Disclaimer: Alles gehört Tolkien, außer Ravena
und Siägä.
Alles Gedankengut der Autorin unter dem Copyright des "persönlichen
Gedankenguts" als "geschützt" zu akzeptieren.
Anmerkung der Autorin: Außerdem entschuldige ich mich schon mal
im Voraus für meine Form, weil ich nämlich absolut keine Ahnung
von Rechtschreibung oder Kommasetzung hab. *g* Also stört euch
bitte nicht dran, falls ihr ein paar ziemlich merkwürdige Konstruktionen
entdeckt *lol* Okay hier ist Kapitel 2...ich hoffe es gefällt euch
Während dem Ritt Richtung Stadt wurde kaum gesprochen, denn jeder
hing seinen eigenen Gedanken nach, die sich immer noch um den Vorfall
mit dem Mädchen drehten.
Gimli grinste vor lauter Schadenfreude immer noch in seinen Bart
und hin und wieder konnte man sogar ein unterdrücktes Glucksen
hören, dass sich seinen Weg nach draußen bahnte. Auch wenn
Legolas mittlerweile zu einem seiner engsten und besten Freunde zählte,
konnten es die beiden einfach nicht lassen sich gegenseitig aufzuziehen-
und das Bild des Elben, wie er, von Äpfeln bombardiert, vom Rücken
des Pferdes gefallen war und sich dabei auch noch hoffnungslos in
seinem Mantel verheddert hatte, der beim Fall über seinen Kopf
gefallen war, war einfach nur ein Bild für die Götter und
damit perfekt zum aufziehen geeignet.
Gimli konnte es kaum erwarten die Geschichte Merry und Pippin zu erzählen.
Zu dritt würde es noch viel größeren Spaß machen
Legolas zu ärgern.
„Der immer wachsame und so graziöse Elb, von einer Sterblichen,
die kaum mehr als 20 Jahre zählen mag, vom Pferd geschmissen.“
Erneut verzog sich sein Gesicht zu einem breiten Grinsen.
Ja, sie sind von einer Frau im wahrsten Sinne des Wortes vom Pferd
bombardiert worden. Auch Aragorn konnte sich, auf Grund der Absurdität
der ganzen Situation, ein Schmunzeln nicht verkneifen.
Sie, die Helden des Ringkrieges, die schon unzählige lebensgefährliche
Situationen gemeistert hatten, waren besiegt worden von einer einfachen
Frau. Doch war sie wirklich so einfach? Mit einem kurzen Aufstöhnen
dachte er an all die schmerzenden Stellen seines Körpers, die
von den Äpfeln getroffen worden waren. Das Mädchen, wie
war ihr Name doch gleich? Ravena, ja Ravena hatte in der Tat einen
ziemlich harten Schlag drauf gehabt. Wo sie wohl diese Kraft und vor
allem diese schmerzhafte Treffsicherheit herhaben mochte? An Mut schien
es ihr auf jeden Fall nicht zu mangeln. Eigentlich ist es schade dass
sie nicht als Mann geborgen wurde, denn mit der richtigen Ausbildung
hätte sie einen hervorragenden Krieger abgegeben.
Über eine Sache konnte es jedenfalls keinen Zweifel geben. Hätte
Ravena einen Bogen anstelle der Äpfel in den Händen gehabt
würden Legolas und er jetzt nicht mehr in diesen Gefilden weilen.
Dennoch hatte er sie nicht bestraft. Er hatte schnell begriffen dass
er dem Mädchen, so abgerissen wie er in seinen Waldläuferkleidern
aussah, keinen Vorwurf machen konnte, weil sie ihn nicht erkannt hatte-
das war es ja auch was er mit dieser Kleiderwahl im Sinn hatte. Sie
musste ihn für einen Dieb gehalten haben. Umso mutiger war ihr
Verhalten gegenüber den potenziellen Dieben.
Doch damit lies er das Thema hinter sich und seine Gedanken in ganz
andere Richtungen wandern...Arwen. Schon diese eine Woche der Trennung
war eindeutig zu lange gewesen.
