Disclaimer: Disclaimer: Abgesehen von Filegon und Lalaithwen
gehört mir nichts, alles andere *including Legolas* gehört
nur J.R.R. Tolkien...und wie immer verdiene ich kein Geld mit dieser
Story! *wäre ja auch n Ding...tz*
Alles Gedankengut der Autorin ist unter dem Copyright des "persönlichen
Gedankenguts" als "geschützt" zu akzeptieren.
Epilog
Er blickte aus dem großen, scheibenlosen Fenster, an dessen
edel mit Schnitzereien verzierten Rahmen sich das Sonnenlicht schmiegte
und das Holz erwärmte. Er war wieder zu Hause, im Grünwald
und der letzte Tag des Frühlings war angebrochen. Der Tag, an
dem er heiraten sollte. Legolas seufzte schwermütig und lehnte
seitlich gegen den Fensterrahmen. Die Sonne schien wärmer und
heller als er es je gesehen hatte, doch in des Elben Herzen regnete
es, schon seit Lalaithwen sich von ihm abgewandt hatte und aus seinem
Leben verschwunden war.
Einfach so.
Hätte Haldir ihm nicht noch rechtzeitig Bescheid gegeben, wäre
sie wohlmöglich gegangen ohne überhaupt auf Wiedersehen
zu sagen. Warum hatte sie das getan, wusste sie denn nicht, wie weh
sie ihm damit tat, wie leer und kalt nun sein Herz war? Doch, sie
hatte es gewusst, ebenso wie sie gewusst hatte, dass sie ohne Legolas
an ihrer Seite nie wieder glücklich werden würde. So, wie
es jedem Elben vorbestimmt war. Legolas schloss die Augen, nahm seine
gesamte Umgebung mithilfe seiner anderen, äußerst ausgeprägten
Sinne wahr. Er spürte den Duft von wilden Rosen, die gesammelt
und in eine Vase gestellt worden waren. Sein feines Ohr lauschte dem
fröhlichen Gesang der Lerche und seine Hände umspielten
eine der vielen Rosen. Er strich mit seinen Fingerkuppen sacht über
die zarten, weichen Blütenblätter, die sich anfühlten
wie pure Seide, gesponnen aus Regen und Sonne. Langsam glitten seine
Finger hinab zu dem Rosenstiel.
Vorsichtig ertastete er die Dornen, umfasste an jener Stelle die
Rose mit seiner ganzen Hand. Der stechende, kurze Schmerz, den er
fühlte, als sich die Dornen tief in sein Fleisch bohrten, dauerte
nur einen Bruchteil einer Sekunde an.
Nicht zu vergleichen mit dem Schmerz, den er tief in seinem Herzen
wahrnahm. Der Elb ließ die Blume behutsam zurück in die
Vase gleiten. Sein Blick wanderte über die edel vertäfelten
Wände, die feinen Schnitzereien von Elbenhand gefertigt. Hier
war sein Zuhause, der Ort, an dem er aufgewachsen war, mit seinen
Geschwistern immer durch die langen, hellen Flure tobte. Und gleichzeitig
erschien Legolas dieser Ort so fremd und trist wie brachliegendes
Ackerland, das nie wieder bepflanzt werden würde.
Ein großer Wandspiegel war errichtet worden. Der Elb betrachtete
sein Spiegelbild. Er trug ein feines, weißes Gewand, geschmückt
mit goldenen Verzierungen, das Wappen Grünwalds erstrahlte auf
seiner Brust. Der lange, dunkelgrüne Mantel, der bis zu seinen
Füßen hinabreichte, hatte ihm sein Vater gegeben, mit den
Worten es sei ein Erbstück der Familie.
Legolas lächelte traurig. Man konnte sagen, dass er jetzt schon
wie ein König aussah. Doch er selbst sah sich nur wie ein graues
Phantom, leer und glanzlos. Er wusste nicht, wie viele Gäste
an den Hof geladen worden waren und es kümmerte ihn nicht wirklich.
Er hatte Gimli nicht eingeladen, ebenso wenig Aragorn oder andere
Mitglieder der Gemeinschaft. Weil er heute nicht heiraten würde.
