Disclaimer: Alles gehört Tolkien, außer Ravena
und Siägä.
Alles Gedankengut der Autorin unter dem Copyright des "persönlichen
Gedankenguts" als "geschützt" zu akzeptieren.
"Ravena, bist du dir eigentlich im klaren darüber, wie
viel Glück du gerade gehabt hattest? Ich fasse es nicht, dass
du so leichtsinnig sein konntest, einfach deine Verkleidung aufzugeben.
Ich muss es noch einmal sagen: wäre unser König nicht so
gütig, wärst du jetzt tot. Hast du verstanden? TOT."
Ravena seufzte auf. Leider musste Siägä es ihr nicht nur
noch einmal, sondern gleich zehn mal sagen. Sie befanden sich auf
dem Weg aus der Stadt und in der vergangenen halben Stunde hatte sie
von ihrem Freund noch nichts anderes gehört als eine einzige
lange Standpauke, die er nur zum Luftholen unterbrach. So fuhr er
denn auch unbeeindruckt fort:
"Doch der König hat dich in seiner Güte nicht nur
ungeschoren davonkommen lassen, sondern dich auch noch zu seinem Ball
eingeladen. Weißt du eigentlich was für eine Ehre das für
dich bedeutet?" Jetzt horchte Ravena auf und schaute Siägä
entgeistert an:
"Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ich da wirklich hingehe?"
Daraufhin war es an Siägä entgeistert zu schauen: "Natürlich
wirst du dahin gehen", sagte er in einem befehlendem Ton, "oder
hast du etwa vor, den König noch ein weiteres mal zu brüskieren?"
"Nein, natürlich nicht", stellte sie kleinlaut fest,
setzte aber dennoch bestimmt hinzu, "doch ich werde mich ganz
sicherlich nicht zum Gespött dieser Adeligen machen. Ich habe
kein Kleid für solch einen Anlass. Was sollte ich anziehen- diese
Lumpen etwa?" Die letzte Eigenschaft die Ravena besaß war
Eitelkeit, aber dennoch konnte sie sich amüsantere Szenerien
ausmahlen, als von einem Mob dieser Adeligen wegen ihrem Aussehen
beleidigt und ausgelacht zu werden. Sie hatte sich wegen ihrer roten
Haare und den Sommersprossen schon so manche ausfallende Bemerkung
anhören müssen- deswegen wollte sie sich auch gar nicht
erst ausmalen wie diese, so von sich selbst eingenommene Adelsschicht,
über sie herziehen würde. Doch Siägä war alles
andere als gewillt sie diesmal mit ihrem Sturkopf durchkommen zu lassen.
"Oh nein, Ravena. Und wenn du tatsächlich in diesen Lumpen
dort auftauchen müsstest- du wirst die Konsequenzen für
dein Handeln tragen."
Keiner der beiden bemerkte den Lauscher, der ihnen gefolgt war und
sich nun auf leisen Sohlen entfernte. Er hatte genug gehört.
************************************************************
Genervt stieg Ravena die Treppen zu ihrer kleinen Kammer hoch. Nachdem
sie das Wirtshaus erreicht hatten, durfte sie sich auch noch von ihrer
Chefin eine Predigt anhören, die Siägäs in nichts nachgestanden
hatte. Natürlich war sie während dem Turnier ebenfalls anwesend
gewesen und natürlich war sie auch Zeugin des Kusses geworden.
Bei dem Gedanken stieg ihr wieder die Schamesröte ins Gesicht.
Wie hatte sie sich nur so in Legolas Berührungen verlieren können?
Sie kannte sich selbst nicht wieder. Der bloße Gedanke an seinen
Kuss reichte schon aus um ihr immer wieder angenehme Schauer durch
den gesamten Körper zu jagen- Schauer, die sie in dieser Intensität
noch nie verspürt hatte. Ravena war gleichermaßen verwirrt
und aufgeregt. Dieser Kuss war nicht ihr erster gewesen und dennoch
ließ er alle anderen verblassen. Nie zuvor waren ihre Lippen
so zärtlich liebkost worden.