In den drei Jahren, die seit Saurons Vernichtung vergangen waren,
hatte er all seine Energie in den Wiederaufbau des verwüsteten
Gondors gesteckt und dabei hervorragende Arbeit geleistet. Gadara,
aber auch Minas Tirith waren die besten Beispiele dafür.
Doch er hatte sein altes Waldläuferleben vermisst. Also beschloss
er, der alten Zeiten willen, die Gemeinschaft des Rings wieder zu
versammeln und Legolas und Gimli, die ihren Weg vom Fanghorn aus in
Angriff nahmen, entgegen zu reiten um die beiden dann nach Gadara
zu begleiten- wo er dann auch seine Frau wieder treffen wollte. Beim
Gedanken an sie stahl sich ein Lächeln auf seine Züge. Allein
diese Woche genügte um ihm klarzumachen wie sehr er sie vermisste
und brauchte. In den vergangenen Jahren war sie ihm eine große
Stütze gewesen und er liebte sie sehr dafür. Schon bald
würde er sie wieder in seinen Armen halten können.
Indessen war Legolas gezwungen sich seinem Schicksal zu ergeben und
die Sticheleien des Zwerges zu ertragen. Er war sich sicher dass Gimli,
wäre er unsterblich, ihn noch in den nächsten zwei Zeitaltern
damit aufziehen würde.
Dennoch spürte er keine Wut gegenüber Ravena, ja, das war
ihr Name, sondern vielmehr eine, angesichts der eben erlebten Peinlichkeit,
schwer zu erklärende Heiterkeit, die er in dieser reinen Form
sonst nur erlebte, wenn er sich in einem verbalen Schlagabtausch mit
seinem Freund Gimli befand.
Obwohl Legolas einräumen musste, dass er im Verhalten menschlicher
Frauen nicht gerade bewandert war, konnte er sich nicht vorstellen,
dass jede Frau so reagiert hätte wie Ravena. Wäre da nicht
die Tatsache das er ein Elb war, würden am nächsten Morgen
eine Menge blaue Flecken seinen schönen Körper zieren. Amüsiert
schaute er auf Aragorn, der auf seinem Pferd wie auf einem unbequemen
Stuhl saß und immer wieder versuchte eine bequemere Stellung
zu finden, weil er wahrscheinlich jeden Körperteil spürte.
So viel Kraft hätte er diesem Mädchen niemals zugetraut.
Er dachte an das fast dürre Bild, dass Ravena ihm, vor Aragorn
kniend, geboten hatte.
Noch nie hatte er sich zu einer Sterblichen in irgendeiner Art und
Weise hingezogen gefühlt. Dazu waren die eleganten Elbenfrauen
mit ihrer unvergleichlichen Schönheit den Menschenfrauen einfach
in jeglicher Hinsicht um ein vielfaches überlegen. Auch diese
Ravena schien auf den ersten Blick nicht viel mehr als eine gewöhnliche
Menschenfrau zu sein, wären da nicht drei kleine aber feine Dinge
die seine Aufmerksamkeit und auch seine Neugier geweckt hatten.
Da wäre zunächst einmal ihr roter Lockenkopf. Noch nie in
seinem, nun doch schon fast dreitausendjährigem Leben hatte er
eine derartige Haarfarbe bei einer Elbe bemerkt. Die erste und einzige
Assoziation die ihm beim Anblick von Ravenas Haaren in den Sinn kam
war die von brennendem Feuer-
„das sie bewiesenermaßen ja auch in sich trägt“
,dachte er schmunzelnd, während er sich die Stelle an seiner
linken Schulter rieb, die einen ganz besonders gut platzierten Apfel
abbekommen hatte. Ob wohl viele Menschen solch eine Haarfarbe besaßen?
Er musste sich bei Gelegenheit einmal bei Argorn danach erkundigen.
Das zweite waren ihre Augen. Sie waren von einem so hellen blau wie
der Himmel, wenn er von keiner Wolke getrübt wurde und strahlten
eine Tiefe und Klugheit aus, die ihn, in dem kurzen Augenblick in
dem sie ihn angestarrt hatte, überrascht hatte. Sie hatte wohl
schon mehr gesehen als eine Frau in ihrem Alter vielleicht sollte.
