Langsam senkte sich die Sonne bereits dem westlichen Horizont zu
und noch immer boten sich die gegenüberstehenden Heere einen
gnadenlosen und unnachgiebigen Kampf.
Legolas schaute immer wieder in immer mehr erschöpfte Gesichter
der Elben seines Reiches. Auch noch nach dem langen und anstrengenden
Stunden funkelten die Augen der Waldelben gefährlich auf, nicht
willig auch nur einen ihrer Gegner die geringste Gnade zukommen zu
lassen. Selbst wenn sie verwundet worden waren, ließen sie sich
nicht davon abhalten auch weiterhin ihre Heimat zu verteidigen. Des
Öfteren musste der Prinz seine Leute nicht nur bitten sich von
der Königin zumindest einen provisorischen Verband anlegen zu
lassen, sondern es mit deutlichem Nachdruck befehlen.
Melyanna, die sich nur am Rande der Schlacht aufhielt, hatte ebenfalls
keinerlei Chancen einmal durchzuatmen und versorgte eisern die Schwerstverwundeten
und brachte diese mit Hilfe einiger jüngerer Menschensöhne
aus dem Gefahrenbereich heraus.
Aragorn und Gimli standen fest an der Seite ihres elbischen Freundes,
wobei der König von Gondor so manches Mal einen erwartenden Blick
in die Ferne schweifen ließ und anscheinend nach etwas suchte.
"Er hält noch immer an seiner Angriffstaktik fest, obwohl
er mehr und mehr seiner Krieger verliert", verwundert, aber auch
argwöhnisch sah er zu Legolas, der offensichtlich auch schon
begonnen hatte nach einer Erklärung für dieses seltsame
Verhalten zu suchen. Genau genommen lag diese ja offen auf der Hand,
denn Kardel erwartete die unterstützenden Truppen der Urukais,
welche hinter dem Berg entlang schlichen.
Die Frage war nur bis in wie weit es Thranduil gelungen war diese
aufzuhalten. Bei diesen Gedanken verkrampfte sich sein Herz, da auch
Eleya bei ihnen war und er kannte sie zu gut, um glauben zu können,
dass sie in Sicherheit abwarten würde. Genauso wie sein Vater,
der sich trotz seiner noch immer langsam verheilenden Wunden und noch
lange nicht vollständig zurückgekehrten Kräften zweifellos
in die Reihen der Krieger gesellt hatte.
Es war nur zu hoffen, dass eine Menge der Urukais auf dem Berg ihr
Leben verloren hatten, denn das Durchhaltevermögen der Elben
schwand, aber am Besorgniserregendsten war der Zustand der Menschen
aus der Seestadt, da diese nur wenig, teilweise auch gar nicht über
Erfahrungen in einer Schlacht verfügten.
Aragorn blickte zum Prinzen auf, als dieser plötzlich erstarrte
und wie gebannt in Richtung des Berges guckte. Seine Augen sprachen
Ungewissheit aus, aber auch leichte Verwirrung. "Kardels Unterstützung
wird in wenigen Momenten da sein und noch immer sind sie sehr zahlreich",
so hatte Legolas die Ahnung des Königs voll bestätigt und
es würde ihrem Heer mehr als nur schwer fallen, ihren jetzigen
Vorteil weiter halten zu können.
"Wenn wir es nicht bis Sonnenuntergang schaffen zu siegen, dann
habe ich keine andere Wahl, als meinem Volk eine neue Heimat zu suchen.
Da es im Moment leider danach aussieht, macht es mir das Herz nur
noch schwerer, denn es ist wohl eher damit zu rechen, dass Kardel
persönlich jedem einzelnen das Leben nimmt, anstatt sie freiwillig
ziehen zu lassen", die Stimme des Prinzen war untersetzt mit
Trauer und Wehmut, aber noch war sein Kampfeswille ungebrochen.
"Viele Jahre standen wir Seite an Seite und du kannst dir gewiss
sein, dass ich nicht vorhabe es jetzt zu ändern", brummte
Gimli mit fester Überzeugung und blickte ernst in die blauen
Augen von Legolas. Dieser nickte dem Zwerg nur dankbar zu und wandte
seine Aufmerksamkeit wieder den Urukais zu, welche nun schon fast
den Rand des Schlachtfeldes erreicht hatten.
Doch etwas war mehr als unlogisch. Sie gesellten sich nicht zu denen,
welche nur noch in geringen Zahlen dem Elbenheer gegenüberstanden
und ohne Unterstützung bald untergehen würden sondern zu
dem Hauptpulk, welcher sich gleichgültig vom Kampf zurückgezogen
hatte.
