Disclaimer: Disclaimer: Abgesehen von Filegon und
Lalaithwen gehört mir nichts, alles andere *including Legolas*
gehört nur J.R.R. Tolkien...und wie immer verdiene ich kein Geld
mit dieser Story! *wäre ja auch n Ding...tz*
Alles Gedankengut der Autorin ist unter dem Copyright des "persönlichen
Gedankenguts" als "geschützt" zu akzeptieren.
Kapitel 30: Meleth nîn
Sie hatte auf Wiedersehen zu ihm gesagt am vergangenen Abend, hatte
gesehen, wie Filegons Leib von Feuer und Wind, der Kraft der Elemente,
fortgetragen worden war. Und nun, in der Morgendämmerung, als
noch zarte Nebelschleier die Wälder und Wiesen Lothloriens in
einen mystischen Schimmer tauchten und Tautropfen träge an grünenden
Grashalmen herabrollten, stand sie wieder hier. An der Stelle, an
der Filegon bestattet worden war und nur noch Asche und Staub daran
erinnerte, dass an diesem Platz gefallene Elben auf zeremonielle Weise
verbrannt worden waren. Lalaithwen kniete andächtig nieder, die
Kapuze bedeckte ihren Kopf. Sie hatte Rosen aus den Gärten mit
sich genommen, weiße Rosen, deren Blütenblätter farblich
und von ihrer Sanftheit her sehr den heimischen Mallornblüten
glichen. Lalaithwen ließ die zarte Blume aus ihrer Hand gleiten
und zu Boden sinken. Die Erde war noch feucht von Nebel und Morgentau,
duftete nach Kiefern und Tannengewächsen. Laith fröstelte
leicht im noch kühlen Wind des neugeborenen Tages, aber sie bewegte
sich nicht. Konnte es nicht. Wie gelähmt kniete sie an Filegons
letzter Ruhestätte und starrte auf die Rose, die sie in die weiche
Erde gesteckt hatte.
Ein Abschied bedeutete nicht immer gleich das Ende...sondern manchmal
auch einen neuen Anfang. So hatte es Filegon ihr immer gepredigt.
Ein neuer Anfang. In der Tat. Sie hatte es Legolas immer noch nicht
gesagt, hatte einfach nicht den richtigen Moment gefunden, ihm von
ihrer Schwangerschaft zu erzählen.
„Sag mir, was ich tun soll, Filegon", bat sie leise und
blickte hinauf zum Himmel. Noch leuchteten Sterne am Himmel, verblassten
aber nach und nach im hellen Grau des Morgens. Wolken schwebten über
den Himmel wie Watte. Das Leben ging seinen altbewährten Lauf,
ohne Rücksicht auf den Tod oder neues Leben. Das war nun einmal
der Lauf der Dinge, wir können unser Schicksal nur insofern beeinflussen,
um unseren Träumen ein Stückchen näher zu kommen. Doch
wirklich erreichen werden sie nur die wenigsten. Ein melancholisches
Lächeln malte die sanfte Morgenbrise auf Laiths Lippen, ihr fiel
auf, dass sie vor nicht all zu langer Zeit keine wirklichen Träume
gehabt hatte. Bevor sie Legolas getroffen, beziehungsweise ihn vor
versammelter Mannschaft umgerannt hatte, war einzig und allein das
Stehlen und das Zusammensein mit Filegon der Inhalt ihres Lebens gewesen.
Selten hatte sie in sich selbst hineingehört und einfach dem
leisen Flehen ihres Herzens gelauscht. Und nun, wo sie aufgehört
hatte, alles zu verdrängen, was ihr wehtat oder ihr nur falsche
Hoffnungen bescherte, hatte sie zu viel verloren.
Der Morgentau sammelte sich noch auf den zarten Blüten der Rose,
vereinigte die winzigen Tröpfchen zu einer kleinen Tränke,
bis das zierliche Gewächs dem Gewicht des Wassers nicht mehr
standhalten konnte und die Tropfen wie Regen zu Boden tanzten, schnell
in der weichen Erde einsickerten.
Lalaithwen betrachtete diesen simplen Vorgang mit innerer Ausgeglichenheit.
Jetzt wusste sie, was sie zu tun hatte. Traurig lächelnd erhob
sie sich und schaute noch eindringlich auf die Ruhestätte ihres
Bruders. „Danke", murmelte sie kaum hörbar. Dann wand
sie sich geschwind um und zog sich in ihr Gemach zurück.
~*~*~
„Sag mir, was ich anziehen soll, welches Gewand gefällt
dir besser, Liebling?", Celendra präsentierte Legolas zwei
äußerst prunkvolle Kleider aus feinster Seide, eines hatte
eine lange Schleppe, die wie ein Schleier sacht den Boden bedeckte.
Perlen waren an den Saum des anderen, goldenen Kleides genäht
worden, Garn aus purem Silber war verwendet worden, um mit kunstvollen,
elbischen Mustern das Gewand zu verzieren. Erwartungsvoll hielt Celendra
das goldene Kleid in ihrer linken, das fliederfarbene in ihrer rechten
Hand. Legolas musterte sie unentschlossen. Am gestrigen Abend war
sein bester Freund bestattet worden und kaum einen Tag später
hatte seine Verlobte keine anderen Sorgen, als ein Ballkleid auszuwählen
für das Sommerfest am nächsten Abend.
„Nun sag schon, welches gefällt dir mehr?", Celendra
machte ein ungeduldiges Gesicht, fast so, wie ein Kind. „Ich...ich
kann mich nicht entscheiden, wähle du...", sprach er leise
und drehte sich zum Fenster, beobachtete mit abwesendem Blick das
fröhliche Regen der Elben für die Festvorbereitungen. Morgen
würden sie wieder feiern und tanzen, lachen und trinken und die
Toten, von denen sie so schmerzlich Abschied genommen hatten, würden
vergessen sein. Der Elb spürte plötzlich, wie sich zwei
Arme sacht um seine Hüften legten und sich Celendra an ihn schmiegte.
