~ ~ ~ Kapitel 16 ~ ~ ~
„Überraschungsgäste“
Als Shanya von ihrem Besuch bei der Schneiderin zurückkam, saßen die anderen bereits beim Abendessen.
Legolas hatte ihr einen Platz neben sich freigehalten und winkte sie zu sich.
„Und, wie ist das Kleid geworden?“, fragte er, als sich Shanya neben ihm fallen ließ und sich einen Überblick über das Abendessen verschaffte.
Sie zuckte mit den Schultern: „Keine Ahnung, die Schneiderin hat bislang nur Maß genommen.“
Legolas hielt inne, während er ihr einen Becher Wein eingoss.
„Was, und dazu braucht sie den ganzen Nachmittag?“
Shanya schüttelte den Kopf, lugte unter seinem Arm hindurch und klaute sich ein Stück Brot von seinem Teller. Seinen tadelnden Blick übersah sie gekonnt.
„Nee, nur den halben“, nuschelte sie mit vollem Mund. „Den Rest brauchte sie, um mich über dich auszufragen.“
Legolas sah sie überrascht an. „Was wollte sie denn wissen?“
Shanya stellte fest, dass ihr Legolas’ Teller in der Art der Zusammenstellung der Speisen recht gut gefiel und da sie keine Lust hatte, sich selbst etwas aufzutun, tauschte sie ganz einfach ihren leeren mit seinem vollen.
„Och, dies und das halt. Was Frauen eben so wissen wollen…“ Shanya fing an zu essen und ignorierte einerseits Legolas’ vorwurfsvollen Blick, als er bemerkte, dass sie seinen Teller geklaut hatte, und andererseits das laute Lachen der Hobbits.
„Shanya, wie machst du das bloß? Keine andere Frau würde es wagen, einen Prinzen so zu behandeln!“ Pippin kringelte sich noch immer vor Lachen, während Merry sie interessiert musterte.
Die Halbelbin zuckte mit den Schultern und sah von ihrem Teller auf. „Ich darf das“, stellte sie fest und grinste.
Legolas lächelte und nickte. „Ja, sie darf das.“
~ * ~ * ~
An diesem Abend ging sie früh ins Bett.
Die Übungen mit dem Schwert am Vormittag hatten sie geschafft. Also verabschiedete sie sich recht schnell – Legolas’ Enttäuschung zum Trotz. Ihre Arme schmerzten und sie sehnte sich nach einem heißen Bad und einer ruhigen Nacht.
~ * ~ * ~
Der kommende Tag stand ganz im Zeichen des Festes. Shanya verbrachte den Vormittag bei der Schneiderin. Diesmal wurde aber wirklich an dem Kleid gearbeitet und weniger gequasselt.
Am Nachmittag schließlich wurden alle überrascht – auch Aragorn und Arwen.
Eine kleine Elbengemeinschaft aus Bruchtal erschien und mit ihnen reisten niemand Geringeres als Frodo und Sam.
Besonders Merry und Pippin waren total aus dem Häuschen. „Aber ihr wolltet doch erst gar nicht kommen!“
„Das stimmt. Aber dann haben wir es uns doch anders überlegt. Wir konnten dem Gedanken nicht widerstehen, die Gemeinschaft wieder einmal versammelt zu sehen.“ Frodo strahlte über das ganze Gesicht, nachdem er Aragorn, Arwen und den Zwergen begrüßt hatte.
„Aber sag, wo ist Legolas? Ist er nicht mit dir zusammen gereist, Gimli?“ Frodo sah sich in der großen Empfangshalle um, aber er konnte den Elben nirgendwo entdecken.
Gimli lachte: „Doch, das stimmt, das ist er. Aber unser Herr Elb, müsst ihr wissen, hat sich bis über beide Spitzohren verliebt. Er ist im Garten und bringt seiner Freundin grade das Kämpfen bei. Hoffentlich poltern die zwei nicht schon wieder den Abhang hinunter.“
Sam glaubte, sich verhört zu haben. „Legolas ist verliebt? Unser Legolas?“
Der Zwerg grinste über das ganze Gesicht. „Was er natürlich niemals zugeben würde. Aber dieses Mal hat es ihn bis in die Ohrspitzen erwischt. Aber kommt und überzeugt euch selbst. Ihr werdet sehen, was ich meine.“ Er führte die Neuankömmlinge zum königlichen Garten. Dort angekommen, versteckten sich die fünf und beobachteten, wie Legolas einer blonden, gut aussehenden Frau, die mit grimmigem Gesicht auf dem Hintern saß, wieder auf die Beine half.
~ * ~ * ~
„Du musst dich konzentrieren, Shanya.“ Legolas half Shanya hoch, die wieder einmal über ihre eigenen Füße gestolpert war.
„Witzig! Dann guck mich nicht immer so an.“ Shanya hob ihr Schwert auf und sah den Elben trotzig an.
Dieser lachte. „Wie sehe ich dich denn an?“
„Na, irgendwie so… so wie gestern halt, als wir da unten lagen.“ Sie deutete mit dem Schwert zum Abhang und Legolas grinste.
