sah ihn zutiefst bestürzt an. Als würde sie nicht
ganz verstehen, was er da tat. Trotz ihrer weit aufgerissenen Augen,
war nichts, daß sich gegen ihn sträubte. Kein scharfes
Wort, kein angeekelter Blick, keine abwehrende Bewegung. Er spürte
sogar, wie ihr anfänglicher Schock wich und sich ihre Anspannung
löste. In ihren dunklen Augen blitzte etwas auf, daß
Legolas amüsiert als Neugier erkannte. Sie war in Form eine
schüchterne Frage. Was sollte...könnte als nächstes
kommen? Als er nur stumm ihren Blick erwiderte, zeigte sich Ungeduld
auf ihren Gesichtszügen. Sie leckte sich Unterlippe und schluckte.
Legolas küßte ihre Handfläche, ein mildes Lächeln
auf den Lippen, um sie zu beruhigen. Gerne würde er ihre stumme
Frage beantworten, aber ihm kam zu Bewußtsein, daß er
das hier nicht tun sollte. So verlockend es auch war. Sie war sein
Waffenbruder und obendrein betrunken. Sie vertraute ihm. Zumindest
in diesem Augenblick. Es war falsch, das auszunutzen.
Er tupfte einen letzten Kuß auf ihre Lippen, ehe er sich von
ihr zurückzog. Er schwang die Beine aus dem Bett und wollte
sich aufsetzen, als plötzlich ihre Hand vorschoß und
sein Gesicht zu ihr drehte. Der andere Arm schlang sich um seinen
Hals und sie zog sich so zu ihm hoch, um ihn voll auf den Mund zu
küssen. Er versteifte sich kurz, weil er von diesem "Angriff"
überrumpelt wurde. Aber gerade als er anfing, die süße
Unschuld ihres Kusses zu schmecken, hörte es auch schon wieder
auf. Sie sank in die Kissen zurück und sah ihn wie verzaubert
an. Als wäre er ein Wunder.
Sie stützte sich wieder dann auf die Ellbogen und ihr Blick
hing an seinen Lippen. Legolas konnte nicht zurückweichen.
Er konnte sie auch nicht zurückweisen. Schon gar nicht, als
sie ihn wie jetzt ansah. Er hatte diesen Blick schon sehr oft gesehen.
Ein Hunger nach Berührungen, das Begehren nach einem Kuß,
das Verlangen nach etwas jenseits der Unschuld. Aber all dies aus
ihren Augen zu erkennen, entlockte ihm kein spöttisches oder
nachsichtiges Lächeln wie sonst auch. Es raubte ihn vielmehr
den Atem.
Deswegen wehrte er sich auch nicht, als sie ihm eine Hand in den
Nacken legte und ihn zu sich herunterzog. Kein Gedanke an richtig
oder falsch wurde verschwendet, als er sie in seine Arme nahm und
seinen Mund unverzüglich auf ihren senkte. Ihre Unschuld war
offensichtlich, aber ihr Eifer ebenso. Es war Zeit, daß man
sie einiges übers Küssen lehrte. Er begann damit, ihr
zu zeigen, daß außer den Lippen die Zunge beim Küssen
eine wichtige Rolle spielen konnte. Langsam fuhr seine Zungenspitze
über die Kontur ihrer Lippen, neckte sie zärtlich und
er verstärkte den Druck seiner Lippen, bis sie mit einem leisen
Keuchen den Mund öffnete.
Schüchtern war ihr erster Versuch, ihn zu imitieren. Ihre Zunge
stupste etwas unbeholfen gegen seine und zog sich erschrocken zurück,
weil es so fremd für sie war. Aber sie war zur Furchtlosigkeit
erzogen und wagten einen neuen Vorstoß. Außerdem half
Legolas ihr nur allzu gern und machte zuerst vor, was möglich
war. Langsam, beinahe träge erkundete er das Innere ihrer Mundhöhle,
um sie nicht zu verschrecken, und forderte sie auf, das gleiche
bei ihm zu tun. Er schmeckte noch die Süße des Weines,
den sie Stunden zuvor getrunken hatte. Es erinnerte ihn vage daran,
daß sie betrunken war und das hier im nüchternen Zustand
niemals zulassen würde. Aber noch mehr war ihm die Tatsache
bewußt, daß nur ein dünnes Hemd ihn von ihrer nackten
Haut trennte. Allein die Vorstellung an ihren nackten Körper
brachte sein Blut noch mehr zum Kochen. Sein Herzschlag war so laut,
daß er sein eigenes heftiges Atmen nicht hörte, als ihre
Hände über seinen Rücken strichen und an dem Hosenbund
zerrten.
