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Dienen

-eine Fanfiction von Gillian

Disclaimer:
Alle Charaktere Tolkiens gehören Tolkien. Alle Orte und historischen Ereignisse aus Tolkiens Welt gehören Tolkien. Ich verdiene mit dieser Geschichte kein Geld. Allerdings erhebe ich Anspruch auf das Urheberrecht aller meiner eigenen Charaktere, Orte und Handlungen. Ich möchte gefragt werden, bevor sie für eine andere Geschichte weiterverwendet werden.


~ ~ ~ Kapitel 19 ~ ~ ~
„Die Entscheidung einer Elbin“

 

Als Shanya wenig später fertig angezogen in Legolas’ Zimmer ging, um ihn zum Frühstück abzuholen, hielt sie überrascht inne. Er sah etwas gehetzt aus.

„Ist alles in Ordnung? Du siehst irgendwie erschöpft aus.“

„Da kannst du mal sehen, was du mit mir machst“, lachte Legolas nur und gab ihr einen Kuss, bevor sie zum Frühstück in den Garten gingen.

Er wollte nicht, dass sie bemerkte, dass er bei Arwen gewesen war und ihr von der beginnenden Verwandlung Shanyas berichtet hatte. Aragorn schien es allerdings nicht recht gewesen zu sein, dass Legolas halbnackt durch das ganze Schloss gerannt und so auch noch seiner Frau gegenüber getreten war. Nun, eigentlich auch verständlich, dachte Legolas. Ein Mensch kam schließlich irgendwann in die Jahre und auch Aragorn war nicht mehr der Jüngste… Ein Elb allerdings alterte nicht und trotz seiner beinahe 3000 Jahre sah Legolas aus wie ein Mensch, der grade mal zwanzig Winter hinter sich hatte.

Aber darüber machte sich Legolas nun wirklich keine Sorgen. Seine Gedanken waren bei Shanya. Selbst die Blicke und das Getuschel der Dienstmädchen, die ihn bei seinem Sprint durchs Haus gesehen hatten, hatte der Thronerbe ignoriert.

Er hatte sich mit Arwen darauf geeinigt, Shanya vorläufig nichts von ihrer offensichtlich getroffenen Entscheidung zu erzählen. Die Verwandlung würde in den nächsten Stunden stattfinden und das junge Mädchen ohnehin noch genug verwirren.

Shanyas Tag würde noch anstrengend genug werden. Bis dahin sollte sie ihn genießen.

~ * ~ * ~

Das Frühstück im königlichen Garten verlief angesichts der neuesten Entwicklungen doch überraschend ruhig.
Man musste jedoch darüber hinwegsehen, dass Legolas und Shanya nur schwerlich die Finger voneinander lassen konnten. Die Halbelbin hatte ihre Hand in Legolas’ Nacken gelegt und massierte ihn leicht. Er wiederum drückte ihr alle paar Minuten einen kleinen Kuss auf die Lippen.

Es dauerte nicht lange und Frodo konnte doch nicht mehr an sich halten. Er fing laut an zu lachen. Auf die irritierten Blicke der Anderen erwiderte er keuchend: „Es tut mir wirklich Leid, Legolas, aber ich hätte nie gedacht, dass du dich erwischen lässt, während du mit einer Frau im Bett liegst. Und das auch noch von einem Zwerg. Du hättest seine Schritte doch hören müssen. Na, aber etwas Gutes hat die Sache immerhin: wir wissen nun, dass deine Freundin einen überaus hübschen Rücken hat.“

Legolas wusste darauf wirklich nichts zu erwidern. Also brachte er Frodo zum Schweigen,  indem er ihn mit ein paar übrig gebliebenen Früchten abschoss. Der Hobbit war darüber so überrascht gewesen, dass er unter Legolas’ Beschuss rückwärts von der Bank fiel und die anderen zu weiteren Lachsalven animierte.

~ * ~ * ~

Später am Vormittag schaffte Shanya es, sich aus Legolas’ Blickfeld zu stehlen und machte sich auf den Weg zu Camaro.

