Disclaimer: Alle Charaktere gehören ihren rechtmäßigen
besitzern, uns gehört nichts.
Der Berg des Schlafenden Drachen
Sie waren jetzt schon über zwei Wochen in Richtung Nord –
Osten unterwegs. Schnell hatten sie die Eisenberge und die Dürren
Heiden hinter sich gelassen. Schon seit Tagen ritten sie auf einer
endlos scheinenden Ebene mit wenig Bäumen, aber saftig grünen
Wiesen. Obwohl kaum merkbar, war es ein ständiger Aufstieg. Am
Horizont sah man die Berge, welche, je näher sie kamen, immer
deutlicher an die Form eines schlafenden Drachen erinnerten. Damit
war der Anfang ihrer Suche vorbei.
Meradeth rutschte unruhig auf seinem Pferd herum. Und warf einen fragenden
Blick in Legolas Richtung.
„Ich spüre es auch“, flüsterte dieser ernst
zurück.
Gimli hatte die Worte hören können und sah sich um.
„Was ist denn los“, wollte der Zwerg, dem das Geflüster
gar nicht gefiel, wissen.
„Wir werden beobachtet. Seltsam ist nur, das es von zwei Richtungen
geschieht!“ sprach Legolas, fast schon mehr an sich gerichtet.
„Orks splitten sich nicht und warum sollten sie sich die Mühe
machen und uns von verschiedenen Seiten zu beobachten?“ fragte
Gimli verdutzt.
„Das tun sie auch nicht“, meinte Meradeth trocken.
„Wer soll es sonst sein? Ich habe nicht davon gehört, dass
hier auch nur irgendjemand lebt. Wer würde das auch wollen?“
Gimli flüsterte diese Worte fast schon, als er sich jetzt intensiver
umsah.
„Ich weiß es nicht! Sie bewegen sich jedoch so lautlos,
wie es nur Elben tun. Ich gebe dir Recht, nach meinem Wissen ist das
Land unbewohnt“ antwortete Legolas stattdessen nachdenklich.
„Was hältst du davon“, richtete sich der Prinz an
Aragorn der zu ihnen aufgeholt hatte.
Es kam keine Antwort, nur ein prüfender Blick über die Landschaft
vor ihnen.
„Mir läuft es kalt den Rücken runter, wenn ich mich
hier umsehe“, murmelte Gimli in den Rücken seines Freundes.
Immer deutlicher fiel ihm auf, dass kaum noch ein Vogel sang und das
Land langsam dunkler und bedrohlicher wurde.
„Wir haben keine andere Wahl, wenn ich weiterhin eine Heimat
haben möchte Gimli“, antwortete der Elb mit harter Stimme.
Nur zu gut, wusste der Zwerg um den seelischen Zustand seines Freundes.
Er rang stets um Beherrschung, aber immer öfter sah man die Angst
und Ungewissheit in seinem Gesicht.
„Und ich werde an deiner Seite sein, auf was wir auch immer
stoßen werden“, beschwichtigte der Zwerg und bekam ein
dankbares Lächeln.
„Vielleicht sind es ja nur Reisende wie wir“ plapperte
Merry dazwischen hinein.
„Nein, das glaube ich nicht, dafür folgen sie uns schon
zu lange, doch wir haben nicht die Zeit um Nachforschungen anzustellen.
Es bleibt uns nichts anderes übrig, als wachsam zu sein“
hörten sie endlich Aragorns Meinung.
Danach trat ein langes Schweigen ein.
Als die Nacht herein brach, hielt die Gruppe an einer kleinen Baumsiedlung.
Ein Feuer wollten sie nicht riskieren. So blieb ihnen nicht viel über,
als sich fest in ihre Umhänge zu wickeln und zu versuchen etwas
Ruhe zu finden.
„Es ist nicht möglich einen anderen Weg zu suchen“,
beantwortete Aragorn die ungestellte Frage in den bangen Blicken der
Hobbits „Wir müssen schnellstens die Berge erreichen und
einen Weg hindurch finden“.
Den halben Tag grübelte er schon über den Worten von Legolas,
hatte keine andere Lösung gefunden. Die Eile, in der sie sich
befanden, gab ihnen keinerlei Möglichkeit.