„Obwohl Elben anscheinend nicht darunter waren“ Amüsiert
erinnerte er sich an ihr überraschtes Gesicht als sie ihn erblickt
hatte.
Ja, und das dritte war nicht zuletzt ihr entschlossenes Auftreten,
zumindest das, bevor sie Aragorn als ihren König erkannt hatte.
Legolas konnte sich nicht erinnern wann er das letzte mal unbemerkt
„aus dem Hinterhalt“ angegriffen worden war.
„Zum Glück hatte sie keinen Bogen in der Hand“, dachte
er erleichtert, „sonst würde ich jetzt bereits in Mandons
Hallen wandeln.
„Doch was soll dieses Grübeln, höchstwahrscheinlich
werde ich sie sowieso nie wieder sehen.“
Da die Gefährten nach der Unterbrechung auf der Apfelplantage
ihren weiteren Weg unbehelligt fortsetzen konnten, erreichten sie
schon kurze Zeit später die Stadtmauern.
Gadara hinterließ zwar nicht einen solch imposanten Eindruck
wie die Hauptstadt Minas Tirith, hatte aber durchaus etwas für
sich, wozu nicht zuletzt deren Blauschimmer beitrug. Alle Mauern waren
mit einer besonderen, blauen Steinart gebaut worden, die man nur im
Umkreis von Gadara finden konnte. Wenn nun die Sonne, so wie an diesem
Tag, auf die flachen Dächer und die Stadtmauern schien, glänzte
sie förmlich in der ihr eigenen blauen Farbe. Dementsprechend
wurde Gadara auch „die Blaue Stadt“ genannt.
Schweigend genossen die drei das ungewohnte Bild dass sich ihnen bot.
Selbst Legolas, die unübertroffene Elbenarchitektur gewohnt,
musste die Schönheit der Stadt anerkennen.
Ihre Ankunft war nicht unbemerkt geblieben. Die Straßen waren
überfüllt mit Menschenmengen, die ihrem König und den
beiden Helden des Ringkrieges zujubelten. Kaum vorankommend mussten
sie sich ihren Weg in Richtung des Stadtschlosses bahnen, die Residenz
des Stadtverwalters Baron von Minok, deren Vorhof ebenfalls von jubelnden
Menschen belagert wurde.
Auch das Schloss glänzte, wie der Rest der Stadt, in einem schimmernden
Blau, das durch die Anwesenheit von schmückenden Diamanten unterstützt
wurde. Sie zierten die Torbögen und sämtliche Fenster.
Vollkommen eingenommen von diesem Farbenschauspiel warteten die drei
auf den Baron. Doch nicht er war es, der seine hohen Gäste zuerst
begrüßte, sondern die Königin Arwen selbst.
Aragorn konnte vor lauter Glück seinen Augen kaum glauben, als
er sie auf der obersten Treppe des Schlosses stehen sah. Sie sah wahrhaft
wie eine Königin aus, aber sie sollte doch erst am Nachmittag
eintreffen?!
Schnell sprang er von seinem Pferd herunter um ganz unköniglich
die letzten Stufen, die ihn von seiner geliebten Frau trennten zu
überwinden, damit er sie endlich in seine Arme schließen
und ihr einen langen Kuss geben konnte, der von der immer noch zuschauenden
Menschenmasse jubelnd kommentiert wurde.
„Arwen“, setzte Aragorn noch völlig außer
Atem an, „ich dachte du würdest erst heute Nachmittag hier
ankommen.“
„Nun, ich hatte vor meinem Lieblingskönig eine Überraschung
zu bereiten.“, erwiderte sie lachend, „doch ich habe dich
früher erwartet“, besorgt betrachtete sie sein zerzaustes
Äußeres und einen sich bildenden Bluterguss unter seinem
linken Auge.
„Was ist geschehen?“ fragte sie, die verletzte Stelle
zärtlich mit ihrer Hand liebkosend.
„Ich würde es folgendermaßen beschreiben: Dein Gatte
und der Herr Elb hatten ihre erste Bekanntschaft mit den hiesigen
Früchten nicht ganz verkraftet“
Wieder lachend richtete Arwen ihr Aufmerksamkeit nun auf Gimli, der
mittlerweile, gemeinsam mit Legolas, die Treppen erstiegen hatte.
