Disclaimer: Keine von den Figuren in meiner Geschichte,
die euch bekannt vorkommen, gehören mir, sondern sind aus Meister
Tokiens genialem Verstand entsprungen. Außerdem verdien ich
keinen Cent an der Geschichte. (Würde mich auch arg wundern.)
Warnung: Ich bin noch eine absolute Anfängerin,
wenn es um Fanfics im Bereich Herr der Ringe geht. Also habt ein
bissel Mitleid und verbessert mich ruhig. Hoffe auf viele reviews.
Sonstige Anmerkungen: Bin mit Keksen und Früchtetee
bewaffnet und richtig in Stimmung was toll Romantisches zu schreiben.
°g°
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Interlude: Das Lied der Wölfe
Leise hallten Maeglins Schritte in den Gängen Bruchtals
wider. Sie konnte nicht schlafen. Und das aus einem ganz bestimmtem
Grund nicht. Mit einem Grinsen im Gesicht dachte sie daran: Sianés
Zimmer lag direkt neben ihrem.
Lachend schüttelte sie den Kopf. ‚Wer hätte gedacht,
dass ausgerechnet sie eher eine solche Beziehung hat, als ich..’
Ein komisches Gefühl machte sich in ihrem Bauch breit. War
sie eifersüchtig auf ihre Freundin?
NEIN, auf keinen Fall. Aber ein wenig neidisch schon. ‚Ich
hätte auch gerne jemanden..’ Nun, so konnte sie sich
wenigstens ausmalen, wie sie ihre beste Freundin am nächsten
Morgen aufziehen würde.
Vorher musste sie allerdings diese, durchaus noch lang andauernde,
Nacht überstehen. In Gedanken versunken schlenderte sie um
die nächste Ecke. In den Gängen flackerten die Lichter
der Fackeln und doch erstrahlten die Wände in einem angenehmen
Licht. Sie erinnerte sich, wie sie der Schein der Fackeln in Teslon
manchmal geängstigt hatte. Das unheimliche Licht war hier
aber alles andere als beunruhigend. Es war entspannend und wohltuend.
Es strahlte etwas aus, dass sie auch in Gegenwart der Elben spüren
konnte. ‚Das muss daran liegen, dass ich hier in Bruchtal
bin.’
Lächelnd bog sie in den nächsten Gang ein. Sie achtete
nicht darauf, wo sie gerade war. Sie konnte sich in späteren
Stunden der Nacht noch Gedanken darüber machen, wie sie in
ihr Gemach zurück finden konnte. Doch ein leichter Stoß
gegen ihren Brustkorb, ließ sie aus ihren Gedanken aufschrecken.
Sie stolperte nach hinten, verlor das Gleichgewicht und stürzte.
Doch noch bevor sie den kühlen Boden berühren konnte,
spürte sie einen festen Griff, der ihren Oberarm umfasste
und in eine aufrechte Position zog.
Sie öffnete ihre Augen wieder. Scheinbar hatte sie diese
bei dem Zusammenstoß geschlossen. Ein entnervtes Seufzen
entrann ihrer Kehle, als sie in das Antlitz ihres Gegenübers
sah: Mat.
„Wieso muss ich ausgerechnet dir begegnen?“ Augenrollend
stemmte sie ihre Hände in die Seite. „Ich mein: Es
ist Nacht, es läuft eigentlich niemand mehr in den Gängen
herum und ich bin immer noch sauer auf dich. Also: Warum treffe
ich ausgerechnet auf dich?“ Sie sah zu ihm auf. Seine Augen
schimmerten in diesem Licht wie flüssiges Gold. Es sah unheimlich
aus. Sein durchdringender Blick, sein Gesicht, in dem sich keine
Miene verzog und die tanzenden Schatten auf seiner Haut, die von
den Fackeln geworfen wurden. Und trotzdem hatte sie keine Angst.
Nicht einmal ein mulmiges Gefühl breitete sich in ihrem Inneren
aus. Sie fühlte sich mit ihm einfach sicher.
Ein lautes Räuspern ließ sie zusammenzucken. Hatte
Mat ihren intensiven Blick bemerkt? Sie spürte, wie ihr Gesicht
heiß wurde und war dankbar für das rötliche Licht
der Fackeln.
