the way you’re bathed in light
reminds me of that night
god laid me down into your rose garden of trust
and I was swept away
The Dolphins Cry - LIVE
„Also fragst du sie, ob sie mit dir ausgehen will, oder was?“
Ich nahm einen tiefen Zug von meiner Zigarette und warf einen Blick
zu Elijah, dessen blaue Augen gedankenverloren die Schiffe im Hafen
begutachteten.
Er zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht, Orli...
vielleicht.“
„Es kann doch nicht so schwer sein, herauszufinden, ob du das
Mädchen magst oder nicht.“
Es war später Nachmittag und wir hatten den Großteil des
Tages am Strand damit verbracht, zu surfen und die Strandschönheiten
zu treffen, die dort abhingen. Eine bestimmte war Elijah ins Auge
gefallen, und sie hatte ihm ihre Telefonnummer gegeben, aber seitdem
hatte er nichts mehr über sie gesagt. Ich hatte einen Haufen
Nummern in meiner Tasche, aber ich bezweifelte, daß ich auch
nur eine davon anrufen würde. Zu Anfang war es überwältigend
gewesen, diese Mädchen, die sich mir an den Hals warfen. Aber
so langsam begann sich der Reiz zu verlieren. Ich verstand jetzt,
warum sich einige meiner Vorbilder zurückgezogen hatten. Es war
unmöglich zu sagen, wie viele dieser Frauen mich um meinetwillen
mochten oder weil ich der neuste Star in Hollywood war. Elijah hatte
das alles schon hinter sich, er war damit aufgewachsen. Er schien
das alles hinzunehmen und es mit einem Schulterzucken hinter sich
zu lassen als sei das etwas, an das man sich gewöhnte. Ich wußte
nicht, ob ich das jemals könnte.
Wir hatten viel darüber geredet, seit ich nach LA gezogen war.
Was passiert mit dir, wenn du dich wirklich und ehrlich verliebst?
Woher weißt du, daß sie dich auch lieben? Willst du diese
Chance überhaupt ergreifen? Es schien, als ob Ehen in Hollywood
bei jedem örtlichen Laden gekauft und verkauft werden. Täglich
hörte man von Schauspielern, die gerade mal ein Jahr verheiratet
waren und sich jetzt im „Schnellverfahren“ scheiden ließen.
Ich haßte den Gedanken daran, haßte die ewige Einsamkeit,
die dadurch angedeutet wurde. Viele meiner Schauspielkollegen zuhause
warnten mich, mich nicht zu sehr von Hollywood einlullen zu lassen,
daß ich glücklicher wäre, wenn ich in England bliebe
und zu den Drehs pendeln würde. Aber LA lockte mich. Ich wollte
bei meinen Schauspielfreunden von ,Ringe' sein. Ich wollte alles,
was LA zu bieten hatte. Ich hatte nur nicht mit der Zwecklosigkeit
und der verdammten Einsamkeit gerechnet. Es war so leicht, in einen
überfüllten Raum irgendwo in der Stadt der Engel zu stehen
und sich immer noch völlig und total einsam zu fühlen. Ich
haßte dieses Gefühl. Also versuchte ich, mich davon fern
zu halten und es hinzunehmen wie Elijah. Er war mir nur im Geiste
um Jahre voraus und mir sagte mein Agent täglich, daß ich
noch nicht einmal damit begonnen hatte, den Gipfel meiner Popularität
zu erreichen.
In Wirklichkeit hatte ich davor schreckliche Angst.
Ich brauchte einen Moment, um zu merken, das Elijah etwas sagte.
Ich blinzelte ihn fragend an.
Elijah seufzte und sah mich mit dem Blick an, den ich mittlerweile
so gut kannte. Der Blick, der zu fragen schien, ob ich ihm jemals
zuhörte. „Ich hab gefragt, ob du schon mal Tiefseeangeln
warst.“ Er nickte zu den Booten, die uns am Pier umgaben. „Es
wäre cool, sich in den nächsten Tagen ein Segelboot zu mieten,
die Jungs mitzunehmen und in die Karibik zu fahren. Einfach ein paar
Wochen die Inseln umfahren. So was in der Art.“
Ich zuckte mit den Schultern. Im Moment war ich für alles offen.