Die anderen warfen ihm zwar einen unsicheren Blick zu, nickten aber
dennoch zustimmend, nur der Prinz zeigte keinerlei Reaktion und starrte
weiter auf die Berge vor ihnen.
Die beiden Elben übernahmen freiwillig die erste Wache, da sie
sowieso keine Ruhe finden würden und ließen so ihren Gefährten
den dringend benötigten Schlaf.
„Dieses düstere Schweigen erdrückt einen ja fast“,
sagte Meradeth zu seinem Freund. Ein kaum sichtbares Nicken war die
Antwort. Er hatte in all den Jahrhunderten niemals in so ernste und
harte Augen des Prinzen gesehen.
„Was genau hat es mit diesem Gefallen zu tun, den wir einfordern
sollen?“ versuchte er Legolas etwas abzulenken „Ich habe
nur selten mal alte Erzählungen von diesem Elb gehört!“
„Vater erzählte mir, das Geritor sein bester Freund und
engster Vertrauter war. Sie kämpften zusammen in der Schlacht
gegen Kardel und schafften es, ihn zu vertreiben“, erklärte
Legolas.
„Aber sie haben ihn nicht endgültig besiegen können“,
interpretierte Meradeth weiter.
„Kardel hat es geschafft zu entkommen, als die Schlacht ihrem
Ende zuging und er eingestehen musste, dass er verloren hatte. Seitdem
hat niemand mehr von ihm gehört und Vater hat vergebens nach
ihm gesucht“.
„Nur warum hat Geritor danach den Düsterwald verlassen?
Es war seine Heimat und er war ein hoch angesehener Held“, Meradeth
konnte seine Neugierde einfach nicht zügeln.
„Der Liebe wegen“, sagte Legolas weich „Mehr weiß
ich auch nicht“.
„Ich verstehe“, grinste Meradeth.
Die Stunden vergingen und die Wachen wechselten. Meradeth schlief
schnell ein, aber Legolas fand noch immer keine Ruhe und erforschte
etwas die Umgebung. Den ganzen Tag grübelte er schon darüber
nach, wer sonst noch, außer den Orks, Interesse an ihnen haben
könnte. Seine Gedanken schweiften um die Erzählungen seines
Vaters.
„Niemand würde die grauen Ebenen unbeobachtet durchqueren
und ohne ihre Zustimmung über einen unsichtbaren Pfad in ihr
Reich finden“
Ein leises Rascheln kam aus einem der Büsche hinter ihnen. Ohne
auch nur eine Andeutung zu machen, dass er etwas Auffälliges
gehört habe, ging er vorsichtig näher. Da war es schon wieder.
Blitzschnell zog er eines seiner Messer und bekam mit der anderen
Hand etwas zu fassen. Während er seinem scheinbaren Angreifer
einen Arm auf den Rücken drehte, legte er gleichzeitig das Messer
an die Kehle des Wesens.
„Überlegt gut was ihr da tut!“ etwas Scharfes drückte
sich in seine Hüfte genau über seiner Schlagader.
Zögernd zog Legolas das Messer von dem Hals weg, ließ es
aber nicht sinken, doch er spürte, dass der Druck an seinem Körper
ebenfalls nachließ.
Die Gestallt drehte den Kopf und der Prinz strauchelte fast etwas
zurück.
Es war ein Mädchen!
Ein Paar hellgrüne Augen funkelten ihn an, als sie sich aus seinem
Griff befreite.
„Ihr seid verdammt schnell, selbst für einen Elben“,
grinste sie, als sie ihr Kleid ordnete.
Verdutzt sah Legolas auf das Mädchen. Ihr Kleid war komplett
aus grauem Stoff, genauso der Umhang, den sie trug. Ohne Licht war
sie kaum zu erkennen nur das Messer spiegelte sich leicht. Sein Blick
fiel wieder in ihr Gesicht, in neugierige Augen, die unter einer Kapuze
hervorguckten und ihn ebenfalls musterten.
„Bitte verzeiht, ich wollte euch nichts Böses tun“,
presste er mühsam hervor.
„Seid unbesorgt, so schnell passiert mir nichts“, kam
eine unbekümmerte Antwort. Doch dann veränderte sich der
Ausdruck in ihrem Gesicht „Nur äußerst selten kommen
Elben in diese Gegend“.
