Disclaimer: Diese Geschichte wird aus
Orlis Sicht erzählt. Wir haben alle unsere Idee davon, wie er
ist. Bitte belästigt mich nicht damit, zu sagen, daß ihr
ihn Euch so nicht vorstellt – ich verstehe das. Das ist ganz
und gar meine Interpretation und wenn euch das nicht gefällt...
na, dann lest es nicht. Danke an Wisdom’s Fool für die
Idee und für die Überwindung meiner Schreibblockade und
an Kayla für ihre Ermutigung und die Namenssuche... - Aelora
Kapitel 17
There’s something about the look in your eyes
Something I noticed when the light was just right
It reminded me twice that I was alive
And it reminded me that you’re so worth the fight
Echo – Incubus
Ich war froh wieder mit den Jungs in Neuseeland zu sein, mit ihnen
rumzuhängen, zu surfen und den Charakter des Legolas noch einmal
in mein Leben zu lassen. Ich glaube, Peter hatte vergessen, worauf
er sich einließ, wenn er uns alle zusammen hatte. Er reagierte
wie immer auf unsere Faxen – er lachte kurz laut auf und schüttelte
dann verärgert den Kopf. Wir griffen unsere Freundschaften sofort
wieder auf, drehten tagsüber oder nachts und verbrachten unsere
ganze Freizeit miteinander.
Mittendrin hatten wie einen Tag frei und die Hobbits und ich waren
bei Elijah, der Fernseher dudelte im Hintergrund zu unserer Unterhaltung.
Am Morgen waren wir surfen gewesen, waren gerade zurückgekommen
und warteten nun auf die Sandwiches, die Elijah uns versprochen hatte,
bevor er in der Küche verschwand. Keiner von uns erwartete sich
viel davon.
„Hey, ist das nicht Torries Sendung?“ fragte Billy und
deutete auf den Fernseher.
Wir sahen alle hinüber. Sie war es. Ich hatte begonnen, sie jede
Woche anzugucken, das war die einzige Möglichkeit für mich,
sie zu sehen. Glaubt es oder nicht, aber es war interessant und lehrreich.
Vielleicht war ich aber auch nur von der Moderatorin beeinflußt.
Wenn man mich gefragt hätte, hätte ich geantwortet, daß
Torrie aus allem einen Erfolg machte. Ich wußte, daß sie
und Sean gerade in Neuseeland waren, nur ein paar Stunden von uns
entfernt, damit sie ein paar Sachen filmen konnten. Elijah hatte es
mir an unserem zweiten Tag hier gesagt. Ich glaube, er hatte das als
Warnung gesagt, falls wir uns zufällig über den Weg laufen
sollten. Ich wußte nicht, ob ich das wirklich wollte. Es war
gut, von ihr zu träumen, wenn sie nichts weiter als eine Figur
im Fernsehen war, aber sie leibhaftig wiederzusehen... ich wußte
nicht, ob ich damit umgehen könnte.
Dom, Billy und Sean waren hinter mir auf der Couch und redeten weiter,
und wie gewöhnlich, wenn ihre Show im Fernsehen lief, konnte
ich mein Augen nicht vom Bildschirm wenden. Torrie saß am Rand
des Bootes, trug einen schwarz-blauen Schwimmanzug, hatte ihr nasses
Haar aus der Stirn gestrichen und erzählte den Zuschauern etwas
über Delphine. Ich bewegte mich nach vorn, aus meinem Sessel
heraus auf den Boden vor den Fernseher, mein Blick wich nicht vom
Schirm. Gott, ich vermißte sie. Ich liebte sie. Und sie sah
so schön für mich aus, während sie lachte, als die
Delphine in einem Becken in Sea World um sie herum schwammen. Dann
war sie wieder auf dem Boot, kurz davor, abzutauchen, ließ sich
ins Wasser fallen und stieß zu den wilden Delphinen und dann
schwamm sie mit ihnen und die Kamera hielt sogar eine Geburt fest.