Irgendwas neues vielleicht. „Mit Haien schwimmen,“ fügte
ich hinzu. „Das wollte ich schon immer mal machen.“
„Das würdest du,“ antwortete Elijah, als ob ich
vorgeschlagen hätte, in einen mit Rasierklingen gefüllten
Pool zu springen.
Der Pier reichte vom Strand etwa eine halbe Meile ins Meer und wir
hatten fast das Ende erreicht. Nicht weit davon befand sich eine kleine
Insel im Wasser, gebaut aus Pfeilern und Felsen, wo sich einige Seelöwen
versammelt hatten und sich gegenseitig laut anbrüllten, so daß
diese ständige Geräuschkulisse fast harmonisch mit dem Geschrei
der Möwen über uns zu singen schien. Die Sonne war bereits
am Untergehen und eine Brise kam über das Meer, und ich war froh,
daß ich noch eine Jeans und eine Sweatshirt über meine
Badehose gezogen hatte. Als wir das Ende des Piers erreichten, blickte
ich zu Elijah, der gerade eine Zigarette hervorzog und sie anzündete,
so daß mir der Geruch in die Nase stieg. Ruhig beobachtete er
das Boot hinter mir, so dachte ich, sein dunkelblauer Blick schweifte
nachdenklich über meine Schulter. Ich begann mich zu fragen,
ob er darüber nachdachte, sich selbst ein Boot zu kaufen, und
aus irgendeinem Grund fand ich diesen Gedanken sehr lustig, als sich
seine Augen plötzlich weiteten.
„Or-“
Bevor er meinen Namen aussprechen konnte, fühlte ich, wie mich
etwas, oder jemand, von hinten stieß und mich nach vorne drückte.
Für einen Moment fühlte ich mich wie in der Zeit verloren,
einfach nur da hängend, wissend, daß ich versuchte, meine
Balance wieder zu kriegen und ebenso wissend, daß ich keine
Erfolg haben würde, und dann fiel ich nach vorne, ich stürzte
vom Pier und das kalte, dunkle Wasser verschluckte mich.
Ich schloß rechtzeitig meinen Mund, so daß nicht allzuviel
Wasser in meine Lungen käme, aber es stieg mir in die Nase, was
sich furchtbar anfühlte, so daß mein Auftauchen um einiges
verzweifelter war. Ich schoß spuckend aus dem Wasser und versuchte,
den Salzgeschmack aus meinem Mund zu kriegen, während ich mich
fragte, was passiert war, als Elijahs Gelächter zu mir durchdrang.
Wassertretend wischte ich mir über die Augen und schaute zu meinem
so genannten Freund, der jetzt am Rand des Piers saß und sich
seinen allseits geliebten Hintern ablachte, während er auf mich
zeigte. Ich überlegte, ob ich versuchten sollte, sein Bein zu
greifen, um ihn ebenfalls hinein zu ziehen, aber ich wußte,
daß ich es nie erreichen würde. Der Pier war gute sechs
Fuß über mir.
„Das ist – das lustigste - “ Elijah brach abermals
in Gelächter aus. Er griff sich wie unter Schmerzen an den Bauch
und hielt ihn, als er seinen Satz vollendete: „-verdammt noch
mal die lustigste Sache, die ich je gesehen habe!“
„Oh! Bitte sagen Sie das nicht!“
Zum ersten Mal drang eine weibliche Stimme zu mir durch und als ich
meinen Kopf wandte, sah ich eine Frau am Rande des Piers stehen, die
besorgt ihre Hände knetete. Unsere Blicke trafen sich und schnell
kniete sie sich nieder, so daß sie über den Rand hing.
„Bitte sagen Sie mir, daß Sie okay sind! Ich hab Sie
doch nicht umgebracht, oder? Gott, ich bin so schusselig! Ich habe
Sie nicht gesehen und es tut mir schrecklich leid!“
Elijah lachte nur lauter.
Ich mußte gegen ein Grinsen ankämpfen, daß in mir
hochstieg. Wenn Elijah nicht damit aufhörte zu lachen, würde
ich auch die Komik dieser Situation erkennen, aber ich wollte verärgert
bleiben. Zumindest gegenüber Elijah. Er hätte nicht so sehr
lachen sollen. Und erst die Tatsache, daß ich eine perfekte
Zigarette verloren hatte. Ich sah sie an mir vorbei schwimmen, bevor
ich zu der panischen Frau sah.