„Gimli und Legolas, es freut mich euch gesund und munter wieder
zu sehen. Doch sagt, was hatte die Anspielung mit den Früchten
zu bedeuten?“
„Ja das würden wir auch gerne erfahren.“ Wie aus
dem nichts waren plötzlich vier Hobbits am Eingang erschienen,
begleitet von einem alten Mann mit einem langen, weißen Bart
und einem spitzen Hut auf dem Kopf.
„Ich bin sicher Gimli wird es die größte Freude
bereiten euch die Geschichte zum besten zu geben, Peregrin Tuck“
sagte ein über das Wiedersehen sehr erfreuter Legolas, womit
er Pippin, Merry, Sam und Frodo zur Begrüßung in die Arme
schloss und anschließend auch Gandalf seine Aufwartung machte.
„Aber erst nachdem wir alle vor etwas Essbarem sitzen. Mein
erstes Frühstück liegt schon über eine ganze Stunde
zurück.“, räumte Merry unter dem Lachen seiner Freunde
noch ein.
Damit begab man sich, nachdem jeder jeden in die Arme geschlossen
und begrüßt hatte und auch der Baron endlich einige Worte
zu seinen hohen Gästen hatte sprechen können, mit einem
letzten Winken zu den Zuschauern in das Schloss um die Zimmer zu beziehen,
Neuigkeiten auszutauschen und, immerhin war man unter Hobbits, auch
um etwas Nahrhaftes zu sich zu nehmen.
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Am Nachmittag machten sich Gimli und Legolas auf um die Stadt zu
erkunden.
Während des Mittagessens war es Gimli endlich gelungen seine
Geschichte über den Zwischenfall mit dem Mädchen zum Besten
zu geben und damit nicht nur die Hobbits zum Lachen zu bringen, sondern
auch Gandalf und Arwen zu amüsieren. Das Resultat waren ein Zwerg
und vier Hobbits, insbesondere Merry und Pippin, die allen anscheinen
nach nichts besseres zu tun hatten als Legolas und Aragorn durch ihre
Kommentare „aufzubauen“- die Tatsache nichtbeachtend dass
der Zwerg nur aus dem einen Grund von dem Apfelbombardement verschont
geblieben war, weil er nicht mit dem von Aragorn und Legolas vorgelegtem
Tempo mithalten konnte.
Gadara bestand aus vielen kleinen verwinkelten Straßen, auf
denen allesamt ein reges Treiben herrschte, da heute die letzten Vorbereitungen
für das morgen beginnende Fest getroffen wurden.
Sie erregten einiges an Aufsehen. Der große und erhabene Elb
neben dem kleinen Zwerg, war ein Anblick den man nicht alle Tage zu
Gesicht bekam. Doch meistens war man einfach zu beschäftigt um
sie am vorwärtskommen zu hindern, sodass die meisten Menschen
sie nur mit neugierigen Blicken musterten und Legolas und Gimli ohne
Zwischenfälle ihres Weges gehen ließen.
So erreichten sie schließlich den Marktplatz. Auch hier herrschte
allerlei Gedränge, doch anders als in den engen Straßen
und Gassen handelte es sich hier um einen sehr großen Platz,
auf dem nun viele Händler ihre unterschiedlichsten Waren feil
boten. Es gab Gemüse- und Früchtestände aber auch welche
mit Schmuck. Außerdem boten einige Handwerker, wie z.B. Schmiede
oder Schumacher ihre Dienste an.
Plötzlich glaubte Legolas inmitten der Menge einen roten Haarschopf
ausgemacht zu haben. Konnte es möglich sein? Doch so schnell
wie er vor seinen Augen aufgetaucht war, war er auch schon wieder
verschwunden.
„Wer ist denn dieses Mädchen dass ich jetzt schon beginne
ihren Geist zu sehen?“, wies er sich selbst zurecht, als etwas
anderes seine Aufmerksamkeit auf sich zog: Wiehern und Hufgetrappel.
Sollten ihm seine Sinne schon wieder einen Streich spielen? Aber nein,
am anderen Ende des großen Platzes konnte er einen Pferdemarkt
ausmachen.