Irgendwie war Legolas seltsam. Immerzu beobachtete er sie. Nun, eigentlich hatte Shanya da ja nichts gegen, aber diese Beobachtung war anders. Er sah so furchtbar besorgt aus.

Nun stand sie bei Camaro in der Box und putzte ihn. Er war nicht wirklich dreckig, aber sie hatte ein schlechtes Gewissen, weil sie sich, seit sie in Minas Tirith war, nicht mehr bei ihm hatte blicken lassen. So verbrachte sie den ganzen Vormittag bei ihrem treuen Rappen in der Box, putzte, streichelte und verwöhnte ihn.  

Auch nutzte sie die Zeit, um ein bisschen nachzudenken.

Es war so viel geschehen in den vergangenen Wochen.

Wie war alles angefangen? Die Orks. Ihre Flucht. Sie hatte wirklich gedacht, sie müsste sterben. Und das wäre sicherlich auch geschehen, wenn der Elb und der Zwerg, die beide ihr Herz so sehr berührt hatten, nicht aufgetaucht wären.

Und nun? Nun war sie in Minas Tirith, musste keine Schläge mehr fürchten, war verliebt und voller Vorfreude auf den Ball an diesem Abend.

Shanya lächelte verträumt, als sie an die vergangene Nacht zurückdachte.

Wie Legolas sie berührt hatte. Nie hatte sie so etwas für möglich gehalten. Nie hatte sie so etwas gefühlt. Er hatte sie zu einer Frau gemacht. Mit all seiner Liebe und Zärtlichkeit.
Sie hatte sich fallen lassen können und gewusst, dass er sie auffangen würde. Und das hatte er getan. Allein durch seine Liebe.
 
Sie tätschelte Camaros Hals, als sie ihm leise ins Ohr flüsterte: „Deine Herrin hat sich verliebt, mein Freund. Was sagst du dazu? Ist Legolas dir recht?“

Als sie von Camaro ein zufriedenes Schnauben hörte, lachte sie. Sie wusste, wenn Camaro sie verstanden hätte, hätte er ihr vermutlich zugestimmt.

~ * ~ * ~

Als sie sich gegen Mittag wieder in den Palast begab, stellte Shanya fest, dass dieser in Aufruhe war. Die letzten Gäste waren eingetroffen. In ein paar Stunden sollte der Ball beginnen.

Aber das interessierte sie im Moment nicht. Shanya fühlte sich nicht wohl. Ihr war schwindelig und ihr Kopf tat weh. Sie wollte sich noch ein bisschen hinlegen, aber vorher Legolas Bescheid geben. Er sollte sich keine Sorgen machen.

Shanya machte sich auf den Weg in die große Halle, wo Legolas meistens zu finden war.

Und wieder hatte sie Recht gehabt. Legolas stand bei einer Gruppe Elben und unterhielt sich mit ihnen. Shanya ging etwas schüchtern zu ihm. „Legolas?“, fragte sie und zupfte an seiner Tunika.
Der Elb drehte sich zu ihr. „Shanya! Da bist du ja! Ich hab dich gesucht, wo warst du?“, erwiderte er und legte seine Hand sanft auf ihren Arm.
„Bei Camaro“, antwortete Shanya und Legolas nickte. „Hätte ich mir eigentlich denken können. Warte, ich stelle dich den Anderen vor!“
Er nahm sie bei der Hand, doch Shanya schüttelte den Kopf. „Nein, Legolas… ich… ich leg mich etwas hin, ich fühle mich nicht so wohl.“
Legolas betrachtete sie. Ihre Wangen waren gerötet und ihre Augen trüb. Ganz ohne Zweifel, sie hatte ihre Entscheidung getroffen. Ihre Verwandlung stand kurz bevor, auch, wenn sie es selbst noch nicht wusste. Besorgt fragte er: „Kann ich etwas für dich tun? Soll ich die Heiler holen lassen?“
„Nein! Nein… Ich möchte nur etwas schlafen. Das ist alles.“ Shanya drückte ihm einen Kuss auf die Wange und verschwand wankend in Richtung ihres Gemachs. Legolas sah ihr besorgt hinterher. Dann bemerkte er, wie Arwen zu ihm sah. Er erwiderte ihren Blick und nickte stumm.