„Tut mir außerordentlich leid, wenn dich meine Anwesenheit
so sehr stört. Ich hatte etwas wichtiges zu erledigen. Aber
wenn du mich nun durchlassen würdest, werde ich dich sofort
alleine lassen.“ Maeglin schluckte den Kloß herunter,
der sich während seiner Worte in ihrem Hals gebildet hatte.
Sein Gesichtsausdruck hatte einen kurzen Moment einen verletzten
Zug beinhaltet. Doch nun konnte sie es nicht mehr ungeschehen
machen, auch wenn es ihr leid tat. Eine Entschuldigung würde
er nur abwinken. Und doch.. So sollte er nicht gehen.
Sie schloss einen kurzen Moment die Augen und griff dann nach
seinem Handgelenk, als er an ihr vorüber gehen wollte. Stirnrunzelnd
drehte er sich wieder zu ihr um und bedachte sie mit einem fragenden
Blick
„Woraus bestand denn diese Wichtigkeit, die du erledigen
musstest? Doch nicht etwa aus Teig? Ich sage dir, die Sache mit
den Keksen war wirklich unter--“
Entschlossen legte Mat seine Hand auf ihren Mund und schüttelte
unschuldig den Kopf. „Nein, ich musste mich um jemanden
kümmern. Sie ist mir wichtig, ich kann sie nicht ständig
allein lassen..“ Im ersten Moment krampfte sich Maeglins
Herz zusammen, doch dann erinnerte sie sich wieder an Illana.
Einen Augenblick später wunderte sie sich schon wieder, warum
sie eifersüchtig gewesen war. Dies war definitiv nicht ihre
Nacht.
„Alles in Ordnung?“ Maeglin schreckte hoch. Schon
wieder war sie in Gedanken versunken gewesen.
„Ja, alles bestens. Danke.“ Sie zwang sich zu einem
Lächeln, welches Mat nach kurzem Zögern auch erwiderte.
„Warum bist DU um diese Zeit noch unterwegs?“ Mat
stand vor ihr. Es wunderte sie ein wenig, dass er noch an dieser
Stelle verweilte. Wollte er vor einigen Minuten doch noch fort
von ihr.
„Ich kann nicht schlafen.. Weißt du.. Die Wände
sind dünner als erwartet.“ Sie kicherte leise, woraufhin
Mat überrascht eine Augenbraue nach oben zog.
„Du meinst.. Siané und Legolas?“ Maeglin nickte
auf die nur halb ausgesprochene Frage. Ein Grinsen deutete sich
an seinen Mundwinkeln an. „Wenn du magst, kannst du noch
ein wenig mit zu mir kommen..“
Maeglin sah ihn überrascht an. ‚Er wird doch nicht
wieder etwas vorhaben?’ Und als ob sie diese Frage laut
ausgesprochen hätte, hob er abwehrend die Hände und
versicherte ihr, keineswegs irgendwelche Hintergedanken zu hegen.
„Gut, wenn es dir nichts ausmacht, mich ein wenig zu ertragen.“
Er schüttelte nur lächelnd den Kopf. Zusammen machten
sie sich auf den Weg zu seinem Gemach, dass, zu Maeglins Verwunderung,
noch viele Gänge entfernt war. Scheinbar war sie in der kurzen
Zeit sehr weit gelaufen.
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Unsicher blieb sie vor der hellen Tür zu Mats Zimmer stehen.
Sollte sie es wirklich betreten? Hatte er wirklich keine Dummheiten
vor? Aber eigentlich konnte sie ihm doch trauen. Er hatte sie
den ganzen Weg von Tirell nach Bruchtal gebracht. Warum sträubte
sie sich nun irgendwo in ihrem Inneren dagegen, mit ihm allein
zu sein? <Dummerchen, du magst ihn!> Sie zuckte zusammen.
Dieser Gedanke war so absurd, dass er schon wieder Sinn machte.
Verwirrt schüttelte sie den Kopf. ‚Er gefällt
mir nicht!’ <Und warum bist du dann auf Illana eifersüchtig
gewesen? Warum hattest du sein Bild vorhin vor Augen, als du dich
nach jemanden sehntest? Du kannst es abstreiten, aber dein Herz
schlägt in seiner Gegenwart schneller.> Maeglin betastete
mit geschlossenen Augen ihre Stirn. Es konnte nicht sein. ‚Nein,
das stimmt nicht! Er ist ein Weiberheld...’ Von der Stirn
aus wanderte ihre Hand zu ihren Augen. Gequält rieb sie darüber.
