Die Morgensonne strahlte müde auf die Hafenstadt
nieder. Mühevoll schob sie die letzten Wolken der Nacht beiseite
und war fast in ihrer vollen Pracht am Horizont erschienen.
Die Menschen regten sich wieder. Verschlafen wurden
die ersten Köpfe aus den Häusern gesteckt und lächelten
der Sonne entgegen. Ein schöner Tag stand ihnen bevor. Die ersten
Sonnenstrahlen fielen auch durch die Schlafzimmer der Dienstmädchen,
die für gewöhnlich am Morgen im Schatten lagen. Die ersten
rannten schon auf dem Flur in Richtung Küche, um den Gefährten,
die gestern Abend angekommen waren, ein wundervolles Frühstück
zu zaubern. Alle anderen schlichen gähnend in den Waschraum oder
schlüpften schon in ihre Uniform. Nur eine konnte die Federn
ihres warmen Bettes noch genießen. Noch..
„Siané!!!“ Das schlafende Mädchen
kniff die Augen bei dem Ruf ihrer Freundin Maeglin zusammen, zog ihre
Decke schnell ein ganzes Stück höher uns bemühte sich
die penetrante Stimme ihrer Freundin zu überhören. Eigentlich
hatte sie ja eine schöne Stimme, aber laut und am frühen
Morgen war sie nicht zu ertragen.
„Siané! Hey, Schlafmütze, aufstehen!!
Tu nicht so, als wärst du nicht wach.. Ich kenne dich! STEH AUF!“
Bei den letzten beiden Worten schrie Maeglin so laut in ihr Ohr, dass
Siané wütend ihre Bettdecke zurückwarf. „Bist
du von allen guten Geistern verlassen? Ich kann heute ausschlafen!
Argh, ich bin müde!“ Sauer zog sie ihre Decke wieder über
ihren Körper und machte Anstalten, sich wieder hinzulegen, als
Maeglin ihr selbige wegriss und zur Tür ging. „Ich weiß,
dass du ausschlafen kannst. ICH AUCH!“ Triumphierend lächelte
sie und schwenkte Sianés Decke hin und her. „DU AUCH?
Sag mal, spinnst du? Dann geh und lass mich. Du bist doch sonst auch
so ein Morgenmuffel!“ Mehr tapsend als gehend erreichte sie
Maeglin und wollte ihr die Decke wieder wegnehmen, als diese lachend
in die nächste Ecke lief.
Grummelnd beobachtete das andere Mädchen die
morgendlichen Flausen ihrer Freundin, die sich über Sianés
Anblick köstlich amüsierte. Sie musste aber auch ein Bild
abgeben: Ihre Haare hatten sich an mehreren Stellen aufgestellt, ihr
Nachthemd rutschte auf der linken Seite ein wenig herunter und ihre
Augen waren kaum geöffnet. Was aber alles kein Grund sein sollte,
um sie am frühen Morgen mit ihrer überholt guten Laune zu
quälen.
„Weißt du, was wir machen werden?“
Endlich warf Maeglin die Decke zurück auf Sianés Bett
und zog ihre Freundin auf einen Stuhl.
„Ich weiß nicht, was du machen wirst,
aber ich werde wieder schlafen gehen.“ Sehnsüchtig blickte
sie auf ihr immer noch warmes Bett. „Der König und seine
Freunde werden in der kleinen Halle frühstücken. Du weißt,
die Halle im Erdgeschoss.. Und ich möchte ihn so gerne sehen!“
Maeglin sah ihre Freundin mit einem Du-bist-meine-beste-Freundin-und-hilfst-mir-doch?’
– Blick an und lächelte bittend.
Langsam wurden die grauen Zellen von Siané
aktiv und sie konnte darüber nachdenken, was ihre Freundin wollte.
Langsam wurden ihre Auge größer und entsetzter.
„Willst du sagen, du willst in den Palastgarten,
wo Dienstmädchen KEINEN Zutritt zu haben, und durchs Fenster
schauen?“ Als sie ein aufgeregtes Nicken von dem Blondschopf
ihr gegenüber bekam, fasste sie sich frustriert an den Kopf.
Außerdem erinnerte sie sich an ihr unmögliches Verhalten,
in der gestrigen Nacht, dem Prinzen gegenüber und wollte erstrecht
wieder zurück ins Bett, doch dann sah sie wieder den Blick von
Maeglin.
