~ ~ ~ Kapitel 2~ ~ ~
„Des Schicksals erster Streich “
„Was meinst du, wann Merry und Pippin Minas Tirith erreichen werden?“ Gimli saß hinter Legolas auf dessen Hengst Arod und war schon ganz aufgeregt. Bald würde der große Ball zu Ehren der Königin Arwen stattfinden. Und was das Schönste war: auch die beiden Hobbits Merry und Pippin hatten ihr Kommen zugesagt. Oh, das würde eine lustige Feier werden…
„Das kann ich dir nicht sagen, mein Freund. Ich denke aber, erst in einer oder vielleicht sogar zwei Wochen. Sicherlich werden wir eher da sein.“ Legolas verstand noch immer nicht, warum Merry und Pippin es abgelehnt hatten, mit ihm und Gimli zusammen zu reisen. Irgendetwas hatten die beiden Lausbuben sicher wieder vor. Ihm schwante nichts Gutes, wenn er daran dachte, wie gerne die beiden Hobbits anderen Leuten Streiche spielten. Aber so war das mit Hobbits nun einmal. Vielleicht würde er es eines Tages verstehen.
Legolas Grünblatt, Prinz und Thronerbe des Düsterwalds, war mit Gimli, Gloins Sohn, unterwegs nach Minas Tirith. In drei Wochen fand dort ein großer Ball statt und König Elessar hatte seine Freunde eingeladen, ein paar Wochen in Minas Tirith zu bleiben und ihm und seiner Frau Arwen Gesellschaft zu leisten. Legolas war begeistert gewesen von dieser Idee, denn schließlich war nicht nur Aragorn ein alter Freund von ihm. Auch mit Arwen hatte er sich immer gut verstanden. Sein Vater Thranduil, König der Elben des Düsterwalds, war allerdings gar nicht begeistert gewesen, seinen Sohn schon wieder monatelang durch die Gegend reisen zu lassen. Er wollte sich in absehbarer Zeit zur Ruhe setzen. „Du solltest dich wirklich auf Brautschau begeben, Legolas“, hatte er gesagt. Doch genutzt hatte es nichts.
Nun saß Legolas verträumt auf seinem treuen Hengst Arod und ritt Minas Tirith entgegen. Es dämmerte bereits.
„Gimli, hast du nicht mal was von einem Gasthaus erzählt, das hier irgendwo in der Nähe sein soll?“ Legolas hatte keine Lust, schon wieder auf dem Boden zu schlafen. Ein eigenes Zimmer wäre schon nicht schlecht. Der Zwerg, der sich grade um sein Gleichgewicht bemühte, konnte ziemlich laut schnarchen.
„Hmm, ja, sicher. Wir müssten eigentlich gleich da sein. Ich glaub, hinter dem Wald ist es. Hat mein Vetter zumindest erzählt.“ Gimli hatte grade sein Gleichgewicht wieder gefunden, als Arod nervös zur Seite tänzelte. Darauf war Gimli nicht vorbereitet und … landete unsanft auf dem Boden.
„Herrje, Legolas! Hast du deinen Gaul nicht besser im Griff? Ich breche mir noch mal alle Knochen!“ Gimli rappelte sich hoch und blickte wütend zu dem Elben, der noch immer auf Arod saß, als ob nichts geschehen wäre. Angestrengt blickte er in Richtung des Flusses. „Legolas! Ich rede mit…“
Und da hörte Gimli es auch. Kampfgeräusche. Er sah Legolas an, der sich hinunterbeugte und ihm wortlos die Hand reichte. Mit einem kurzen Ruck hatte er Gimli wieder auf Arod gezogen und trieb diesen an.
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Orks! Wie hatte Shanya sie nur überhören können? Nun gut, darüber konnte sie sich vielleicht später noch Gedanken machen. Denn im Moment rannte sie um ihr Leben.