~ * ~ * ~

Kaum hatte Shanya sich in ihr Bett gelegt, war sie in einen tiefen Schlaf gefallen. Sie hatte es nicht mal mehr geschafft, sich vernünftig zuzudecken. Ihre Verwandlung schritt voran und raubte ihr die Kräfte.

Sie bekam nicht mit, wie sich die Tür ihres Gemachs öffnete und Legolas, Arwen, Aragorn, Gimli und die Hobbits in ihr Zimmer kamen und sich um ihr Bett versammelten. Legolas setzte sich neben seine Geliebte und legte sie richtig hin. Er deckte sie zu und hielt ihre Hand.

Alle Blicken lagen gespannt auf der jungen Frau. Noch niemand hatte die Verwandlung einer Elbin hautnah erlebt. So etwas vollzog sich meist nachts im Schlaf und erst der erschreckte Aufschrei der betreffenden Person am nächsten Morgen teilte es allen mit. Dieses Mal jedoch war es anders. Shanya verwandelte sich am helllichten Tag.

Legolas’ Hand strich sanft über ihr goldenes Haar. Die Halbelbin hatte Fieber bekommen, ihr Körper glühte. Ihre Ohren waren stark gerötet, aber ansonsten schien es ihr gut zu gehen. Zumindest sah sie zufrieden aus, wie Legolas fand.

Und dann geschah es.

Shanyas Ohren wuchsen. Langsam, aber doch schneller als es alle erwartet hatten. Sie nahmen ihre spitze Form an, wurden aus der runden in die nun so typische Form eines elbischen Ohrs gedrückt.

Legolas beobachtete Shanya aufmerksam. Sie schien gar keine Schmerzen zu haben. Legolas wunderte sich darüber. Noch am Morgen war sie bei der kleinsten Berührung zurückgeschreckt und nun veränderten ihre Ohren ihre Form.
Das sah unnatürlich und schmerzhaft aus, aber Shanya schlief ganz friedlich. Und dann war plötzlich alles vorbei. Ihre Ohren hatten ihre endgültige Form angenommen. Arwen betrachtete Shanya und berührte vorsichtig eines der nun spitzen Ohren. Shanya zuckte leicht, blieb ansonsten aber ruhig. Das Fieber verschwand ebenso schnell, wie es gekommen war.

Legolas sah Arwen an: „Ist es vorbei?“
Er atmete erleichtert aus, als diese lächelnd nickte.

Und dann rührte sich Shanya langsam. Sie erwachte blinzelnd und gähnte. Dann stutzte sie. Legolas lächelte sie an und auch die Anderen waren um ihr Bett versammelt und lachten sie an.

„Was... was macht ihr denn hier?“, fragte sie völlig irritiert.

Legolas lächelte sie beruhigend an.

„Wie fühlst du dich? Irgendwie anders?“

Shanya stutzte und nickte. „Ja, ich… irgendwie… leichter und… stärker. Was bedeutet das?“ Legolas lächelte und ergriff ihre Hand.

Er legte sie vorsichtig an ihr Ohr. Shanya erschrak und sprang aus dem Bett und rannte ins Bad. Dort sah sie in den nächsten Spiegel und…

„AAAAHHHHHHHHHH!“, kreischte sie.

Sie hatte spitze Ohren! Das war doch gar nicht möglich! Oder… etwa doch?

Sie sah noch mal genauer hin. Legolas kam ihr hinterher.

„Ich hab spitze Ohren!“, teilte sie ihm mit.

Legolas lachte. „Was du nicht sagst! Ist mir noch gar nicht aufgefallen!“

Shanya sah ihn an. „Steht mir das denn überhaupt?“

„Du siehst wunderschön aus. Noch schöner als ohnehin schon. Wie eine Elbin.“

Shanya war ganz in die Erkundung ihrer Ohren versunken. Vorsichtig berührte sie sie. Sie kribbelten ganz leicht. Zum Vergleich zog sie Legolas heran und befühlte seine Ohren. Dieser schluckte wieder einmal schwer und schloss, um Beherrschung ringend, die Augen. Arwen litt mit ihm. Elbenohren waren aber auch wirklich empfindlich.