„Oh, ich bin aber auch ein Schaf! Dich zur Freundin
kann nur Ärger geben..“ Abrupt wurde sie in den Arm gezogen
und gedrückt.
„War das ein ja’?“ Siané konnte nur noch
ein ersticktes hmm’ herausbringen, welches ihrer Freundin aber
völlig genügte. Schnell wurde ihr ihre Uniform zugeworfen.
Nachdem sie sich in diese gezwängt hatte, gönnte Maeglin
ihr gerade einmal 3 Sekunden zum Kämmen ihrer Haare, dann wurde
sie Schnurstracks in Richtung Gästeflure gezogen.
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„Guten Morgen miteinander!“ Frodo kam
freudig zu den anderen an den Tisch. Der Fürst hatte sich entschuldigen
lassen, angeblich zwang ihn ein dringendes Problem in der Stadt dazu,
den Palast zu verlassen.
So saßen unsere acht Gefährten alleine
am Tisch und genossen eine ihnen noch unbekannte Küche. Aber
allein die Tatsache, fremde Köstlichkeiten zu genießen,
brachte die vier Hobbits zu morgendlichen Höchstleistungen. Lachend
saßen sie nebeneinander auf den hohen Stühlen und futterten.
Das Küchenmädchen, welches ständig Nachschub holte,
staunte über den riesigen Verzehr, die restlichen Gefährten
nahmen diese altbekannte Marotte aber mit einem Lächeln auf.
„Moen Froho! Has u chut chechlafen?” Frodo
warf seinem Freund Pippin einen amüsierten Blick zu, als dieser
mal wieder versuchte, mit vollem Mund zu sprechen. Wie oft hatte man
versucht ihm das auszutreiben?
„Unverbesserlich, Herr Tuk! Schluck, bevor du
sprichst. Und schalte deinen Kopf ein, bevor du etwas tust!“
Gandalf lächelte dem Hobbit auf der anderen Seite zu, der gerade
noch ein Stückchen Brot nachstopfte.
„Aragorn sag, gedenkst du Fürst Areneon
von den Orks zu berichten, die wir in den Wäldern vor seiner
Stadt erspähten?“ Der König sah von seinem Platz auf
und erwiderte nachdenklich den Blick des Elben.
Für wahr, sie sahen vor einigen Tagen eine Gruppe
Orks durch ein Waldgebiet streifen. Diese schienen aber keine Notiz
von der Reisegruppe zu nehmen, die am anderen Ufer eines kleinen Flusses
stand. Unbehaglich war ihm bei dem Gedanken, an die bewaffneten Biester.
Doch wer konnte sagen, dass sie diese Stadt angreifen würden?
Er wollte keine Angst unter dem Volk Teslons. Und doch sollte der
Fürst etwas davon erfahren.
Ein lautes, ersticktes Husten weckte Aragorn aus seinen
Gedanken. Pippin schien sich an einer Überdosis Brot, oder was
auch immer er in Massen zu sich genommen hatte, verschluckt zu haben.
Die anderen Hobbits waren gleich zu ihm geeilt und klopften zu dritt
auf den blau anlaufenden Lockenkopf ein.
„Niemand isst dir etwas weg.. Das kommt davon,
wenn du so gierig bist, Pippin!“ Gimli strich sich belustigt
durch seinen langen, roten Bart und begann in sich hinein zu lachen.
„Das Wort gierig sollte ein Zwerg vielleicht
nicht in den Mund nehmen!“ Legolas grinste Gimli hämisch
an und erfreute sich an dem wütenden Gesichtsausdruck des Zwerges.
„Was soll das heißen, HERR ELB?“
Mit einem warnenden Blick richtete er sich in seinem Stuhl auf und
funkelte den Elben an.
„Soll heißen, dass ihr Zwerge sicher irgendwann
mal zu wenig Luft bekommen habt, als ihr eure Nasen zu tief in den
Berg gesteckt habt, um Edelsteine zu suchen!“ Der Satz tat seine
erhoffte Wirkung. Gimli lief erst rot, dann lila an und wollte eine
gemeine Antwort dagegen setzen. Doch Gandalf schlichtete rechtzeitig.
„Ich bitte euch! Müsst ihr einem alten
Mann wie mir, mit euren Streitereien schon am frühen Morgen zusetzen?“
Ein Lächeln ging durch die Runde und der ‚Streit’
verstummte. Wusste doch jeder, dass Gandalf noch so flink wie ein
Wiesel und auch auf langen Reisen eine große Hilfe und kein
Klotz am Bein war.