Irritiert versuchte sie ihre Gedanken wieder unter Kontrolle zu bringen.
Sollte sie sich tatsächlich in diesen Elben verliebt haben? Was
wusste sie denn über ihn? Nichts. Er gehörte einer Art an,
über die sie nicht sehr viel mehr wusste als dass, was sie in
den zahlreichen Märchen und Geschichten ihrer Kindertage gehört
hatte. Mit einem versonnenem Lächeln auf dem Gesicht erinnerte
sie sich daran, wie sie früher ihren Vater immer um Geschichten
über das "Schöne Volk" angebettelt hatte um somit
die Schlafenszeit auf unbestimmte Zeit nach hinten zu verschieben.
Er konnte dem bittenden Blick ihrer großen, blauen Kulleraugen
nur selten wiederstehen, sodass sie sich oftmals bis tief in die Nacht
in einer Geschichte über die Elben wiederfand, denn ihr Vater
konnte so lebhaft erzählen, dass sie sich immer in das Geschehen
hineinversetzt sah. Ach, wie sehr hatte sie sich damals gewünscht
ein solches Geschöpf zu erblicken. Mit ihrer lebhaften Fantasie
hatte sie sogar die ithilischen Wälder in der festen Absicht
einen Elben zu überraschen, durchstreift- hatte ihr Vater ihr
doch erzählt, dass sie sich gerne vor menschlichen Augen verborgen
hielten. Aber leider waren ihre Hoffnungen nie mit Erfolg gekrönt
worden. Mit der Zeit schlich sich die Realität in ihre Tagträume,
aber die Faszination über dieses schwergreifbare Volk war geblieben.
Waren ihre Gefühle für Legolas nun lediglich von dieser
Faszination geprägt oder gingen sie tiefer? Ravena lies sein
Bild Revue passieren. Er war überirdisch schön und seine
Bewegungen besaßen eine Eleganz, die sie nie zuvor bei einem
Lebewesen beobachtet hatte. Doch all diese Eigenschaften besaßen
die anderen Elben, die sie gesehen hatte auch. Glorfindel oder Haldir
standen Legolas in ihrem Aussehen und ihren Talenten um nichts nach-
so objektiv erlaubten Ravenas Gefühle ihr noch zu sein. Nein,
da war mehr an diesem ganz besonderen Elb. Jedes Mal, wenn sie sich
in seinen Augen verlor, hatte sie das Gefühl auf unsichtbaren
Schwingen davongetragen zu werden. Dann war es ihr, als wäre
er fähig bis in die tiefsten Regionen ihres Herzen zu schauen
und was Ravena am meisten Überraschte: Sie ließ ihn gewähren.
Dennoch versuchte Ravena sich nicht allzu viele Illusionen über
die Erwiderung ihrer Gefühle zu machen. Sicher, er hatte sie
geküsst- aber dazu ist er von König Elessar ja auch mehr
oder weniger genötigt worden. Doch andererseits hätte er
sie dann auch fliehen lassen können. Nein, stattdessen hatte
er sie wieder eingefangen und Maßnahmen ergriffen, damit sie
ihm nicht noch einmal entfliehen würde. Erneut ergriff sie die
Verwirrung. Seufzend beschloss sie abzuwarten und dabei zu versuchen
in so wenige Fettnäpfchen wie möglich hinein zu stolpern.
Das erinnerte sie an ein weiteres leidliches Problem: den Ball. Trotz
ihrer Standpauke hatte ihre Chefin ihre Aufregung über Ravenas
Einladung nicht verbergen können. Alle ihre Einwände hatte
sie mit einem "Ach Kindchen, lass das mal meine Sorge sein."
vom Tisch gewischt und sie statt dessen zum Baden geschickt. Dieses
mal hatte kein Elbenprinz sie gestört- eine Tatsache, worüber
sie beinahe ein wenig enttäuscht gewesen war. Nun, das gab ihr
Zeit genug, sich mit dem Entwirren ihrer Haarmassen zu befassen. Hätte
ihre Großmutter ihr nicht noch auf dem Sterbebett das Versprechen
abgetrotzt, niemals ihre Haare zu schneiden, wären sie schon
ein gutes Stück kürzer. Ravena musste über die weise
Vorrausicht ihrer Großmutter lächeln, denn genau dass hatte
sie nun erfolgreich verhindert. Sie hatte immer zu behaupten gepflegt,
dass das einzige, das Ravena als Mädchen identifizieren würde,
ihre Haare wären.