Erfreut begann er sich in diese Richtung zu bewegen. Doch als er merkte,
dass Gimli vor dem Stand eines Steinwerkers stehen geblieben war schloß
er wieder zu seinem Freund auf.
„Einmal Zwerg immer Zwerg“, dachte Legolas nachsichtig.
Er konnte dieser Kunst nichts abgewinnen. Viel lieber erfreute er
sich an der lebenden Natur, sodass er Gimli mitteilte, dass er beim
Pferdemarkt auf ihn warten würde.
„Einmal Elb immer Elb“, resignierte Gimli, mit Legolas
Ignoranz gegenüber der hohen Kunst mit dem Stein umzugehen, konfrontiert-
freilich nicht ohne einen letzten Versuch zu starten den Elb zu bekehren.
„Wie kannst du diesen stinkenden Biestern bloß einer solchen
Kunst den Vorzug geben?“, Mit einer ausschweifenden Geste zeigte
er auf den Stand des Steinwerkers, doch Legolas hatte sich schon lachend
abgewandt und sich zum Pferdemarkt aufgemacht.
Kopfschüttelnd widmete sich Gimli wieder dem Steinwerker, der
der Konversion der beiden Freunde mit steigender Verwirrung zugehört
hatte.
Unbewusst noch immer nach dem Rotschopf Ausschau haltend erreichte
Legolas schließlich den Pferdemarkt. Obwohl es soviel Platz
gab, dass die Tiere nicht allzu gedrängt stehen mussten, konnte
Legolas mit seinem feinen Gespür für Tiere wahrnehmen, dass
sich die meisten der Pferde eine angenehmere Situation vorstellen
konnten.
In dieser Hinsicht konnte er die Menschen nicht verstehen. Warum taten
sie ihren Tieren so etwas an? Er machte sich daran einige der Pferde
näher in Augenschein zu nehmen. Natürlich konnte keines
mit den Pferden aus Rohan oder gar den elbischen Pferden aus seiner
Heimat mithalten, aber dennoch konnte er das ein oder andere schöne
Exemplar ausmachen.
Doch plötzlich lenkte ein vor Schmerz wieherndes Pferd Legolas
Aufmerksamkeit auf sich. Wachsam schaute er um sich um den Standort
des Pferdes auszumachen als er die Ungeheuerlichkeit sah. Ein finster
aussehender man schlug unbarmherzig auf ein dürres Pferd ein,
das von einem zweiten Mann am Zügel festgehalten wurde. Es versuchte
verzweifelt, aber ohne Aussicht auf Erfolg, seinen Peinigern zu entkommen.
Diesen Anblick konnte sein Elbenherz nicht ertragen. Er wollte sich
gerade in Bewegung setzten um diesen Menschen ein „Lektion“
im Umgang mit Pferden zu erteilen als er SIE sah.
Diesmal war er sich sicher dass ihm seine Augen keinen Streich spielten.
Ravena platzierte sich unbemerkt hinter dem Mann, der die Peitsche
immer und immer wieder auf den Rücken des Pferdes knallen lies.
Mit einer schnellen Bewegung riss sie dem überraschten Mann die
Peitsche aus der Hand nur um sie gleich darauf gegen ihn einzusetzen.
Mit einem gekonnten und gut platziertem Hieb fuhr sie ihm mit der
Peitsche über die Beine, sodass er mit dem Rücken auf den
Boden fiel. Dabei schrie sie ihn wütend an.
„Jetzt spürt Ihr mal was Ihr dem Tier antut. Wie kann
man nur so grausam sein und so ein Lebewesen zu Tode quälen?“
Angewidert schaute Ravena auf den Mann herab, der sich mühsam
daran machte wieder auf seine schmerzenden Beine zu kommen. Die Wunde
war nicht so tief wie sie hätte sein können.
„Du dämliche kleine Schlampe wirst es nicht wagen mir
in den Weg zu kommen. Ich...“ Ein erneutes Drohen mit der Peitsche
lies in wieder verstummen.
Inzwischen hatten sich eine große Menge Schaulustiger versammelt,
die die Szene zwar verfolgten, aber noch keine Anstalten machten einzugreifen.