„Um noch einmal auf deine Frage zurückzukommen:
Ich werde dem Fürsten von den Orks berichten. Aber ich möchte
auf keinen Fall, dass das Volk in Panik versetzt wird. Besonders nicht,
da die Feierlichkeiten bald beginnen sollen!“ Legolas nickte
zufrieden. Er spürte einen Schatten, der sich ihnen näherte.
Trotzdem hoffte er, dieser würde vorüberziehen, ohne großen
oder am besten keinen Schaden anzurichten.
„Alles in Ordnung bei dir, mein Freund?“
Aragorn hatte Legolas’ Blick bemerkt, der zum Fenster am Ende
der Halle gerichtet war.
„Ja, ist es.. Ich glaubte nur eben, jemandem
am Fenster gesehen zu haben.“ Zögernd stand er auf und
schritt diesem entgegen.
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„Komm, komm! Lohoos! Sonst bemerken sie uns
noch!“ Maeglin zischte Siané zu, doch diese beeilte sich
nicht im geringsten.
„Ach Maeglin. Wir sind Dienstmädchen. Jeder
der uns sieht, wird denken, wir müssen irgendwelche Räume
putzen.“ Gelangweilt faltete sie ihre Hände über dem
Kopf und fragte sich immer wieder, warum sie sich auf so was einließ.
Ich könnte gemütlich in meinem Bett liegen und vor mich
hin träumen.’
„Und wenn Tari uns erwischt? Außerdem
sind wir gleich am Eingang des Hofes!“ Das stimmte. An Tari
hatte Siané noch gar nicht gedacht. Und das es ihnen verboten
war, den Palasthof zu betreten, beunruhigte sie sowieso. Oh weh, wenn
Tari uns erwischt bekommen wir sicher Ärger. Und nur, weil ich
so ein gutmütig Schaf bin. Mein Bruder würde mich dumm nennen...’
Kapitulierend legte sie eine Hand auf ihre Stirn und lief dann schnell
Maeglin hinterher, die schon im Hof des Palastes verschwunden war.
„Maeglin? Hey, wo bist denn du?“ Vorsichtig
ging sie an der Außenwand des Schlosses lang und blickte sich
immer wieder um. Die Angst, erwischt zu werden gefiel ihr überhaupt
nicht.
„Psssst! Ich bin hier! Komm, hier ist das Fenster!“
Siané sah Maeglin unter einem hohen Fenster sehen, dessen Scheiben
in verschiedenen Frühlingsfarben leuchteten.
Der Hof des Schlosses war so, wie Siané ihn
sich immer vorgestellt hatte. Oft hatte sie auf der anderen Seite
der Mauer gestanden und zu den Bäumen hochgeblickt, dessen Wipfel
man am Rande sehen konnte.
Nun war sie auf der richtigen Seite. Es waren nicht
nur ein paar Bäume als Sichtschutz, sondern eine Art kleines
Wäldchen, in dem man sich bestimmt eins, zwei Stündchen
aufhalten konnte.
Davor erblickte sie eine große Wiese, auf der
an vielen Stellen Blumen angepflanzt worden waren. In der Mitte prangte
ein wunderschöner Brunnen, der von einem weißen Engel im
Zentrum geziert wurde.
Siané fand den Anblick wunderschön, konnte
sie diesen aber nicht in vollen Zügen genießen. Immerhin
befand sie sich verbotenerweise im Hof. Das nervöse Zischen ihrer
Freundin erinnerte sie schnell daran.
„Ja, ich komme ja schon. Ich wollte nur den
Anblick genießen!“ Sie drehte sich zu Maeglin, die von
irgendwoher eine alte klapprige Bank aufgetrieben hatte. Sie beide
würden gut darauf passen, wenn dieses morsche Stück sie
denn lange genug tragen würde.
„Du kannst gleich einen viel besseren Anblick
genießen! König Aragorn und der Prinz des Düsterwaldes
sollen sich hier drin befinden!“ Schwärmend machte sie
die ersten Anstalten, auf das Gebilde von einer Bank zu steigen.
„Aber bitte guck schnell! Dann können wir
wieder gehen!“ Siané war neben Maeglin getreten und wollte
sie auf der Bank festhalten, als diese eine Schnute zog.
„Komm, du willst sie doch auch sehen! Ohne dich
stelle ich mich nicht darauf!“ Sie verschränkte die Arme
vor der Brust und Siané schüttelte stutzig den Kopf. Mit
einer Geste, die soviel wie ‚Ja, hast gewonnen’ bedeutete,
stieg sie auf die Bank und zog ihre Freundin an der Hand zu sich hoch.