„Verzeih, Liebster...es war unachtsam von mir, dich mit solch
einer Lappalie zu belästigen, wo du noch immer voller Schmerz
an Ranwé zurückdenkst...", entschuldigte sie sich
leise und Legolas erkannte am vorsichtigen Ton ihrer Stimme, dass
sie es ernst meinte. Er erwiderte nichts, konnte nicht in Worte fassen,
was in ihm vorging. Zwar vermisste er Ranwé, das lag auf der
Hand, aber viel mehr machte ihm Lalaithwen das Herz schwer. Wie sie
am Abend in seinen Armen gelegen hatte...so regungslos, voller Trauer.
Es tat Legolas weh, sie so zu sehen, aber noch mehr schmerzte ihm
das Wissen, dass er niemals Filegons Platz einnehmen würde. Diese
Nähe zu ihr hatte ihn jedoch ebenso in seinem Vorhaben gefestigt,
am morgigen Tage würde er mit seinem Vater reden, nichts und
niemand würde ihn daran hindern.
Seufzend drehte er sich zu Celendra und lächelte: „Schon
gut, zeig mir noch einmal deine Kleider..."
~*~*~
Die Vorbereitungen für das Fest waren in vollem Gange und bis
in den späten Abend hinein wurde die große Halle, die riesigen
Mallornbäume, Treppen und Säle ausgeputzt und geschmückt.
Caras Galadhon glänzte in der warmen Abendsonne heller als die
Venus am Nachthimmel, Haldir und Iorelass leiteten die Dekoration
und beaufsichtigten das tüchtige Arbeiten der Elben. Alle freuten
sich auf das Fest, das den Kummer und die Tränen der Vergangenheit
vergessen lassen sollte. Viele der Galadhrim sangen, während
sie die marmornen Säulen mit feinsten Seidentüchern schmückten,
Blüten auf dem Boden verteilten, der morgen als Tanzfläche
dienen sollte.
Leise zirpten die ersten Grillen im Hintergrund, begleiteten die
Elben mit ihren Lauten zu deren zarten, glückverheißenden
Melodie. Friedlich rauschte der warme Wind durch die Äste und
das hell schimmernde Grün an ihnen ließ verheißen,
dass der Sommer nun bald den Frühling ablösen würde.
Haldir musste daran denken, dass Legolas Celendra das Versprechen
gegeben hatte, sie noch in diesem Frühling zu ehelichen. „Wir
sollten keine traurigen Lieder anstimmen", hörte er Iorelass
im Unterbewusstsein sagen und der Hauptmann sah zu dem anderen Elben,
bat um Entschuldigung und ließ sich erneut von Iorelass erklären.
„Keine traurigen Lieder...die Bestattung liegt vielen noch schwer
auf dem Herzen, aber dieses Fest soll die Freude am Leben ausdrücken,
nicht schmerzende Erinnerungen hervorbringen"
Haldir nickte. Er betrachtete zwei der lorischen Elben, die gemeinsam
mit einem Waldelben Düsterwalds Vorhänge zurechtrückten
und dabei amüsiert auflachten. Er lächelte wehmütig.
So viel Pein war im Herzen eines Elben vergraben, dass sie so tief
und unergründlich wie nur der Ozean selbst war. Und trotzdem
lachten sie, gaben ihren Kummer nicht preis. Manchmal kam es Haldir
so vor, als trug sein Volk eine Maske, um stark und mächtig zu
erscheinen. Doch im Inneren war ihre aller Seele verletzlich und voller
Trauer.
„Für den König gedachte ich einen bequemen Sessel
herzurichten, da ich gehört habe, Thranduil sei nicht all zu
tanzfreudig.", fuhr Iorelass unbeirrt in seinem Organisationseifer
fort. „Gut so, Iorelass, nicht zu hektisch, wir haben noch genügend
Zeit bis morgen Abend", versicherte Haldir und machte einige
bedächtige Schritte über den blütenbedeckten Boden.
Dann ließ er sich auf einer der prächtigen Bänke nieder
und schmunzelte über Iorelass‘ unsagbare Unruhe. Dirigierend
stellte er sich zwischen die Elben und brachte Verbesserungsvorschläge
an. „Haldir?", der Elb sah sich um. Er hatte gar nicht
gehört, wie Lalaithwen plötzlich zu ihm getreten war.
„Setz dich doch", wisperte er. Sie sah sehr schön
aus im sanften Dämmerlicht, das schmeichelnd ihr Gesicht umspielte.
Das Medaillon blitzte kurzzeitig auf, als sie seiner Aufforderung
Folge leistete. „Wie geht es dir?", fragte er vorsichtig,
wohl wissend, wie sehr sie die Beerdigung Filegons mitgenommen hatte.
Laith widmete ihm ein freundliches Lächeln, bevor sie sagte:
„Gut...es geht mir gut." Dann schwiegen beide eine ganze
Zeit lang, verfolgten das regsame Tun der Elben, lauschten dem melancholischen
Gesang der Nachtigall. „Ich möchte dir danken", durchbrach
die Elbe nach einiger Zeit das Schweigen und sah Haldir direkt an.
Früher hatte noch diese kühne Dreistigkeit in ihren Augen
gelegen, doch nun umgaben ihre Worte und ihr fester Blick eine Art
Reife. Lalaithwen war innerlich gewachsen während all dieser
Ereignisse, dessen war sich Haldir sicher. Aber ob ihre schmalen Schultern
diese schwere Last des Verlustes und des Alleinseins je tragen konnten,
wagte er zu bezweifeln. „Wofür?", gab er schließlich
zurück. „Für alles...und dafür, dass es dich
gibt", ergänzte sie ohne eine Miene zu verziehen, „Dafür,
dass du für Legolas da bist, wie es ein treuer Freund nur tun
kann"
Dann lächelte sie knapp, senkte den Blick. Ohne eine Antwort
des Elben abzuwarten, erhob sie sich wieder und schritt so leise aus
dem Saal, wie sie gekommen war. Haldir sah ihr nur mit einem nachdenklichen
Blick nach. Er wusste nicht, warum, aber sein Herz fühlte, dass
Lalaithwens Worte einer Verabschiedung gleichkamen.