<Ist er das denn wirklich? Kennst du ihn so gut?> Kaum merklich
schüttelte sie ihren blonden Kopf.
„Alles in Ordnung? Du wirkst so abwesend.“ Ruckartig
öffnete sie die Augen. Mat sah sie besorgt an.
„Wie vorhin schon gesagt: Alles bestens.“ Sie lächelte
ihn an und folgte ihm dann hinein. Sie konnte ihm ja auch schlecht
sagen, dass sie mit sich selbst diskutierte und ihr das unerträgliche
Kopfschmerzen bereitete. <Und vor allem, dass du über
IHN nachdenkst.> Die Stimme in ihrem Kopf lachte. ‚Schluss
jetzt! Ich glaube es geht los.. Ich habe noch nie Selbstgespräche
geführt.’ Wieder hörte sie die Stimme, die ihrer
eigenen sehr ähnlich war, kichern. <Und wegen IHM fängst
du damit an.. Du weißt, ich werde gehen, wenn du dir deine
Gefühle eingestehst..> Maeglin seufzte leise auf. ‚Vielleicht
sollte ich mich mal von den ansässigen Heilern untersuchen
lassen..’ Sie massierte angestrengt ihre Schläfen.
Sie merkte gar nicht, dass Mat vor sie getreten war und versuchte
ihren Blick zu erhaschen.
„Ich finde, du wirkst ein wenig verwirrt.“ Wieder
zuckte sie zusammen. Leise fluchte sie in sich hinein. Hatte sie
heute schon daran gedacht, dass diese Nacht scheinbar nicht ihre
Nacht war?
„Nein, mir geht es gut. Wirklich!!“ Sie versuchte
seinem zweifelndem Blick auszuweichen und setzte sich auf die
Kante seines Bettes.
„Gut, wenn du es sagst. Magst du etwas trinken?“
Er hielt ihr einen Becher mit gewürztem Wein entgegen, woraufhin
sie nur skeptisch die Stirn in Falten zog. „Er ist inzwischen
kalt geworden. Aber er ist gut. Obwohl der Wein aus meiner Heimat--“
Er stoppte, als er Maeglins Miene sah und wusste sofort, woran
sie dachte. „Ich bitte dich! Ich habe nichts hineingemischt.“
Sanft drückte er ihr den Becher in die Hand, doch sie hielt
ihm das silberne Gefäß entgegen.
„Trink du zuerst!“
Beleidigt zog er einen Schmollmund. „So wenig vertraust
du mir?“
Sie lachte. „Du würdest mir genauso wenig trauen,
wenn ich so etwas wie du verzapft hätte.“
Er nickte verständnisvoll, setzte den Becher an seine Lippen
und nahm einen Schluck daraus. Zufrieden nahm Maeglin den Becher
zurück. „Gut, anscheinend war doch nichts darin.“
„Und wenn doch, werden wir beide heute Nacht berauscht
sein.“ Empört stellte sie fest, dass er ihr feixend
zugrinste. Noch einmal dachte sie daran, dass er etwas in den
Wein getan haben könnte. Doch dann entschied sie sich dagegen.
Er würde das nicht noch einmal tun.
Die entstandene Stille war unangenehm. Mat saß neben ihr,
blickte auf die rote Oberfläche des Weines und drehte seinen
Becher langsam zwischen den Fingern. ‚Wir können uns
doch nicht nur anschweigen..’ Maeglin atmete tief durch
und wollte etwas sagen, als ihr bewusst wurde, dass ihr die Worte
fehlten. Nachdenklich stützte sie ihr Kinn auf ihre Handfläche.
Ihr entging der Blick, den Mat ihr zuwarf. Auch er suchte nach
Worten.
Einen weiteren stillen Moment saßen sie dort auf dem Bett,
bis Maeglin sich entschlossen zu ihm drehte. „Du-“
Sie begannen beide zu lachen. Mat war mit derselben Entschlossenheit
an die Sache gegangen und sie waren sie sich gegenseitig ins Wort
gefallen. „Du zuerst..“ Mat grinste und deutete ihr
mit der Hand zu sprechen.
