Disclaimer: Mir gehört weder Legolas, Thranduil
oder Düsterwald im Allgemeinen, aber Nessa gehört mir, so
wie Evelyn, Kes, Malhon und all die anderen Elben die ihr in dieser
kleinen fröhlichen Geschichte treffen werdet. Und für alle
die das lesen und denken „was zur Hölle ist los mit dieser
Idiotin von Elbin“, macht euch keine zu großen Sorgen, mir
ging’s genauso, als ich’s geschrieben hab. Also hier für
euch.
Schneller als der Wind rannte ich auf flinken Elbenfüßen
zwischen den Bäumen hindurch. Hinter mir hörte ich das Gelächter
und die Spötteleien der Elben, die mich jagten. Das Frühlingsfest
im Düsterwald war mir die liebste Zeit des Jahres. Ich genoss
es, von unzähligen schönen männlichen Elben gejagt
zu werden, genauso wie zweifellos die Anderen Mädchen, die mit
mir rannten. Die Meisten waren hinter mir, weil sie natürlich
beabsichtigten, gefangen zu werden. Ich jedoch nicht. Ich rannte bloß
aus der Freude am Rennen, an der Sicherheit, schneller zu sein als
alle meine Verfolger. Natürlich war das was geschah, wenn man
gefangen wurde alles andere als unerfreulich – obwohl ich glaube
dass, es darauf ankam, wer einen fing – und ich hatte auch genossen,
als ich noch jünger war. Aber jetzt war ich zweitausendneunhundert
Jahre alt und, wie ich zugeben musste, gelangweilt von dem Spiel.
Jeder Elbe, dem ich erlaubt hatte mich zu fangen, war irgendwie so
langweilig gewesen. Während des Festes war es immer dasselbe
– es schien als wenn sie sich entschieden hatten, ein Mädchen
zu fangen, sie sich keine große Mühe machten ihr eine schöne
Zeit zu bereiten. Oder vielleicht waren sie nur erschöpft vom
Rennen, ich weiß es nicht. Egal, ich war der Immerwiederkehrenden,
erschöpfenden Routine jedes Jahr müde. Also hatte ich beschlossen,
dass ich mich von keinem mehr fangen ließe. Das war vor zwölf
Jahren, und seitdem war mein Entschluss ungebrochen.
Ein entzücktes Quietschen von hinten sagte mir, dass eine zukünftige
Exjungfrau sich hatte fangen lassen. Die Elben, die das noch nie getan
hatten, schienen immer eine bestimmte Tonhöhe zu treffen, wenn
ihre Jagd beendet wurde. Ich hatte meine Unschuld nicht während
des Festes verloren und ich war froh darüber. Es wäre eine
großartige Enttäuschung gewesen, und mir wäre wohl
nie klar geworden, dass so viel besser sein konnte wenn man seinen
Partner vorher nicht total erschöpfte. Ein weiterer Schrei, diesmal
von einer älteren Teilnehmerin, und – erstaunlich, dass
er dafür die Kraft hatte – ein fröhlicher Schrei von
dem Elben, der sie gefangen hatte. Natürlich arrangierten die
meisten Mädchen vorher, von wem sie gefangen wurden um anschließend
zufällig über Wurzeln oder ihre eigenen Füße
zu stolpern, um ja sicher zu sein, am Ende in seinen Armen zu liegen.
Ich habe nie jemanden gefunden, der es wert gewesen wäre so eine
Vereinbarung in Betracht zu ziehen, und wenn doch, so hätte ich
mich sicherlich sehr viel früher fangen lassen, damit der arme
Kerl noch genug Energie hatte um später etwas leisten zu können,
oder die ganze Übung wäre reine Zeitverschwendung gewesen.
„Ah, hab dich!“ Ich wich geschickt zur Seite aus, als
ein Elb ungeschickt hinter einem Baum hervorsprang. Ich glaube, er
hatte es auf jemand anderen abgesehen, und hoffte, dass sie weit genug
weg war, um ihm Zeit zu geben, die Blätter aus seinen Haaren
zu entfernen. Einige der Jüngeren neigten dazu, das Ganze allzu
wichtig zu nehmen.
Meine Gedanken wanderten zurück zum gestrigen Abend, zu den
zahllosen Elben, die sich mir mit der Erwartung, dass ich ihnen versprechen
würde in ihrer Nähe zu stolpern, genähert hatten. Mir
hatte es nie an Bewunderern gemangelt und seit ich auf dem Fest abseits
hielt, waren es sogar mehr geworden. Was war das nur mit Männern
und ihrer Faszination für schwer erreichbare Dinge?