„Nein, nicht tot, Süße. Aber so langsam etwa verwässert“,
sagte ich in der Hoffnung, daß die beiden Irren da oben den
Wink verstehen würden. Ich wußte nicht, wer dusseliger
war. Elijah oder die Frau, die mich hierher gebracht hatte.
„Oh! Natürlich!“ Sie richtete sich wieder auf und
verschwand aus meinem Blickfeld. Ich fragte mich, ob sie jetzt zum
nächsten Telefon rennen und die Polizei anrufen würde. Oder
vielleicht die Küstenwache.
Als ich zu Elijah blickte, hatte dieser endlich sein Gelächter
einigermaßen unter Kontrolle gebracht, nahm nun einen langen
Zug von seiner Zigarette und grinste mich blöd an. „Weißt
du, du könntest mir helfen,“ sagte ich, wobei ich dachte,
daß ich mehr Hilfe kriegen würde, wenn ich zu den Seelöwen
schwimmen und mich zu ihnen legen würde.
„Ich weiß.“ Elijah blies gleichmäßig
Rauch aus. „Aber so macht’s mehr Spaß. Ich wünschte,
ich hätte eine Kamera dabei. Die Jungs werden das lieben.“
„Rache ist süß, Lij,“ warnte ich ihn.
Er schaute mich mit diesen verdammt unschuldigen Augen an. „Ich
hab dich nicht reingeschubst. Sie war das.“ Er neigte den Kopf,
als erwähnte „Sie“ abermals auftauchte, in ihren
Händen eine Aluminiumleiter, die man eigentlich an die Rückseite
eines Bootes hängte.
„Los geht’s,“ rief sie, als sie sie am Rand des
Piers abstützte und sich dazwischen kniete, um sie festzuhalten.
„Kommen Sie da ran?“
Ich mußte wie ein Delphin aus dem Wasser springen, um sie unterste
Sprosse zu erreichen, was Elijah abermals zum Lachen brachte, aber
ich bekam sie zu fassen und zog mich langsam aus dem Wasser. Und da
stand ich nun vollkommen durchnäßt und wie eine nasse Ratte
tropfend auf dem Pier und verfluchte leise die Brise, die vom Ozean
herüber kam, während Schaulustige von anderen Booten herüber
sahen und zweifellos genauso sehr lachten wie Elijah.
„Es tut mir wirklich leid,“ wiederholte die Frau, als
sie die Leiter hochzog.
Ich wandte mich ihr zu und wußte nicht genau, was sie sagen
sollte. „Kein Problem“ erschien mir nicht angebracht,
denn es war eine lange Fahrt bis nach Hause und mir war jetzt schon
kalt. Sie drehte sich zu mir und ich sah in zwei sehr große,
sehr grüne Augen, die mich irgendwie zum lächeln brachten.
Sie trug ihr dunkles Haar zu einem hohen Pferdeschwanz gebunden und
auf der Nase, die sich nach einem Sonnenbrand jetzt schälte,
hatte sie kleine Sommersprossen. Sie roch nach Coppertone-Sonnencreme...
und Fisch.
„Sie müssen frieren,“ sagte die Frau nochmals, als
sie die Leiter hochzog.
Ganz Mann zuckte ich unbeteiligt mit den Schultern, die Tatsache
ignorierend, daß ich meine Arme um meine Brust gelegt hatte
und leicht auf und ab hüpfte, um nicht mit den Zähnen zu
klappern. Ich wollte es nicht zugeben, aber ja, ich fror mir verdammt
noch mal den Arsch ab.
„Kommen Sie. Ich habe auf dem Boot vielleicht etwas extra Kleidung
für Sie.“ Sie nickte in Richtung des riesigen Fischkutters,
den Elijah vorhin angestarrt hatte.
Ich schaute zu Elijah zurück, der aufsprang, um sich mir anzuschließen,
und wir folgten ihr Richtung Boot. Als wir es erreicht hatten, wandte
sie sich zu uns um und sah Elijah an.
„Rauchen verboten.“
Er nickte, drückte die Zigarette aus und warf sie vom Pier.
Wir kletterten nach ihr an Deck und erblickten einen Haufen von Netzen,
Angelruten und Gewichten, die über das Deck verstreut waren.
Zwei ältere Männer standen am Bug und nahmen Fische aus.