Sie nickte, ordnete in ihrem Kopf sorgfältig die Worte und
begann dann langsam und leise zu sprechen. „Du hast gesagt,
irgendwann würdest du mir über die Wölfe erzählen.
Und um ehrlich zu sein, wüsste ich keinen besseren Moment,
als jetzt. Würdest du..?“ Sie sah ihn bittend an und
erschrak ein wenig, als Mat frustriert seufzte.
„Willst du das wirklich hören?“ Sie nickte eifrig.
„Das ist aber eine ziemlich lange Geschichte...“
„Das macht nichts..“ Das tat es wirklich nicht. Sie
wollte mehr über Mat erfahren. Irgendwie wusste sie, dass
nicht viele seine Geschichte kannten. Und vielleicht würde
sie ihn danach besser verstehen.
Sie krabbelte ein wenig weiter aufs Bett hinauf, als Mat sich
nach hinten sinken ließ. Er verschränkte die Arme hinter
seinem Kopf und sah zu ihr auf, als sie sich neben ihn setzte.
Er lächelte und seine Augen strahlten. Es war eines der wenigen
Lächeln, die seine Augen wirklich erfassten. Manchmal hatte
Maeglin das Gefühl, dass er sich zu einem ehrlichen Lachen
quälen musste.
„Schlaf nur nicht ein!“ Er grinste, als er sie schmunzeln
sah.
„Das werde ich nicht.“ Nein, dazu war sie viel zu
interessiert an seiner Geschichte.
„Wo fange ich denn mal an?“ Er rieb sich kurz über
die Augen. Es kam ihr vor, als würde er einen kurzen Moment
die Geschichte Revue passieren lassen.
„Am besten am Anfang.“ Sie lächelte ihn schelmisch
an, als er erneut zu ihr aufsah.
„Gut. Am Anfang also.. Alles begann in meiner Heimat. Ich
bin in Rohan aufgewachsen. Doch als ich 18 wurde, hat sich etwas
verändert. Dort bin ich das erste Mal auf die Wölfe
gestoßen. Das war vor 6 Jahren...“
Rohan, unter der Herrschaft Theodens, ein kleines Dorf in der
Nähe von Edoras:
Der Tag schien gerade erst angebrochen zu sein. Auf den Blättern
und Gräsern lag noch der Tau des Morgens und die Sonne strahlte
von einem niedrigen Punkt aus. Die weitläufige Gegend Rohans
war ruhig. Keine Menschenseele schien bisher erwacht zu sein.
Und doch hörte man in einem der Häuser laute Stimmen.
Sie schienen aufgebracht zu sein.
„Was soll das heißen ‚du gehst’?“
Ein junger Mann mit braunem Haar stand einem Mädchen seines
Alters gegenüber.
„Das heißt, dass ich nicht ewig Schafe hüten
werde. Cyria sagte, ich sei für größeres bestimmt.
Sie wird mich mitnehmen.. Oh Mat, sei nicht böse, aber das
ist DIE Möglichkeit für mich.“ Das Mädchen
sah ihn flehend an, doch schien der junge Mann sie nicht verstehen
zu wollen.
„Nein, Elí! Du weißt doch gar nicht, was auf
dich zukommt. Außerdem: Willst du uns einfach allein lassen?
Ich dachte, du hast dein Herz hier an Rohan verloren?“ Wütend
drehte er sich um und blickte aus dem Fenster, welches ihm einen
ausschweifenden Blick über die weiten Ebenen Rohans zeigte.
„Mat, mein Herz hängt an Rohan. Ja, das stimmt. Aber..
Es gibt noch so viel, was ich sehen möchte. Und nun kann
ich das alles bekommen. Sag mir nicht, dass du ewig die Herde
Schafe auf unserem Hof hüten willst!?“ Elí ging
einen Schritt auf ihn zu, wollte ihm eine Hand auf die Schulter
legen, doch er schüttelte sie einfach ab.