Am Ende der Szene war Torrie wieder im Center und saß dort mit
einem Otter, und plötzlich erinnerte ich mich an Pablo und wie
ich mit ihr am meinem ersten Tag dort gesessen und ihn gefüttert
hatte. Die Kamera brachte ein Nahaufnahme ihres Gesichts, als sie
über die Rehabilitation des Wesens sprach, und ich konnte nicht
anders, als meinen Finger auszustrecken und über ihre Wange zu
fahren, mir zu wünschen, daß sie da wäre und daß
ich sie berühren könnte.
Ich hatte nicht bemerkt, daß es still um mich herum geworden
war, bis ich einen leisen Quietscher hörte – ich glaube,
so kann man es nennen. Ich drehte mich um und sah, daß Elijah
gerade mit einem Teller voll Sandwiches aus der Küche gekommen
war, und er sah mich mit diese schockierten, weit aufgerissenen Augen
an und stand einfach nur da. Billy, Dom und Sean auf der Couch waren
ebenfalls still und starrten nur. Ich seufzte und erkannte, daß
mein Geheimnis schließlich raus war. Wie könnten sie es
nicht wissen, wenn ich den Fernseher wie ein liebeskranker Idiot betatschte?
Ich sah einen Moment zurück auf den Bildschirm, sah zu, wie der
Abspann lief und guckte dann wieder zu meinen Freunden. „Ihr
fragt euch bestimmt, was los ist, huh?“
Elijah ließ sich irgendwie nur auf den nächstbesten Stuhl
fallen und schwieg immer noch.
„Ich habe es mir irgendwie gedacht,“ sagte Billy leise.
„Ich meine, am Abend des Unfalls, als wir alle tanzten, habe
ich zu dir und Torrie gesehen, und da war einfach etwas in deinen
Augen. Ich weiß nicht, warum ich es nicht früher gesehen
habe.“
Ich schenkte ihm ein kleines Lächeln und stand auf. „Nun,
jetzt wißt ihr es. Ich liebe Torrie. Seit... es fühlt sich
wie ewig an, macht das irgendeinen Sinn?“
Noch ein Quietscher von Elijah. Diesmal sahen wir alle vier zu ihm.
Er saß da, schüttelte seinen Kopf, die Augen geweitet und
sah aus, als würde er gleich explodieren.
„Lij, bist du in Ordnung?“ fragte Sean.
Er murmelte etwas.
„Was war das denn?“ fragte Dom.
„Das ist eine beschissene griechische Tragödie, das ist
es,“ antwortete Elijah, knallte den Teller laut auf den Tisch
und wühlte verzweifelt in seinen Taschen nach einer Zigarette.
Wir sahen schweigend zu, wie er sie anzündete und fragten uns,
ob er nicht den Verstand verloren hatte.
Billy neigte den Kopf. „Was ist los?“
Elijah fuchtelte mit seiner Hand in meine Richtung und murmelte wieder
etwas. „Er. Sie. Die ganze gottverdammte Sache.“
Sie sahen mich an, ich sah sie an, wir alle zuckten irgendwie mit
den Schultern und sahen wieder zu Elijah, der nachdenklich ins Nichts
starrte, während er seine Zigarette wegrauchte.
Schließlich wandte er sich mir zu und fragte mich, „Warum
hast du es ihr nie gesagt? Jetzt bin ich aber neugierig.“
Ich zuckte mit den Schultern und trat nach dem Teppich. Atti und meine
Mutter waren die einzigen, die es wußten. Es fühlte sich
gut an, es den Hobbits anzuvertrauen. Obwohl ich irgendwie fürchtete,
daß sie es eines Tages Torrie erzählen würden. Ich
glaube, ich mußte einfach darauf vertrauen, daß sie es
für sich behielten.