Er hatte es von dem Zeitpunkt an gewusst, als er Lalaithwens Silhouette
im Dunkeln dahinschwinden sah, vielleicht auch noch viel eher. Es
hatte keine Bedeutung für ihn. Ein leises Klopfen durchbrach
die friedliche Stille in Legolas‘ Gemach. Er wand sich kurz
um, ein leises „Herein" entwich seiner Kehle ehe er der
Tür wieder den Rücken zukehrte. Thranduil trat herein. Auf
seinen Lippen erstrahlte ein Lächeln, das Legolas noch nie in
seinem Leben erblickt hatte. „Und, schon aufgeregt, mein Sohn?",
fragte er und Legolas konnte sein breites Lächeln beinahe heraushören.
„Nein", gab er leise zurück.
„Nein?", wiederholte Thranduil fast ungläubig und
ließ sich auf einem der bequemen Polstersessel nieder. „Nein",
sagte Legolas noch einmal mit fester Stimme, erst dann sah er seinen
Vater ernst an. „Ich möchte Celendra sprechen...und dich...sofort.",
sagte er knapp und mit kühler Stimme. Thranduil runzelte die
Stirn, lehnte sich leicht vornüber, um seinem Sohn besser in
die Augen sehen zu können. Sie erstrahlten vor innerer Überzeugung
und Selbstsicherheit. Thranduil war beunruhigt.
„Aber Legolas, du solltest wissen, dass der Bräutigam
die Braut erst zum Zeitpunkt der Trauung sehen darf...das ist Tradition",
sein Vater lehnte sich wieder zurück, bis sein Kopf auf der Rückenlehne
rastete.
„Ich weiß. Deswegen will ich euch sofort sprechen",
fuhr er tonlos fort. „Legolas", begann Thranduil, doch
sein Sohn hob die Hand, deutete ihm so, stillzuschweigen. „Sofort",
seine Stimme erklang wie ein kalter Kriegsbefehl und Thranduil erhob
sich, sah seinem Kind eindringlich in die Augen. Legolas zwang sich
dazu, seinen Blick nicht abzuwenden, Stärke zu beweisen. „Was
soll das?", Thranduils Tonfall wurde ebenso ernster. Legolas
sah ihn streng an, wand sich dann an die Wachen, die seinen Vater
geleitet hatten. „Geht und bringt meine Verlobte mit euch",
befahl er, doch die Waldelben wandten sich zunächst unschlüssig
an den König. „Euer Majestät?"
„Geht...tut nur, was er sagt, es wird seine Gründe haben...",
murrte Thranduil, der das merkwürdige Verhalten seines Sohnes
nur bedingt billigte. Es dauerte keine zehn Minuten, bis Celendra,
gekleidet in ein pompöses Brautkleid, in der Tür stand.
„Liebster, was ist denn los?", fragte sie besorgt und trat
näher zu dem jungen Elben. „Das würde ich auch gern
wissen", kommentierte Thranduil nur und stellte sich zu Celendra.
Diese ergriff ohne länger zu zögern Legolas‘ Hand,
presste sie innig. Er lächelte schwach, seine Augen schimmerten
in ihrem tiefsten Blau in der Morgensonne. „Du bist wunderschön",
hauchte er leise und küsste sacht ihren Handrücken. Sie
errötete leicht, schenkte ihm ein warmes Lächeln. „Das
bist du ebenfalls, Geliebter", ihre Stimme war nicht mehr als
ein sanftes Flüstern, „Doch warum wünschst du mich
zu sehen, ehe die Trauung traditionell begonnen hat?"
Legolas presste die Lippen zusammen, sah ihr tief in die Augen, wand
sich danach an seinen Vater. „Ich werde gehen"
Celendra, wie auch Thranduil verstanden nicht ganz, was er meinte.
„Wir werden gemeinsam gehen...den Weg in die Ehe", wollte
Celendra einwerfen, ihre Augen leuchteten vor plötzlichem Unbehagen
auf. Thranduil starrte Legolas fassungslos an. Dieser schüttelte
langsam den Kopf. „Nein, Celendra...", er sah sie ernst
an, spürte förmlich wie ihr die Tränen in die Augen
schossen. „Doch, natürlich, wir sind verlobt und heute,
am letzten Frühlingstag werden du und ich Mann und Frau...",
wisperte sie mit verzweifelter Stimme. Legolas seufzte, senkte kurz
den Blick, ließ ihre Hand aber nicht los.
