Disclaimer: Disclaimer: Abgesehen von Filegon und Lalaithwen
gehört mir nichts, alles andere *including Legolas* gehört
nur J.R.R. Tolkien...und wie immer verdiene ich kein Geld mit dieser
Story! *wäre ja auch n Ding...tz*
Alles Gedankengut der Autorin ist unter dem Copyright des "persönlichen
Gedankenguts" als "geschützt" zu akzeptieren.
Legolas war wütend. Sehr wütend, um genau zu sein. Die
Bemerkungen dieser kleinen Elbin ärgerten ihn. Sie stellte ihn
einfach so hin, als ob er nur ein vornehmer Kerl war, der noch nie
Leid erfahren oder erblicken musste. Und das war ganz und gar nicht
der Fall. In den Zeiten des Ringkrieges hatte er in Schlachten gekämpft,
viele sterben und leiden sehen, und nun warf sie ihm vor, keine Ahnung
zu haben. Dabei konnte sie von Glück reden, dass sie nur im Kerker
gelandet war und dort wohl die nächste Woche verbringen musste,
denn König Thranduil wollte sie ursprünglich länger
festhalten und dazu noch an den Pranger stellen lassen. Doch Legolas
hatte es ihm ausreden können. Warum er das überhaupt getan
hatte, wusste er nicht so recht. Vielleicht aus Neugier, denn sie
schien sehr schlagfertig und gerissen zu sein, aber auch leicht reizbar,
was ihn unheimlich amüsierte. Sicher, seine Kommentare waren
auch nicht sehr nett gewesen, das musste er sich wohl oder übel
eingestehen, aber nichtsdestotrotz wollte er sich ihr Verhalten nicht
gefallen lassen. Auch einige adlige Elben hatten einen recht dünnen
Geduldsfaden.
"Warum bei den Valar denke ich überhaupt darüber nach?",
fragte er sich selbst laut. Er war auf den Balkon seines Quartiers
herausgetreten und schaute über die dunklen Wipfel der Bäume,
die in sanftes Dämmerlicht getaucht waren.
"Seit wann denkt Legolas Grünblatt?", bekam er als
unerwartete Antwort zu hören. Auf der Stelle drehte er sich um
und sah Ranwé, seinen besten Freund in der Tür stehen.
"Schon seit Ranwé gelernt hat, an eine Tür anzuklopfen",
erwiderte er grinsend. "Wusst' ich's doch, also noch nie...",
grinste der in dunkle Brauntöne gekleidete Elb und umarmte seinen
Freund herzlichst. "Dass ich dich noch einmal wiedersehe, daran
habe ich schon fast gezweifelt!", murmelte Ranwé und klopfte
Legolas auf die Schulter.
"Ich bin immer für eine Überraschung gut, schon vergessen?"
"Wie könnte ich? Nie werde ich vergessen, wie du mir damals
dieses Mädchen ausgespannt hast, wie hieß sie doch gleich
noch mal?", überlegte Ranwé, worauf Legolas lachte.
"Immer noch der alte Aufreißer, was?"
"Aufreißer...wie drückst du dich denn aus...ich bezeichne
mich ehrenhaft als Frauenbeglücker." "Beglücker?"
"Hey, das kannst DU gar nicht beurteilen!", lachte Ranwé,
"Was sagst du, mellon nîn, hast du Lust, mit mir über
alte Zeiten bei einer Flasche Met zu reden? Wir könnten eine
kleine aber feine Zechtour machen, was hälst du davon? Vielleicht
treffen wir auch die eine oder andere Elbenmaid, die des Nachts einsam
ist..." Legolas schüttelte den Kopf, noch immer lachend:
"Wirklich, du hast dich kein bisschen verändert! Auf ein
Gläschen komm' ich gern mit, aber das mit der einsamen Elbenmaid
kannst du vergessen!" "Zum Leidwesen vieler junger Damen...",
meinte Ranwé gespielt enttäuscht. "Du weißt
genau, dass es für mich nur EINE Dame gibt und mit der habe ich
mich schon vor meiner Reise verlobt!", sagte Legolas lächelnd.