~*~*~
„Ich möchte, dass du es trägst"
„Nein, Pernoth, das geht nun wirklich nicht...", widersprach
Lalaithwen, als sie sich vor dem großen Spiegel in ihrem Gemach
drehte. „Doch, es steht dir ausgezeichnet. Bitte, trage es für
mich", drängte Pernoth weiter, bestaunte Lalaithwen in dem
cremefarbenen Gewand seiner verstorbenen Frau, „Du siehst wunderschön
aus", fügte er sanft lächelnd hinzu. Sie starrte wortlos
in den Spiegel, seufzte laut und wollte schon mit dem Kopf schütteln,
als Pernoth leise sprach: „Es ist der Prinz, nicht wahr?"
Sie erwiderte nichts, blickte ihn nur in ihrem Spiegelbild an. „Natürlich
ist er es", lächelte Pernoth warm, umfasste dann vorsichtig
ihr Haar und hob es an. „Wir sollten es hochstecken..."
„Was?", Lalaithwen war völlig verwirrt. War es denn
so offensichtlich, dass Legolas und sie... . Dabei hatten sie sich
heute den ganzen Tag nicht gesehen. „Dein Haar...wir sollten
es hochstecken, damit es beim Tanzen nicht störend in dein hübsches
Gesicht fällt."
Laith nickte nervös, ihre Finger zupften an den kurzen Ärmeln
des eleganten Kleides. „Wie hast du...", stammelte sie
dann verlegen, nachdem Pernoth ihr blondes Haar wieder losgelassen
hatte. „Kindchen, ich mag alt sein, aber nicht dumm.",
antwortete Pernoth und fasste sie sacht an der Hand. „Selbst
ein Mensch kann fühlen, wie es in der Luft knistert, wenn ihr
euch gegenübersteht." Sie sah ihn mit weitgeöffneten
Augen und sprachlos an. „Hast du es ihm denn schon gesagt? Dass
er Vater wird, meine ich?" Laith schüttelte den Kopf. „Du
solltest es ihm sagen, bevor..."
„Pernoth, ich weiß deinen Rat zu schätzen, aber ich
bin mit fast 2500 Jahren wohl alt genug, selbst Entscheidungen zu
treffen", ihre Worte klangen grober, als sie es eigentlich gewollt
hatte. Pernoth nickte, strich ihr fürsorglich über den Arm.
„Du liebst ihn, Lalaithwen...", wisperte er ernst. „Mehr
als alles andere auf der Welt", ihre Stimme war nicht mehr als
ein flehendes Flüstern. „Und trotzdem...", wollte
der alte Mann auf sie einreden, doch ehe er weitersprechen konnte,
nickte sie heftig, verbarg ihr Gesicht hinter ihren Händen. „Du
bist so stark", murmelte er tröstend.
„Bitte...lass mich allein", schluchzte sie nur noch und
ihr Weinen zerriss Pernoth das Herz. Doch er presste ihr noch einen
tröstenden Kuss auf das Haar, bevor er sie in dieser Nacht allein
ließ. Kaum hatte Pernoth die Tür hinter sich verschlossen,
sank Lalaithwen auf die Knie, schob den Spiegel zur Seite. Sie konnte
sich nicht mehr sehen, ihren Anblick nicht ertragen in diesem wunderschönen
Kleid, dass sie fast wie eine reinblütige Elbe aussehen ließ.
Aber eben nur fast.
Sie zog die Knie fester an ihren Körper, verbarg ihr Gesicht
hinter ihnen und weinte bittere Tränen... .
~*~*~
Der Morgen des nächsten Tages ließ schönes Wetter
verheißen, ein sanfter Nord-West Wind wehte und diente als durchaus
angenehme Kühlung in der anfänglichen Hitze der Morgensonne.
„Wahrlich ein guter Tag, den Sommer zu begrüßen",
sagte Thranduil zu seinem Sohn, als dieser zu ihm in das königliche
Gemach getreten war und mit ihm gemeinsam auf dem offenen Balkon stand.
„Ein Tag für Veränderungen...", bemerkte Legolas
beiläufig, doch Thranduil nahm diesen Kommentar nicht wahr, viel
zu mitgerissen war er von der Natur, wie sie sich in all ihrem Glanz
und Schein präsentierte. Vögel jagten über den Wolken
hintereinander her, verkündeten, dass dieser Tag ein ganz besonderer
sein würde. „Vater, ich muss mit dir sprechen", unterbrach
Legolas die Freude seines Vaters. „Jungchen, was hast du? Du
machst ein Gesicht, als wäre der Himmel voller Regenwolken. Ist
etwas passiert?", Thranduil schien nicht wirklich auf Legolas
selbst zu achten, stellte seine Frage eher nebenbei.
„Ich musste dir doch etwas sagen...weißt du noch...Schnee
im April?", begann er mit fester Stimme und man konnte ihm die
Nervosität, die sein Herz wie ein eiskalter Schauer umarmte,
somit gar nicht ansehen. Thranduil legte die Hand auf die Schulter
seines Sohnes, nickte dann verständnisvoll. „Ich weiß,
du machst gerade eine sehr schwierige Zeit durch...obgleich ich Ranwé
nie wirklich mochte, weiß ich, wie viel er dir bedeutete..."
Legolas seufzte leise. Warum mussten ihn nur alle falsch verstehen?
„Vater, es ist nicht wegen...", wollte Legolas den Verdacht
Thranduils untergraben, doch wurde sanft unterbrochen. „Legolas...ich
sehe schon längst, dass etwas auf deinem Herzen lastet, was du
mir mitteilen möchtest...", er warf ihm einen fragenden
Blick zu, wollte Legolas somit zum Reden bringen, doch dieser wartete
einen Moment, holte tief Luft und gerade als er seinem Vater alles
gestehen wollte, klopfte es an der schweren Tür seines Gemachs.