„Viel eher schon hätte ich es dir sagen sollen",
entschuldigte er sich. Die Elbe schüttelte verwirrt den Kopf.
„Was sagen? Was meinst du? Was ist los?", ihre Stimme wurde
immer schwächer, tränenerstickter.
„Ich liebe dich nicht", Legolas wusste, dass er seine
Worte hart wählte, doch es war der einzige Weg, es ihr klarzumachen.
Thranduil machte geschwind einen Schritt nach vorn, umfasste die Schulter
seines Sohnes grob. „Was sagst du da Junge? Du bist nicht ganz
bei Trost!", die Lippen seines Vaters bebten vor Zorn, doch Legolas
hatte damit gerechnet. „Ich kann dich nicht heiraten, Celendra.
Mein Herz gehört einer anderen...", beichtete er, den strafenden
Blick seines Vaters ignorierend. Celendras Augen weiteten sich, ihre
roten Lippen erzitterten, versuchten vergebens, Worte zu formen, doch
nichts als ein leises Schluchzen brachte sie hervor. „Verzeih
mir", flüsterte er sanft und ließ ihre Hand los. Thranduil
stand starr neben Celendra, konnte nicht glauben, was sich da abspielte.
„Wer?", wimmerte sie unter Tränen, „Wer ist
sie?"
„Du glaubst sie zu kennen, nicht wahr?", fragte er leise,
„Ich will aufrichtig dir gegenüber sein, denn das hast
du verdient. Ich kannte Lalaithwen schon lange bevor du sie mir vorstelltest"
Celendra trat einen Schritt zurück, führte ihre Hand zu
ihrem Mund, um ein weiteres, hilfloses Schluchzen zu unterdrücken.
„Lalaithwen?", wiederholte sie, „Aber...aber...sie
ist...sie ist fort...es kann nicht sein...du...du lügst!",
ihre Finger zitterten, als sie sich selbst die Tränen aus dem
Gesicht wischte. „Sie ist deinetwegen gegangen, Celendra. Weil
sie nicht zwischen uns stehen wollte.", erklärte er, jedoch
ohne sich ihrer tröstend anzunehmen. Thranduils Hände ballten
sich zu Fäusten, er rang um Fassung. „Wirfst du mir das
nun vor?", weinte sie und war nahe daran, zusammenzubrechen,
hätte Thranduil sie nicht gestützt. „Nein...natürlich
nicht", gab er ehrlich zurück.
„Warum bei Eru heiratest du dann nicht Celendra, wenn schon
dein kleines Flittchen eingesehen hat, dass du nur glücklich
mit ihr werden kannst?", sein Vater musste sich beherrschen,
um nicht zu schreien. „Weil ich dir das nicht antun wollte,
Celendra.", Legolas blieb ruhig, obgleich sein Herz in seiner
Brust raste. „Mir was antun? Dass ich mit dem Elben für
den Rest meines Lebens zusammenbin, den ich liebe? Der mein Ein und
Alles ist, der Sinn meines Daseins?", jegliche Farbe war aus
ihrem Gesicht gewichen und Legolas trat zu ihr, küsste sacht
ihre Stirn, worauf sie zusammenzuckte und krampfhaft ihre Lider schloss.
„Ich hätte dich die ganze Zeit über belogen...und
du verdienst einen Mann, der ehrlich zu dir ist, der dich genauso
liebt wie du ihn liebst", sprach Legolas aufrichtig.
„Ich liebe dich und nur dich!", schluchzte sie, „Bin
ich dir denn völlig gleichgültig?"
„Nein, oh nein, Celendra!", sagte er schnell, „Du
bedeutest mir sehr viel, ich will dich nicht unglücklich machen..."
„Warum versuchen wir es dann nicht gemeinsam? Ich vergebe dir
deinen Ausrutscher, aber bitte, bitte lass mich nicht allein!",
in ihren Augen leuchtete ein Hoffnungsschimmer auf, doch Legolas lächelte
traurig, trat von ihr zurück. „Ich würde nicht nur
dich, sondern auch mein Herz belügen!", erneut ergriff er
ihre Hand und führte sie zu seinem Mund, „Lebe wohl"
Als er diese Worte sprach verkrampfte sich Celendras Herz. Geschwind
wand sie sich um und verließ weinend das Gemach. Legolas blieb
allein mit seinem Vater zurück, die Wachen waren ihr gefolgt.