"Wie altmodisch du doch bist, du mutierst noch zum richtigen
Langeweiler...", seufzte Ranwé und lehnte sich weit über
die Balkonbrüstung, um einen besseren Ausblick auf das abendliche
Marktgeschehen zu haben. "Der ewige Einzelgänger",
grinste Legolas und gesellte sich neben ihn. "Hast du denn deine
Verlobte heute schon gesehen?", fragte Ranwé mit einem
anzüglichen Lächeln. "Nein, sie wird erst in den nächsten
Tagen anreisen, um den Frühling mit mir zu feiern." "Naja,
bis zum Frühlingsfest sind es noch gut 7 Tage...das ist eine
lange Zeit, in der du nicht unter ihrer Fuchtel stehst!"
"Ich stehe nicht unter ihrer Fuchtel", murrte Legolas.
"Worunter denn dann, unter ihrer Lederpeitsche? Komm schon, Legolas,
mach dir nichts vor, sie hat dich ganz schön in ihrer Gewalt."
"Hat sie nicht!" "Beweise es mir", meinte Ranwé.
Legolas erwiderte daraufhin nichts, er mochte es nicht sonderlich,
wenn Ranwé mit seinen Weibergeschichten herumprotzte und ihn
immer mit auf seine imaginären Aufreißtouren nehmen wollte.
Er verstand einfach nicht, dass er ein ganz anderer Typ war und auch
an wahre Liebe glaubte...so naiv das auch klingen mochte, Legolas
war es bestimmt nicht. "Siehst du...du hast keine Freiheiten
mehr in einer festen Bindung, willst du dir das wirklich antun?",
fragte Ranwé. Legolas schüttelte mit dem Kopf und lachte:
"Du wirst sie mir nicht ausreden, mein Guter, Celendra wird schon
bald meine Frau." "Na, wie du meinst, aber beschwer dich
dann nicht, wenn sie dir ein Halsband umbindet und dick und fett "Meine"
draufschreibt!"
"Das wird sie ganz bestimmt nicht, du Spaßvogel!"
"Jaaa, jaaa, ich wünschte, ich hätte ein Palantir,
das die Zukunft voraussieht, dann könnte ich dir das Gegenteil
beweisen.", neckte ihn Ranwé weiter, "Was ist nun,
wollen wir auf ein oder zwei Liter Met zum Wirt gehen?" (Ranwé
sprach immer in Litereinheiten, da er nur sehr selten weniger trank)
"Meinetwegen, aber du zahlst!" "Alter Geizkragen",
murrte er, zerrte dann aber Legolas mit sich.
~*~*~
In etwa zur gleichen Zeit hatte Lalaithwen im Kerker eine neue Unterhaltungsmethode
gefunden, um nicht vor lauter Langeweile zu sterben. Sie zählte
die vielen Risse in der Steinwand. (gut, es war nicht wirklich unterhaltsam,
doch was sollte sie denn auch tun, wenn sie so gefesselt dasitzen
musste?) Sie hatte es schon längst aufgegeben, sich von den festen
und enganliegenden Ketten an ihren Fuß- und Handgelenken zu
befreien. Das wäre nur verschwendete Kraft gewesen. Außerdem
ärgerte sie sich immer noch über den Prinzen. "So ein
eingebildeter Hans...wenn der mir mal so hilflos ausgeliefert wäre,
wie ich ihm, dann würde ich ihm mal zeigen, was ne Harke ist...blöde
reinblütige Elben, machen sich über andere lustig, verstehen
aber selbst keinen Humor!"
Lalaithwen und Filegon waren zu etwa 80% reinblütige Elben,
aber einer ihrer Ururururururahnen musste wohl ein Mensch gewesen
sein. Sie hatten beide wenig von der elbischen Kultur an sich, schlugen
sich anders als alle anderen Elben durch ihr langes Leben. Warum das
so war, soll hier jedoch noch nicht erwähnt werden...