Innerlich spürte sie schon die ganze Zeit eine
ungewollte Aufregung, die nichts mit dem Verbot zu tun hatte. Nein,
es war der Gedanke daran, dass sie diesen Elbenprinzen wiedersehen
würde. Doch zugeben, wollte sie dies auf keinen Fall.
„Oh schau, da sitzen sie alle!“ Verträumt
zeigte Maeglin mit dem Finger auf die sitzende Gruppe. Siané
versuchte uninteressiert zu wirken und legte ihr Kinn auf ihren Händen
ab.
„Oh toll, und wer ist nun wer?“ Unbemerkt
war ihr Blick aber zu dem blonden Elben gewandert, der gerade zu einem
rotbärtigen Zwerg hinüber grinste. Hätte ich Maeglin
sagen sollen, dass ich den Prinzen gestern schon getroffen habe? ...
Hmm, besser nicht. Sie würde nicht mehr aufhören, von ihm
zu sprechen..’
„Du weißt nicht, wer die alle sind? Also
pass auf.. Der Mann mit den blonden Haaren ist der Prinz aus Düsterwald.
Der ihm gegenüber sitzt, mit den dunklen Haaren, das ist König
Aragorn und..“ Sie wurde unterbrochen, denn Siané fragte
sie, woher sie denn so gut bescheid wisse. Als Maeglin jedoch zur
Antwort ansetzen wollte und ihren Finger nach oben hob, was bedeutete,
dass sie etwas WICHTIGES zu sagen hatte, riss Siané an ihrem
Arm.
„Schnell weg! Der Prinz hat uns bemerkt und
kommt zu unserem Fenster!“ Als Maeglin ihn auch erspähte,
zog sie mit den Worten Das gibt Ärger’ auch an
Siané. Sie bedachten nicht mehr, dass die Bank, welche sie
als Unterlage benutzt hatten, mehr als nur morsch war. Mit einem lauten
Knacken brach diese entzwei und die beiden Dienstmädchen plumpsten
auf den harten Boden.
Maeglin hatte sich schnell erholt und wollte aufstehen,
als sie Siané am Boden sitzen sah, die sich mit schmerzverzerrtem
Gesicht die Stirn hielt.
„Siané? Alles in Ordnung? Siané?
Antworte mir doch!“ Fürsorglich legte sie ihr einen Arm
um die Schulter und sah sie an. Das Geräusch eines sich öffnenden
Fensters bemerkte sie nicht mehr.
Siané hob vorsichtig den Kopf an und nahm ihre
Hand von der Stirn. Maeglin zog im gleichen Moment scharf die Luft
zwischen den Zähnen ein. Auf der Stirn ihrer Freundin befand
sich eine Silbertalergroße Platzwunde.
Siané hatte nicht mehr rechtzeitig die Arme
hochheben können, als sie sich dem Boden näherte und schlug
dementsprechend ungeschickt auf dem Stein auf. Hoffentlich hatte sie
keine Gehirnerschütterung...
Legolas hatte in der Zwischenzeit das Fenster geöffnet
und blickte nach draußen. Im ersten Moment bemerkte er nichts,
doch dann wand er den Kopf nach unten.
Er glaubte die beiden Mädchen nicht zu kennen,
doch dann kam ihm die Erinnerung an den letzten Abend zurück.
Das Mädchen mit den roten Haaren, war dieselbe, die auch den
Wein zu ihm gebracht hatte.
Doch nun saß sie mit schmerzverzerrtem Gesicht
auf dem Boden. Er hätte gerne gewusst, was passiert war und im
selben Moment hob Siané den Kopf zum Fenster.
Legolas kniff einmal kurz die Augen zusammen und sah
dann mitleidig hinunter. Das andere Mädchen hatte ihn noch nicht
bemerkt, sondern begutachtete die Wunde immer noch mit Schrecken.
Siané aber sah ihn stetig an und wand den Blick
nicht ab. Er blickte viel zu lange in die grünen Augen des Mädchens,
denn so wurden seine Freunde auf ihn aufmerksam. Die Hobbits kamen
schon zum Fenster, um ihre Neugierde zu stillen.