Der junge Elb atmete deutlich hörbar aus, schloss einen Augenblick
die Lider. Das durfte doch nicht wahr sein! Warum nur funkte immer
irgendetwas dazwischen, wenn er mit der Wahrheit herausrücken
wollte? Legolas spürte, wie Thranduil die Hand von seiner Schulter
löste und sagte: „Verzeih, später habe ich Zeit für
dich" Er bedachte seinen Sohn mit einem Lächeln und kurz
bevor Thranduil zur Tür trat, wand er sich um und sagte: „Ich
bin stolz auf dich, mein Junge" Legolas schluckte. Diese Bemerkung
hatte jetzt wirklich nicht sein müssen, denn der Kloß in
Legolas‘ Hals vergrößerte sich mit jeder Sekunde,
in der er seinen Vater so voller Stolz und Zuneigung ihm gegenüber
erlebte. Aber es nützte alles nichts, Vaterliebe hin oder her,
er wollte sein Leben mit Lalaithwen und nicht mit Celendra verbringen
und das musste er ihm abends beichten. „Tut mir leid, Vater",
murmelte der Elb, als er allein auf dem Balkon stand und nachdenklich
in die Ferne schaute.
Am späten Nachmittag würde das Fest beginnen und Elben
aus ganz Lothlorien würden sich in der Hauptstadt versammeln
und den Sommer mit elbischem Gesang und Tänzen willkommen heißen.
Seine Frist war abgelaufen. Celendra und sein Vater erwarteten sicherlich
nur noch darauf, dass Legolas das genaue Datum für die Hochzeit
festlegte. Doch stattdessen würde er die ganze Geschichte abblasen.
Ein schiefes Grinsen lag auf seinem schönen Gesicht, als er sich
gedanklich die Gesichter ausmalte, die beide ziehen würden.
Obgleich diese Vorstellung äußerst makaber war, ließ
sich Legolas nicht beunruhigen. Er hörte auf sein Herz und das
sagte nun einmal klar und deutlich Lalaithwen. Irgendwann würde
ihn sein Vater verstehen.
~*~*~
Sie sah lange in den Spiegel, prüfte genau, ob alles passte,
rückte ihr Medaillon zurecht und strich dann behutsam über
das hochgesteckte, blonde Haar. Das cremefarbene, edle Kleid reichte
bis zu den Füßen, eine kürzere Schleppe war angenäht
worden. Lalaithwen starrte sich kritisch an. Solche Kleider waren
einfach nichts für sie...aber die Elbe würde es nicht all
zu lang tragen müssen. Pernoth hatte ihr eine der zarten Mallornblüten
ins Haar gesteckt und gesagt, sie sähe aus wie die Mondgöttin
selbst. Laith hatte zwar nicht wirklich verstanden, was er damit sagen
wollte, aber sie war es müde, nachzufragen. In Gedanken versunken
verübten ihre Finger ihr übliches Ritual, umkreisten sacht
das silbern glänzende Schmuckstück, das um ihren Hals lag,
die leichten Einkerbungen ertastete sie genau mit ihren empfindlichen
Fingerspitzen. „Oh, Filegon...so hilf mir doch, das durchzustehen...",
flüsterte sie und lehnte seitlich gegen die Zimmerwand. Aber
sie wusste, dass sie da ganz alleine durch musste, egal wie schwer
es werden würde.
Ein sachtes Klopfen an ihre Zimmertür ließ sie aus ihren
Gedanken hochschrecken. Es war Pernoth, der gekommen war, um sie zu
dem Ball zu geleiten. „Bist du so weit?", fragte er vorsichtig
und Lalaithwen nickte, folgte ihm nach draußen.
Zwar war der Abend noch nicht gänzlich nah, aber trotzdem hatte
das Fest bereits begonnen, die Elben Lothloriens spielten ihre schönste
Musik, besangen in ihren traditionellen Liedern die Natur und sämtliche
gesegneten Geschöpfe darin. Viele vom schönen Volk bewegten
sich geschmeidig über die geschmückte Tanzfläche, ihre
Bewegungen zur Musik erschienen traumgleich, sie schienen Eins zu
sein mit dem Wind, der durch ihr langes, feines Haar strich und sich
mit ihnen zur Melodie drehte. Nie hatte Legolas einen friedlicheren
Platz in ganz Mittelerde gesehen. Er trug ein dunkelblaues, mit silbernen
Mustern besticktes Gewand, dazu eine passende, Hose und einen dunklen
Mantel, auf dem das königliche Zeichen Düsterwalds aufgenäht
worden war. Wäre Thranduil an diesem Abend nicht anwesend gewesen,
hätte man Legolas für den König des nördlichen,
ehemaligen Grünwald gehalten, so stattlich sah er aus. Celendra
hatte sich seiner Garderobe angepasst, indem sie sich für das
fliederfarbene Gewand entschieden hatte. Sie trug einen silbern schimmernden
Haarreif und hatte ihre schwarzen, seidengleichen Haare kunstvoll
hochgesteckt, die kostbarsten Broschen schmückten ihr Kleid.
Sie sah aus wie die Königin Düsterwalds, wunderschön
und edelmütig zugleich. Celendra plauderte mit einigen ihrer
Freunde, wohingegen Legolas absichtlich etwas abseits stand und den
zierlichen Tanz seines Volkes beobachtete.
Er wartete auf Lalaithwen, die er schon viel zu lange nicht mehr erblickt
hatte und nach der sein Herz sich sehnte. Noch keine Stunde war vergangen,
doch die Ungeduld in ihm verzehrte ihn nach und nach. Er wollte, dass
sie bei ihm war, wenn er seinem Vater alles gestand. Sie würde
doch kommen? Diese Frage wiegte Legolas in einer unerträglichen
Unsicherheit, keine Minute, keine Sekunde würde er es länger
ohne sie ertragen können. Seine Augen wanderten über Celendras
anmutige Gestalt. Keine Frage, sie war eine der schönsten Elbenfrauen,
die er je zu Gesicht bekommen hatte, ihr Herz war rein und er musste
sich eingestehen, dass er etwas für sie empfand. Keine Liebe
oder dergleichen, viel mehr geschwisterliche Verbundenheit. Doch niemals
konnte er sie deswegen ehelichen. Er liebte sie nicht, obwohl er sich
das die ganzen Jahre über eingeredet hatte.