Nun stand sie nur mit einem großen Handtuch bekleidet, dass
sie um ihren Körper geschlungen hatte, vor ihrer Kammer und fragte
sich, mit welchen Einfällen ihre Chefin wohl aufwarten würde.
Langsam drehte sie den Knauf um die Tür zu öffnen. Knarrend
sprang sie auf. Als sie einen Schritt in das Zimmer hineintrat, glaubte
sie einen Schatten aus dem offenen Fenster verschwinden zu sehen.
Ravena hielt inne, offenes Fenster? Sie war sich sicher, es am frühen
Morgen geschlossen zu haben. Dann fiel ihr Blick plötzlich auf
ihr Bett und ein überraschter Schrei entfuhr ihren Lippen. Litt
sie nun schon an Erscheinungen? Schnell war sie am Fenster um noch
einen Blick auf den vermeintlichen Schatten zu werfen, doch der war
längst hinter alle Berge. Immer noch mit einem vor Staunen offenem
Mund wandte sie sich wieder ihrer Schlafstelle zu. Dort lag das mit
Abstand schönste Kleid, dass ihr jemals vor die Augen gekommen
war. Vorsichtig berührte sie den Stoff- so als fürchte sie,
dass es verschwinden würde. Es war von einem solchen hellen Blau
wie ein wolkenloser Sommerhimmel. Plötzlich realisierte sie,
dass es die Farbe ihrer Augen war. Das Kleid genauer in Augenschein
nehmend, erkannte sie, dass es ungefähr ihre Größe
haben müsste. Ravena berührte ein weiteres Mal den Stoff.
Welch ein Material war das? Es fühlte sich so weich und fließend
an. Sie war sich sicher, noch nie einen solchen Stoff berührt
zu haben. Vorsichtig, aus Furcht etwas durch ihre Tollpatschigkeit
kaputt zumachen, nahm sie es hoch.
Das Oberteil bestand aus einem Mieder, dass am Rücken geschnürt
wurde. Es war durch kunstvolle, silberne Stickereien verziert. Seine
Ärmel lagen eng an und begannen ab dem Ellbogen wieder auseinander
zu gehen. Der Rock floss, ein anderes Wort wollte ihr bei dessen Anblick
nicht in den Sinn kommen, bis auf den Boden. Staunend betrachtete
sie das Kunstwerk. Was hatte es in ihrem Zimmer zusuchen? Noch nicht
einmal an den Adeligen Frauen der Stadt hatte sie jemals solch eine
Pracht bewundern können. Plötzlich vernahm Ravena einen
erstickten Aufschrei. Als sie sich dem Ursprungsquell des Geräusches
zuwandte, sah sie ihre Chefin und Siägä im Türrahmen
stehen. Sie hatte sich vor lauter Überraschung eine Hand vor
den Mund gepresst.
"Oh Kindchen, wir haben deinen Schrei gehört. Was ist geschehen
und wo hast du denn solch ein Kleid her?" Ravena wollte gerade
zu einer Entgegnung ansetzten, als ihre Chefin mit geweiteten Augen
fortfuhr: "Und sieh nur, diese Schuhe. Hast du schon einmal so
etwas gesehen?" Ravena schaute in die angewiesene Richtung. Nein,
hatte sie nicht. Vorsichtig legte sie das Kleid beiseite und wandte
sich erstaunt den Schuhen zu. Sie war vorher zu sehr von dem Kleid
abgelenkt gewesen, als dass sie ihr aufgefallen wären. Es waren
Pantoffel aus blauem Glas, sodass sie perfekt zu dem Kleid passten.
"Nun, damit wäre das Kleidungsproblem wohl gelöst."