Sie blickten zu uns, nickten ihr zu und warfen uns verwunderte Blicke
zu, dann gingen sie wieder ihrer Arbeit nach. Der Geruch von Fisch
und Salz und Blut und Öl umwehte uns, was Elijah die Nase rümpfen
ließ. Die Frau vor uns schien davon keine Notiz zu nehmen, sondern
winkte uns in eine Kabine, in die wir ihr folgten. Einen kurzen Augenblick
fühlte ich mich etwas komisch, schließlich tropfte überall
Wasser an mir hinunter, aber dann erinnerte ich mich, daß ich
mich nicht auf einer Milliarden-Dollar-Yacht befand.
„Haben Sie immer Männerkleidung dabei?“ fragte Elijah,
während er zusah, wie sie eine Truhe an der Wand durchwühlte.
„Auf einem mietbarem Fischerboot kann alles passieren,“
antwortete sie und zog eine Hose und ein T-Shirt hervor. „Mein
Onkel bereitet sich immer auf eventuelle Zwischenfälle mit den
Kunden vor. Hier.“
Sie war mir die Kleidung und ein Handtuch zu und deutete über
ihre Schulter. „Dort hinten können Sie sich umziehen.“
Ich ignorierte Elijah’s Grinsen und verschwand in dem kleinen
Raum, den sie mir gezeigt hatte. Es schien so etwas wie eine Kapitänskabine
zu sein, überall lagen Karten und Kompasse, und in der Ecke befand
sich eine kleine Schlafkoje. Ich schälte das triefende T-Shirt
von mir und kämpfte mich ab, während ich mich fragte, ob
es etwas ungemütlicheres gab als nasse Jeans. Als ich mich abtrocknete,
schaute ich mich weiter um und betrachtete die alten Photos von Booten
und Fischen, bevor ich die wunderbar warmen und trockenen Sachen anzog.
Ich betrat die Hauptkabine genau in dem Moment, als unsere Gastgeberin
zu Elijah sagte: „Ich wußte doch, daß du mir bekannt
vorkommst. In Wirklichkeit siehst du irgendwie anders aus. Ich fand
dich ja so niedlich in ,Forever Young‘.“ In diesem Moment
hatte Elijah die Güte, rot zu werden, was ihn immer etwas unschuldiger
und engelhafter aussehen ließ. „Du warst ziemlich gut
in ,Herr der Ringe‘.“
Da hatten wir’s. Sie wußte, wer wir waren und hatte ,Ringe‘
gesehen. Ich gab ihr das Handtuch zurück und erwartete ein unvermeidliches
,Oh, du warst so toll als Legolas! Würdest du mal mit mir ausgehen?‘
aber sie warf mir nur ein seltsames Lächeln zu und warf das Handtuch
über einen Korb. Ich wurde von ihr abgelenkt, als ich ein Ziehen
an meinem Ärmel bemerkte.
„Victoria hat mir erzählt, daß ihr Onkel dieses
Boot vermietet – er nimmt Leute mit zum Angeln und sogar zum
Wale beobachten,“ sagte Elijah und lehnte sich im Kapitänssessel
zurück, als hätte er es sich in den zwei Minuten, in denen
ich mich umgezogen hatte, häuslich gemacht.
„Oh?“ Ich konnte nicht anders, als etwas Sarkasmus in
meiner Stimme mitschwingen zu lassen. „Und zu dem Job gehört
es auch, Leute ins Wasser zu werfen?“ Victoria wandte sich mir
zu und sah mich für einen Moment mit weit aufgerissenen Augen
an, dann erkannte sie, daß ich nur Spaß gemacht hatte
und sie lächelte. Auf einmal erschien sie mir sehr hübsch.
„Ich bin der größte Schussel der Welt,“ antwortete
sie prompt. „Kann ich es mit irgendwas wieder gut machen? Etwas
frischem Lachs vielleicht?“
Ich lachte. „Sorry, Süße. Ich koche nicht.“
„Oh. Also dann nicht. Vielleicht eine Freifahrt auf dem Boot,
irgendwann?“ Sie ging quer durch die Kabine an mir vorbei und
schien den Stapel Gewichte nicht zu bemerken, der bei meinen Füßen
lag, aber ich hatte ihn bemerkt und als sie stolperte, fing ich sie
auf, bevor sie stürzen konnte.