Es tat ihm leid, Celendra so wehtun zu müssen, aber andererseits
wäre es ungerecht ihr gegenüber gewesen, ihr nur etwas vorzuheucheln,
das sich Liebe nannte. Sie hatte das nicht verdient. In Gedanken versunken
bemerkte Legolas fast nicht, wie sich Haldir zu ihm gesellte, er trug
einen Becher Met für seinen Freund in der linken Hand. „Das
Fest scheint dir nicht unbedingt Spaß zu machen, mellon nîn",
sagte er und überreichte dem Prinzen den Becher. „Doch...wie
könnten mir Lothloriens Bälle missfallen", gab er ehrlich
zurück. „Wo ist Lalaithwen?", fragte Haldir und er
sah, wie Legolas‘ Blick traurig zu werden schien. „Ich
weiß es nicht...aber ich hoffe bei Eru, dass sie noch erscheinen
wird", sagte er in gedämpften Ton und senkte sein Haupt.
Haldir nickte, wagte nicht, irgendetwas über Lalaithwens gestriges,
etwas seltsames Verhalten ihm gegenüber zu erwähnen. Vielleicht
hatte er ihre Worte auch falsch interpretiert und er wollte seinen
Freund nicht in unbegründete Sorge versetzen.
„Genieße das Fest, Legolas, ich bin sicher, sie wird noch
kommen", versicherte der Elb, „Es ist kaum eine Stunde
verstrichen, Geduld war noch nie deine Stärke", lächelte
er dann aufmunternd und klopfte Legolas auf die Schulter. Dieser erwiderte
das Lächeln, doch Haldir spürte die innere Unruhe und die
Bedrücktheit seines Freundes, hoffte inständig, dass Lalaithwen
kommen mochte. Er hatte sich für sie entschieden und Haldir würde
nicht mit ansehen können, wie das Herz des Prinzen brach. Celendra
unterhielt sich immer noch rege mit anderen Elben, als Thranduil den
Saal betrat und alles plötzlich in ehrfürchtiges Schweigen
verstummte, bis sich der König gesetzt und das Zeichen zum Weiterspielen
der Musik gegeben hatte. „Was glaubst du, wie er reagieren wird?",
murmelte Haldir. Er wusste, dass seine Worte des Bedenkens Legolas‘
Ohr nicht mehr erreichen würden und im Grunde hatte er auch nicht
mehr vor, dergleichen etwas zu äußern.
„Er wird mir nur den Kopf abreißen,...wenn ich Glück
habe", erwiderte Legolas und ein Grinsen lag auf seinen Lippen.
„Es erfreut dich wohl, deinem alten Herrn noch den ein oder
anderen Schrecken zu einzujagen, was?", grinste Haldir mit ihm
und fast gleichzeitig lachten die Freunde auf. Seltsam, in einer eigentlich
so ernsten Lage noch so viel Humor zu beweisen.
Etwa zur gleichen Zeit betrat Lalaithwen in Pernoths Begleitung den
ausgeschmückten Festsaal, wo viele Elben bereits ausgelassen
tanzten und feierten. Das Leuchten von aberhunderten Kerzen hüllte
die Halle in einen anmutigen Schimmer, vereinigte sich mit dem scheuen
Glanz der frühen Abendsonne. Schatten tanzten mit den Elben über
den blütenbedeckten, marmornen Boden und Lalaithwens Herz war
bei diesem Anblick gleichzeitig erfüllt mit Freude und einer
unerklärlichen Melancholie.
„Wenn ich nicht zu alt und zu schwach wäre, würde
ich dich zum Tanz auffordern, meine Schönheit", sagte Pernoth
und Laith lächelte, betrachtete mit leicht besorgter Miene den
fest eingebundenen Arm ihres Freundes. Es erfüllte sie immer
wieder mit Staunen, wie schnell Pernoth Schmerzen und Verletzungen
wegsteckte und die Kraft fand, weiterzuleben. Selten war ihr je ein
robusterer Mensch unter die Augen gekommen. „Lalaithwen, wie
schön, Euch hier anzutreffen", rief plötzlich Celendra
und drängte sich an den Elben vorbei, um zu Lalaithwen vorzudringen.
Pernoth bedachte Laith mit einem fragenden Seitenblick, doch diese
machte nur einen höflichen Knicks zur Begrüßung der
Verlobten des Prinzen. „Oh, so lasst doch diese Höflichkeitsfloskeln,
meine Liebe, kommt, ich möchte Euch einigen meiner Freunde vorstellen...Ihr
seht wirklich entzückend aus", plauderte Celendra auf die
nur noch hilflos dreinblickende Elbe ein, die von ihr einfach mitgezogen
wurde.
Laith warf Pernoth nur einen entschuldigenden Blick zu, doch dieser
deutete ihr nur, sich zu amüsieren. „Dieses Kompliment
kann ich nur noch an Euch weiterreichen", erwiderte sie schüchtern,
als Celendra langsamer wurde und sie schließlich zu ihren Freunden
führte. „Nicht so bescheiden", lächelte sie vergnügt,
als sie sah, wie verlegen Lalaithwen zu Boden blickte, als sie schließlich
mit Celendra vor Legolas und ihren Freunden zum Stehen kam. „Ich
möchte Euch Lalaithwen vorstellen. Das ist Iasphiren, Celethwen
und ihr Gatte Yulwé...", plapperte Celendra los, sodass
Lalaithwen fast gar nicht folgen konnte. „Und meinen zukünftigen
Gatten kennst du ja bereits", lächelte sie abschließend
und gab Legolas einen Kuss auf die Wange, doch dieser schaute nur
Lalaithwen an, gefangen von ihrer Schönheit. Celendra wand sich
geschwind an ihre Freunde, sodass Legolas die Gelegenheit fand, mit
Laith zu sprechen.