Ich sprang mühelos über einen abgefallenen Ast und wendete
bei dem Weidenhain, mit der Absicht, einen großen Bogen zurück
zu den Hallen zu machen. Alle die wollten würden sich mittlerweile
paarweise verdrückt haben und ich würde mich damit amüsieren,
unter den verbliebenen Männern einen Tanzpartner zu suchen. Es
gab da einen besonderen Mann, einen schwarzhaarigen und eher schüchternen
Elben namens Malhon, der kaum an der Jagd teilnahm, aus Angst, er
könnte tatsächlich ein Mädchen fangen und dann nicht
wissen, was er mit ihr anfangen sollte. Ich war so vertieft in meine
Gedanken über die Möglichkeit, ihn einzufangen, dass ich
den Hügel umrundete und fast in die Person, die dort stand, gelaufen
wäre. Zu meiner größten Demütigung stolperte
ich vor lauter Überraschung und fiel auf ihn, warf ihn um und
landete recht ungraziös auf seiner Brust. In Gedanken pries ich
Elbereth, dass der Boden nicht schlammig war – das hätte
gerade noch gefehlt. Aber selbst wenn ich sauber war, ich lag auf
einem Elben, dem ich gar nicht so nah sein wollte, und meine schöne
kleine Idee, den Abend Malhon neckend zu verbringen, verpuffte allmählich.
Bitte mach, dass er in festen Händen ist, bat ich in Gedanken.
Bitte mach, dass er nicht interessiert ist …
Ich riskierte es, meine Augen zu öffnen und stand auf. Ich machte
ein großes Aufheben darum, meine Kleider vom Staub zu befreien
und mich umzusehen, so als ob jeden Moment jemand erscheinen könnte,
um mich für sich zu beanspruchen. Der Elb auf dem Boden blieb
dort, entweder war er begeistert mich zu beobachten oder er war verletzt.
Ich seufzte resigniert, beugte mich hinunter und griff seine Hand,
um ihm aufzuhelfen. Dann sah ich sein Gesicht und ließ ihn geschockt
wieder fallen, was wahrscheinlich nicht das Schicklichste war, denn
es stellte sich heraus, dass ich nicht nur in den einzigen Sohn von
König Thranduil gerannt war, sondern ihn auch noch umgestoßen
hatte. Was für eine Blamage! Hastig bot ich ihm wieder meine
Hand an, aber er ignorierte sie. Stattdessen griff er sich eine Wurzel,
die aus dem Hügel wuchs, zog sich hoch und schüttelte die
Erde aus seinem goldenen Haarschopf. Mein gesunder Menschenverstand
sagte mir, dass ich mich besser aus dem Staub machen sollte, er hatte
ganz sicher keine Ahnung wer ich war, aber irgendwie weigerten sich
meine Füße auch nur einen Schritt zu gehen. Ich hatte den
Prinzen noch nie aus der Nähe gesehen. Oh, ich hatte von den
Leuten in den Hallen gehört, wie schön er war, wie intelligent
und was für eine ungewöhnlich angenehme Gesellschaft. Aber
ich war nicht dumm genug, jede Geschichte dieser hochgejubelten Kurtisanen
zu glauben. Im Geheimen entschied ich, dass meine Stimme für
sein Aussehen hatte, wenn schon für nichts anderes. Er hatte
Feingemeißelte Gesichtszüge, hohe Wangenknochen und Wald
– blaue Augen, die, richtig eingesetzt, zweifellos jede Frau
in Ohnmacht fallen ließen. Sein honigfarbenes Haar hatte einen
dunkleren Schimmer als das flachsblonde Haar der meisten Waldelben,
es war aus seinem Gesicht zurückgekämmt, hinter seinen spitzen
Ohren war es zu Zöpfen geflochten. Sein schmalen Lippen waren
wie ich hoffte amüsiert gekräuselt als er die Hände
in die Hüften stemmte und mich für einen Moment betrachtete.
Ich hatte das merkwürdige Gefühl, dass er meine Figur sehr
genau betrachtete, weswegen mir sehr unbehaglich zumut war. Schließlich
– es dauerte einige Minuten – sah er mir ins Gesicht.
Ich wagte es nicht, ihm in die Augen zu sehen, weil er offensichtlich
genau wusste, wie er sie bei Frauen einsetzten musste. Also fixierte
ich die Gegend um sein Kinn, und versuchte wieder meine Beine dazu
zu bringen, sich endlich in irgendeine Richtung zu bewegen, die mich
so weit wie möglich von diesem Ort weg brachte.
