Disclaimer: Alle Charaktere gehören ihren rechtmäßigen
Besitzern, uns gehört nichts.
Die ersten Sonnenstrahlen zogen am Horizont empor und färbten
ihn in dunkle rote Töne. Die Berge und Wälder weit unter
ihnen waren nur nach als Konturen zu erkennen und zogen langsam an
ihnen vorüber. Es war bitterlich kalt und selbst die warme Winterkleidung
bot nicht den besten Schutz.
Geritor wandte sich leicht auf den Rücken des Adlers und versuchte
seinem schmerzenden Kreuz etwas Abhilfe zu schaffen. Bis auf eine
kurze Rast am gestrigen Abend waren sie ohne Pause geflogen und schon
gut vorangekommen. Doch so langsam zeichnete sich ab, dass die riesigen
Vögel eine Pause bräuchten, denn sie trugen gewiss keine
leichte Last.
"Da vorne wäre ein guter Platz zum Landen", der Elb deutete
auf eine grüne Fläche vor sich. Gaiwan nickte ihm zu und
war dankbar für das Verständnis, welches man ihm trotz der
eiligen Situation entgegenbrachte.
Sie landeten und als die Last von ihren Rücken herunter gekrochen
war, reckten sich die Adler ausgiebig.
"Vater, worüber grübelst du schon die ganze Zeit nach?"
fragte Eleya vorsichtig.
Geritor sah seine Tochter ernst an "Wie sollen wir in den Palast
kommen und Thranduil befreien? Es ist unmöglich das Haupttor
unerkannt zu durchschreiten und der Zauber ist sehr stark."
"Ich verstehe, aber ist es denn noch niemandem gelungen ungeladen
hineinzukommen?"
"Nicht so weit es mir bekannt ist", Geritor wandte sich wieder ab
und es schien, als ob er in Gedanken jedes Detail, welches den Eingang
betraf, noch einmal durchging.
Eleya blickte sich suchend nach Legolas um. Er stand am anderen Ende
der Wiese und sah in Richtung Westen, wo der Düsterwald aber
noch nicht einmal für elbische Augen zu sehen war. Doch als wenn
er ihren Blick gespürt hätte, drehte er sich um und kam
zu ihr.
"Ich habe es auch noch nicht erlebt und ich habe fast mein ganzes
Leben im Palast verbracht", sanft legte Legolas eine Hand auf ihren
Rücken und bemerkte die Unruhe in ihrem Inneren.
"Aber es muss doch einen Weg geben", schimpfte sie und der Prinz
nahm ihre Hände in die seinen.
"Nur einmal ist etwas Unerklärliches passiert", Eleya blickte
bei seinen Worten auf. "Wir hatten einmal Thorin Eichenschild und
seine zwölf Gefährten gefangen genommen und konnten bis
heute nicht genau klären, wie sie geflohen sind."
"Und gäbe es da jemand, den man fragen könnte?" Hoffnung
lebte in Eleya auf. Legolas deutete mit einem Nicken in Gilmlis Richtung
"Gloin, sein Vater war einer der Gefährten, doch er hat mit
mir bisher noch niemals darüber geredet."
"Dann müssen wir den Herrn Zwerg halt fragen, es bleibt uns
kaum eine andere Wahl", Geritor, der die Unterhaltung mit angehört
hatte, war neben die beiden getreten.
Unauffällig sah er auf die Hände seiner Tochter, die immer
noch in denen des Prinzen lagen und verkniff sich ein Lächeln.
Zu gerne hätte er gewusst, was in der vorletzten Nacht auf dem
Berg geschehen war, aber er würde es nicht erfahren, dafür
kannte er seine Eleya zu gut! War es überhaupt noch "seine Eleya"?
"Wir können weiter Mylord", das Krächzen des Adlers holte
den Elb aus seinen Gedanken zurück. "Ja, natürlich", erst
jetzt fiel ihm auf, dass er seine Tochter angestarrt hatte und sie
das amüsiert beobachtete.
"Was war den Vater?" fragte sie mit einem Grinsen, doch Geritor wandte
sich nur ab und murmelte etwas, das sich nach "was soll denn schon
sein" anhörte. Darauf wurde Eleyas Grinsen nur noch breiter,
sie konnte sich sehr gut vorstellen, was in ihrem Vater vorging. Sie
drückte noch einmal die Hand von Legolas und ging zu Odine und
Gaiwan zurück.