„Du siehst wirklich bezaubernd aus, Melamin", wisperte
er sanft und die Wärme in seinen Augen brachte Lalaithwens Herz
zum Schmelzen, „wie ich es nicht anders erwartet hatte",
ergänzte er zärtlich und küsste ihre Hand. „Wie
geht es dir?", fragte sie leise und er strich ungesehen mit seinen
Fingern liebevoll über ihre Wange, sodass sie leicht erschauerte.
Wie sehr hatte sie sich nach seiner Nähe gesehnt! „Gut,
da du nun endlich bei mir bist", lächelte er und beide waren
der Versuchung ganz nah, sich einfach zu küssen, ungeachtete
dessen, dass hunderte von Zeugen sie sehen würden. Celendra war
zu versunken in ihrem Gespräch, als dass sie wirklich mitbekommen
hätte, dass sich ihr Verlobter und Lalaithwen überhaupt
unterhielten. Dann wurde ein langsames Lied von den Elben angestimmt
und Celendra hakte sich bei Haldir ein und zog auch Legolas und Lalaithwen
mit sich. „Lasst uns tanzen, Freunde", forderte sie fröhlich,
„Wenn du erlaubst, Liebster, schenke ich Haldir meinen ersten
Tanz für diesen Abend"
„Nur zu", nickte Legolas, „Dafür gilt mein erster
Tanz Lalaithwen", sagte er weiter und fasste die kleine Elbe
rasch bei der Hand und zog sie auf die Tanzfläche, ihre protestierenden,
leichten Schläge gegen seinen Arm ignorierend. „Legolas,
nein!", wisperte sie und errötete leicht. „Ich kann
doch nicht tanzen...", fügte sie mit zitternder Stimme hinzu,
doch davon ließ sich Legolas nicht beirren. „Mir doch
egal", sagte er gespielt grob und zog sie einfach mit sich, Lalaithwen
versuchte angestrengt, seinen schnellen Schritten Folge zu leisten
und mit seiner Hilfe lernte sie schnell, sich zu der Musik zu bewegen.
Der Elb hatte sie weit abseits von Celendra und Haldir geführt.
„Nicht mehr lang und wir müssen uns nicht mehr verstecken",
säuselte er in einem ruhigen Moment in ihr Ohr. Ein Leuchten
lag in ihren Augen und sie schmiegte sich etwas näher an ihn.
„Legolas...ich...", begann sie vorsichtig, doch er legte
nur den Finger auf ihre weichen Lippen. „Shhh, Meleth nîn,
hab keine Bedenken…" Seine Selbstsicherheit erstaunte sie
sichtlich und sie genoss einfach dieses innige Vertrauen und die Zuneigung
zueinander in diesen intensiven Sekunden des Tanzes. Jedes Geräusch
verschwand um sie herum, nur die leichte Melodie erreichte ihr Ohr.
Sie sah nichts außer Legolas, dessen Augen die ihren in keinem
Moment verließen, sah nur sein schönes Gesicht, die perfekten
Züge, das warme Lächeln und seine sinnlichen Lippen. Und
für diesen Augenblick fühlte sich Lalaithwen zu Hause. Zu
Hause in seinen Armen. Tränen sammelten sich in ihren Augen und
er hielt inne, als auch die Musik verstummte. „Was ist? Was
hast du?", fragte er sanft, doch sie sah nur zu Boden, zwang
sich, die Fassung zu bewahren. „Nichts...", murmelte sie,
„Ich liebe dich"
Etwas klang in ihrer hellen Stimme mit, das Legolas verunsicherte.
Doch ehe er irgendetwas erwidern konnte, hatte sie sich von ihm losgemacht
und Celendra war zu ihnen getreten. „Wenn Ihr mir die Unterbrechung
erlaubt, würde ich nun gern meinen Gatten zu Tanze geleiten",
sagte sie fröhlich. „Natürlich, es war mir eine Ehre,
mit ihm tanzen zu dürfen", sprach Lalaithwen höflich
und sah nur, wie Legolas sie besorgt ansah, er dann aber von Celendra
zurück auf die Tanzfläche geführt wurde, als ein neues
Lied angestimmt wurde.
Lalaithwen presste die Lippen zusammen, als sie am Rande der Halle
stand und das Paar inmitten des Saales tanzen sah. Ihre Entscheidung
war richtig, obwohl sie schmerzte, das wusste Laith einfach. Nur mit
Mühe konnte sie ihre Tränen zurückhalten, zu sehr verletzte
sie der Anblick von Celendra und Legolas. Sie schluckte, atmete tief
durch. Die Elbe und der Prinz schwebten förmlich über den
Boden, Lalaithwen hörte nichts und fühlte nichts außer
der Pein in ihrem Herzen. Sie sahen wo perfekt zusammen aus. So vollkommen
in ihrer Schönheit und Eleganz. Wie Schmetterlinge graziös
in der Luft tanzten, so virtuos waren auch diese beiden Elben. „Sind
sie nicht ein schönes Paar?", sprach Celethwen, eine von
Celendras Freundinnen schwärmerisch zu ihr und Lalaithwen nickte
nur wie in Trance. „Ja...das sind sie", antwortete sie,
„Entschuldigt mich bitte", dann wand sie ihr Gesicht von
der Tanzfläche ab und ging langsam zwischen den Säulen entlang,
lehnte mit dem Rücken gegen eine der marmornen Kunstwerke. Ihre
Hand lag auf ihrem Bauch. Einen Teil von Legolas würde sie immer
bei sich tragen.
„Lalaithwen...bist du so weit?", hörte sie plötzlich
Pernoth sprechen, der neben ihr stand. Die Sonne hatte für diesen
Tag auf Wiedersehen gesagt und der Mond leuchtete bereits am Himmel.