Dem Prinzen war wohl aufgefallen, dass Kardel diesen Teil seiner
Truppen merklich zögerlich einsetzte, so als wenn die Krieger
seine persönliche Schutzmauer wären. Legolas besaß
aber nicht eine einzige Person, welche er in diese Flanke des Tyrannen
hätte schicken können, da es ihnen schon große Mühe
kostete, seine eigene Linie zu halten und sich nicht zurückdrängen
zu lassen. Denn dann würde aller Kampf vergebens gewesen sein.
Beunruhigt verfolgte auch Aragorn das Zusammenschließen der
feindlichen Truppen und erkannte, dass so ihre Chancen auf einen Sieg
drastisch gesunken waren. Der König Gondors blickte seinen elbischen
Freund ernst an, doch zu seiner Überraschung wirkte dieser erfreut
und unendlich erleichtert.
"Was siehst du, was ich nicht sehen kann?" Neugierde stieg
in dem Menschen auf, da er die extreme Sehstärke der Elben schon
oft kennen gelernt hatte. "Es sind niemals Urukais! Sie bewegen
sich zu graziös und anmutig", Legolas schwieg einen Moment
und seine Augen begannen in einer Art aufzublitzen, wie Aragorn es
erst einmal gesehen hatte und das war bei der Entscheidung von Helms
Klamm.
Eine Erklärung wurde unnötig, denn ein elbischer Schlachtschrei
ertönte und für jedermann war die Stimme Thranduils, ihres
Königs, deutlich zu vernehmen. Noch bevor die meisten Orks ihre
Überraschung verwinden konnten, fielen sie mit aufgeschlitzten
Kehlen oder tief klaffenden Wunden starr zu Boden. Eisern und brutal
gingen die Elben unter dem Befehl Thranduils gegen ihre Feinde vor
und schnell wurde sichtbar, dass die Motivation seine Heimat zu verteidigen
um einiges größer war, als die kalten
Unterweisungen eines selbstherrlichen Tyrannen. Die ersten Truppen
der Orks ließen sich ängstlich hinter die eigenen Linien
drängen, was dem Zusammenhalt des Heeres erheblich schwächte.
"Greift gefälligst an, sonst sorge ich persönlich
für euren Tod", übertönte die eiskalte Stimme
Kardels das Geschehen, der nur noch versuchen konnte sich auf die
für ihn außer Kontrolle geratende Situation einzustellen.
Für sich selbst musste er sich jedoch bereits nach wenigen Minuten
eingestehen, dass es Thranduil ein weiteres Mal geschafft hatte seine
Heimat zu retten. Doch er war zu aggressiv und es war dem Tyrannen
einerlei wie viele seiner Untergebenen ihr Leben verlieren würden,
so trieb er die Orks unnachgiebig an. Ob er nun sein Ziel, den Düsterwald
unter seine Herrschaft zu bringen, erreicht hatte oder nicht, seine
Feinde würden bitter dafür bereuen müssen.
"Vater hat es also tatsächlich geschafft" Aragorn
lächelte über die erstaunte und zugleich doch mit Stolz
unterlegte Aussage des Prinzen, welcher seinen Teil der Truppen an
einen der anderen Führer übergab und sich in Richtung Thranduil
vorzukämpfen versuchte. Wortlos folgte der König Gondors
Legolas und langsam bahnten sie sich den Weg zu ihren eigenen Leuten.
Das Herz des Prinzen wurde um einiges leichter, als er seines Vaters
Augen unter der tief ins Gesicht gezogenen ledernen Kopfbedeckung
erspähen konnte. Der König hatte sich mit Dreck beschmiert
damit die Täuschung noch für wenige Momente länger
anhielt und man konnte kaum sagen, ob es sich um einen Menschen oder
einen Elben handelte, der gerade vor einem stand. Aber seine stahlblauen
Augen, die siegesgewiss und stolz hervorstrahlten, verrieten ihn und
selten war Legolas so dankbar gewesen, dass sein Vater einmalig unnachgiebig
gewesen war.
Thranduil ging nur lächelnd auf seinen Sohn zu und legte ihm
eine Hand auf die Schulter. "Wie ich sehe, hast du alles bestens
unter Kontrolle", ein beeindruckter Ausdruck leuchtete in den
Zügen des Königs auf und doch konnte Legolas unendliche
Erleichterung, dass es ihm gut ging, dahinter sehen.