„Ich würde nur gehen, wenn ich es müsste. Ich
kann mir mein Leben nirgendwo anders vorstellen. Ja, wenn ich
auch mein Leben lang Schafe hüten muss... Ich bin glücklich
hier. Also, wenn du mich entschuldigen würdest, ich gehe
nun meiner sinnlosen Arbeit nach.“ Mürrisch schob er
sich an ihr vorbei, riss die Haustür schwungvoll auf und
ließ sie scheppernd ins Schloss fallen. Elí zuckte
bei dem lauten Knall der Tür zusammen und kauerte sich einen
Moment später in die Ecke des Wohnraumes. So wollte sie sich
doch nicht von Mat trennen..
Wütend überbrückte Mat den kurzen Weg vom Wohnhaus
zu den Stallungen der Schafe. Seine Familie war eine der wenigen,
die ihren Unterhalt durch Wolle und Kleidung verdiente. Rohan
war bekannt für seine Pferde und doch mussten sich manche
Menschen auf anderes spezialisieren. Warum seine Cousine diese
Arbeit so sehr hasste, konnte er einfach nicht verstehen. Ja,
sie führten ein einfaches Leben. Aber ein gutes. Es mangelte
ihnen an nichts.
Mit einem lauten Pfiff rief er ihren Hund zu sich, der auch sofort
angelaufen kam und sich von Mat über den Kopf streicheln
ließ. Zusammen betraten sie den Stall und trieben die Herde
Schafe heraus. Es waren 30 Tiere, um die er sich kümmern
musste. Seine Eltern waren schon viel früher mit den restlichen
Schafen auf eine der Weiden gegangen.
Es war kühl an diesem Morgen und Mat zog fröstelnd
seine Jacke etwas fester zusammen, als er die Weide am Waldrand
schon fast erreicht hatte. Zufrieden ließ er sich auf die
Erde plumpsen und lehnte sich gegen den Stamm eines Baumes, als
die Schafe genügsam begannen an den saftigen Grashalmen zu
rupfen.
Sein Hund lag etwas abseits von ihm auf einem glatten, flachen
Stein und beobachtete die Herde. Auch, wenn sein Kopf auf seine
Pfoten gebettet war, so behielt er alle Schafen doch im Auge.
Mat lächelte. Eigentlich hatte er hier nicht viel zu tun.
Er musste die Herde nur gegen Abend wieder zurücktreiben
und hoffen, dass sie zwischendurch nicht von wilden Tieren gerissen
wurden.
Müde schloss er die Augen. Er hatte schon den ganzen Morgen
mit Elí gestritten. Nicht, dass er es nicht geahnt hatte.
Er hatte es gewusst, als sie mehr und mehr Zeit mit Cyria verbracht
hatte. Diese Frau, die scheinbar alterlos war. Ihre Haare waren
weiß, und doch zeigte ihr Körper noch keine Anzeichen
des Alters. Er mochte sie von Anfang an nicht. Sie schien nicht
das zu sein, was sie vorgab.
Und nun hatte er den Beweis erhalten. Elí sollte mit ihr
fortgehen. Das gefiel ihm ganz und gar nicht. Außerdem würde
seine Familie darunter bitter leiden. Wenn er doch nur.. Wenn
er sie doch nur aufhalten könnte. Ja, das wäre gut.
Einfach aufhalten..
Langsam driftete er in einen unruhigen Schlaf. Er stand auf der
Weide. Mehrmals drehte er sich um seine eigene Achse. Die Schafe
waren verschwunden. Weit und breit konnte er sie nicht entdecken.
Und doch war er nicht allein. Er war eingekreist von einem Rudel
Wölfe, die ihn mit gefletschten Zähnen anstierten. Ängstlich
ging er einen Schritt zurück, vernahm aber schnell das unheilvolle
Knurren hinter sich.
Er saß in der Falle. Sie würden ihn anfallen, wie
es schon anderen Menschen passiert war. Er hatte nie für
möglich gehalten, dass er sich irgendwann selbst in einer
solchen Situation wiederfinden würde. Sein Herz schlug ihm
bis zum Hals, als er die Wölfe auf ihn zukommen sah. Ihre
Augen schimmerten in einem goldenen Licht, denn die untergehende
Sonne spiegelte sich in ihnen wider.