Sie musste immer wieder daran denken, wie belustigt er sie angeschaut
hatte, ohne Respekt oder auch nur geringer Achtung vor ihr. Bei diesem
Gedanken lachte sie laut auf. Warum sollte auch der Prinz des Düsterwaldes
Respekt vor einer kleinen, unbedeutenden Taschendiebin haben? Nun...weil
sie eindeutig eine der besten Taschendiebe Düsterwalds war (zugegeben,
es gab nicht sehr viele Diebe in Thranduils Reich...). "Toll,
was für eine Leistung...", flüsterte sie vor sich hin
und senkte den Blick. Sie konnte nicht beschreiben, wie sie sich fühlte,
sie war so verwirrt. Zum einen war sie stinkesauer auf diesen Elben,
zum anderen wurde sie sich dessen bewusst, was für ein erbärmliches
Leben sie doch führte. Schon seit Jahren streifte sie mit ihrem
Bruder durch die Wälder, ohne feste Bleibe, ohne zu wissen, was
der nächste Tag mit sich brachte. Irgendwann waren sie in den
Düsterwald gelangt und konnten dort einige erfolgreiche Diebeszüge
durchführen. Sie hätten nicht stehlen müssen, aber
sie wussten, dass es zwar eine gefährliche, aber doch bequemere
Methode war, sich zu ernähren. Filegon war ihre Familie gewesen,
schon seit sie denken konnte, er hatte sie nie im Stich gelassen und
jede Situation mit ihr gemeistert. Wenn sie gemeinsam vorgingen, lief
nie etwas schief...bis jetzt. Doch wo war ihr Bruder jetzt? Sie wusste
ja nicht einmal, ob es ihm gut ging, oder ob er wie sie von den königlichen
Wachen aufgegriffen worden war.
Ihre verworrenen Gedanken wurden von einem stetigen Trappen unterbrochen,
das ganz in ihrer Nähe zu sein schien. Neugierig schaute sie
auf, doch auf dem langen, dunklen Gang konnte sie niemanden ausfindig
machen. Sie seufzte laut, wahrscheinlich war es nur einer von den
Wärtern, die ihre Rundgänge machten. (was ihr eigentlich
recht unlogisch erschien, da der Kerker nicht gerade einem bis zum
letzten Platz überfülltem Gefängnis glich) Oder dieser
blöde Kerl von einem Prinzen, der sie wieder ärgern wollte.
Aber auch diesen Gedanken verwarf Lalaithwen wieder, denn warum sollte
er auch nur auf die Idee kommen, seine Zeit im Kerker bei einer Gefangenen
zu verbringen. Vor allen Dingen nachdem sie ihn so angeschnauzt hatte.
Warum dachte sie überhaupt immer wieder über ihn nach? Sie
war sich sicher, ihn an diesem Nachmittag das letzte Mal gesehen zu
haben.
Ihre Sinne widmeten sich erneut dem beständigen Geräusch
zu und Lalaithwen sah nun endlich die Umrisse einer Person, direkt
vor den Gitterstäben ihrer Zelle. Dieser Jemand, der da vor ihr
stand, trug einen langen Mantel, die Kapuze war tief ins Gesicht gezogen
worden. Lalaithwen kam die plötzliche Vorstellung von einem Nazgûl
in den Sinn, von denen sie einmal gehört hatte. "Hey, ich
hab keinen Ring bei mir", sagte sie entnervt, sie hasste es,
so angeglotzt zu werden. (bzw. angeschnüffelt, falls das hier
wirklich ein Ringgeistabklatsch sein sollte, der vor ihr stand, denn
wie sie wusste, sahen diese Kreaturen schlechter als ein einäugiger
Laubfrosch) "Pssst, nicht so laut oder willst du die Wachen anlocken?
Und was meinst du mit einem Ring?", flüsterte der Schatten
und Lalaithwen erkannte die vertraute Stimme sofort.
"Filegon? Was machst du denn hier? Ich dachte schon, dir wäre
etwas passiert oder du hättest mich vergessen!", sagte sie
erfreut, denn mit einem geschwisterlichen Besuch hatte sie in diesem
Moment am allerwenigsten gerechnet.
