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Haben und Halten
eine Fanfiction von Lady Rheena, übersetzt von Piquedame

Disclaimer: Mir gehört weder Legolas, Thranduil oder Düsterwald im Allgemeinen, aber Nessa gehört mir, so wie Evelyn, Kes, Malhon und all die anderen Elben die ihr in dieser kleinen fröhlichen Geschichte treffen werdet. Und für alle die das lesen und denken „was zur Hölle ist los mit dieser Idiotin von Elbin“, macht euch keine zu großen Sorgen, mir ging’s genauso, als ich’s geschrieben hab. Also hier für euch.

Kapitel 1

Der Frühlingslauf

Schneller als der Wind rannte ich auf flinken Elbenfüßen zwischen den Bäumen hindurch. Hinter mir hörte ich das Gelächter und die Spötteleien der Elben, die mich jagten. Das Frühlingsfest im Düsterwald war mir die liebste Zeit des Jahres. Ich genoss es, von unzähligen schönen männlichen Elben gejagt zu werden, genauso wie zweifellos die Anderen Mädchen, die mit mir rannten. Die Meisten waren hinter mir, weil sie natürlich beabsichtigten, gefangen zu werden. Ich jedoch nicht. Ich rannte bloß aus der Freude am Rennen, an der Sicherheit, schneller zu sein als alle meine Verfolger. Natürlich war das was geschah, wenn man gefangen wurde alles andere als unerfreulich – obwohl ich glaube dass, es darauf ankam, wer einen fing – und ich hatte auch genossen, als ich noch jünger war. Aber jetzt war ich zweitausendneunhundert Jahre alt und, wie ich zugeben musste, gelangweilt von dem Spiel. Jeder Elbe, dem ich erlaubt hatte mich zu fangen, war irgendwie so langweilig gewesen. Während des Festes war es immer dasselbe – es schien als wenn sie sich entschieden hatten, ein Mädchen zu fangen, sie sich keine große Mühe machten ihr eine schöne Zeit zu bereiten. Oder vielleicht waren sie nur erschöpft vom Rennen, ich weiß es nicht. Egal, ich war der Immerwiederkehrenden, erschöpfenden Routine jedes Jahr müde. Also hatte ich beschlossen, dass ich mich von keinem mehr fangen ließe. Das war vor zwölf Jahren, und seitdem war mein Entschluss ungebrochen.

Ein entzücktes Quietschen von hinten sagte mir, dass eine zukünftige Exjungfrau sich hatte fangen lassen. Die Elben, die das noch nie getan hatten, schienen immer eine bestimmte Tonhöhe zu treffen, wenn ihre Jagd beendet wurde. Ich hatte meine Unschuld nicht während des Festes verloren und ich war froh darüber. Es wäre eine großartige Enttäuschung gewesen, und mir wäre wohl nie klar geworden, dass so viel besser sein konnte wenn man seinen Partner vorher nicht total erschöpfte. Ein weiterer Schrei, diesmal von einer älteren Teilnehmerin, und – erstaunlich, dass er dafür die Kraft hatte – ein fröhlicher Schrei von dem Elben, der sie gefangen hatte. Natürlich arrangierten die meisten Mädchen vorher, von wem sie gefangen wurden um anschließend zufällig über Wurzeln oder ihre eigenen Füße zu stolpern, um ja sicher zu sein, am Ende in seinen Armen zu liegen. Ich habe nie jemanden gefunden, der es wert gewesen wäre so eine Vereinbarung in Betracht zu ziehen, und wenn doch, so hätte ich mich sicherlich sehr viel früher fangen lassen, damit der arme Kerl noch genug Energie hatte um später etwas leisten zu können, oder die ganze Übung wäre reine Zeitverschwendung gewesen.

„Ah, hab dich!“ Ich wich geschickt zur Seite aus, als ein Elb ungeschickt hinter einem Baum hervorsprang. Ich glaube, er hatte es auf jemand anderen abgesehen, und hoffte, dass sie weit genug weg war, um ihm Zeit zu geben, die Blätter aus seinen Haaren zu entfernen. Einige der Jüngeren neigten dazu, das Ganze allzu wichtig zu nehmen.