Shanyas Gehirn arbeitete, während sie begriff. Sie hatte eine Entscheidung gefällt.
Nur… wann?

„Aber ich… wann? Ich habe nie…“

Arwen beantwortete ihre Frage: „Ihr musstet Eure Entscheidung nicht aussprechen. Euer Herz hat dies für Euch getan. Ihr habt Euch für Euer elbisches Dasein entschieden, Shanya. Jeglichen menschlichen Schwächen und dem Tod durch das Alter entsagt. Ihr habt nun die Ewigkeit vor Euch.“

Shanya starrte Arwen mit großen Augen an. „Die Ewigkeit? Was soll ich denn mit so viel Zeit anfangen?“

Arwen lachte, ebenso wie alle anderen. Legolas schüttelte verzweifelt den Kopf. „Shanya, deine Probleme möchte ich haben. Wirklich.“
Dann fiel sein Blick auf ihren Körper. Er stutzte und trat einen Schritt zurück und betrachtete sie. Alle betrachteten sie, denn ihnen war es auch aufgefallen.

Shanya sah anders aus.
Es waren nicht nur die Ohren, sie sah auch sonst verändert aus.
Irgendwie … stolzer.
Ihr Rücken hatte jeglichen noch so kleinen Haltungsschaden verloren und ihre Haut war reiner als je zuvor. Ihre Augen glänzten.
Sie wirkte kräftiger, gar nicht mehr wie das zerbrechliche Mädchen, das bewusstlos am Ufer des Flusses gelegen hatte.

Shanya bemerkte die Blicke der Anderen: „Was… was ist? Sieht schrecklich aus, oder?“

Alle lachten, als sie die Köpfe schüttelten. Nein, es sah überhaupt nicht schrecklich aus. Ganz im Gegenteil.

~ * ~ * ~

Nachdem Shanya sich etwa eine halbe Stunde lang nur im Spiegel begutachtet hatte, kam sie zu der Erkenntnis, dass ihr spitze Ohren wirklich gut standen. Zumindest sah sie nicht lächerlich aus.

Irgendwie passten die Ohren zu ihr. So, als wenn sie das letzte Stück gewesen waren, was noch gefehlt hatte.

Es klopfte. Shanya lächelte. „Komm rein, Süßer.“

„Verzeihung.“ Samin öffnete die Tür und sah Shanya etwas irritiert an. Ein „Komm rein, Süßer“ hatte sie nun wirklich nicht erwartet.

Shanya biss sich auf die Lippe. „Oh, Samin, Verzeiht. Ich hatte Euch für Legolas gehalten.“

Samin verstand und überging galant den Punkt, dass der Prinz des Düsterwaldes von seiner Gefährtin „Süßer“ genannt wurde.

„Ich bin gekommen, um Euch für den Ball fertig zu machen, Shanya.“

Shanya sah Samin irritiert an. „Jetzt schon? Es ist doch grad erst Nachmittag.“

Samin lächelte, als sie an Shanya vorbeiging und Wasser in die Wanne einlaufen ließ.

„Erst? Schon! Wir müssen uns beeilen. Wir haben viel zu tun. Prinz Legolas möchte, dass Ihr die strahlendste Person des heutigen Abends werdet – natürlich abgesehen von der Königin. Also, wir haben nur knapp drei Stunden. Fangen wir an.“

Shanya ergab sich theatralisch seufzend in ihr Schicksal.

~ * ~ * ~

Als sie dann jedoch, knapp drei Stunden später, fertig angezogen und frisiert vor dem Spiegel stand, war sie wirklich sprachlos. Und das kam nicht oft vor.

Sie strahlte über das ganze Gesicht, als sie sich, etwas nervös, auf den Weg in Legolas’ Gemach machte.

Ob sie ihm so wohl gefallen würde?

 

~ ~ ~ tbc ~ ~ ~

Kapitel 20





 

 

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