Ich konnte nicht anders, als zu bemerken, daß sie unter ihrer
Jacke und den Jeans sehr weich war. Sie schien geradezu in meine Arme
zu passen. Sie stütze sich mit ihren Handflächen auf meine
Brust und drückte sich etwas von mir ab, während sie mir
ein verlegenes Lächeln schenkte, das ich in diesem Moment einfach
nur bezaubernd fand.
„Sehen Sie?“ fragte sie. „Schussel.“
Hinter uns kicherte Elijah.
Ich ließ sie los und sie ging weiter durch die Kabine, um ein
paar Dinge aufzuheben. Überall standen Becher und Teller herum,
so als ob die Mannschaft gerade gegessen und sich dann verdrückt
hatte. „Sie sind also auch ein Schauspieler, Mr... ?“
Sie machte eine Pause und ich bemerkte, daß Elijah uns einander
gar nicht vorgestellt hatte. Er grinste uns einfach nur an, und ich
verspürte den Wunsch, ihn über die Reling des Bootes zu
werfen.
„Orlando Bloom... Du kannst mich Orli nennen. Das macht jeder,“
erklärte ich und sie lächelte wieder. „Und ja. Schauspieler,
meine ich.“ Ich verstand nicht, warum ich auf einmal keine Worte
fand. Ich hätte ihr längst schon den Kopf verdreht haben
sollen.
„Er hat den Elb gespielt, Legolas, in ,Herr der Ringe‘,“
fügte Elijah hinzu.
„Ich bin Victoria Adams,“ stellte sie sich vor und sah
mich wieder an, während sie die Stirn runzelte. Ziemlich lange
starrte sie mich an, dann schüttelte sie den Kopf. „Ich
sehe es nicht. Du hattest blonde Haare und blaue Augen im Film, stimmt’s?
Ich hab ihn nur einmal gesehen, aber ich erinnere mich...“
Ich nickte. „Yeah. Perücke, Kontaktlinsen. Nicht mein
gewöhnliches Outfit.“
Sie zog eine wohlgeformte Augenbraue hoch. „Hmmm.“
Das erregte meine Aufmerksamkeit. Nicht, daß sie es sagte,
sondern wie sie es sagte. Es war eines dieser ,Nun, das ist ja interessant
aber ich will das nicht ausweiten denn ich will nicht sagen was ich
denke um dich nicht zu verletzen“ hmmm’s. Ich verschränkte
meine Arme vor der Brust und beobachtete, wie sie ein paar Schalter
auf der Täfelung neben Elijah drückte und dann einige Schlüssel
aus dem Zündschloß zog. „Was meinst du mit hmmm?“
„Nichts.“ Sie drehte sich zu mir und ich mußte
sie mit einem Blick angesehen haben, den sie verstand, jedenfalls
erläuterte sie schließlich, „Es ist nur so, daß
die Freundinnen, mit denen ich mir den Film angesehen habe, total
verrückt nach dem blonden, blauäugigen Elb waren, und ich
war überhaupt nicht beeindruckt. Ich denke nur, du siehst besser
aus als du selbst.“ Dann schien sie zu realisieren, was sie
gerade gesagt hatte, denn sie lief sehr rot an, bis zu den Ohren,
und drehte sich schnell weg, um sich wieder mit dem Armaturenbrett
vor sich zu beschäftigen.
„Danke,“ war alles, was ich dazu sagen konnte. Ehrlichkeit
war in Hollywood eine seltene Sache, und so haute mich ihr Kommentar
irgendwie um.
„Toll,“ ließ Elijah neben mir verlauten und rollte
mit den Augen. „Als ob sein Ego nicht schon genug strapaziert
wäre.“
Ich holte aus, um ihm einen Klaps zu geben, aber er sprang aus dem
Stuhl und mir aus dem Weg, bevor ich ihn berühren konnte. Also
mußte ich mich mit einem warnenden Blick zufrieden geben, der
ihn wissen ließ, daß die Zeichen schlecht für ihn
standen. Die Rache käme noch. Elijah warf mir als Antwort einen
Kuß zu und ging zu Victoria.