„Ah so. Hmm, vielleicht sollten wir da weitermachen, wo wir gestern aufgehört haben.“ Er ließ sein Schwert sinken und kam auf Shanya zu.
Diese grinste, blieb aber, wo sie war.
„Legolas, du sollst mir das Kämpfen beibringen.“
„Das tue ich. Später.“ Legolas nahm ihr das Schwert aus der Hand und zog sie zu einem leidenschaftlichen Kuss an sich. Sie seufzte. Der Kuss gestern hatte vieles verändert, Legolas und sie standen sich augenblicklich näher. Sie gehörten zusammen, Irgendwie. Auf eine neue, ungewohnte, aber dennoch angenehme Art und Weise. Shanya mochte dieses Gefühl. Ob das Liebe war?
Legolas war so abgelenkt von der Halbelbin, die seinen Kuss mit Intensität erwiderte, dass er nicht mitbekam, wie die vier Hobbits und der Zwerg aus ihrem Versteck gekrochen kamen und sie unverhohlen beobachteten.
„Also, so etwas nennst du Übung am Schwert?“ Frodo konnte es nicht lassen und grinste breit, als Legolas und Shanya erschrocken auseinander fuhren und der Elb sich empört nach dem Störenfried umsah.
Als er ihn jedoch erkannte, strahlte er über das ganze Gesicht und begrüßte die beiden Hobbits fröhlich.
~ * ~ * ~
Es wurde ein geselliger Abend. Gimli, Merry und Pippin hatten Frodo und Sam über Shanyas Herkunft und Erlebnisse aufgeklärt und man einigte sich darauf, dieses Thema in ihrer Gegenwart ruhen zu lassen.
Shanya wusste, dass sie sie schonen wollten, aber es war ihr nur Recht. Sie hatte genug über ihre Vergangenheit nachgedacht. Sie wollte nicht mehr zurückblicken, sondern nur noch nach vorn.
Sie saß auf Legolas’ Schoß in einem großen, weichen Sessel und hatte es sich dort bequem gemacht. Sie hatte sich an ihn gelehnt und sein Kopf ruhte auf ihrer Schulter, während die beiden den Erzählungen der Hobbits lauschten.
„Ich sage euch, beim Ball tanzen wir auf den Tischen“, Merry war schon ganz aufgeregt und warf Pippin einen verstohlenen Blick zu. Dieser grinste teuflisch und warf wiederum Shanya einen wissenden Blick zu. Legolas horchte sofort auf.
„Sag mal, weißt du etwa, was die beiden vorhaben?“
Shanya sah ihn mit großen, unschuldigen Augen an und schüttelte schnell den Kopf. Natürlich wusste sie es. Aber sie hatte nicht vor, es ihm zu verraten. Auf gar keinen Fall.
Legolas sah sie noch immer zögerlich an, als traute er ihr nicht. Was in diesem Punkt ja auch völlig berechtigt war. Merry und Pippin hatten vor Schreck die Luft angehalten.
Oje, wie wand sie sich da jetzt nur wieder raus?
Aber Shanya blieb ganz ruhig und hielt dem Blick des Elben stand. Und sie setzte sogar noch einen drauf, indem sie, ohne mit der Wimper zu zucken oder auch nur ein ganz kleines bisschen rot zu werden, erklärte: „Ich würde dich nie anlügen. Kann ich doch auch gar nicht, hast du doch gemerkt.“
Gimli und auch die Hobbits sahen erstaunt, wie Legolas zögernd nickte. Er drückte ihr einen leichten Kuss auf die Wange und murmelte: „Na gut.“
Shanya grinste. Das war knapp gewesen.
~ * ~ * ~
Es war schon beinahe Mitternacht, aber die Hobbits, Gimli, Aragorn, Arwen und Legolas saßen noch immer in fröhlicher Runde beisammen. Shanya saß noch immer auf seinem Schoss, schlief mittlerweile aber bereits den Schlaf der Gerechten.
Legolas fragte sich zwar ab und zu, wie sie bei dem ganzen Krach, den die Hobbits verursachten, schlafen konnte, aber sie schlief nun mal.
„Legolas, willst du sie nicht vielleicht doch besser ins Bett bringen?“ Arwen sah ihn an. Shanya schlief tief und fest und merkte noch nicht einmal, wie Legolas nickte und sich mit ihr erhob.
Er nahm sie auf die Arme, wünschte den Anderen eine gute Nacht und brachte sie in ihr Schlafzimmer. Dort legte er sie ins Bett und deckte sie warm zu.
Er selbst ging in sein eigenes Zimmer, welches direkt nebenan lag. Eigentlich wäre er lieber bei ihr geblieben, aber er wollte sich nicht aufdrängen.
Shanya musste den Zeitpunkt bestimmen. So viel Zeit musste er ihr geben. Er wusste ja noch nicht, dass sie genug Zeit gehabt hatte.
~ ~ ~ tbc ~ ~ ~
Kapitel 17 zensiert
Kapitel 17 ab 18 Jahren