„Ich habe zu lang gebraucht, es zu erkennen. So lange habe ich
dagegen angekämpft. Ich weiß nicht warum. Ich habe es einfach
getan.“ Ich sah zu Elijah, der mich immer noch ansah und ich
konnte seinen Gesichtsausdruck nicht deuten. „Als ich es erkannt
habe, liebte sie Sean, Sean liebte sie und ich war mit Julie zusammen
und...“
„Und jetzt?“
„Sie ist mit Sean zusammen. Ich werde das nicht zerstören.“
Elijah klemmte die Zigarette zwischen seine Lippen und fuhr sich durch
die Haare, als sei er plötzlich frustriert. „Was müßte
geschehen, daß du es ihr sagst?“
Ich lächelte. „Lij, gib es auf. Das wird nicht passieren.
Das habe ich schon aufgegeben.“
„Was, wenn sie dich auch lieben würde?“
Stille. Die drei auf der Couch sahen zu Elijah, dann zu mir und ich
starrte ihn an. Schließlich lachte ich und schüttelte den
Kopf. „Ja, richtig, Lij. Vielleicht hast du bemerkt, daß
sie nichts gesagt hat.“
„Und wann hast du ihr das letzte Mal gesagt, was du empfindest?“
Ich runzelte die Stirn. „Worauf willst du hinaus, Lij?“
Er schmiß seine Zigarette in den Aschenbecher und wandte seine
Blick zu mir. „Was wäre, wenn ich dir versichern könnte,
daß Torrie Hals über Kopf in dich verliebt ist, seit dem
Tag, an dem ihr euch das erste Mal getroffen habt?“
Ich spürte, wie ein Prickeln durch mein Rückgrat schoß.
Nichts weiter, nur ein Brennen, vielleicht vor Aufregung oder Angst.
In diesem Moment wußte ich es nicht. „Wer sagt das?“
wollte ich wissen.
Elijah versuchte ein Grinsen zu unterdrücken und versagte dabei.
„Ich.“
Billy und Dom ließen einen gemeinen Fluch los uns Sean sah uns
weiterhin schockiert an. Ich fühlte eine Mischung von alledem.
Ich war mir sicher, daß Elijah Unrecht hatte. Verdammt sicher.
Aber er sah so verdammt selbstsicher aus, mit diesem blöden Grinsen
auf den Lippen, als er mich ansah. Ich schwöre, jeder einzelne
hätte mein Herz in meiner Brust klopfen hören können,
und vielleicht sogar das Geschrei, daß in meinem Kopf dröhnte.
Äußerlich versuchte ich, ruhig zu bleiben, über alles
nachzudenken, mir einzureden, daß ich nicht so langsam Elijahs
Worte über die „Griechische Tragödie“ verstand.
„Lij - “ begann ich, aber er schnitt mir das Wort ab,
sprang auf und kam auf mich zu.
„Jesus, Orli! Nur jemand, der total verrückt nach dir ist,
könnte den Mist ertragen, in den du sie gestürzt hast. Denk
mal darüber nach.“
„Du weißt nicht - “
„Das tue ich, todsicher,“ antwortete er. „In der
Nacht, als sie und ich Sex hatten - “
„Ihr hattet was?!“ riefen Billy, Dom und Sean wie aus
einem Munde.
Wir ignorierten sie. „Sie hat es mir da gesagt, und sie weinte
und ich wollte sie trösten und eines kam zum anderen.“
„Wenn du die Wahrheit sagst, warum hat sie mir dann nie etwas
gesagt?“
Elijah schüttelte den Kopf. „Erinnerst du dich an den Morgen
an Halloween, als sie mit mir am Telefon sprach und du in die Unterhaltung
geplatzt bist?“
„Ja?“
Elijah schwieg und sah mich an. Innerlich erinnerte ich mich an ihren
Teil des Gespräches: „Ich liebe ihn, das weißt du...
Nein, das wird einfach nicht passieren... Er verdient etwas besseres,
deshalb... Oh bitte! Ich bin nichts, während er alles ist. Er
verdient wenigstens etwas, das ihm gleichkommt. Jemanden, der so rätselhaft
und schön und perfekt ist wie er... Ist er aber!... Ich wußte
doch, daß ich das nicht mit dir diskutieren sollte... Ich bin
nur eine Meeresbiologin. Nicht gerade etwas für die Schlagzeile...