Ängstlich schloss er die Augen, als sie nur noch ein paar
Schritt von ihm entfernt waren. Doch der erwartete Schmerz kam
nicht. Verwirrt öffnete er wieder die Augen. Einige der Tiere
hatten sich auf ihre Hinterläufe gesetzt. Ihre Zähne
waren nicht mehr zu sehen. Manche von ihnen entfernten sich sogar,
um sich ein paar Meter weiter hinten zusammenzurollen.
Es war merkwürdig. Wieso zogen sie sich zurück? Doch
konnte er sich keine weiteren Gedanken darüber machen. Ein
weißer Wolf zog seine Aufmerksamkeit auf sich. Er saß
direkt vor Mat und schien ihn mit seinen goldenen Augen förmlich
zu durchbohren.
Unsicher ging Mat einen Schritt zurück, doch der Wolf folgte
ihm. Er sah nicht gefährlich aus, trotzdem traute er diesen
Tieren nicht.
<Du musst auf sie achten..>
Mat schreckte auf und sah sich um. Er saß wieder auf der
Weide, seine Herde graste um ihn herum und er stellte erleichtert
fest, dass er nur geträumt hatte.
Ein Blick zum Himmel zeigte ihm, dass es auch immer noch Vormittag
war. Also kein Grund zur Besorgnis. Wölfe kamen meist nur
in der Nacht oder am Abend.
Zu seinem Entsetzen vernahm er aber im gleichen Moment das Heulen
eines Wolfes. Erschrocken drehte er sich um. Die Schafe wurden
unruhig und von seinem Hund war nicht eine Spur zu sehen. ‚Am
besten, ich gehe dem mal nach..’
Mutig stand er auf und schlug seinen Weg in den Wald ein. Das
Heulen war noch nicht verklungen. Bei näherem Hinhören
schien es nicht einmal das normale Heulen eines Wolfes zu sein.
Nein, es klang gequält und verletzt.
Nach einiger Zeit wurde das Gestrüpp des Waldes immer dichter.
‚Seit wann ist dieser Wald so groß.. Ich dachte immer,
es sei nur ein kleines Wäldchen...’ Er atmete hörbar
aus und drückte ein paar Äste zur Seite. ‚Da hab
ich mich wohl gehörig getäuscht..’ Unter seinen
Schuhen knackte der Untergrund und erst jetzt bemerkte er, dass
es das einzige Geräusch war, dass er vernehmen konnte. Das
und das stetig leiser werdende Heulen des Wolfes. ‚Wo sind
bloß die Tiere des Waldes hin?’
Mühsam ging er vorwärts, bis er eine kleine Lichtung
erreichte. Erschrocken hielt er den Atem an. ‚Träume
ich denn immer noch?’ Vor ihm lag der weiße Wolf,
den er auch hatte Sprechen hören. Das allein war schon Grund
genug zur Annahme, dass er den Verstand verloren hatte. Aber er
sah ihn doch ganz deutlich vor sich.
<Du musst auf sie achten..> Er zuckte zusammen, als sich
die goldenen Augen des Wolfes auf ihn richteten. Vorsichtig ging
er näher heran und sah das rote Blut, dass durch das schneeweiße
Fell sickerte. Mit großen Augen kniete Mat sich herunter
und berührte vorsichtig die Wunde.
<Ich werde sterben.. Du kannst mir nicht helfen..> Schluckend
richtete er sich wieder auf. Die Stimme war nur in seinem Kopf.
Nur er konnte diesen Wolf hören.
<Aber ich bitte dich.. Achte auf sie..> Der weiße
Wolf schloss seine Augen und glitt langsam ins Reich der Toten
hinüber. Verwirrt schüttelte Mat den Kopf. ‚Auf
wen soll ich bloß Acht geben?’ Er sah sich um und
erkannte schweren Herzens, dass eine kleine, graue Wölfin
aus einem der Büsche blickte.
Langsam ging er auf das kleine Tier zu und kniete sich hin. „Na
Kleine..“ Die Wölfin knurrte, als er die Hand nach
ihr ausstreckte. Zu seinem Entsetzten biss sie sogar zu und bohrte
ihre kleinen, spitzen Zähne in das Fleisch seiner Hand.