[Szene, die nichts für kleine
Mädels ist ;)
Nein, im Ernst - nur ein bisschen rumgeknutsche und Petting, als
es gerade mehr wird schläft sie ein]
Aber dann fielen ihre Hände schlaff
herab und ihr Herzschlag verlangsamt sich etwas. Bei ihm schrillten
alle Alarmglocken und er sah besorgt auf. Der Kuß mochte wirklich
sehr lang und heftig gewesen sein, aber doch nicht so lang, daß
sie ohnmächtig werden konnte, oder? Als er ihr ins Gesicht
blickte, wußte er nicht, ob er lachen oder schreien sollte.
Sie war eingeschlafen.
"Das kann nicht wahr sein." Legolas war wirklich hin und
her gerissen. Das war ihm noch nie passiert. Noch nie! Ernsthaft
frustriert stöhnte er auf und seine Stirn fiel auf ihre Schulter.
Er brauchte lange, bis seine Atmung sich normalisiert hatte und
das ganze mit etwas mehr Humor sehen konnte. Was hatte Haldir einmal
gesagt? Betrunkene Sterbliche als Bettgefährten waren das Letzte.
Das Allerletzte. Er lachte in sich hinein. Wie konnte er sich bloß
darauf einlassen? Was hatte er sich bloß dabei gedacht?
Er zog grinsend eine Spur von Küssen über ihren Hals bis
zu ihren Brüsten, die er die ganze Zeit über schmählich
vergessen hatte. Probeweise nahm er eine Brustwarze in den Mund
und wurde mit einen kleinem Wimmern belohnt. Er war versucht, sie
zu wecken, aber man vergriff sich nicht an schlafende und betrunkenen
Frauen...obwohl er bei dieser hier eine Ausnahme machen würde.
Sie hatte ihn gebissen und gekratzt wie eine Raubkatze und bedrängt
wie noch nie jemand zuvor. Dann hatte sie die Frechheit, mitten
im erregendsten Vorspiel einzuschlafen. Wieder mußte er lachen.
Was hatte er bloß angestellt, daß ihm das Schicksal
mit diesem Mädchen zusammen geführt hatte? Vorsichtig
zog er von sich zurück, um sie nicht zu wecken und deckte sich
und sie zu. Kaum hatte er sich zu ihr gelegt, drehte sie sich auch
schon zu ihm um und kuschelte sich an ihm.
Legolas rieb nachdenklich sein Kinn an ihren Haaren und lauschte
ihren tiefen Atemzügen. Ein schwaches Lächeln floh über
seine Lippen, als ihm der Gedanke kam, daß sie sich morgen
wahrscheinlich gar nicht daran erinnern konnte. Es wäre schade.
Nur zu gern, hätte er gewußt, ob sie ihn den Kopf abgerissen
oder sich verschämt zurückgezogen hätte. Aber er
wollte weder ihren Haß noch Scham. Es war demnach besser,
wenn sie sich nicht erinnerte.
Legolas bedauerte es jetzt schon, denn er hatte Geschmack an ihren
Küssen gefunden und Gefallen an ihrer ungezügelten Art,
ihn den Rücken zu zerkratzen. Er gähnte herzhaft und legte
besitzergreifend einen Arm um sie. Aus dem letzten Rest von Frust,
den er empfand, schob er ein Bein zwischen ihre und zog sie halb
unter sich. Er machte sich keine weiteren Gedanken darüber,
was morgen sein würde, aber er würde das hier nicht vergessen.
Ende des 15. Kapitels
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Es ist superlang und sowas von langweilig. Was könnte das sein?
Genau! Sleepy Tigers erste "graphische" Liebesszene! Ich
bereue nicht, daß ich Legolas sehr viel erleiden und dann
leer ausgehen ließ. Ich erinnere an das Rating: R
Falls euch allerdings ist, mich zu lynchen (Ich höre euer verzweifeltes
Schreien jetzt schon: "Was soll das heißen? Sie schläft
ein? Das ist Legolas! Da schläft man nicht ein!"), möchte
ich euch herzlichst bitten, mich nur mit weichen Sachen zu bewerfen.
P.S. bzw. aus Sleepy
Tigers Moraltruhe: Trunkenheit ist keine Entschuldigung, um das
Objekt seiner Begierde zu begrabschen.
Kapitel
16