Sei nicht albern. Das ist ein Märchen, Lij... Deshalb. Ich will
am Boden bleiben, weißt du... Er ist mein Retter, und das weiß
er... Ist er. Mein Ritter in glänzender Rüstung... Ich glaube
einfach nicht, daß ich dir das sage. Und halt deinen kleinen
verwunschenen Mund, verstanden?... Weil ich weiß, wo du wohnst!
Und Onkel Tony wird dir einen Besuch abstatten!... Reicht es dir nicht,
wenn ich dir sage, daß ich ihn liebe?“
„JESUS CHRISTUS, FUCK!“ Dies Worte schossen mir ohne Vorwarnung
aus dem Mund und brachten Elijah vor mir zum Lachen. „Das ist
nicht lustig, Lij!“
„Sorry, Mann,“ entschuldigte er sich und kämpfte
gegen das Lachen an. „Ich weiß, das ist es nicht. Und
traurigerweise doch. Ich kann nicht glauben, daß ihr beide so
stur und blind und - “
„Ich hab’s verstanden, Lij,“ unterbrach ich ihn
und fuhr mit meiner Hand über meinen frisch geschnittenen Irokesen.
Ehrlichgesagt konnte ich mich nicht entscheiden, ob ich lachen oder
weinen sollte. Sie liebte mich. Nach all dieser Zeit liebte sie mich.
Nein, das war nicht möglich. Ich sah wieder zu Elijah. „Dieses
Gespräch ist lang her, Lij. Seitdem ist viel passiert. Sie ist
jetzt mit Sean zusammen.“
„Da hat er Recht,“ bemerkte Billy. Dom sagte ihm, er solle
die Klappe halten.
Elijah zuckte mit den Schultern. „Ja, ist sie. Und du warst
mit Julie zusammen. Also bedeutet das, daß du das einfach ignorieren
willst, so wie sie es getan hat? Sie einfach gehen lassen? Einfach
zu hoffen, daß ihr bald eure Zeit haben werdet, daß ihr
eure Programme aufeinander abstimmen werdet und euch entschließt,
zur gleichen Zeit Single zu sein?“
„Ich kann nicht einfach hingehen und sie auseinanderbringen,“
brachte ich vor.
„Warum nicht?“ warf Dom ein. „Ich meine, solltest
du sie nicht wenigstens vor die Wahl stellen? Wenn ihr euch liebt
- “
„Die Sache ist, keiner kann sagen, ob sie mich immer noch liebt,“
antwortete ich und schob meine Fäuste in meine Hosentaschen,
während ich zum Fenster ging. Gott, ich wollte glauben, daß
sie es immer noch tat. Aber der Gedanke daran, sie in meinen Armen
zu halten – wirklich zu halten und zu wissen, daß sie
mir gehörte – war zu erschreckend, um ihn zu begreifen.
Es konnte nicht wahr sein. Es konnte einfach nicht.
„Sie hat dir verziehen, nicht wahr?“ fragte Elijah leise.
Das hatte sie. Unerwarteterweise. Doch...
„Wart nicht zu lange ab,“ bemerkte Sean neben mir. „Ich
meine, Bean liebt sie und könnte sie jeden Tag fragen, ob sie
ihn heiraten will. Und falls sie denkt, daß sie mit dir keine
Chance hat...“
Was könnte schlimmeres passieren? Daß Torrie mir sagte,
sorry, aber es ist zu spät? Dann würde ich wenigstens Gewißheit
haben. Es würde vorbei sein. Und vielleicht könnten wir
in zwanzig Jahren über das Könnte und Sollte in unseren
Leben reden. Oder vielleicht...
„Nun, Orli?“ Elijah tauchte neben mir auf und reichte
mir ein Stück Papier. Darauf war der Weg zu Torries und Seans
Wohnung verzeichnet.
Ich biß die Zähne zusammen. Es gab nur einen Weg, es herauszufinden.
„Ich sehe euch später,“ sagte ich ihnen, riß
Elijah das Papier aus der Hand und stürmte zur Tür.