„Ich bin mit Freunden auf der Reise nach dem Drachenberg, wisst
ihr wie ich ihn schnellstens überwinden kann?“ fragte Legolas
hoffnungsvoll.
„Ihr habt ihn bereits überwunden! Bei Sonnenaufgang werdet
ihr euren weiteren Weg wissen.“
Der Prinz hatte nicht ein Wort verstanden und sah sie mit zusammengekniffenen
Augen an.
Ihre Augen hafteten jedoch an seiner Kleidung „Seid ihr aus
dem Düsterwald?“
Verdutzt sah Legolas auf eine hellblonde gelockte Strähne, die
aus der Kapuze hervor gefallen war.
„Ja, das bin ich, aber woher...?“
Ein eigenartiges Pfeifen unterbrach ihn.
„Ich muss zurück! Gebt nicht dem Mut auf, euer Ziel ist
näher als ihr denkt“, mit diesen Worten drehte sie sich
um und verschwand sogleich in der Dunkelheit.
Lange sah er noch in die Dunkelheit, in die das bezaubernde Wesen
untergetaucht war und ging dann schweigsam zurück zum Lager.
Aragorn sah fragend zu ihm herüber. Der König hatte eindeutig
etwas gehört und es war nichts Bedrohliches gewesen.
Legolas aber schüttelte nur seinen Kopf und gab so zu verstehen,
dass nichts geschehen war und setzte sich an einen der Bäume.
Aragorn glaubte ihm nicht ganz.
Von wegen nichts geschehen! Legolas konnte noch gar nicht recht glauben,
was da eben geschehen war. Es ging alles so schnell, er hatte nicht
einmal Zeit zu fragen wer sie war und vor allem woher.
Der Morgen graute schon, als Aragorn von seiner Wache aufschreckte.
Ein lautes Kreischen und Geschrei zog sich über die Ebene. Keinen
Atemzug später sprangen auch die anderen Gefährten auf und
griffen zu ihren Waffen.
„Orks“, zischte Legolas, als er seinen Bogen spannte.
Kaum waren die ersten Orks in Reichweite, zischten auch schon Pfeile
durch die Luft. Die vorderste Reihe fiel röchelnd zu Boden, als
ihre Kehlen durchbohrt wurden. Aragorn und Belag erhoben ihre Schwerter,
während Gimli mit seiner Axt Hälse durchtrennte. Schnell
waren die Angreifer besiegt.
„Auf die Pferde“, schrie Legolas „Wir haben nicht
viel Zeit“. Noch während er das sagte, sprang er auf den
Rücken des Tieres und griff nach Gimlis Arm um ihm beim Aufsteigen
zu helfen.
In Sekunden waren alle aufgesessen und galoppierten geradewegs auf
die Berge zu.
Die ersten Sonnenstrahlen krochen schon über die Berge und dann
sahen sie, warum er der Drachenberg genannt wurde.
Genau genommen, war der Berg ein Drache, zumindest schien es so. Ein
großer Felsabhang spaltete sich ab und zeichnete einen Flügel,
während einer seiner Ausläufer sich nach unten bog und einen
leicht gezackten Schwanz bildete. Der Kopf schien auf einer Pfote
zu liegen und je höher die Sonne stieg, desto mehr stockte ihnen
der Atem. Die roten Strahlen fielen nun durch einen Spalt unter der
Pfote. Es schien als wenn er erwachte und Feuer speien würde.
Es war wie eine Drohung ihm nicht zu nahe zu kommen, doch kurze Zeit
später, schlief er wieder friedlich ein.
Alle Blicke waren wie gebannt auf dieses sicherlich einmalige Schauspiel
gerichtet.
Leider hatte man keine Zeit es zu genießen, denn ihre Verfolger
kamen wieder näher.
„Wir müssen die Felsvorsprünge erreichen, dort finden
wir Deckung“.
Die Elben schossen während des vollen Galopps Pfeile in Richtung
der Orks und verfehlten nie ihr Ziel. Doch schnell waren auch die
letzten Pfeile verbraucht und die Anzahl der Gegner war bei weitem
zu groß, als dass die Sieben dagegen eine Chance gehabt hätten.