Als die Orks vor ihr aufgetaucht waren, hatte sie Camaro einen kräftigen Klaps gegeben. Dieser war daraufhin in die Höhe gestiegen und hatte seiner Herrin die Sekunden Zeit gegeben, die sie brauchte, um etwas Abstand zwischen sich und ihre Angreifer zu bringen. Nun rannte sie. Wohin, wusste sie nicht. Einfach nur weg. Wieder einmal verfluchte sie ihren Onkel. Wenn er ihr nicht alle Waffen abgenommen hätte, hätte sie sich zumindest verteidigen können. Nun blieb ihr nur die Flucht.
Durch ihre Gestalt als Halbelbin besaß sie mehr Wendigkeit als viele andere, aber schon bald wurde sie müde. Die Orks kamen näher, Stück für Stück. Shanya spürte Panik in sich aufsteigen. Sie würde sterben. So viel war sicher.
Mittlerweile war sie wieder an dem Fluss angelangt, an dem sie heute den ganzen Tag Wäsche gewaschen hatte. Sie überlegte nicht lange und rannte ins Wasser hinein. Wenn sie es bis zum anderen Ufer schaffen würde, hatte sie vielleicht eine kleine Chance. Orks mochten Wasser nicht. Das war bekannt. Shanya spürte Hoffnung in sich aufkeimen. Vielleicht würde sie diesen Tag doch noch lebend beenden können.
Doch plötzlich wurde sie umgerissen. Sie wurde ins Wasser geschleudert und verschluckte sich. Zwei kräftige Pranken hielten sie fest und zogen sie hoch. Wieder stieg Panik in ihr hoch. Der Ork hatte sie mit festem Griff gepackt und zog sie unbarmherzig ans Ufer. Ihre Schläge, Tritte und Schreie machten ihm nichts aus. Mit einem teuflischen Grinsen warf er sie zu Boden.
Seine Stimme klang unnatürlich dunkel und irgendwie nicht von dieser Welt. Shanya zuckte angsterfüllt zusammen, als sie ihn sagen hörte:„Darf ich vorstellen? Unser Abendessen!“ Etwa zwanzig Orks um ihn herum jubelten und fletschten bereits die Zähne. Doch keiner griff die Halbelbin an. Nein, sie ergötzten sich an ihrer Angst. Langsam und am ganzen Körper zitternd stand Shanya auf. „Ergibst du dich?“ Der Ork, der sie gefangen hatte, war bestimmt drei Köpfe größer als sie und blickte hungrig auf sie hinunter. „Dein Pferdchen ist leider weggelaufen. Also müssen wir mit dir vorlieb nehmen.“ Bei diesen Worten strich er Shanya über ihren bebenden Arm. „Ich bin sicher, du schmeckst genauso gut wie du aussiehst.“
Shanya schnaubte. „Dass du dich da mal nicht irrst“, erwiderte sie. „Ich bin ziemlich zäh.“ Zu verlieren hatte sie eh nichts mehr. Sie holte aus und schlug ihm kräftig mit der Faust ins Gesicht. Sie hatte Zeit gehabt, zu zielen und einen ganz passablen Treffer landen können. Der Ork wurde durch ihren Schlag überrascht und torkelte ein paar Schritte zur Seite. Verletzt hatte sie ihn nicht, aber sie hatte seinem Ansehen unter seinesgleichen geschadet. Den Spott seiner Gruppe würde er noch lange tragen müssen. Und das war für Shanya Genugtuung genug. Ein kaum erkennbares Lächeln umspielte ihre Lippen, als ihr Gegner sie mit großen Augen anstarrte.
Der Ork reagierte plötzlich blitzschnell – für Shanya zu schnell. Er schlug ihr mit aller Kraft ins Gesicht. Blut spritzte. Shanya spürte, wie ihre Lippe aufplatzte. Sie ging zu Boden. Dort blieb sie liegen. Sie hatte keine Kraft mehr, sich zu wehren. Ihr Kopf dröhnte, sie schmeckte ihr eigenes Blut und sie musste um jedes bisschen Bewusstsein kämpfen. Sie spürte, wie sie wieder gepackt und hochgerissen wurde. Das war es also. Sie würde sterben. Doch plötzlich ließ der Ork sie los und sie stürzte wieder zu Boden.