Ich fuhr, als wäre der Teufel hinter mir her, um dorthin zu gelangen.
Okay. Ich fahre immer, als wäre der Teufel hinter mir her, aber
diesmal hatte ich eine Absicht, einen Grund. Ich schaffte es in einer
Stunde und zwanzig Minuten. Ich war erleichtert, als ich Licht in
der Wohnung brennen sah, als ich dort ankam. Es wäre wirklich
scheiße gewesen, wenn sie nicht zuhause gewesen wären.
Sie. Ich wußte immer noch nicht, wie ich mit Sean umgehen sollte.
Er würde mich wahrscheinlich nur dafür umbringen, daß
ich mich dort blicken ließ, abgesehen davon, daß ich ihm
Torrie wegnehmen wollte. Scheiß drauf. Ich mußte es wissen.
Ich klopfte an und hüpfte dann nervös herum. Als sich die
Tür öffnete, stand Sean vor mir und ich wich einen Schritt
zurück in der Erwartung, daß er auf mich losgehen würde
oder so.
„Orli.“ Das seltsamste war, daß er überhaupt
nicht überrascht schien, mich zu sehen.
„Hey Sean. Ummm... ist Torrie da?“
Jetzt schien er überrascht zu sein. „Was? Nein... Sie...
Hat sie dich nicht gefunden?“
Okay, jetzt war es an mir, überrascht zu sein. „Mich finden?
Ich wußte nicht, daß sie nach mir suchte.“
Sean sah auf seine Uhr. „Vielleicht ist es zu früh,“
murmelte er, während ich ihn weiterhin verwundert anstarrte.
Er sah wieder zu mir hoch. „Sie hatte heute ein paar Dreharbeiten.
Danach wollte sie zu euch fahren. Zumindest sollte sie das.“
Ich war mehr als verwundert. „Warum?“
Sean grinste plötzlich, verschränkte die Arme vor der Brust
und lehnte sich an den Türrahmen. „Warum bist du hier?“
Heilige Scheiße. Ich wollte es nicht glauben. „Sean -
“
„Hör zu, Orli. Das war ein ziemlich harter Tag für
mich. Ich meine, eine Frau zu haben, die deinen Heiratsantrag ablehnt
ist die eine Sache. Daß sie mich für einen kleinen Blödmann
wie dich verläßt eine andere,“ antwortete er mit
einem angedeuteten Lächeln. „Ich hab ihr gesagt, sie soll
zu dir gehen. Ich weiß nicht, ob sie es tut oder nicht. Sie
war ein wenig... zögerlich. Alles, was ich dir raten kann, ist,
sie zu suchen und endlich Nägel mit Köpfen zu machen, oder
ich bringe euch beide um.“
Ich stürmte bereits die Treppe hinunter und zu meinem Auto.
„Hey Orli?“
Ich sah über meine Schulter und machte langsamer. „Ja.
Sean?“
„Wenn du sie findest, paß auf sie auf, okay?“
Ich lächelte. „Das werde ich. Versprochen.“
Ich wählte Elijahs Handynummer, während ich ins Auto kletterte
und den Motor anließ.
„Ja?“
„Lij?“
„Fuck, Orli! Gott sei Dank bist du das! Ist dein verdammtes
Handy nicht an?“
„Jetzt schon.“
„Toll. Nun, ich wollte dich anrufen und dich wissen lassen,
daß Torrie hier ist.“
Ich lachte. Das war einfach perfekt. „Yeah. Ich habe gerade
mit Sean gesprochen.“
„Hast du? Was zum - “
„Kann ich jetzt nicht erklären. Hör zu, was auch immer
ihr tut, haltet sie dort fest. Bindet sie an, wenn es ein muß.