Der Prinz suchte währenddessen noch ein anderes Gesicht, welches
er aber nicht auszumachen vermochte. "Eleya ist mit Odine auf
dem Weg in die Höhlen", Thranduil brauchte keinerlei Erklärung,
an wen sein Sohn gerade dachte.
In Legolas Gesicht verbreitete sich ein Schrecken "Sie ist alleine
mit Odine unterwegs, sie ist doch...?" Jetzt verstand er zumindest
einen kleinen Teil von dem ganzen, das Geritors merkwürdiges
und geheimnisvolles Verhalten erklärte, aber beruhigte ihn das
nicht, im Gegenteil.
Der König blickte seinen Sohn fragend an, konnte jedoch nicht
verstehen, was so erschreckend an dem Gedanken sein sollte, dass Eleya
zusammen mit dem Mädchen unterwegs war, immerhin waren die beiden
Freundinnen und sehr gute noch dazu. Thranduil begriff das etwas nicht
stimmte und in diesem Moment fiel ihm auch auf, dass Geritor nirgends
zu sehen war. Doch wenn ihm Schlimmes geschehen wäre, würde
Legolas sich anders verhalten.
"Was ist geschehen?" wurde der König misstrauisch
und kniff forschend die Augen zusammen. Der Prinz wünschte sich
nichts sehnlicher, als dass er vernünftige Erklärungen vorbringen
könnte, doch nicht einmal annähernd konnten die Bruchstücke
zusammengesetzt werden.
Ein lautes Geschrei durchbrach diese Unterhaltung, da Kardel sich
offensichtlich entschieden hatte, erneut die Feigheit zu wählen
und sich mit einer kleinen Gruppe seiner Leibwächter abzusetzen,
ohne es groß verschleiern zu wollen. Er wusste wohl, dass keiner
der Elben ihm folgen würde, da die Orks noch viel zu zahlreich
waren. "Du kannst ihm nicht nach", Legolas hielt seinen
Vater zurück, der aufgebracht die Verfolgung aufnehmen wollte.
Thranduil stand da mit geballten Fäusten, so dass seine Knöchel
weiß hervorfunkelten. Schließlich akzeptierte er den logischen
Entschluss und blickte erstaunt seinen Spross an. Legolas handelte
nicht mehr wie ein Krieger, sondern wie ein König, der für
sein Volk entscheiden musste. Als oberste Aufgabe galt es die Eindringlinge
bis auf den Letzten aus ihrer Heimat zu vertreiben und die Grenzen
wieder zu sichern. Selbst die Gefühle für Eleya hatte der
Prinz für den Moment hinten angestellt.
Doch der Gedanke, dass der Tyrann weiterhin seine finsteren Pläne
ausleben konnte, trübte das Gemüt Thranduils, da dieser
niemals ruhen würde. Für Kardel gab es nur ein Ziel, was
noch zählte und zwar sein Verlangen nach dem Thron und nach Rache.
Er würde nicht aufgeben, bis seine Seele von der sterblichen
Hülle getrennt worden war.
^^^^^^
Meradeth folgte Geritor auf den Fuß und gemeinsam rannten sie,
die letzten Kräfte mobilisierend, den deutlichen Spuren der Urukais
nach. Nicht die kleinste Erholungspause gönnte der ältere
Elb ihnen, viel zu sehr lag die Angst um seine Tochter auf seinem
Gemüt und die trieb ihn unerbittlich an.
Geritor schwieg eisern, noch immer brachte er es nicht übers
Herz, eines der grausamen Worte Kardels über seine Lippen kommen
zu lassen. Noch unzählige der sich tief einbrennenden Versprechungen
war er genötigt gewesen sich anzuhören, da er alleine nicht
die geringste Chance gehabt hatte sich zur Wehr zu setzen. Zu groß
war der Vorteil der Urukais gewesen, welche ihn gnadenlos ihren Willen
aufgezwungen hatten.
Schon seit vielen Stunden verfolgte er nun die Spur der beiden Handlanger
des Tyrannen, doch zum ersten Mal änderte sich deutlich ihre
Richtung. Die tiefen Abdrücke, welche sich sonst so stetig bergauf
befanden, begannen schlagartig sich in eine Art parallelen Pfad zu
ändern, so als wenn man sein Ziel gefunden hatte, aber es noch
unauffällig verfolgen wollte.
"Es geht ihr gut", versuchte Meradeth den sich quälenden
Vater etwas zu beruhigen "Ich war bei der Rettung unseres Königs
in den tiefen des Palastes an ihrer Seite und Eleya ist sehr stark".