„Es tut mir leid“ sagte er, mich überraschte seine
melodische und trällernde Stimme, ganz verschieden vom dröhnenden
Bass seines Vaters. „Hattest du beabsichtigt, von jemand Anderem
gefangen zu werden?“
„Äh, Ja“ log ich „Also entschuldigt …
Eure Hoheit – „ Ich war Düsterwalds Adel nie nah
genug gewesen, um mit ihnen zu reden, und ich hatte keine Ahnung,
wie ich ihn ansprechen sollte „ – Ich sollte besser gehen
und irgendwo näher bei ihm stolpern – „ Großartig,
alles was ich jetzt noch tun musste, war meine Beine zum Funktionieren
zu bringen.
Jetzt wuchs das kleine Lächeln zu einem amüsierten Grinsen.
Ich hatte weder erwartet, dass der Prinz so unverschämt grinsen
konnte, noch dass dieses Grinsen meine Knie so weich werden ließ.
„Pech für wen auch immer es ist.“ Sagte er, und
bevor auch nur daran denken konnte um Hilfe zu schreien – ohnehin,
wer im Düsterwald hätte mir auch geholfen, den Sohn des
Königs abzuwehren? – hatte er seine Arme um mich gelegt.
Ich würde lügen, würde ich sagen, dass es mir nicht
gefiel, schließlich war er unglaublich attraktiv und einen Gutgebauten
Bogenschützenkörper in solcher Nähe zu haben gehörte
nicht zu den Dingen die mir das Glück sonst bescherte. Allerdings
hatte ich mich darauf gefreut, etwas Spaß mit Malhon zu haben
und mein Lauf hatte mir Spaß gemacht, und dann war mir dieser
königliche Lümmel in den Weg gekommen. In mir begann Ärger
zu brodeln und ich begann zu kämpfen, was er ganz und gar nicht
erwartet hatte. Ärgerlicherweise verstärkte er seinen Griff.
Ich fragte mich, ob den Prinzen gegen das Schienbein zu treten als
Verrat betrachtet wurde.
„Bitte, würden sie darüber nachdenken, mich loszulassen?“
versuchte ich.
„In Ordnung.“ Für einen Moment schloss er seine
Augen halb. „Fertig“
„Was?“
„Ich habe darüber nachgedacht, dich loszulassen. Ich habe
es nicht vor.“
Ah. Aussehen, Rang und Gehirn. Das hatte ich sicherlich nicht erwartet.
„Ich soll jemanden treffen.“ Sagte ich. „Ich will
ihn nicht verärgern.“
„Es wäre sicherer, das zu tun, als mich zu verärgern.“
Das brachte uns in eine etwas ausweglose Situation. Ich dachte noch
einmal genauer nach, spannte mein Bein und kickte ich so sanft ich
konnte gegen das Schienbein. Es gab kein Zeichen, dass er es gefühlt
hatte. Ich versuchte es noch einmal fester, was ihn leicht ins Taumeln
brachte und meine Arme noch fester greifen ließ. Nicht ganz
das Ergebnis, dass ich erhofft hatte.
„Du bist nicht gerade sehr freundlich“ sagte er, gleichzeitig
amüsiert und verletzt klingend.
„Sie auch nicht“ sagte ich „Es zeugt nicht von guten
Manieren, jemanden zu fangen, der von jemand anderem gefangen werden
möchte“
„Was vermittelte dir dein Eindruck, ich spielte fair?“
Ich gab auf, stieß ihm mein Knie in den Magen und machte mich
davon. Ich erwartete, dass jeden Moment eine Herde Wachen um die Ecke
kam, um mich für die halbe Ewigkeit in den Kerker zu werfen.
Aber es kamen keine, und ich fiel in einen leichten Lauf, mein Knie
tat nicht weh, obwohl es gerade in königliche Eingeweide gestoßen
worden war. Meine gute Laune kehrte gerade zurück, als ich ein
Paar Arme um meine Taille spürte und zu Boden gedrückt wurde.
Nur indem ich mir beinahe den Hals brach, soweit lehnte ich den Kopf
zurück, bekam ich keinen Staub in den Mund. Aber ich konnte mich
nicht umdrehen, wegen des Elben, der auf mir lag. Man musste kein
Genie sein, um zu herauszufinden, wer dieser Elb war.
„Du spielst die Unnahre, nicht wahr?“ Sagte Legolas in
mein Ohr.