Ich muß ein paar Dinge erledigen, okay? Dann ruf ich dich an.“
„Orli, was - “
„Lij, bitte?“
„Okay, Mann. Die Hobbits werden sich auf sie drauf setzen.“
„Zerquetscht sie nicht,“ lachte ich. „Und sag ihr
auch nicht, daß ich auf dem Weg bin.“
„Ja, Papa. Aber beeil dich, verdammt noch mal, ja? Ich sterbe
dafür, zu sehen, wie das ausgeht.“
Ich lachte wieder und fühlte mich glücklicher als ich je
gewesen war. „Ich auch.“
Ich verstieß gegen jede Geschwindigkeitsbegrenzung. Glücklicherweise
schien die Polizei diesen Abend nicht unterwegs zu sein. Okay, vielleicht
war das, was ich vorhatte, etwas verrückt, und ich würde
den Jungs genug Stoff zum Sticheln geben, aber das war egal. Mir war
wichtig, daß Torrie genau verstand, was ich fühlte, wie
sehr ich sie liebte und was mir das bedeutete. Ich konnte mir nur
einen Weg vorstellen, ihr das zu zeigen. Das würde bedeuten,
um ein paar Gefallen zu bitten und zu hoffen, daß alles glatt
lief. Aber das war es wert. Ich wußte, daß es so wäre.
Es mußte.
Die Sonne war gerade erst untergegangen, als alles fertig war. Der
Himmel war grau und ein Vollmond strahlte über uns, als ich Elijah
anrief und ihm sagte, daß alles fertig war. Ich sagte ihm ,er
solle Torrie in etwa zwanzig Minuten aus dem Haus schicken. Er drängte
mich, ihm zu erzählen, was vor sich ging, aber ich würde
ihm nichts sagen. Sein Gelächter würde das Ergebnis ruinieren,
da war ich mir sicher. Wenn ich ehrlich war, hatte ich eine Mordsangst.
Ich wußte nicht mehr, was oder woran ich glauben sollte. Im
Moment erschien mir alles so unwirklich – seit ich an diesem
Nachmittag mit Elijah gesprochen hatte. Das war das Ende. Danach...
ich hatte keine Ahnung, was als nächstes kommen würde. Wie
ich Elijah schon gesagt hatte, war ich selbst neugierig, wie alles
ausgehen würde.
Also saß ich da, wartete vor der Eingangstür und klopfte
sanft auf den glatten Hals des Pferdes unter mir. Ich hatte die Stallcrew
gebeten, mir Schattenfell zu geben aber sie sagte mir, das würde
auf gar keinen Fall gehen und gaben mir statt dessen eines seiner
Doubles. Das war okay. Solange das Pferd weiß war, glaube ich,
war es egal. Ich hatte überlegt, zu diesem Anlaß etwas
besonderes zu tragen, einen Smoking oder so, aber dann hatte ich verstanden,
daß ich wollte, daß Torrie mich sah, und nicht Orlando
Bloom, den Schauspieler. Einfach Orli, den Kerl, den sie vom Pier
geworfen hatte, als sie nicht aufgepaßt hatte. Da war ich also
in Jeans und T-Shirt und saß auf diesem schönen, weißen
Wallach. Ich mußte wie ein totaler Idiot aussehen. Ich war überrascht,
wie entspannt ich war, als ich darauf wartete, daß Torrie aus
der Tür trat. Als ich auf ihre Reaktion wartete. Gott, ich fühlte
mich schlecht, nervös, aufgeregt, verängstigt.
Die Tür ging auf. Ich setzte mich auf, wiederholte in einem Kopf,
was ich sagen wollte und atmete tief ein.
Torrie kam heraus, aber sie blickte zurück über ihre Schulter
und sah immer noch zu Elijah und den anderen, die im Hintergrund wartend
herumstanden. Na toll. Publikum. Ich ignorierte sie und musterte sie.
Sie trug Jeans, eine weiße Bluse und Turnschuhe und sah für
mich perfekt aus.
„Torrie?“ flüsterte ich.
Ihr Kopf flog herum und ihre Augen weiteten sich, als sie ein paar
Meter vor mir stehen blieb. Das Pferd tänzelte nervös unter
mir und ich zügelte ihn, während ich die Augen nicht von
ihr ließ.