Laith nickte, ließ zu, dass Pernoth tröstend den Arm um
sie legte und langsam mit ihr zum Ausgang schritt. Haldir hatte sie
beide gesehen und wollte noch eilig zu ihnen gelangen, wurde aber
von der Menge der Elben aufgehalten. „Lalaithwen?", rief
er, doch sie wand sich nicht zu ihm um, ging mit dem alten Mann nach
draußen. Haldir ballte die Hände zu Fäusten. Er konnte
das nicht zulassen.
~*~*~
Der Tanz war beendet und Legolas murmelte ernst: „Celendra,
ich muss dir etwas sagen...dir und meinem Vater...und bitte lass mich
diesmal sprechen", forderte er und sie sah ihn etwas überrascht
an. „Natürlich, Liebster, aber was hast du denn?"
Legolas führte sie an seiner Hand mit sich, bewegte sich auf
seinen Vater zu, der auf seinem königlichen Sessel saß
und ein Gespräch mit Ioreweth führte. „Vater...verzeih
bitte die Unterbrechung, aber es ist mir wichtig, dass wir miteinander
sprechen", drängte der Prinz. „Legolas, siehst du
nicht, dass ich gerade ein Gespräch führe? Was bei Eru ist
so wichtig?"
Celendra und Thranduil tauschten verwirrte Blicke, doch Legolas behielt
seine ernste Miene bei. „Schon lange wollte ich es euch sagen,
doch nie habt ihr mich angehört." Celendra sah ihn mit großen
Augen an. „Aber was ist denn, Liebster?"
„Würdest du mich ausreden lassen, wüsstest du es
unlängst", platzte es aus ihm laut heraus, sodass Celendra
erschrocken zurückfuhr. „Es geht um die Hochzeit",
sagte er dann leiser und sein Herz raste in der Brust, doch nun gab
es kein Zurück mehr. Endlich würde er seinen Gefühlen
freien Lauf lassen, ungeachtet der Reaktion seines Vaters. „Das
dachte ich mir schon", begann Thranduil und Legolas hielt inne.
„Es wird Zeit, dass sie gefeiert wird, denn der Frühling
liegt in seinen letzten Zügen", lächelte er dann, doch
Legolas schloss die Augen, atmete tief durch. „Vater...",
gerade wollte er alles sagen, alles gestehen, diese Last von seinen
Schultern werfen, als Haldir ihn ruckartig an der Schulter zurückzog
und sprach: „Legolas, schnell, es ist dringend!"
„Nicht jetzt, Haldir, ich werde es ihnen sagen...", sagte
der Prinz erzürnt und Celendra und Thranduil verstanden die Welt
nicht mehr. „Komm mit mir, oder alles ist zu spät!",
warnte Haldir und Legolas blickte ihn verwundert an, wand sich kurz
an Thranduil und sagte: „Wartet, ich bin gleich zurück..."
Dann führte ihn Haldir eiligen Schrittes mit sich.
„Was ist nur los? Bist du verrückt? Du kannst nicht verhindern,
dass ich es ihnen sage, verstehst du das nicht?", sprach Legolas
wütend, als sie den Garten vor der Halle erreicht hatten und
endlich allein waren. „Darum geht es mir nicht, ich weiß,
dass du zu stur bist, um in Herzensangelegenheiten auf deine Freunde
zu hören, aber es geht mir nicht um deine Hochzeit, es geht um
Lalaithwen!"
Legolas sah ihn mit einem gefährlichen Blitzen in den Augen
an, die Zähne biss er zusammen. „Sie will gehen",
sagte Haldir mit sanfterer Stimme. „Was? Du lügst!",
zischte Legolas und wollte sich von ihm losreißen, als Haldir
ihn fester packte und sagte: „Ich lüge nicht, Legolas...niemals!
Ich sah sie mit Pernoth aus der Halle verschwinden"
„Vielleicht war sei müde und wollte zu Bett", warf
Legolas verärgert ein, doch Haldir schloss die Augen und sagte:
„Ich sah Tränen in ihren Augen...sag mir nicht, dass sie
weint, weil sie müde ist" Legolas Augen weiteten sich, er
wollte sich an Haldir vorbeidrängen, doch dieser hielt ihn zurück.
„Wo ist sie, ich muss zu ihr, sie wird nicht gehen...niemals!",
Legolas schrie fast, so aufgewühlt war er. „Ich fürchte,
sie und Pernoth werden weiterziehen. Er ist Kaufmann, musst du wissen
und hat auch gute Handelsbeziehungen hier in Lorien. Es wird ein Leichtes
für ihn gewesen sein, einen neuen Karren zu besorgen"
„Haldir, wo ist sie?", bat Legolas mit echter Angst in
seiner Stimme. „Wenn sie mit Pernoth geht, wie ich es vermute,
wird sie auf der Terrasse sein...dort werden sämtliche Karren
beladen"
„Hab Dank", wisperte Legolas leise, umarmte Haldir kurz,
aber heftig und eilte dann so schnell er konnte hinab in Richtung
Terrasse, das Mondlicht umspielte die Silhouette des Elben, als dieser
in der Dunkelheit verschwand. „Viel Glück, mellon nîn",
murmelte Haldir besorgt und wartete unter dem Sternenhimmel.
~*~*~
Lalaithwen hatte ihren nachtschwarzen Mantel übergezogen und
strich über die Blesse des Pferdes. Pernoth belud den Karren
mit den nötigsten Dingen, er hatte darauf bestanden, dass Lalaithwen
ihm nicht zur Hand ging, da sie ja schwanger war und so nicht schwer
heben durfte. Lalaithwens Kopf lehnte sacht gegen den des Pferdes,
ihre Finger streichelten behutsam über den Hals des Tieres, sie
zitterte. Pernoth war fertig mit dem Beladen und trat zu der kleinen
Elbe. „Lalaithwen...ich möchte nicht, dass du unglücklich
wirst...du musst nicht mit mir gehen, wenn du es nicht willst...hast
du dir das gründlich überlegt? Du liebst ihn doch und er
dich ebenso. Ihr seid eine Familie." Lalaithwen sah ihn wehmütig
an und Pernoth schmerzte es, die tiefe Trauer in den Augen des Elbenmädchens
zu sehen. „Er hat eine Familie, zu der er gehört...aber
ich nicht. Ich will ihm seine Familie nicht nehmen." Pernoth
strich ihr sanft über den blonden Schopf, ihre langen Haare lagen
nun wieder offen über ihrem Rücken, vereinzelte Strähnen
lagen in ihrem vom Mondschein erhellten Gesicht. „Ich möchte
nicht, dass du eine Fehler machst", sagte er sanft.