Endlich erreichten sie die Berge mit den schützenden Felsvorsprüngen.
“Versteckt Euch“, schrie Aragorn und gab ihnen mit Gimli
Deckung.
Ängstlich blickte Merry über den Vorsprung und sah, dass
noch immer über zwanzig Orks hinter ihnen waren.
„Wie sollen wir hier jemals wieder raus kommen“ keuchte
Pippin, immer noch nach Atem ringend und warf einen fragenden Blick
auf Legolas. Dieser gab ihm nur einen unergründlichen Blick,
während er verzweifelt nach einer Fluchtmöglichkeit suchte.
Ein unterdrückter Schrei holte ihn aus seinen Überlegungen
zurück.
Er sah Gimli mit einem schmerzerfüllten Gesicht auf die Knie
sinken und sprang zu ihm.
„Es ist nicht so schlimm, wie es aussieht“, beruhigte
der Zwerg seinen Freund und stand schwankend auf, doch er wusste genau,
dass er Legolas kaum etwas vor machen konnte, als dieser die wulstige
Hand Gimlis von dessen unterster rechter Rippe nahm. Es war eine klaffende
Wunde, sie war etwa so lang wie seine Hand und sehr tief und zudem
verlor er recht viel Blut.
Ein sanftes Lächeln kam aber nur von dem Elb zurück, als
dieser sich Gimlis Arm um die Schulter legte und seinen Freund hinter
einen Felsen in Sicherheit brachte.
Nur zu gut wusste er um den äußerst ernsten Zustand und
drückte ein Stück Stoff seines Umhangs auf die Wunde.
„Wir müssen sofort hier raus“ schrie er zu der kleinen
Gruppe „Ich habe Schwierigkeiten die Blutung zu stoppen!“
Gimlis Blick vernebelte sich langsam und seine Gedanken galten einzig
seiner Frau und seinem ungeborenen Kind. Er musste nach Hause kommen,
er hatte es doch versprochen.
Eine neue Gruppe von Orks kam unaufhaltsam näher und jeder war
sich darüber bewusst, dass es kaum einen Entkommen gab. Der Zwerg
stand, immer noch benebelt aber entschlossen, auf und hob seine Axt.
„Geh zurück Gimli, schone deine Kräfte“, aber
noch bevor Legolas die Worte vollständig ausgesprochen hatte,
bracht der Zwerg wieder kraftlos zusammen.
„Was sollen wir jetzt machen Meradeth“ wisperte Pippin
mit einem fragenden und besorgten Blick.
„Wenn nicht ein Teil der Erzählungen wahr ist, sind wir
verloren“ sagte der Elb mit einem suchenden Blick auf die Berge
über ihnen.
„Was für Erzählungen?“, wollte Merry wissen.
„ Niemand, der den Fuß dieses Berges betritt bleibt ungesehen.
So erzählt man sich zumindest und ich bin mir mittlerweile sehr
sicher, dass sie es waren die uns beobachtet haben“ antwortet
Legolas anstatt.
„Und wer soll uns angeblich beobachten“, fragte Belag
missmutig.
„Es soll ein Schattenvolk sein, welches aber noch niemand gesehen
hat, der lebendig zurückgekommen ist“, erklärt der
Prinz weiter. Er verschwieg weiterhin seine seltsame Begegnung, die
er in der letzten Nacht hatte.
„Na toll“, knurrte Belag „Und wie soll dieses Volk
uns helfen? Wenn sie es überhaupt tun!“
Doch eine Antwort sollte er nicht mehr bekommen, die Orks hatten sich
fast auf Schussweite genährt und der Felsvorsprung würde
ihnen nicht mehr lange Schutz bieten.
Sie sahen kaum einen Weg zur Flucht, erst recht nicht in Anbetracht
des äußerst schlechten Zustandes von Gimli.
Da sie keine Pfeile mehr hatten, zogen die beiden Elben ihre Messer.
Sie konnten nichts weiter tun, als warten. Sie drücken sich an
die Felsen, um sich vor den Schüssen der Orkpfeile zu schützen.
Diese zischten von allen Seiten an der kleinen Gruppe vorbei und es
würde nur noch Momente dauern, bis die Orks sie erreichen würden.
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