Endlich konnte sich auch Siägä zu Wort melden. Ravena, sich
plötzlich ihrer spärlichen Bekleidung erinnernd, jagte ihren
lachenden Freund erschrocken aus ihrer Kammer. Sie seufzte auf, irgendwie
schien sie in letzter Zeit ein Händchen dafür zu haben halb
nackt von diversen Männern erwischt zuwerden.
"Also Mädchen, ich hab ja keine Ahnung wie solch ein Kleid
in dein Zimmer kommt, aber es scheint, dass du mit deinem Sieg heute
einen reichen Gönner gewonnen hast."
Ravena dachte nach. Einen Gönner? Wer würde ihr den schon
solch ein kostbares Geschenk machen? Weshalb nur entzog sich in den
letzten Tagen alles, aber auch wirklich alles ihrer Kontrolle? Seufzend
strich sie wieder über das Kleid. Siägä hatte recht,
damit wäre das Kleiderproblem tatsächlich gelöst- und
dennoch behagt ihr der Gedanke in jemandes Schuld zu stehen ganz und
gar nicht.
************************************************************************
"Raveeeeeeeena, nun stell dich nicht so an und komm schon runter!"
Siägäs Stimme hallte nach oben zu ihrer Kammer.
"Nein."
"Wieso nicht? Esmee hat gesagt du wärst fertig." Oh
ja, Esmee. Siägäs Beinaheverlobte- wenn er denn endlich
mal den Mut aufbringen würde um ihre Hand anzuhalten- war kurze
Zeit nach dem kostbaren Fund erschienen, um Ravena über das Turnier,
Legolas und natürlich auch den Ball auszufragen. Während
der Zeit, die Ravena sich nun schon in Gadara befand, war Esmee zu
einer ihren besten Freundinnen geworden. Diese Tatsache allein war
schon merkwürdig genug, denn es gab in ganz Mittelerde wohl kein
unterschiedlicheres Paar als Ravena und Esmee. Nun, vielleicht Legolas
und Gimli ausgeschlossen, dachte Ravena mit einem Lächeln. Esmee
war das genaue Gegenteil von ihr. Sie war das, was man allgemein hin
als wunderschön bezeichnete. Oh wie beneidete Ravena sie um ihre
langen, blonden Haare, die nicht durch ein einziges Löckchen
gestört wurden. Ihre Intelligenz konnte es jeder Zeit mit ihrer
Schönheit aufnehmen und sie war das Bild einer gut erzogenen,
fleißigen Frau, die ihre Aufgaben genau kannte. Dementsprechend
erfreute sie sich auch größter Beliebtheit. Siägä
sollte sich wohl mit seinem Antrag besser beeilen, wenn er nicht wollte,
dass ihm jemand zuvor kommt.
"Zu eng!"
"Was?"
"Dieses Kleid ist mir definitiv zu eng!" Ravena betrachtete
sich zweifelnd im Spiegel. Esmee hatte ihr kurzerhand beim Anziehen
und Zurecphpachen geholfen. Eine Tatsache wofür Ravena ihr sehr
dankbar gewesen war- hätte sie alleine doch noch nicht einmal
das Kleid anbekommen. Aber das größte Kunstwerk stellten
eindeutig ihre Haare dar. Esmee hatte darauf bestanden Ravenas Haare
offen zu lassen, sodass sie nun in langen Wellen über ihren Rücken
fielen und erst an ihren Kniekehlen endeten. Während dem stundenlangen
Kämmen hatte sie Ravena über Legolas ausgefragt, denn natürlich
war nicht nur ihr, sondern auch allen anderen Zuschauern aufgefallen,
dass ihr Kuss 'etwas' länger gedauert hatte, als es vielleicht
schicklich gewesen wäre. Ravena war froh endlich einmal ihr Herz
erleichtern zu können.
"Das Kleid ist nicht zu eng, sondern figurbetont, Ravena.",
ließ sich nun auch Esmees vergnügte Stimme vernehmen. Sie
kannte Ravenas Gefühle zu dem Elbenprinzen und hatte alles unternommen,
damit sie ihm auch auffallen würde- falls das überhaupt
noch nötig sein sollte. Amüsiert erinnerte sie sich an das
selige Lächeln auf den Lippen des Elben kurz nach dem Kuss. Sie
gönnte Ravena diese Liebe von Herzen und hoffte, dass alles klappen
würde, denn seit sie Ravena nun kannte hatte sie niemals erlebt,
dass sie sich einem Verehrer so geöffnet hatte.