„Fehler habe ich schon gemacht...zu viele...", ihre Stimme
wurde immer leiser und sie senkte den Kopf. „Ich kann nicht
mehr tun, als dir ins Gewissen zu reden, meine Kleine. Wenn du also
deine Entscheidung getroffen hast, so sitz auf. Oder bleib hier. Die
Zeit drängt, ich muss aufbrechen" Lalaithwen nickte und
zwang sich dazu, auf dem Karren Platz zu nehmen. Pernoth hatte sich
gerade neben sie gesetzt und die Zügel in die Hand genommen,
als plötzlich Legolas‘ Stimme erschallte: „Lalaithwen!"
Sie drehte sich um und sah den Elben auf der Terrasse stehen, sein
Mantel wehte im lauen Nachtwind. Sie schaute zu Pernoth, der nur nickte
und ihr deutete, zu ihm zu gehen.
Ohne länger zu zögern sprang sie vom Karren und lief zu
Legolas, der auf sie zukam und sie fest in seine Arme schloss. „Sag
mir, was du da tust und warum!", forderte er mit heiserer Stimme.
Ihr Kopf lehnte an seiner starken Schulter, noch einmal spürte
sie seinen warmen, sanften Körper. „Ich gehe, Legolas..."
„Nein!", sie erschrak fast bei der plötzlichen Lautstärke
seiner Stimme und spürte, wie seine Hände sie fester umfassten.
Laith schmiegte sich ganz nah an ihn, fühlte seinen rasenden
Herzschlag. „Ich muss...", sie brachte nur noch ein leises
Wispern hervor. „Warum? Sag mir warum?", seine Stimme bebte
vor Verzweiflung und Angst und sie strich mit zitternden Fingern durch
sein geschmeidiges Haar. „Weil ich dich liebe", hauchte
sie leise. „Dann bleib bei mir!", forderte er und sah sie
fest an. „Das kann ich nicht...so sehr ich es wollte...ich kann
es nicht", jedes Wort war eine Qual für sie, ihr Herz verkrampfte
sich mit jedem Atemzug mehr. „Wieso nicht? Lalaithwen, ich sage
es meinem Vater und Celendra, ich war schon kurz davor, als Haldir
mich davon abhielt, weil er ahnte, dass du gehen wolltest", sagte
der Elb. „Nein...tu das nicht, Legolas", sie fuhr mit einem
Finger über seine Lippen, konnte die Verzweiflung und den Schmerz
in seinen Augen nicht ertragen, „Das würde dein Leben zerstören...ich
will das nicht!"
„Ich lasse dich nicht gehen", seine Stimme war heiser und
seine Gesichtszüge angespannt. „Wenn du mich liebst, lässt
du mich gehen"
„Wie kannst du so etwas sagen?", Legolas‘ Stimme
vermischte sich mit Wut und Verzweiflung, kam fast einem Schluchzen
gleich. „Liebst du mich, Legolas?", fragte sie nur und
Tränen wanderten ungehindert über ihre Wangen. „Natürlich
liebe ich dich", erwiderte er leise und zum ersten Mal sah Lalaithwen
Tränen in seinen Augen. Sie lächelte halb traurig, halb
glücklich und küsste ihn auf den Mund. Er erwiderte diesen
Liebesbeweis innig und verzweifelt. Erst nach einem unendlich erscheinenden
Moment lösten sich ihre Lippen widerwillig voneinander. Beide
weinten sie. „Bitte geh nicht", flehte er flüsternd.
Sie küsste sacht seine Tränen fort und streichelte über
seine warme Haut. „Wenn Eru es so will, sollen wir uns wiedersehen",
sagte sie mit gebrochener Stimme, küsste ihn ein letztes Mal
innig, spürte seinen Herzschlag, seine Wärme, seine Geborgenheit
und Liebe, bevor sie sich von ihm löste, seine Hand noch die
ihre umfasste, doch diese sich ebenso nach einem letzten, eindringlichen
Blick voneinander lösten.
„Ich werde immer bei dir sein", versprach sie leise weinend
und er nickte. Stumm rollten die Tränen über seine Wangen
und sah er ihr nach, wie sie langsam auf den Karren stieg, Pernoth
ihr etwa tröstendes zuflüsterte, dieser sich noch einmal
zu Legolas umwand und dann schließlich die Pferde antrieb.
Als der Karren in der Dunkelheit verschwunden war und die Sterne wie
Edelsteine am Firmament leuchteten, spürte Legolas, wie sich
plötzlich Haldirs Hand auf seine Schulter legte und sein Freund
neben ihm stand. Lange Zeit schwiegen sie, Legolas versteckte die
Tränen vor Haldir nicht. Die fröhliche Musik des Balls erreichte
sein Ohr wie aus einer anderen Dimension, als er mit zitternder Stimme
sprach:
„Wo will sie nur mit meinem Herzen hin, Haldir?"
Der lorische Elb umarmte Legolas tröstend und murmelte: „Dorthin,
wo eure Liebe ewig sein wird...man mag euch trennen können, aber
eure Herzen...eure Herzen werden Eins sein...", sagte er dann
weiter, mit seinem Freund mitfühlend. Der Wind strich durch Legolas‘
Haar, doch weder Haldirs Worte, noch der sanfte Schein der Sterne
konnten ihm Trost spenden.
Bitte weine nicht,
versiegelt mit diesem Kuss
sei mein Versprechen.
Auch wenn ich jetzt geh‘
Denke daran für immer
werde ich dein sein.
Halt einfach mein Herz
bis wir uns wiedersehen
in deinen Händen.
~*~*~
Epilog