„Mein aufrichtigster Dank für diese unerwartete Unterhaltung.“
„Nenn es nicht so!“ rief sie und warf mir einen weiteren
verlegenen Blick zu. „Es war total abscheulich von mir nicht
darauf zu achten, wohin ich ging! Falls Herr Bloom sich den Kopf oder
so gestoßen hätte, hätte er wegen mir ertrinken können.“
„Orli, Süße,“ korrigierte ich sie und mußte
wieder lächeln. „Und ich hab mir ja nichts getan. Haken
wir es einfach als weiteres Abenteuer ab.“
Victoria warf mir so etwas wie ein dankbares Lächeln zu. Sie
hatte wirklich schöne Augen. „Danke, daß du nicht
die Hollywood-Nummer abziehst. Onkel Tony hatte mal einen Schauspieler
– ich nenne keine Namen – der das Boot gemietet hatte
und er fiel über Bord und versuchte uns zu verklagen. Gott sei
dank war es offensichtlich sein Fehler gewesen, aber trotzdem...“
„Das ist noch mehr Publicity, die ich nicht brauche,“
meinte ich abwinkend.
„Du?“ Elijah sah mich mit einer hochgezogenen Augenbraue
an. „Was ist mit der armen Victoria? Kannst du dir vorstellen,
was passieren würde, wenn Tausende von Teenagerinnen in der Los
Angeles Metro Area herausfinden würden, daß sie versucht
hat, den neuesten Hollywood Hottie zu töten?“
Hollywood Hottie. Bei Elijah leichtfertigem Kommentar zuckte ich
zusammen, und er wußte, daß ich das nicht mochte, aber
er zuckte nur mit den Schultern und wandte sich wieder Victoria zu.
„Es war schön, dich kennenzulernen, auch über die
Orli-ins-Wasser-werfen-Sache hinaus.“ Er lächelte mit seinen
großen blauen Augen und ich fragte mich, ob Victoria dem gleichen
Bann erliegen würde wie Millionen anderer Mädchen auf der
ganzen Welt, wenn sie mit Elijahs Freundlichkeit konfrontiert wurden.
„Wir müssen jetzt gehen. Ein Freund von uns hat heute abend
die Eröffnung einer Ausstellung.“
„Oh Scheiße! Viggo!“ Ich hatte Viggos Vernissage
durch die Abenteuer der letzten Stunden total vergessen.
Elijah verließ die Kabine und ging aufs Deck, ich folgte hinter
Victoria. Elijah schüttelte ihre Hand und sprang wieder an den
Pier, drehte sich zu mir, um auf mich zu warten, als ich zu Victoria
schaute, die neben mir stand. Sie war nur ein paar Zentimeter kleiner
als ich, so daß ich etwas verwirrt war, als ihr grünäugiger
Blick meinen so direkt traf.
„Es tut mir wirklich leid,“ erklärte sie abermals.
Ich schüttelte den Kopf. „Hör auf, dich zu entschuldigen.
Ich liebe das Wasser.“
Sie lächelte und ein kleines Grübchen tauchte an ihrem
linken Mundwinkel auf. „Nun, wenn du noch mal hinein geworfen
werden möchtest...“
„Dann weiß ich, zu wem ich gehen muß.“
Wir lachten beide und ich schüttelte ihre Hand, die sehr klein
war, als ich sie hielt. Wißt ihr, wie das ist, wenn man Personen
kennenlernt, von denen man, ohne sie wirklich zu kennen, weiß,
daß sie gute Menschen sind, und die man gern besser kennenlernen
möchte, um herauszufinden, ob deine Vorahnung richtig war, aber
dann hast du keine Zeit oder du wirst abgelenkt und als nächstes
bereust du, daß du die Chance verpaßt hast, sie besser
kennenzulernen? Nun, all das schoß mir in diesem Moment durch
den Kopf, in einem Zeitraum von nur ein paar Sekunden, bis mir klar
wurde, daß ich ihr die geliehene Kleidung zurückbringen
müßte du wir dann vielleicht etwas mehr Zeit zum Reden
hätten.
„Ich bringe die hier so bald wie möglich zurück,“
sagte ich und deutete auf das T-Shirt und die Hose.
„Schon gut,“ meinte sie, „ist ja nicht so als würdest
du hier mit einem Anthony Price -Anzug oder so weggehen.“
Ich lächelte und wollte noch was sagen, aber Elijah rief mich
vom Steg aus und machte klar, wie spät es war und ob ich jetzt
endlich kommen oder noch ein Bad im Meer nehmen würde. Ich sagte
ihr, daß es nett gewesen war, sie kennenzulernen, und dann war
ich auch wieder auf dem Pier und folgte Elijah zum Parkplatz, wo meine
Gedanken bald um den heutigen Abend kreisten.
Kapitel 2