Meine Gedanken wanderten zurück zum gestrigen Abend, zu den zahllosen Elben, die sich mir mit der Erwartung, dass ich ihnen versprechen würde in ihrer Nähe zu stolpern, genähert hatten. Mir hatte es nie an Bewunderern gemangelt und seit ich auf dem Fest abseits hielt, waren es sogar mehr geworden. Was war das nur mit Männern und ihrer Faszination für schwer erreichbare Dinge?
Ich sprang mühelos über einen abgefallenen Ast und wendete bei dem Weidenhain, mit der Absicht, einen großen Bogen zurück zu den Hallen zu machen. Alle die wollten würden sich mittlerweile paarweise verdrückt haben und ich würde mich damit amüsieren, unter den verbliebenen Männern einen Tanzpartner zu suchen. Es gab da einen besonderen Mann, einen schwarzhaarigen und eher schüchternen Elben namens Malhon, der kaum an der Jagd teilnahm, aus Angst, er könnte tatsächlich ein Mädchen fangen und dann nicht wissen, was er mit ihr anfangen sollte. Ich war so vertieft in meine Gedanken über die Möglichkeit, ihn einzufangen, dass ich den Hügel umrundete und fast in die Person, die dort stand, gelaufen wäre. Zu meiner größten Demütigung stolperte ich vor lauter Überraschung und fiel auf ihn, warf ihn um und landete recht ungraziös auf seiner Brust. In Gedanken pries ich Elbereth, dass der Boden nicht schlammig war – das hätte gerade noch gefehlt. Aber selbst wenn ich sauber war, ich lag auf einem Elben, dem ich gar nicht so nah sein wollte, und meine schöne kleine Idee, den Abend Malhon neckend zu verbringen, verpuffte allmählich.

Bitte mach, dass er in festen Händen ist, bat ich in Gedanken. Bitte mach, dass er nicht interessiert ist …

Ich riskierte es, meine Augen zu öffnen und stand auf. Ich machte ein großes Aufheben darum, meine Kleider vom Staub zu befreien und mich umzusehen, so als ob jeden Moment jemand erscheinen könnte, um mich für sich zu beanspruchen. Der Elb auf dem Boden blieb dort, entweder war er begeistert mich zu beobachten oder er war verletzt. Ich seufzte resigniert, beugte mich hinunter und griff seine Hand, um ihm aufzuhelfen. Dann sah ich sein Gesicht und ließ ihn geschockt wieder fallen, was wahrscheinlich nicht das Schicklichste war, denn es stellte sich heraus, dass ich nicht nur in den einzigen Sohn von König Thranduil gerannt war, sondern ihn auch noch umgestoßen hatte. Was für eine Blamage! Hastig bot ich ihm wieder meine Hand an, aber er ignorierte sie. Stattdessen griff er sich eine Wurzel, die aus dem Hügel wuchs, zog sich hoch und schüttelte die Erde aus seinem goldenen Haarschopf. Mein gesunder Menschenverstand sagte mir, dass ich mich besser aus dem Staub machen sollte, er hatte ganz sicher keine Ahnung wer ich war, aber irgendwie weigerten sich meine Füße auch nur einen Schritt zu gehen. Ich hatte den Prinzen noch nie aus der Nähe gesehen. Oh, ich hatte von den Leuten in den Hallen gehört, wie schön er war, wie intelligent und was für eine ungewöhnlich angenehme Gesellschaft. Aber ich war nicht dumm genug, jede Geschichte dieser hochgejubelten Kurtisanen zu glauben. Im Geheimen entschied ich, dass meine Stimme für sein Aussehen hatte, wenn schon für nichts anderes. Er hatte Feingemeißelte Gesichtszüge, hohe Wangenknochen und Wald – blaue Augen, die, richtig eingesetzt, zweifellos jede Frau in Ohnmacht fallen ließen. Sein honigfarbenes Haar hatte einen dunkleren Schimmer als das flachsblonde Haar der meisten Waldelben, es war aus seinem Gesicht zurückgekämmt, hinter seinen spitzen Ohren war es zu Zöpfen geflochten. Sein schmalen Lippen waren wie ich hoffte amüsiert gekräuselt als er die Hände in die Hüften stemmte und mich für einen Moment betrachtete. Ich hatte das merkwürdige Gefühl, dass er meine Figur sehr genau betrachtete, weswegen mir sehr unbehaglich zumut war. Schließlich – es dauerte einige Minuten – sah er mir ins Gesicht. Ich wagte es nicht, ihm in die Augen zu sehen, weil er offensichtlich genau wusste, wie er sie bei Frauen einsetzten musste. Also fixierte ich die Gegend um sein Kinn, und versuchte wieder meine Beine dazu zu bringen, sich endlich in irgendeine Richtung zu bewegen, die mich so weit wie möglich von diesem Ort weg brachte.