"Ich bekomme keine Luft." Wieder betrachtete Ravena ihr
Spiegelbild. Das hier war nicht sie. So weit sie zurückdenken
konnte war sie schon immer wild und unbändig gewesen- in etwa
so wie ihre Haare- und nun sollte sie plötzlich in ein Korsett
eingeschnürt werden? Nein, das war gegen ihre Natur. Sie konnte
jetzt schon vorhersagen, dass an diesem Abend etwas schief gehen würde.
Esmee hätte an ihrer Stelle auf diesen Ball gehen sollen. Sie
würde sicherlich in kein Fettnäpfchen treten.
"Ravena, du machst dich jetzt auf der Stelle hier herunter."
Sie seufzte auf. Gegen den dominanten Befehl ihrer Chefin würde
sie wohl kaum ankommen können. Vorsichtig, so als hätte
sie Angst ihre Glasschuhe zu zerbrechen, machte sie sich auf ihren
Weg nach unten. Amüsiert betrachtete sie die offenen Münder
die sie unten erwarteten. Natürlich hatte sich die Nachricht
von Ravenas Einladung schnell herumgesprochen, sodass nicht wenige
vorwitzige Nachbarn dem Wirtshaus einen Besuch abgestattet hatten-
schließlich bekam man Ravena so nicht allzu oft zu Gesicht.
"Ravena", Siägä starrte sie mit offenem Mund
an, "du siehst ja wie eine richtige Frau aus."
Wenn Blicke töten könnten, wäre Siägä nun
mit tausend Pfeilen durchbohrt worden.
"Du verstehst es wirklich einer Frau Komplimente zu machen.",
meinte Ravena ironisch, "ich frage mich wirklich was Esmee an
dir findet."
"Da bist du ja wieder, Ravena", erwiderte er nun mit einem
frechen Grinsen, "ich dachte schon du hättest dich komplett
in eine dieser Dame verwandelt. Aber mit deinem Mundwerk solltest
du dich vorsehen. Du weißt in welche Schwierigkeiten dich das
immer bringt."
"Und du solltest auf deinen Rücken aufpassen. Du weißt
wir haben wegen dem Fluss noch eine Rechnung offnen.", flüsterte
sie daraufhin drohend in Siägäs Ohr, sodass nur er es hören
konnte. Das hielt ihn von weiteren Kommentaren ab.
"Ach hör nicht auf ihn, Ravena. Du siehst toll aus.",
meinte nun Esmee solidarisch.
"Ja, du hast gute Arbeit geleistet. Danke für alles."
Sie umarmte ihre Freundin.
"Viel Glück." Ravena fragte sich ob Esmees Kommentar
auf den Ball oder auf Legolas bezogen war- wahrscheinlich auf beides.
"Und jetzt zeig diesen Adeligen einmal wie man richtig feiert."
"Und pass auf, dass du nichts kaputt machst oder niemandem auf
die Füße trittst." Mit so oder so ähnlichen Ratschlägen
wurde Ravena in Richtung des Schlosses verabschiedet.
************************************************************************
Das große Tor wurde von vier Soldaten bewacht. Unschlüssig
bewegte sie sich darauf zu. Was wenn man sie nicht einlassen würde?
Immerhin war sie keine von ihnen. Sobald sie die Wächter erreicht
hatte, wurde sie misstrauisch in Augenschein genommen. Sie musste
ziemlich verloren ausgesehen haben. Außerdem war sie alleine-
höchst ungewöhnlich für eine Frau zu so später
Stunde. Ihr Pferd Luke, auf dem sie hergeritten war, hatte sie einige
Straßen vorher bei einem Freund ihres Chefs untergestellt.
"Name?" Die Stimme des Wächters klang nicht unfreundlich,
doch man merkte ihm an, dass er sie nicht für einen geladenen
Gast hielt.