"Wie lange wird es noch dauern?" stöhnte Odine, die sich die
noch immer schmerzenden Beine rieb.
"Nun, ich denke in guten fünf Stunden werden wir den einsamen
Berg erreicht haben", lachte Gaiwan.
Er hatte wohl bemerkt, dass sich das Mädchen die ganze Zeit
wie eine Statue an Eleya klammerte.
"So schlimm ist es nun auch nicht", versuchte die Elbe ihre Freundin
aufzumuntern und zog sie wieder hinter sich auf den Rücken des
Vogels.
Die nächsten Stunden in der Luft verbrachten alle schweigsam,
je näher sie ihrem Ziel entgegen kamen, umso schwerer wurden
ihre Züge. Geritor grübelte noch immer an einer Lösung,
wie er seinen alten Freund aus Kardels Macht reißen könnte.
Doch ohne Gimlis Hilfe sah er keine Chance.
"Dort! Seht der einsame Berg ist zu sehen", rief Meradeth in das
Schweigen hinein.
"Wo? Ich kann nichts erkennen", Odine wandte sich hinter dem Rücken
Eleyas und versuchte einen besseren Blick zu bekommen.
"Warte noch ein paar Minuten, selbst ich sehe gerade mal einen Schatten
in der Ferne", beruhigend sprach die Elbe auf ihre Freundin ein, doch
in Wahrheit war sie alles andere als ruhig.
Zum ersten Mal in ihrem Leben würde sie ihre wahre Heimat sehen
und dabei stiegen gemischte Gefühle in ihr auf. Zum einen war
es Freude zu sehen, woher ihre stärkeren Wurzeln stammten. Die
andere Frage jedoch war, ob sie jemals wieder in ihr geliebtes Tal
zurückkehren würde und selbst wenn, würde sie nicht
mehr das Leben führen, welches sie bis jetzt gewohnt war. Dazu
kam dann noch die Sache mit Legolas. Das, was sich zwischen ihr und
dem Prinzen entwickelt hatte und wie es weitergehen sollte beschäftigte
sie. Immerhin war er ein Prinz und als wenn das nicht schon reichen
würde, auch noch der Thronerbe.
"Ja jetzt kann ich ihn auch sehen", Odines Geschrei holte Eleya aus
ihren Grübeleien zurück. Ihr Blick wanderte über die
Gesichter der anderen, sie waren blass, doch das von Legolas war am
stärksten von Wehmut und Angst durchzogen.
Die Wälder erschienen immer deutlicher und ein noch winziger
Fleck ließ die Seestadt erahnen. Die Biegung des großen
Waldflusses zeigte, wo der Palast, welcher nicht sichtbar wurde ungefähr
liegen musste. Am Fuße des einsamen Berges sahen sie ein Lager,
auf das die Adler, langsam die Höhe geringer werden lassend,
direkt zusteuerten. Eine Wache rief laut auf und eine Elbe rannte
mit allen Kräften auf sie zu. Beide schauten angespannt zum Himmel
und ließen die riesigen Vögel nicht mehr aus den Augen.
Die Elbe hielt sich erschrocken die Hand vor dem Mund, als Legolas
den Arm zum Gruß hob und sie nun scheinbar genau sein Gesicht
erkannte.
Die Adler setzten zum Landeanflug an und Eleya sah auf die Elben
und Menschenmassen hinab, die sich bereits versammelt hatten und sie
ungeduldig erwarteten. Sanft berührte Gaiwan den Erdboden und
die beiden Frauen waren dankbar, dass sie endlich wieder auf ihren
eigenen wackeligen Beinen stehen durften. Sie winkten den Vögeln
noch einmal zu, als diese sich mit einem Kopfnicken verabschiedeten
und sich wieder erhoben, um sich einen Platz auf dem einsamen Berg
zu suchen damit sie sich eine wohlverdiente längere Pause gönnen
konnten. Legolas fiel der Elbe mir weiß-silbernen Haaren in
die Arme, deren dunkel blaue Augen ein hohes Alter verrieten. Ihre
graziösen und anmutigen Bewegungen ließen Eleya darauf
schließen, dass sie die Königin und Legolas Mutter sein
musste.
"Geritor, mein alter Freund. Es tut so gut dich wieder zu sehen",
Melyanna hatte sich jetzt ihrem Vater zugewandt und schien äußerst
erleichtert über seine Anwesenheit zu sein.