Shanya hörte Kampfgeräusche. Was passierte da? Sie versuchte, sich hoch zu rappeln, doch sie konnte sich nicht bewegen. Sie hatte einfach keine Kraft mehr. Sie drehte den Kopf ein wenig und versuchte zu erkennen, wer grade vielleicht ihr Leben rettete. Das Einzige, was sie erkannte, war eine große Gestalt mit langen blonden Haaren und eine kleinere, die etwas schwang, was nach einer Axt aussah.
Dann sah, hörte und spürte sie nichts mehr.
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„Na wartet, ihr Feiglinge! Einfach ein schwaches Mädchen anzugreifen! Was fällt euch eigentlich ein? Sucht euch gefälligst einen Gegner, der euch gewachsen ist!“ Gimli war außer sich vor Wut und schwang seine Axt nach allem, was sich bewegte. Ein Ork nach dem anderen fiel und auch Legolas stand Gimli in nichts nach. In einer kaum vorstellbaren Geschwindigkeit schoss er einen Pfeil nach dem anderen ab und schon bald war nicht ein Ork mehr übrig. Es war ein kurzer Kampf gewesen.
Der Elb ließ Pfeil und Bogen sinken und sah sich um. Er entdeckte Gimli, der immer noch grimmig, aber höchst zufrieden mit sich selbst aussah. Dann fiel sein Blick auf die zierliche Gestalt nahe dem Ufer. Mit schnellen Schritten war er bei dem Mädchen, dessen Leben sie so eben gerettet hatten. Gimli kniete sich neben ihn und schaute sich das Mädchen an, das auf dem Bauch lag und sich nicht rührte.
„Ist sie tot?“, fragte der Zwerg vorsichtig und betrachtete Legolas, wie er die junge Frau hochhob und vorsichtig umdrehte. „Hübsch“ war der erste Gedanke des Zwergen. Irgendwo unter dem ganzen Dreck und dem vielen Blut war vermutlich ein wirklich gut aussehendes Mädchen verborgen. Legolas strich ihr einige nasse Haarsträhnen aus dem Gesicht. „Nein, sie lebt.“
Gimli beobachtete Legolas dabei, wie er die Bewusstlose mit schnellen und geübten Griffen untersuchte. Dann sah der Elb erleichtert auf. „Sie scheint außer der aufgeplatzten Lippe keine Verletzungen zu haben. Sie hat Glück gehabt.“ Er sah Gimli an: „Wir sollten sie mitnehmen. Vielleicht weiß ja der Wirt des Gasthauses, wer sie ist und wo sie hingehört. Ich befürchte, so schnell wird sie nicht aufwachen und hier liegenlassen können wir sie nicht.“ Gimli nickte, nahm Legolas´ Waffen und pfiff Arod heran.
Legolas wickelte die junge Frau in seinen Umhang ein. Sie war ins kalte Wasser gefallen und ihre nassen Sachen klebten an ihr wie eine zweite Haut. Er wollte nicht, dass sie sich erkältete. Dann nahm er sie behutsam auf den Arm und verlies mit Gimli an seiner Seite den Schauplatz des Kampfes.
„Sie ist eine Halbelbin. Oder?“ Gimli zog Arod neben sich her, als er Legolas fragend anblickte. Dieser blieb überrascht stehen und starrte den Zwerg an. Dann aber lächelte er. „Du hast eine gute Beobachtungsgabe, mein Freund. Wie bist du drauf gekommen? Sie hat keine spitzen Ohren.“
Nun lächelte Gimli. „Ihre Haare. Solche Haare haben nur Elben.“
Legolas sah zu dem Mädchen herunter, welches, noch immer tief bewusstlos, in seinen Armen lag. Ihre Atmung war tief und regelmäßig. Er betrachtete sie weiter. Ihr Kopf ruhte an seiner Schulter und ihre Frisur hatte sich während ihrer Flucht gelöst. Ihre langen Haare umspielten ihr Gesicht und der Ringkämpfer fragte sich plötzlich, was sie so allein im Wald gemacht hatte.
Mit der Gewissheit, dass er es herausfinden würde, ging er weiter und schon bald kam das Gasthaus, von dem Gimlis Cousin erzählt hatte, in Sicht.
~ ~ ~ tbc ~ ~ ~
Kapitel 3