"Sei still, hab ich gesagt!", zischte er und schaute sich
unruhig um, "Wie könnte ich meine Essensbeschafferin und
Lieblingsschwester vergessen?", schleimte er dann. "Mmh...Lieblingsschwester...du
hast ja auch nur eine...", murrte sie zurück und er lachte
leise. O, wie sie ihn manchmal hasste, wenn er genau die falschen
Worte zum falschen Zeitpunkt an den Tag legte. "Hör zu,
Laith, Schwesterchen, ich kann nicht lang bleiben"
"Wie bist du überhaupt hier hineingekommen?"
"Betriebsgeheimnis", grinste er, "Nein, war nur Spaß,
ich habe mich bei einer Wachablösung vorbeischleichen können...durch
einen Trick, wie so oft" (Filegon war wirklich ein Genie, was
Überredungskünste und Täuschungen anging)
"Aber hör mir jetzt gut zu, Kleine!", flüsterte
er weiter, "Ich habe gehört, dass das Frühlingsfest
in 7 Tagen steigen soll und dort auch viele Gäste aus fremden
Reichen erscheinen werden. Das bedeutet reiche Beute für uns!"
"Ja...würde es bedeuten, meinst du wohl eher!", seufzte
sie, "Ich fürchte, ich darf hier noch eine ganze Weile schmoren
und Risse an Steinwänden zählen!"
"Wie bitte, was? Risse zählen?", fragte er verdutzt.
"Vergiss es", erwiderte sie nur. "Aber ich kann doch
nur mit dir zusammen erfolgreich auf eine kleine Diebestour gehen,
das weißt du, du kannst mich doch nicht so hängen lassen!"
"Würde ich ja auch nicht, aber wie du siehst, bin ich ziemlich
fest angekettet und außerdem werden die mich nicht gerade wegen
guter Führung eher freilassen!" "Wieso, was hast du
denn wieder angestellt?", zischte er genervt. "Frag nicht,
ich kann meine Blödheit selbst kaum eingrenzen, da brauch' ich
nicht auch noch deinen ermutigenden Kommentar dazu!"
Filegon erwiderte zunächst nichts, sondern schaute sich nur
grübelnd um. "Es muss doch eine Möglichkeit geben,
dass du früher wieder hier hinauskommst!" "Dann nenn
sie mir", murrte Lalaithwen. Filegon überlegte kurz, schaute
sich die Beschaffenheit der Zellen an und flüsterte ihr noch
eilig zu: "Laith, meine Kleine, ich komme in 3 Tagen des Nachts
wieder und werde dich hier rausholen"
"Aber Filegon, was, wenn sie dich erwischen, dann kommen wir
vor dem nächsten Zeitalter hier nicht wieder hinaus...außerdem
würden sie uns bald wieder aufgreifen!"
"Nicht, wenn wir nach dem Frühlingsfest weiterziehen!",
sagte er nur bestimmt und Lalaithwen war zu überrascht, um noch
etwas zu antworten, als sie leise Schritte näherkommen hörte.
"Wie du meinst, aber geh jetzt, Filegon, ich glaube, die Wachen
kommen", flüsterte sie ihm rasch zu, worauf er ihr nur kurz
zuflüsterte: "In 3 Tagen...", und so schnell wieder
verschwand, wie er gekommen war. Kurz darauf traten 2 Elben der königlichen
Wache an ihre Zelle und musterten sie misstrauisch. "Mit wem
hast du gerade gesprochen?", fragten sie scharf. "Ich habe
mit niemandem gesprochen!", plädierte Lalaithwen. "Wir
haben aber Stimmen gehört!", erwiderte einer der Elben.
"Dann solltet ihr euch mal untersuchen lassen, das ist kein
gutes Zeichen", erwiderte sie nur frech. "Treib es nicht
zu weit, hast du verstanden?", sagte der Elb kalt und trat näher
an die Gitterstäbe heran, "Thélorion, nimm dir einige
Männer und durchsuche den gesamten Kerker, ich bin sicher, wir
werden einen Eindringling finden!"
Lalaithwen mimte die Gleichgültige, aber in ihrem Herzen bekam
sie es mit der Angst zu tun. Wenn die Wachen Filegon fanden, wäre
alles aus...
Kapitel 4
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