"Du musste Eleya sein, denn solch grüne Augen, habe ich erst
einmal bisher gesehen", die junge Elbe zuckte zusammen, als sie angesprochen
wurde, denn ihre Aufmerksamkeit war auf Legolas gerichtet, der von
einer Reihe anderer grün-braun gekleideten Elben freundschaftlich
begrüßt wurde.
"Ja das bin ich, meine Königin", erwiderte sie etwas erschrocken
und eine leichte Röte stieg ihr ins Gesicht, während sie
einen formvollendeten Knicks machte.
Eleya konnte es selber nicht glauben. Nun stand sie zum ersten Mal
vor ihrer Königin und hatte sie nicht einmal beachtet.
"Nicht so förmlich mein Kind, immerhin bist du Geritors Tochter!"
lachte Melyanna leicht, doch gleich legte sich wieder ein Schatten
auf ihr Gesicht und ihr Blick glitt in die Ferne.
Geritor legte einen Arm um die Königin und es war deutlich,
dass die Gedanken der Beiden bei ein und derselben Person waren. Sie
kannte ihren Vater und auch die Frage, die er nicht zu stellen vermochte.
Eleya zögerte, doch es war unvermeidbar, dass diese Frage kommen
würde
"Habt ihr Neuigkeiten vom König?"
"Er lebt noch, wenn du das meinst", war die schlichte Antwort und
Tränen stiegen in die Augen der Königin.
Der endlose Schmerz, der dahinter stand war unübersehbar. Ihr
Vater blickte sie dankend dafür an, dass sie die Frage für
ihn ausgesprochen hatte und wandte sich wieder seiner alten Freundin
zu. Die Masse löste sich langsam auf und ging wieder ihren Pflichten
nach. Melyanna und Geritor gingen erzählend zurück und beachteten
kaum noch einen der anderen. Während Eleya als einer der letzten
zum Lager ging, trat Legolas neben sie, doch er sah nur abwesend auf
seine Füße.
"Ich wünschte ich könnte dir ein anderes Bild von meinem
zu Hause zeigen", brach er sein Schweigen und hob nur leicht seinen
Kopf, um in ihre Augen zu sehen.
"Ich verspreche dir, ich werde so lange hier bleiben, bis du mir
deinen Düsterwald so zur Schau stellen kannst, wie du ihn liebst!"
antwortete sie sanft und war bei ihren Worten stehen geblieben.
Legolas blickte die Elbe vor ihm lange an und lief bereits wieder
Gefahr sich in den sanften grün ihrer Augen zu verlieren, als
eine kaum sichtbare Röte in ihre Wangen stieg und sie sich schnell
von dem Prinzen abwandte. Mit einem unauffälligen Grinsen beobachtete
er Eleya, wie sie sich übertrieben einer Falte in ihren Röcken
widmete, doch schlagartig drehte sich die Elbe um, nahm sein Gesicht
in ihre Hände und gab ihm einen flüchtigen Kuss direkt auf
den Mund.
Noch bevor Legolas überhaupt reagieren konnte, hatte sie ihn
schon wieder losgelassen und eilte mit schnellen Schritten ihrem Vater
hinterher. Verdutzt sah er ihr nach. Noch immer hatte er das Gefühl
ihrer seidigen Lippen auf seinem Mund.
"Ich werde dein Versprechen nicht vergessen!", lachte er ihr nach
und Eleya war mehr als dankbar, dass er nicht sehen konnte, wie peinlich
ihr das gerade war. Was hatte dieser Prinz nur so Unwiderstehliches
an sich?
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Gimli war froh, wieder seine geliebte Myra in den Armen zu halten
und legte stolz seine Hände auf ihren wohl gerundeten Bauch.
"Bitte entschuldigt", lächelte Eleya und blieb mit gebührendem
Abstand zu dem Zwergenpaar stehen und wollte gerade schon wieder kehrt
machen.
"Oh, kommt ruhig näher. Ihr stört nicht", winke sie Myra
fröhlich näher und deutete auf einen Stuhl, der neben ihr
stand. Gimli dagegen schien alles andere als begeistert zu sein.
"Wenn dich Geritor geschickt hat, um mich nach dem Geheimnis meines
Vaters zu fragen, werde ich dir keine andere Antwort geben, als ihm
auch. Ich habe doch schon bereits gesagt, dass ich in dieser Sache
nicht helfen kann."