Schmerzerfüllt kniff er die Augen zusammen. ‚Himmel,
ich wollte der Kleinen doch nur helfen..’ Verwundert öffnete
er wieder die Augen, als sie die Kraft ihres Kiefers lockerte
und entschuldigend die, von ihr verursachte, Wunde ableckte.
<Darf ich bei dir bleiben?> Die Stimme in seinem Kopf schmerzte
und er hob mit verzerrtem Gesicht die Hände an seinen Kopf.
‚Was ist bloß los mit mir?’ Seine Augen begannen
zu tränen, als er erneut ihre Stimme in seinem Kopf hörte,
die ihren Namen flüsterte. <Illana...> Vorsichtig hob
er das kleine Geschöpf hoch und verließ mit ihr in
seinen Armen den Wald. Draußen wartete die Herde Schafe
auf ihn. Der Tag neigte sich dem Enge entgegen, dabei war es ihm
nicht so vorgekommen, als seien schon viele Stunden vergangen.
Seine Augen taten ihm immer noch weh, als er sich auf den Weg
nach Hause machte. Bald hatte er die Stallungen erreicht und betrat,
mit Illana auf dem Arm, den Wohnraum des Hauses, in denen Elí
mit seinen Eltern und Cyria wartete. Sie richteten sich zur Tür,
als sie sich öffnete. Sie wollten ihm eine Standpauke halten,
dass er erst jetzt wieder da war. Doch bei seinem Anblick hielten
sie alle entsetzt den Atem an.
----------*°*----------
„Und was ist dann passiert?“ Maeglin rutschte etwas
näher an Mat heran, der sich inzwischen aufgesetzt hatte
und traurig den Blick nach unten hielt.
„Meine Augen schimmerten in einem goldenen Licht. Meine
Eltern waren so entsetzt, dass sie so etwas sagten wie ‚er
ist besessen’. Illana in meinem Arm tat dann ihr übriges.
Wölfe lassen sich nicht von Menschen berühren. Auch
die Kleinen nicht.“ Er rieb angestrengt über sein Gesicht.
Scheinbar sprach er nicht oft darüber, weil es ihn noch immer
mitnahm.
„Sie glaubten, du seiest verflucht oder so etwas?“
Er nickte auf ihre Frage hin. „Und was haben sie dann mit
dir gemacht?“ Behutsam legte sie ihm eine Hand auf die Schulter
und streichelte sanft darüber. Müde lächelnd blickte
er zu ihr auf.
„Sie haben mich weggeschickt. Sie wollten mich nicht mehr
bei sich haben. Ich bin mit Cyria mitgegangen, die sich für
meinen Fall interessierte. Außerdem war Elí ja bei
mir, die nicht daran glaubte, dass ich mich von einem auf den
anderen Tag in einen ‚Dämonen’ verwandele.“
Er lachte leise auf und nahm Maeglins Hand von seiner Schulter.
Sie schluckte, als er sie in seine Hand nahm und zärtlich
mit den Fingern darüber strich. Scheinbar merkte er gar nicht,
was er da tat.
„Aber jetzt sind deine Augen braun..“ Er sah wieder
zu ihr auf, als er ihre Frage vernahm.
„Ja, Cyria hat sich in der Burg mit den Wölfen befasst.
In einigen geheimen Büchern sind Fälle wie meine beschrieben.
Man nennt es ‚das Lied der Wölfe’. Wenn es Menschen
in ihrer Nähe gibt, in denen ein Funken Magie schlummert
und jemand ihrer Leitwölfe stirbt, machen sie davon Gebrauch.
Sie können Menschen einige ihrer Gaben vererben. Allein durch
den Klang ihrer Stimme. Ich habe das Heulen des Wolfes gehört
und nun sehe und höre ich besser als andere. Ich kann Gefühle
sogar riechen..“
Maeglin stutzte. „Riechen???“
„Ja, man kann es auch wittern nennen. Du bist momentan
verwirrt. Das spüre ich. Wusstest du nicht, dass Tiere Gefühle
erfassen können?“
Sie nickte kaum merklich. „Doch, davon hörte ich einmal..“
„Siehst du.. Ich bin ein Mensch, habe aber die Fähigkeiten
eines Wolfes. Ich kann sie stets spüren, wenn sie in der
Nähe sind und inzwischen kann ich das mit meiner Augenfarbe
auch kontrollieren.“ Als sie nur noch irritierten guckte,
fuhr er fort. „Sie schimmern eigentlich immer golden. Aber
wenn ich mich konzentriere, kann ich sie in meine richtige Augenfarbe
zurücksetzen... .. Ach, ich kann es auch nicht richtig erklären.