Ich wußte, daß ich nur eine Chance hatte, und sagte sanft,
„Ich habe kein Schloß, auf das ich dich bringen kann und
nun... das Pferd ist geliehen. Wahrscheinlich wird er sich sowieso
in einen Kürbis oder so verwandeln, wenn ich ihn nicht zurückbringe.“
Ich lächelte.
Torrie nicht. Sie stand einfach nur da, ihr Ausdruck unleserlich.
Ich widerstand der Versuchung, auf einem Fingernagel zu kauen. „Ich
habe mich trotzdem gefragt, ob du mit mir davonreiten würdest?
Es gibt keinen Sonnenuntergang, aber eine Morgendämmerung, die
einen neuen Tag andeutet, einen Neustart. Und hier in der Dunkelheit
können wir all die Unsicherheiten verstecken, die wir so lange
mit uns herum getragen haben und dem jeweils anderen vertrauen, um
uns einen Weg zu bahnen.“
Immer noch nichts. Keine Änderung des Ausdrucks, kein Zeichen,
daß sie überhaupt atmete. Mit jedem Moment, der verstrich,
wuchs die Angst in mir. Vielleicht hatten sie alle falsch gelegen.
Vielleicht hatten sie alle Unrecht.
Ich atmete ein. „Ich liebe dich, Torrie. Und... ich glaube,
du liebst mich auch. Ich will... ich will ,Ende gut, alles gut'. Ich
will, daß das unser Ende ist.“
Ich sah sie weiterhin an, als sich ihre Augen ein wenig mehr weiteten
und bereit zu sein schien, etwas zu sagen. Sogar ein ,Bleib bloß
weg von mir' wäre besser gewesen als dieses Schweigen. Dann drehte
sie sich ohne Vorwarnung um und rannte davon. Ich saß einfach
nur da und starrte ihr hinterher, wie sie in die Richtung des nahegelegenen
Waldes verschwand.
„Jetzt sitz nicht da wie der Ochse vorm Tor!“ schrie Elijah
aus der Tür. „Um Gottes Willen, geh und hol sie!“
Ich sah zur Tür, wo alle vier Hobbits standen und mich böse
anschauten und herumfuchtelten, und ich trieb das Pferd unter mir
zum Galopp an und schoß ihr hinterher zwischen die Bäume.
Wir hatte sie sofort eingeholt und in der Hoffnung, das Pferd wäre
klug genug, in der Nähe anzuhalten, warf ich mich von ihm direkt
auf Torrie. Wir fielen zu Boden und ich versuchte, mein Gewicht auf
die Seite und nicht auf sie zu verlagern. Sie versuchte sich sofort
zu befreien, aber ich rollte mich auf sie, bedeckte ihren Körper
mit meinem und nagelte ihr Hände über ihrem Kopf auf den
Boden. Sie trat wie die Hölle – ich habe ja schon erwähnt,
daß sie die Beine einer Schwimmerin hatte – und versuchte,
mich beiseite zu schieben.
„Verdammt, Torrie, hör auf!“ schrie ich. „Was
zur Hölle?“
Nichts. Ein trotziger Blick aus ihren blassen, grünen Augen.
Gott, ich wollte sie küssen. Scheiß drauf. Ich tat es.
Ich beugte meinen Kopf hinunter und gab dem Verlangen nach, daß
ich Monatelang bekämpft hatte und erfaßte ihren Mund mit
meinem, versuchte, zärtlich zu sein und sie zum Entspannen zu
bringen. Sie biß mir auf die Lippe.
„Au!“ Ich fuhr zurück und hielt sie immer noch fest.
„Wofür zum Teufel war das?“
„Laß mich los!“ sie fing wieder an zu zappeln.