"Ravena.", antwortete sie unsicher. Was, wenn man sich
nur einen großen Scherz mit ihr erlaubt hatte? "Ravena
Dunkirk."
Der Soldat ging eine Liste durch. Ravenas Herz begann immer schneller
zu schlagen, doch plötzlich hellte sich seine Miene auf.
"Ja hier haben wir Euch.", und etwas freundlicher setzte
er hinzu, "Sie sind der Ehrengast."
Ehrengast? Ravena war sich nicht sicher ob das etwas gutes bedeutete.
Sie war noch nie auf einem Ball gewesen und das letzte was sie an
diesem Abend brauchen konnte, war Aufmerksamkeit. Auf ein Zeichen
des Wachmanns hin öffneten zwei seiner Männer das Tor, sodass
Ravena eintreten konnte.
"Ach übrigens" Ravena drehte sich zu dem Soldaten
um. Würde man sie etwa doch nicht einlassen? "Euer Siegesschuss
wird noch lange seines Gleichen suchen."
Erleichtert stieß sie einen Seufzer aus und schenkte dem Soldaten
ein schelmisches Lächeln. "Das will ich meinen." Damit
trat sie durch das Tor.
Nur unbewusste registrierte sie noch, wie das Tor hinter ihr wieder
ins Schloss fiel, denn diese vollkommen andere Welt in der sie sich
jetzt befand, beanspruchte ihre gesamte Aufmerksamkeit. Staunend blickte
sie sich um. Sie war, wie alle Gäste an diesem Abend, durch das
Parktor eingetreten. Von diesem Tor aus führte eine prächtige
Allee gerade auf das Schloss zu. Die Bäume, die auf beiden Seiten
des Pfades wuchsen trafen sich mit ihren Ästen in der Mitte des
Weges, sodass sie ein schützendes Blätterdach bildeten.
Dieser Anblick würde unter normalen Umständen schon zum
träumen anregen, doch für die heutige Nacht war alles noch
prunkvoller geschmückt worden. Überall säumten Fackeln,
die der gesamten Szenerie etwas märchenhaftes verliehen, die
Pfade. Das ungetrübte Sternenzelt am Himmel, das sich nur vereinzelt
durch das Blätterdach seinen Weg bahnen konnte, tat sein übriges.
Angezogen von den Lichtern und Stimmen am Ende der Allee, raffte Ravena
ihr Kleid und begann sich in Bewegung zu setzen.
Als sie das Ende der Allee erreicht hatte, blieb sie ein weiteres
Mal staunend stehen, um alle neuen Eindrücke auf sich wirken
zu lassen. Der große Gartenbereich vor dem Schloss war ebenfalls
zum Tanzen hergerichtet worden. Er war mit prachtvollen Zelten, fremdartigen
Lampions und unzähligen Fackeln geschmückt. Auf Ravena machte
alles einen unwirklichen Eindruck. Plötzlich wurde sie wieder
in die Realität zurückgeholt, denn mit ihrem Erscheinen
zog sie jede Menge teils misstrauische, teils interessierte Blicke
auf sich.
"Wer ist diese rothaarige Fremde in diesem wundervollen Kleid?",
konnte man es überall flüstern und raunen hören. Ravena
versuchte es so weit wie möglich zu ignorieren und den Menschen,
an denen sie vorüberkam, freundlich zuzunicken. Plötzlich
musste sie lächeln. Höchstwahrscheinlich kannten all diese
Menschen sie bereits von dem Turnier am heutigen Mittag- ohne Schmutz
im Gesicht und in ihrem jetzigen Aufzug erkannte man sie bloß
nicht.
Bemüht selbstsicher zu wirken, nahm sie die letzten Stufen zum
Ballsaal in Angriff. Doch als sie oben angekommen war zögerte
sie. Was hatte sie hier nur zu suchen? Nichts. Man würde sich
allerhöchstens einen Spaß aus ihrem Turnierauftritt machen.