„Ich sagte, ich treffe jemanden –„
„Mir schien es, als würdest du zu den Hallen zurücklaufen“
„Ich treffe ihn dort“
Eine Pause.
„Du bist nicht verheiratet, oder?“
Es gab eine Grenze, wie weit ich jemanden in die Irre zu führen
imstande war.
„Nein. Auf jeden Fall noch nicht.“
„Weißt du, was ich denke?“
„Ich habe das furchtbare Gefühl, dass du es mir erzählen
wirst.“
„Ich denke“ und müßig ließ er eine Hand
durch meine Haare gleiten „dass du nicht verlobt bist, dass
du dich nicht mit irgendjemanden triffst und dass du keine sehr gute
Lügnerin bist.“
Richtig in allen drei Punkten, dachte ich. Aber er lag immer noch
auf mir, und obwohl ich es unter anderen Umständen genossen hätte,
an ein so prächtiges Beispiel männlichen Elbentums gepresst
zu sein, war es mir unmöglich unter den gegenwärtigen Umständen
etwas Begeisterung dafür aufzubringen. Außerdem verwandelte
sich meine leichte Frustration schnell in höchste Verärgerung
angesichts seiner Beharrlichkeit und Ausdauer. Vielleicht würde
ein anderer Ansatz bessere Dienste leisten.
„Schau, Legolas“ sagte ich, was ihm wohl zu gefallen
schien. „Denk nicht, dass ich mich nicht geschmeichelt fühle,
ich fühle mich sehr geschmeichelt. Du bist sehr attraktiv und
hast sicher freie Wahl bei den Mädchen. Aber um ehrlich zu sein,
bin ich völlig uninteressiert. Ich genoss nur einen kleinen Lauf,
ohne zu beabsichtigen, gefangen zu werden, und dein Ellenbogen drückt
in meinen Rücken.“
Er bewegte den störenden Körperteil und seufzte.
„Du spielst schwer zu kriegen?“
„Ich spiele unmöglich zu kriegen.“ Entgegnete ich.
„Noch einmal, danke aber nein danke.“ Ich schob in so
gut es ging von mir runter, stand auf und entfernte die abgestorbenen
Blätter von meiner Vorderseite. Legolas war augenblicklich wieder
auf den Beinen und hatte seine Arme wieder um mich gelegt.
„Welchen Teil von Nein hast du nicht verstanden?“ rief
ich.
„Du musst mir verzeihen“ sagte er, sein Atem ging eine
Kleinigkeit schneller. „Ich kann nicht anders als deine Schönheit
und deinen freien Geist zu bewundern. Ich würde maßlose
Freude empfinden, wenn eine Elbin wie du sich mir schenken würde
– „
„Versuchst du das mit jedem Elben Mädchen, das mit dir
zusammenstößt?“ fragte ich.
„Nein, das ist noch nie geschehen. Aber das macht nichts - ich
werde von Feuer verzehrt, ich muss dich haben-„
„Du bist sehr poetisch.“ Sagte ich. „Aber noch
einmal, trotzdem nein.“ Ich löste mich aus seiner Umarmung
und drehte ihm meinen Rücken zu, sicher, dass er diesmal die
Botschaft dieses Mal verstand.
„Ich verstehe!“ rief er mir nach. Wurde auch Zeit, dachte
ich, aber ich glaubte meinen Kopf an den nächsten Baum schlagen
zu müssen, als er fortfuhr.
„Du willst mich necken!“ rief er. „Du denkst du
quälst mich um mich dir näher zu bringen. Ich werde dein
Spiel spielen!“
„Falsch, falsch, falsch“ brummelte ich lautlos. Blöder
Elb. Ich würde ganz sicher nicht eine dieser glorifizierten Dirnen
werden, die bloße Spielzeuge für das adlige Vergnügen
waren. Wenn ein Elb mich wirklich haben wollte, würde er sich
seine Ohren abarbeiten müssen, um mich zu fangen.
Das zweite Kapitel wird nicht lang, ich habe endlich
meine Mathe Nachprüfung hinter mir (Elbereth sei Dank) also heißt
es jetzt weiter im Text …
Kapitel 2
Anmerkung: Wenn du Lady Rheena, der ursprünglichen
Autorin, Feedback zukommen lassen willst, kannst du das hier
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kein Deutsch.
Für Feedback an die Übersetzerin Piquedame schick bitte eine
Mail an Pique@OBLonline.de
Die englische Originalfassung der FF findet sich hier
auf fanfiction.net