Geritor nickte nur kaum merklich, wandte ihm jedoch nicht das Gesicht
zu. "Sie ist meine Tochter", war alles, was er fast flüsternd
noch herauspressen konnte "Ich könnte es nicht ertragen,
wenn dieses Monster ihr auch noch so etwas antun würde, sowie
Odine es schon erleiden musste."
Bei diesen Worten wurde der dunkelhaarige Elb hellhörig. "Odine,
sie lebt noch?" Meradeth hatte Geritor unbewusst fest am Oberarm
gefasst und schaute ihn eindringlich an.
Sein Gegenüber blicke ihm lange prüfend mit gräulichen
Augen an und wurde sehr ernst. "Kardel hat das Mädchen von
der Seele und vom Herzen her zerstört. Odine wird niemals mehr
die Gleiche sein, welche ihr in meinem Haus kennen gelernt habt!"
Meradeth schluckte schwer und brauchte einige Momente bis er wirklich
begriff, was man ihr angetan haben musste. Er schloss die Augen und
ließ den Kopf leicht hängen, so schnell, wie sich seine
Hoffnungen aufgebaut hatten, so schnell fielen sie auch wieder in
sich zusammen.
Dieses Mädchen faszinierte ihn und des Öfteren galten seine
Gedanken ihr. Obwohl sie zum größten Teil menschlich war,
besaß sie einen einzigartigen Willen. Der Vormittag, den er
mit ihr zusammen für die Vorbereitungen des Floßes verbringen
durfte, entlockte ihm noch immer ein Lächeln.
Das Mädchen hatte es geschafft innerhalb von wenigen Momenten
zwischen einer starken selbstsicheren Frau und einem schutzsuchenden
Wesen hin und her zu springen. Wie dem auch sei, alles schien verloren,
gleich ob seine Überlegungen über sie nur reine Neugierde
oder vielleicht auch mehr freundschaftlicher weise waren.
"Meradeth!" der Schrei Geritors holte den Elben wieder
in die Wirklichkeit zurück und als er den zögerlichen Schritten
mit den Augen folgte, da konnte schon sehen, was Geritor so aus der
Fassung gebracht hatte. Ein riesiger dunkel gekleideter Körper
lag leblos am Boden und dunkelrotes, fast schwarzes Blut bedeckte
die Erde in Höhe seiner Brust.
"Sie haben Eleya gefunden", stellte Meradeth betroffen
fest als er eines ihrer Messer unsanft aus dem Herzen des Urukais
zog. Es war mit Hast durch den dicken Lederwams gestoßen worden
und hatte sein Ziel nicht hundertprozentig getroffen, so dass es ein
sehr langsamer und qualvoller Tod gewesen sein musste.
Geritor strich mit der Hand über einen Felsen, auf dem helles
Blut klebte und sein Blick wurde traurig. "Es war ein schwerer
Kampf, doch einer der Urukais, hat sie überwältigen können",
er zeigte mit der Hand auf eine kurze Schleifspur.
Doch kritisch und fragend überprüfte der Elb einige Fußspuren,
welche sich in nächster Nähe befanden und blickte etwas
erstaunt auf "Das scheint ein Halbling gewesen zu sein, aber
warum sollten sich Merry oder Pippin hier aufhalten, die Höhlen
der Zwerge sind Meilen von hier entfernt?"
Meradeth kniete sich ohne ein Wort zu verlieren über den deutlichen
Abdruck, der offensichtlich machte, dass sich die gefesselte Person
sehr gewehrt haben musste. Er hob einen kleinen Beutel auf, der aus
dem gleichen grauen Stoff bestand, wie die Uniformen des Schattenvolkes.
Geritor erstarrte kurz und riss ihn Meradeth schon fast aus der Hand
und brachte ein Medaillon zum Vorschein, welches er vor langer Zeit
einmal Maleyna geschenkt hatte. Seine Frau glaubte fest daran, dass
es ihre Tochter immer beschützen würde, wenn Gefahr drohte.
"Sie waren aber zu zweit und wenn deine Vermutung mit dem Hobbit
stimmt, sogar zu dritt", versuchte der jüngere Elb Geritor
etwas Mut zu machen.
Dieser lachte nur leicht höhnisch, blickte jedoch im gleichen
Atemzug entschuldigend auf. "Einer der beiden Diener ist weit
und breit nicht auffindbar, das kann nur eines bedeuten. Da meine
Tochter immer sorgfältig Acht auf diese Erinnerung gegeben hat,
glaube ich nicht, dass der Beutel nur zufällig hier verloren
gegangen ist." Die Augen blitzten grau auf und doch war deutlich
wieder Zuversicht in ihnen zu finden.