Plötzlich überkam sie ein ungeheures Bedürfnis, sich
auf dem Absatz umzudrehen und sich davon zu machen. Aber ihre Flucht
fand ein jähes Ende, als sie während ihrer gehetzten Kehrtwendung
mit jemandem zusammenstieß. Ravena wollte am liebsten im Boden
versinken. Noch keine halbe Stunde da, und schon hatte sie sich bis
auf die Knochen blamiert. Plötzlich spürte sie die Hände
an ihren Oberarmen, die sie kurz nach dem Zusammenprall aufgefangen
hatten, damit sie nicht zurückfallen konnte. Zögernd schaute
sie nach oben und hoffte dabei inständig nicht den König
über den Haufen gerannt zu haben. Ihr ganzer Körper zuckte
zusammen, als sie sich plötzlich den blauen Augen des Elbenprinzen
gegenüber sah. Unwillkürlich musste sie an den Kuss denken
und sich fragen wie es wohl wäre diese Lippen noch ein weiteres
mal auf den ihren zu spüren. Doch gleich darauf brachte sie sich
selbst zur Räson. Sie durfte sich nicht schon wieder in ihren
Gefühlen verlieren- vor allem wenn sie nicht wusste ob sie auch
erwidert wurden. Plötzlich bemerkte sie, dass der Elb noch keinerlei
Anstalten gemacht hatte, seine Hände von ihr zu nehmen. Er hielt
sie mit seinen Augen gefangen. Wie lange standen sie so dort? Ravena
hatte bereits zum zweiten Mal an diesem Tage jedwedes Gefühl
für Zeit und Raum verloren. Sie musste etwas sagen. Er erwartete
bestimmt eine Entschuldigung.
"Es...es tut mir leid." Legolas musste lächeln. Da
war sie schon wieder: diese Röte auf ihren Wangen, die anscheinend
unweigerlich jedem ihrer Zusammentreffen folgte. Er konnte sich einfach
nicht überwinden sie wieder loszulassen. Dazu war er viel zu
sehr in ihrem Duft und ihrer Schönheit gefangen. Sie war vielleicht
keine Schönheit im konventionellen Sinne, doch da war etwas,
das tief aus ihrem Inneren nach draußen schien und dieses etwas
machte sie schöner als jede Elbe, die er je erblickt hatte. Er
musste an den Kuss denken. Was gäbe er dafür nur noch ein
einziges mal ihre Lippen spüren zu können- aber er durfte
nichts überstürzen. Heute Mittag hatte er ihr nicht die
geringste Chance einer Entscheidung gelassen, doch beim nächsten
Mal, wenn es denn eins geben sollte, sollte es aus ihrem freien Willen
heraus geschehen.
"Es ist keine Entschuldigung von Nöten, meine Dame, denn
ich kann mir nichts berauschenderes vorstellen als ihre Nähe."
Ihre Wangen verfärbten sich noch einen Tick mehr ins Rötliche.
Legolas bemerkte schnell, dass sie diese Art von Komplimenten nicht
gewohnt war. Dennoch kam er nicht umhin sich einzugestehen, dass er
es liebte der Grund für ihre roten Wangen zu sein- gaben sie
ihm doch einen Einblick in ihr Innerstes. Solch eine Natürlichkeit
erlebte er selten bei den abgebrühten Damen, die solche Komplimente
täglich zu hören bekamen.
"Vielleicht sollten wir hinein gehen? Ich hoffe doch nicht,
das sie vorhatten uns schon zu verlassen? Der Tanz hat noch nicht
einmal richtig angefangen." Ravena verfluchte sich ein weiteres
Mal dafür, dass sie die Farbe ihrer Wangen nicht mehr kontrollieren
konnte, sobald sie in die Augen dieses Elben sah. Wieso nur brachte
er sie immer wieder aus dem Konzept? Sie seufzte auf und gab sich
geschlagen.