„Was bezweckst du damit, Legolas?", sagte Thranduil grimmig.
„Ich habe es dir schon oft versucht zu sagen, doch nie konnte
ich diese Worte aussprechen. Ich fürchtete, dich zu verraten,
dich bloßzustellen. Vielleicht habe ich das auch getan..."
Thranduil senkte den Kopf. „Ich verstehe dich nicht, Legolas...siehst
du denn nicht, was du alles aufgibst? Für ein..."
„Sprich es nicht aus!", unterbrach ihn Legolas harsch.
Alles konnte er ertragen, aber nicht, dass Lalaithwens Name beschmutzt
wurde, „Ich weiß, dass ich nicht deinen Platz einnehmen
werde, nie habe ich mich der Thronfolge gewachsen gefühlt"
Thranduil erschien sichtlich ergriffen zu sein von den Worten seines
Sohnes. „Warum? Warum nur, mein Sohn? Warum wirfst du all das
weg?", fragte er mit heiserer Stimme. „Hättest du
nicht dasselbe für deine Liebe zu Mutter getan?", fragte
Legolas und suchte die Augen seines Vaters. Mit Überraschung
fand er Tränen in jenen wieder. Thranduil erwiderte nichts, blickte
stumm zu Boden. „Du magst mich dafür hassen, Vater, und
es tut mir wahrlich weh, dir so viel Kummer und Schande zu bereiten.
Einst warst du stolz auf mich...und ich danke dir dafür. Ich
danke dir für dein Vertrauen, deine Liebe, deine Wärme...deinen
Respekt. Vielleicht habe ich all dies verloren...aber denke daran
Vater, dass ich dies für immer für dich empfinde, egal ob
du mich noch einen Sohn nennen magst oder nicht!"
Legolas trat langsam an Thranduil vorbei, der noch immer schweigend
zu Boden starrte, sichtlich entsetzt und enttäuscht. „Eines
Tages, Vater, wirst du mich vielleicht verstehen können...",
sagte Legolas sanft, berührte sacht die Schulter des Elben und
schritt dann langsam in Richtung Tür.
„Wo zieht es dich hin, mein Sohn? Wo willst du nun hingehen,
jetzt, wo du deinem Platz an meiner Stelle entsagt hast?", Thranduil
drehte sich um und traf den überraschten Blick seines Sohnes.
„Ithilien, Vater. Die Gärten dort bedürfen Schutz
und Pflege. Dort werde ich mit einigen treuen Gefolgsleuten eine Elbenkolonie
gründen. Sofern du es mir nicht verbietest", sprach Legolas
zögerlich. Thranduil nickte, musterte sein Kind lange.
„Tu, was dein Herz dir befiehlt...aber erwarte nicht, dass ich
so schnell vergessen und verzeihen werde...und behalte stets in Erinnerung,
dass du Celendra das Herz gebrochen hast"
Legolas nickte, sagte: „Lebe wohl, Vater", und verließ
eiligen Schrittes das Zimmer.
Er hatte noch einiges für seinen Aufbruch vorzubereiten. Seinen
Aufbruch in ein neues Leben. Er würde zu den schönsten Plätzen
nach Gondor reisen und wenn Eru es so wollte, würde er Lalaithwen
wiedersehen. Die Elbe, für die er sein Opfer gebracht hatte.
Gegen Abend, als die Hochzeit unlängst abgesagt und viele Fragen
gestellt, Tränen vergossen worden waren, brach Legolas mit einer
ganzen Schar von treuen Gefolgsleuten in Richtung Süden auf.
Er wand sich ein letztes Mal zu dem prunkvollen Palast seines Vaters
um und eine einsame Träne glitt an seiner geschmeidigen Wange
hinab. „Ade, Grünwald, ade Heimat.", wisperte er,
doch der leise Klang seiner Stimme wurde vom aufbrausendem Nachtwind
verschluckt. Er brach auf zu neuen Gefilden, ungeachtet dessen, was
er aufgab und was er wohl für immer zurückließ. Die
Sterne sangen ein trauriges Klagelied, als sie den Prinzen Grünwalds
unter ihrer Obhut entweichen sahen. Aber Legolas wusste, dass seine
Entscheidung die richtige gewesen war. Und dass sein Herz ihn führen
würde, wo immer es ihn auch hintragen mochte.
~ ENDE ~