Es ist einfach so. Ich bin im Prinzip ein Wolf.“ Er lachte
leise, als Maeglins Gesichtsausdruck sich nicht veränderte.
Er hatte ihr aber auch eine ziemlich unglaubwürdige Geschichte
erzählt. Gern hätte er etwas anderes, besseres erzählt.
Doch es war die Wahrheit.
„Woher weißt du, dass es kein Fluch ist?“ Sie
hatte ihre Hand noch nicht aus seinem Griff gelöst. Es gefiel
ihr, wie er sie umfasste.
„Nun, es hatte noch nichts schlechtes. Bis auf die abweisenden
Verhaltensweisen der Menschen.“ Er seufzte. „Sie haben
Angst vor mir..“
Sie zog ihre Hand von seiner weg und strich aufmunternd damit
über seine Wange. „Ich hab keine Angst vor dir..“
Er lächelte und umfasste ihren Handrücken wieder mit
seiner Hand. Langsam lehnte er sich in die Berührung.
„Dann bist du eine der Wenigen..“ Seine Stimme war
leise und ließ Maeglins Herz nur noch stärker gegen
ihren Brustkorb pochen.
„Warum..“ Sie schluckte kurz und sah ihn dann wieder
an. „Warum tun die Wölfe das?“ Ein Themenwechsel.
Ja, nur nicht darauf aufmerksam machen, dass sie nervös war.
„Ich weiß es nicht.“ Er machte eine kurze Pause,
in der er sie eindringlich musterte. „Du bist nervös..“
Sie erschrak und schüttelte sofort vehement den Kopf. „Nein..
Bin ich gar nicht.“
Er lächelte leicht. „Du lügst. Hast du es vergessen?
Ich kann spüren, wie du dich fühlst. Und gerade schlägt
dein Herz so schnell, dass dir fast schwindelig wird.“
Mühsam schloss Maeglin die Augen und atmete tief durch.
Wie sollte sie bloß aus dieser Situation herauskommen? Ihr
Herz hämmerte wirklich unbeschreiblich schnell. ‚Vielleicht..
Vielleicht mag ich ihn ja doch..’ Sie zuckte leicht zurück,
als sie seine Hand auf ihrer Wange spürte. Doch gleich darauf
hielt sie wieder inne. Seine Hand war so warm und von dem Punkt
seiner Berührung lief ein stetes Kribbeln durch ihren Körper.
Langsam öffnete sie ihre Augen wieder und blickte in seine
goldenen Augen.
„Warum sind deine Augen nicht mehr braun?“ Ihre Stimme
war nur ein Hauch. Mat nahm jedoch jedes Wort wahr, so nah hatte
er sich zu ihr gebeugt.
„Ich kann mich nicht konzentrieren..“ Sie erschauderte
leicht, als sie seinen Atem auf ihrer Haut spürte.
„Woran liegt das?“ Ein schelmisches Lächeln
zog sich über seine Lippen, als er ihr leise ‚das solltest
du wissen’ antwortete..
Wenn Maeglin gedacht hatte, ihr Herz würde schnell schlagen,
so überschlug es sich nun. In einem Gefühl, dass sich
wie freudige Erwartung anfühlte, beugte sie sich noch etwas
weiter zu ihm. Mats Hand ruhte immer noch auf ihrer Wange. Seine
Finger bewegten sich streichelnd über die Haut ihres Gesichtes.
„Wärst du mir böse, wenn ich dich jetzt küsse?“
Sie blinzelte überrascht, erwiderte aber das zarte Lächeln,
dass er ihr schenkte.
„Ich wäre dir böse, wenn du es nicht tust.“
Vorsichtig zog er ihr Gesicht zu seinem und überbrückte
die wenigen Millimeter bis zu ihren Lippen.
Langsam vermehrten sich die Schmetterlinge in ihrem Bauch, als
seine Lippen zärtlich über ihre strichen..
Kapitel 23