Eleya hatte die ganze Unterhaltung der Beiden hautnahe mitbekommen
und fand es nicht Recht, wie sie sich getrennt hatten. Sie hatte gewusst,
dass ihr Vater den Zwerg nach Gloins Flucht fragen wollte, doch als
er nicht annähernd die Antwort bekam, die er sich erhoffte, konnte
er seine Wut nicht mehr zähmen. Nun verstand sie auch, wie es
sein konnte, dass selbst Legolas in all der Zeit auch nicht nur ein
einziges Wort von Gimli in dieser Sache erfahren hatte.
"Es tut mir leid, dass sich mein Vater so ungehobelt dir gegenüber
benommen hat. Das war nicht richtig von ihm. Doch glaube mir, er hat
es nicht so gemeint, was ausgesprochen wurde", das flehende Lächeln
der Elbe ließ wieder einmal alle Wut von Gimli dahin schmelzen.
"Schon gut", knurrte er zurück und seine Laune begann sich zusehends
wieder zu bessern. Eleya konnte ihren Vater durchaus verstehen.
Die Halsstarrigkeit des Zwerges hatte Geritor zur Weißglut
getrieben, weil er zwar einsah, dass seine Information wichtig war,
aber es trotz allem nicht sagen konnte. Doch genauso verstand sie
auch Gimli, der durch den Schwur an seinen Vater auf dem Totenbett
gebunden war, das Geheimnis zu hüten. Sie würde genauso
an seiner Stelle handeln.
"Du musst verstehen, dass mein Vater große Angst wegen Thranduil
hat und einfach die Nerven verlor", immer noch lag die Spur einer
Entschuldigung in ihrer Stimme.
Gimli war mal wieder am Verzweifeln. Die Frage, warum ausgerechnet
er einen so engen Kontakt zu Elben hatte, würde ihn sicherlich
irgendwann noch einmal um den Verstand bringen!
"Meint bitte nicht, dass ich nicht nachfühlen kann, was in Geritor
vorgeht. Wenn Legolas an der Stelle des Königs sein würde,
wäre mein Handeln gewiss nicht anders", nachdenklich zog er bei
diesen Worten an seiner Pfeife und starrte ins Leere.
"Ich weiß!" war alles was die Elbe dazu sagte und nickte verständnisvoll.
"Oh, wie ungastlich bin ich doch heute nur wieder?"
Myra erhob sich schwerfällig von ihrem Stuhl und wollte gerade
einen der großen Krüge mit Bier holen.
"Nein, vielen dank", lächelte Eleya, die aufgesprungen war und
der Zwergenfrau den Kelch abnahm "Ihr solltet eure Kräfte schonen,
immerhin wird es höchsten noch zwei bis drei Wochen dauern, bis
euer Nachwuchs eintrifft."
Myra nickte ihrem Gast dankbar zu und ließ sich wieder auf
ihr dickes Kissen sinken. Die Elbe schreckte aus ihren Überlegungen
auf, als Gimli schlagartig aufsprang und entschlossen in ihre Richtung
sah.
"Ich muss mich noch um ein paar Dinge kümmern, bitte entschuldigt
mich Eleya", verabschiedete sich Gimli von den beiden Frauen und machte
sich auf den Weg in seine Höhle.
"Ach Myra, sei so gut und sieh noch einmal nach den leeren Fässern
im Keller, ja?" rief er noch wie nebenbei hinterher und verschwand.
"Welche Fässer meint er nur? Im Keller haben wir nichts mehr,
alles ist für die Menschen und Elben hier verwendet worden",
murmelte die Zwergenfrau ratlos vor sich hin, doch der bedeutungsvolle
Blick, direkt in Eleyas Augen zeigte etwas anderes.
Die Elbe sah Myra fragen an, doch dann verstand sie, was Gimli damit
hatte sagen wollen. Ihre Augen leuchteten auf und die Zwergenfrau
musste innerlich grinsen. Sie kannte nur zu gut Gimlis Freundschaft
zum Elbenprinzen und hatte nie daran gezweifelt, dass er einen Weg
finden würde ihm zu helfen.
"Natürlich, jetzt verstehe ich!" mit einer schnellen Verabschiedung
trennte sich Eleya von der Kopfschüttelnden Myra und lief ein
Stück in den Wald. Ja, das wäre ein Weg und selbst wenn
Kardel es sofort durchschauen würde, wenn sie im Palast waren,
hätte man zumindest eine Chance.
Kapitel 10