"Nein, natürlich können wir hinein gehen." Damit
reichte er ihr seinen Arm, den sie vorsichtig nahm. In diesem märchenhaften
Licht wirkte er noch schöner. Er trug nicht seine gewöhnliche
braungrüne Kleidung, in der sie ihn sonst immer gesehen hatte,
sondern eine funkelnde tiefblaue Tunika zu einer schwarzen Hose. Gemeinsam
traten sie schließlich ein. Die meisten Gäste saßen
bereits, das Abendmahl erwartend, an ihren Tischen. Sofort wandten
sich ihnen alle Blicke zu. Wieder wunderte man sich über die
Identität dieser rothaarigen Schönheit, die in Begleitung
des Elbenprinzes erschienen ist. Aber nicht alle Blicke waren wohlgesonnen.
Viele anwesende Damen packte angesichts Ravenas wunderschönem
Kleid und der Beachtung die man ihr zuteil werden ließ der Neid-
nicht zuletzt, weil man sich selbst an die Seite des Elben wünschte.
Doch von alldem bekam Ravena nichts mit, denn sie wurde zu sehr von
der Pracht des Ballsaals eingenommen. Sie war froh über Legolas
an ihrer Seite, der sie sanft führte. Ohne ihn wäre sie
sich ziemlich verloren vorgekommen.
Doch als sie plötzlich bemerkte in welche Richtung er sie dirigierte
wurde sie unsicher. Ihr Griff um den Arm des Prinzen wurde fester.
Legolas bemerkte das und sah sie fragend an.
"Ihr geht genau auf den Tisch des Königs zu.", zischte
sie ihm leise zu. Unwillkürlich musste Legolas wieder lächeln.
Es schien, als habe sie mit dem Äpfelbombardement und dem Bogenschießen
noch nicht ganz abgeschlossen.
"Aber natürlich. Dort ist unser Platz."
"Da ist Euer Platz, aber bestimmt nicht meiner." Sie hörte
sich etwas verunsichert an.
"Sicher ist dort Euer Platz. Ihr seit doch der Ehrengast."
Einmal mehr verwünschte Ravena sich selbst. Jetzt musste er schon
mit ihr reden wie mit einem kleinen Kind. Was er jetzt wohl schon
wieder von ihr halten mochte? Aufseufzend ließ sie sich von
ihm in ihr Schicksal führen. Sie wartete nur darauf, dass irgendetwas
schief gehen würde. Als sie am Tisch des Königs ankamen,
wurden sie sofort aufmerksam beäugt. Legolas machte Ravena mit
allen bekannt. Neben der gesamten Ringgemeinschaft und der Königin,
war auch noch deren Vater, Lord Elrond mit seinen Beratern anwesend.
Außerdem gaben sich der Baron, Herzog Randulf, die Abordnung
aus Lothlorien und einige hochrangige Adelige aus Gadara die Ehre.
Angesicht dieser Persönlichkeiten hätte Ravena nichts lieber
getan, als sich im hintersten Ecken des Ballsaals zu verkriechen.
Hier hatte sie wirklich nichts zu suchen. Außerdem spürte
sie bei dem Gedanken, dass sie alle ihren Kuss mitbekommen hatten,
wieder eine, mittlerweile nur allzu bekannte, Wärme in ihr Gesicht
steigen.
"Würdet Ihr mir die Ehre erweisen meine Tischdame zu sein?",
sie wandte ihre Aufmerksamkeit wieder Legolas zu, der sie abwartend
ansah. Als sie durch ein Nicken ihre Zustimmung signalisiert hatte,
zog er glücklich den Stuhl neben Pippin für sie zurück
und setzte sich, nachdem sie sich darauf niedergelassen hatte, neben
sie. Ravena harte derweil der Dinge die da kommen würden. Wie
würden wohl Herzog Randulf und die Elben auf ihre Täuschung
reagieren?
************************************************************************
Soooo das hier war der erste Streich und der zweite
folgt...irgendwann in den nächsten Tagen? Ich werd mich ranhalten,
ich versprechs. Das kapitel is mal wieder nur halbfertig, aber ich
wollte euch ja nicht zu lange warten lassen:)...achja, Tarek is nicht
vergessen...
Kapitel 7 (zweiter
Teil)
Finda kannst du deine
Reviews, Lob, Anregungen und (konstruktive!) Kritik unter dieser Adresse
zukommen lassen: Finda@OBLonline.de