„Es tut mir leid“ sagte er, mich überraschte seine melodische und trällernde Stimme, ganz verschieden vom dröhnenden Bass seines Vaters. „Hattest du beabsichtigt, von jemand Anderem gefangen zu werden?“

„Äh, Ja“ log ich „Also entschuldigt … Eure Hoheit – „ Ich war Düsterwalds Adel nie nah genug gewesen, um mit ihnen zu reden, und ich hatte keine Ahnung, wie ich ihn ansprechen sollte „ – Ich sollte besser gehen und irgendwo näher bei ihm stolpern – „ Großartig, alles was ich jetzt noch tun musste, war meine Beine zum Funktionieren zu bringen.

Jetzt wuchs das kleine Lächeln zu einem amüsierten Grinsen. Ich hatte weder erwartet, dass der Prinz so unverschämt grinsen konnte, noch dass dieses Grinsen meine Knie so weich werden ließ.

„Pech für wen auch immer es ist.“ Sagte er, und bevor auch nur daran denken konnte um Hilfe zu schreien – ohnehin, wer im Düsterwald hätte mir auch geholfen, den Sohn des Königs abzuwehren? – hatte er seine Arme um mich gelegt. Ich würde lügen, würde ich sagen, dass es mir nicht gefiel, schließlich war er unglaublich attraktiv und einen Gutgebauten Bogenschützenkörper in solcher Nähe zu haben gehörte nicht zu den Dingen die mir das Glück sonst bescherte. Allerdings hatte ich mich darauf gefreut, etwas Spaß mit Malhon zu haben und mein Lauf hatte mir Spaß gemacht, und dann war mir dieser königliche Lümmel in den Weg gekommen. In mir begann Ärger zu brodeln und ich begann zu kämpfen, was er ganz und gar nicht erwartet hatte. Ärgerlicherweise verstärkte er seinen Griff. Ich fragte mich, ob den Prinzen gegen das Schienbein zu treten als Verrat betrachtet wurde.

„Bitte, würden sie darüber nachdenken, mich loszulassen?“ versuchte ich.

„In Ordnung.“ Für einen Moment schloss er seine Augen halb. „Fertig“

„Was?“

„Ich habe darüber nachgedacht, dich loszulassen. Ich habe es nicht vor.“

Ah. Aussehen, Rang und Gehirn. Das hatte ich sicherlich nicht erwartet.

„Ich soll jemanden treffen.“ Sagte ich. „Ich will ihn nicht verärgern.“

„Es wäre sicherer, das zu tun, als mich zu verärgern.“

Das brachte uns in eine etwas ausweglose Situation. Ich dachte noch einmal genauer nach, spannte mein Bein und kickte ich so sanft ich konnte gegen das Schienbein. Es gab kein Zeichen, dass er es gefühlt hatte. Ich versuchte es noch einmal fester, was ihn leicht ins Taumeln brachte und meine Arme noch fester greifen ließ. Nicht ganz das Ergebnis, dass ich erhofft hatte.

„Du bist nicht gerade sehr freundlich“ sagte er, gleichzeitig amüsiert und verletzt klingend.
„Sie auch nicht“ sagte ich „Es zeugt nicht von guten Manieren, jemanden zu fangen, der von jemand anderem gefangen werden möchte“

„Was vermittelte dir dein Eindruck, ich spielte fair?“

Ich gab auf, stieß ihm mein Knie in den Magen und machte mich davon. Ich erwartete, dass jeden Moment eine Herde Wachen um die Ecke kam, um mich für die halbe Ewigkeit in den Kerker zu werfen. Aber es kamen keine, und ich fiel in einen leichten Lauf, mein Knie tat nicht weh, obwohl es gerade in königliche Eingeweide gestoßen worden war. Meine gute Laune kehrte gerade zurück, als ich ein Paar Arme um meine Taille spürte und zu Boden gedrückt wurde. Nur indem ich mir beinahe den Hals brach, soweit lehnte ich den Kopf zurück, bekam ich keinen Staub in den Mund. Aber ich konnte mich nicht umdrehen, wegen des Elben, der auf mir lag. Man musste kein Genie sein, um zu herauszufinden, wer dieser Elb war.

„Du spielst die Unnahre, nicht wahr?“ Sagte Legolas in mein Ohr.