„Nein. Nicht, bis du es mir gesagt hast.“
„Was gesagt habe?“
„Das weißt du verdammt gut, Victoria Adams,“ stieß
ich verärgert hervor. „Du und ich, wir werden aufhören,
dieses dumme Spiel zu spielen.“
„Ich weiß nicht, wovon du redest.“
„Ich kann hier die ganze Nacht liegen. Ich muß bis morgen
früh nirgendwo sein.“
Das machte sie nur noch wütender. „Geh verdammt noch mal
von mir runter, Orlando Bloom!“
„Warum?“ fragte ich und drückte mich noch fester
an sie. Ich muß nicht erwähnen, daß ihr Gezappel
mein Verlangen nach ihr vollends erweckt hatte und ich bezweifelte,
daß sie das nicht bemerkt hatte. Ich drückte meine Hüfte
gegen sie und sie versuchte, sich im Erdboden zu vergraben. „ist
es, weil du nicht fühlen willst, was zwischen uns ist? Hast du
es so lang in dir vergraben, daß du nicht erlaubst, daß
es wieder an die Oberfläche kommt? Sag es, Engel. Hast du dieselben
Gefühle wie ich?“
„Hör auf!“
„Sag es!“
„Nein!“
Das brachte mich nicht weiter. Toll. Egal, wie sehr sie versuchte,
es zu leugnen, ich war mir immer sicherer. Ich mußte einfach
nur ihre Verteidigung durchbrechen. Ich lehnte mich erneut zu ihr,
küßte sanft ihren Mundwinkel und hielt mich vorsichtig
von ihren Zähnen fern. Ich verteilte Küsse auf ihrer Wange,
über ihrem Kiefer hinunter zu ihrem Hals. Mein Daumen streichelten
sanft die zarte Haut an der Unterseite ihrer Handgelenke. Ich knabberte
an ihrem Hals, ging zurück zu ihrem Kiefer und strich mit meiner
Zunge um ihre Lippen. Gott, sie schmeckt so süß, wie ich
mich erinnerte. Ich ergriff die Chance und küßte sie abermals,
lang, zärtlich und entzog ihr alles, was sie zurückhielt.
Langsam und überzeugend. Sie wimmerte unter mir.
„Sag es, Engel,“ flüsterte ich an ihrem Mund.
„Ich... ich kann nicht.“
„Warum nicht?“ Ich ließ ihre Handgelenke los, meine
Hände fuhren über ihre Schultern, eine umfaßte ihr
Kinn, die andere ihre Taille, und ich zog sie zu mir.
„Ich... ich habe Angst.“ weinte sie leise.
„Oh Engel.“ Ich küßte ihre Lippen und verbarg
ihr Gesicht in meinen Händen. „Ich habe auch Angst. Ich
habe Angst, daß ich es nicht schaffe, daß ich dich nicht
glücklich machen kann, daß du dessen müde wirst. Aber
weißt du, was mir am meisten Angst macht?“
Sie schüttelte den Kopf. Ich konnte nicht aufhören, sie
zu berühren.
„Ich habe Angst, es nicht zu versuchen, Torrie. Angst, daß
ich niemals fähig sein werde, jemanden zu finden, den ich so
sehr liebe wie dich. Daß ich nie wieder so glücklich sein
werde, wie ich es an deiner Seite bin. Dadurch, daß ich es nicht
versuche, könnte ich die schönste Sache verwerfen, die je
in mein Leben getreten ist. Das macht mir am meisten Angst.“
Ich setzte mich auf und zog sie mit mir mit, umfaßte mit der
einen Hand ihren Hinterkopf, während die andere weiterhin ihre
Wange streichelte. Ich wischte die Tränen aus ihren Augen und
küßte wieder ihren Mund, hielt dann inne, als sich unsere
Lippen kaum berührten.
„Sag es,“ flüsterte ich wieder an ihrem Mund. „Sag
es mir, Engel. Ich will hören, wie du es sagst.“
Sie seufzte an meinem Mund. „Ich liebe dich, Orli.“
Und dann waren ihre Arme um mich und sie erwiderte meine Küsse
und wir hielten und berührten einander und fielen wieder zu Boden,
versprachen es uns auf immer und ewig. Immer und immer wieder flüsterten
wir Ich liebe dich, die Worte, die wir so lang geleugnet hatten.
Und irgendwo, mittendrin, spürte ich Tränen.
Aber diesmal lächelte ich.
Epilog