Er blickte schnell noch einmal zu den beiden, die
aber nun zu dritt waren. Er hatte gar nicht gemerkt, wie die Küchenherrin
zu ihnen getreten war. Sie zog ein Pflaster aus ihrer Schürze
und klebte es auf die Stirn des rothaarigen Mädchens. Dann zog
sie die beiden schimpfend weg. Legolas vernahm nur die Worte Strafe
in der Küche und schloss schnell das Fenster.
„Was war denn da, Legolas? Du hast so lange
hinaus geschaut!“ Merry stand neben ihm und hüpfte vor
dem Fenstersims herum. Er konnte aber beim besten Willen keinen Blick
nach draußen erhaschen.
„Nichts.. Ich habe mir nur den Hof genauer angesehen!“
Er schüttelte den Gedanken an das blutende Mädchen ab und
setzte sich wieder zu den anderen an den Tisch.
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„Mädchen, wenn du eine Gehirnerschütterung
hast, geschieht es dir ganz recht! Und dir Maeglin hätte ähnliches
passieren müssen.. Einfach den König zu begaffen. Und sich
dann einfach über das Verbot hinweg setzen. Wenn ich nicht zufällig
an der offenen Tür des Hofes vorbeigekommen wäre, hättet
ihr wahrscheinlich so lange da gestanden, bis sie euch bemerkten.“
Tari hielt ihre Predigt noch solange, bis sie in einem der Nebenräume
der Küche angekommen waren. Hier wurde für gewöhnlich
das schmutzige Geschirr aufbewahrt, bis eine der Küchenmägde
es gereinigt hatte. Doch heute befanden sich nur zwei riesige, fettige,
schwarze Töpfe darin, denen Siané und Maeglin zu Leibe
rücken sollten.
Stöhnend schnappten sie sich Wasser und Schwämme
und drehten die Töpfe auf die Erde.
Siané hasste Küchendienst. Besonders,
wenn sie in diese stinkenden Kessel kriechen musste. Und von wem hatte
sie sich überreden lassen? Natürlich, Maeglin war die einzige,
die solche Ideen haben konnte. Ich bin ein so dummes Ding! Wenn
man Freunde wie Maeglin hat, braucht man keine Feinde mehr..’
Grummeln schrubbte sie weiter, als sie ein leises kichern ihrer Freundin
vernahm.
„Was ist denn bitte so witzig?, schallte es
aus dem Kessel, in den Siané gekrochen war.
„Nichts, aber es ist lustig, wenn man nur dein Hinterteil sieht!“
Sauer wollte sie Maeglin etwas erwidern, doch wenigstens musste sie
dafür aus dem Topf heraus.
Wieder war sie zu schnell und schoss mit dem Kopf
nach oben, als sich noch der Rand über diesem befand. Mit einem
lauten PLONK wusste Maeglin, dass Siané sich den Hinterkopf
am Kessel gestoßen haben musste und brach in schallendes Gelächter
aus.
„DA GIBT’S ÜBERHAUPT NICHTS ZU LACHEN!!!
WER IST DEN SCHULD AN DEM MIST?“ Wütend setzte sie sich
im Schneidersitz auf den Boden, rieb sich die bald entstehende Beule
und warf den nassen Schwamm nach ihrer Freundin. Diese hatte sich
aber immer noch nicht wieder beruhigt.
„Es ist nur.. Weißt du..“ Sie wischte
sich die Tränen aus den Augen und antwortete Siané endlich,
nachdem diese ihr ein bissiges hol erst mal Luft’ entgegen geworfen
hatte.
„Mindestens einmal im Monat passieren uns beiden
irgendwelche Missgeschicke. Man könnte Wetten darauf abschließen.
Und du musst zugeben, ich bin nicht an allen Schuld. Durch hast durchaus
interessiert zum Fenster geguckt. Das hab ich doch gesehen, als du
auf gelangweilt gemacht hast!“ Maeglin grinste immer noch amüsiert
zu ihrer Freundin, die unter ihrem Vorwurf nach Luft japste.
„Ich? Tse, ich habe keinen bisschen zu dem Prinzen
geschaut!“ Beleidigt schaute sie sich nach ihrem Schwamm um.
„Legolas hast du dir also angeguckt. Das habe
ich allerdings nicht gemerkt!“ Siané wurde rot und verschwand
mit dem Oberkörper und einem Schwamm schnell wieder im Kessel.
Da hatte sie tatsächlich die Falle nicht bemerkt.
„Das bildest du dir alles ein!“, hörte
Maeglin noch aus dem Nachbarkessel schallen, als sie sich grinsend
wieder ihrer Arbeit zuwand.