„Ich sagte, ich treffe jemanden –„

„Mir schien es, als würdest du zu den Hallen zurücklaufen“

„Ich treffe ihn dort“

Eine Pause.

„Du bist nicht verheiratet, oder?“

Es gab eine Grenze, wie weit ich jemanden in die Irre zu führen imstande war.

„Nein. Auf jeden Fall noch nicht.“

„Weißt du, was ich denke?“

„Ich habe das furchtbare Gefühl, dass du es mir erzählen wirst.“

„Ich denke“ und müßig ließ er eine Hand durch meine Haare gleiten „dass du nicht verlobt bist, dass du dich nicht mit irgendjemanden triffst und dass du keine sehr gute Lügnerin bist.“

Richtig in allen drei Punkten, dachte ich. Aber er lag immer noch auf mir, und obwohl ich es unter anderen Umständen genossen hätte, an ein so prächtiges Beispiel männlichen Elbentums gepresst zu sein, war es mir unmöglich unter den gegenwärtigen Umständen etwas Begeisterung dafür aufzubringen. Außerdem verwandelte sich meine leichte Frustration schnell in höchste Verärgerung angesichts seiner Beharrlichkeit und Ausdauer. Vielleicht würde ein anderer Ansatz bessere Dienste leisten.

„Schau, Legolas“ sagte ich, was ihm wohl zu gefallen schien. „Denk nicht, dass ich mich nicht geschmeichelt fühle, ich fühle mich sehr geschmeichelt. Du bist sehr attraktiv und hast sicher freie Wahl bei den Mädchen. Aber um ehrlich zu sein, bin ich völlig uninteressiert. Ich genoss nur einen kleinen Lauf, ohne zu beabsichtigen, gefangen zu werden, und dein Ellenbogen drückt in meinen Rücken.“

Er bewegte den störenden Körperteil und seufzte.

„Du spielst schwer zu kriegen?“

„Ich spiele unmöglich zu kriegen.“ Entgegnete ich. „Noch einmal, danke aber nein danke.“ Ich schob in so gut es ging von mir runter, stand auf und entfernte die abgestorbenen Blätter von meiner Vorderseite. Legolas war augenblicklich wieder auf den Beinen und hatte seine Arme wieder um mich gelegt.

„Welchen Teil von Nein hast du nicht verstanden?“ rief ich.

„Du musst mir verzeihen“ sagte er, sein Atem ging eine Kleinigkeit schneller. „Ich kann nicht anders als deine Schönheit und deinen freien Geist zu bewundern. Ich würde maßlose Freude empfinden, wenn eine Elbin wie du sich mir schenken würde – „

„Versuchst du das mit jedem Elben Mädchen, das mit dir zusammenstößt?“ fragte ich.
„Nein, das ist noch nie geschehen. Aber das macht nichts - ich werde von Feuer verzehrt, ich muss dich haben-„

„Du bist sehr poetisch.“ Sagte ich. „Aber noch einmal, trotzdem nein.“ Ich löste mich aus seiner Umarmung und drehte ihm meinen Rücken zu, sicher, dass er diesmal die Botschaft dieses Mal verstand.

„Ich verstehe!“ rief er mir nach. Wurde auch Zeit, dachte ich, aber ich glaubte meinen Kopf an den nächsten Baum schlagen zu müssen, als er fortfuhr.

„Du willst mich necken!“ rief er. „Du denkst du quälst mich um mich dir näher zu bringen. Ich werde dein Spiel spielen!“

„Falsch, falsch, falsch“ brummelte ich lautlos. Blöder Elb. Ich würde ganz sicher nicht eine dieser glorifizierten Dirnen werden, die bloße Spielzeuge für das adlige Vergnügen waren. Wenn ein Elb mich wirklich haben wollte, würde er sich seine Ohren abarbeiten müssen, um mich zu fangen.

Das zweite Kapitel wird nicht lang, ich habe endlich meine Mathe Nachprüfung hinter mir (Elbereth sei Dank) also heißt es jetzt weiter im Text …

Kapitel 2

Anmerkung: Wenn du Lady Rheena, der ursprünglichen Autorin, Feedback zukommen lassen willst, kannst du das hier per eMail tun und ihr hier ein Review hinterlassen. Aber bitte auf Englisch, die gute Frau spricht kein Deutsch.
Für Feedback an die Übersetzerin Piquedame schick bitte eine Mail an Pique@OBLonline.de
Die englische Originalfassung der FF findet sich hier auf fanfiction.net





 

 

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