Legolas konnte nicht glauben was er da gerade beobachtet hatte. Keine
Frau deren Bekanntschaft er jemals gemacht hatte, ob Elbe oder Mensch,
hätte es gewagt sich so zu benehmen. Andererseits passte dieses
Verhalten genau in das Bild das er bereits von ihr hatte. Sie verteidigte
jemanden ohne an sich oder die möglichen Konsequenzen zu denken-
einmal ganz davon abgesehen, dass er genau dasselbe vorgehabt hatte.
Er schlich sich etwas näher an den Schauplatz des Geschehens
um im Notfall eingreifen zu können.
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Ravena war gerade dabei die Apfelkisten von ihrem Wagen abzuladen
um sie an ihrem Stand
zu verkaufen. Nach dem Zwischenfall mit dem König am frühen
Morgen war sie noch einige Zeit wie betäubt gewesen und Siägä,
der ein guter Freund von ihr war, hatte schon begonnen sich Sorgen
um sie zu machen. Als sie ihm allerdings die ganze Geschichte erzählt
hatte, konnte er sich vor lauter Lachen nicht mehr halten.
„Mensch, Ravena, solche Sachen können aber auch nur dir
passieren“, brachte er während eines Lachanfalls heraus,
„Du hast Glück dass der König so ein gütiger
Mann ist.“
Ja, sie hatte Glück gehabt und ja, solche Sachen geschahen immer
nur ihr. Sie konnte nichts dagegen unternehmen. Bevor sie sich versah
steckte sie immer wieder bis zum Kopf in diversen Schwierigkeiten.
Ravena seufzte auf. Sie würde versuchen sich zu bessern. Nein,
sie musste sich bessern wenn sie nicht doch irgendwann noch wegen
eines Missgeschicks am Pranger oder gar am Galgen landen wollte.
Doch dann musste sie selber über sich lachen:
„Immerhin hab ich es geschafft einen Elb von seinem Pferd zu
bombardieren.“
Beim Gedanken an den Elb wurde ihr ganz anders zumute. Sie musste
wieder an diese blauen Augen denken, die sie geradezu durchbohrt hatten,
so als würde er versuchen alles über sie mit einem einzigen
Blick herauszufinden. Was er wohl von ihr dachte?
„Er denkt das ich eine verrückt gewordene Menschenfrau
bin.“, wies sie sich in Gedanken selbst zurecht, „Immerhin
würde ich mich selbst dafür halten.“
„Und jetzt schlag dir endlich diesen dämlichen Elb aus
dem Kopf und konzentriere dich auf deine Arbeit. Eine ausgeschüttete
Kiste Äpfel ist jetzt wirklich das letzte was ich brauchen kann.“,
dachte sie noch als sie es hörte.
Sie hatte ihren Stand nicht allzu weit vom Pferdemarkt entfernt und
konnte deswegen ganz eindeutig das Geräusch eines gequälten
Tieres ausmachen. Eine Apfelkiste auf den Boden stellend rief sie
Leonie, einer schon älteren Frau, die ebenfalls in dem Gasthaus
arbeitete, zu sie würde gleich wieder kommen und machte sich
auf in Richtung des Geräusches.
Leonies Gezeter über die „Jugend von heute“ ignorierte
sie.
Als sie um die Ecke kam spielte sich vor ihren Augen eine fürchterliche
Szene ab. Ein Mann schlug immer wieder auf ein dürres Pferd ein,
während ein weiterer Mann es am Zügel festhielt, sodass
es nicht weglaufen konnte.
Ihren eben erst gefassten Vorsatz sich nicht mehr in Schwierigkeiten
zu bringen vergessend rannte sie auf die beiden zu. Bevor sie sich
selbst darüber im klaren war, was sie eigentlich tat, hatte sie
dem überraschten Mann auch schon die Peitsche aus der Hand gerissen
und mit ihr über dessen Beine geschlagen, sodass er vor ihr auf
den Boden fiel.
Nichts wollte sie lieber als ihm am eigenen Leibe klar zu machen wie
sich das von ihm gequälte Tier wohl fühlen musste.
Nachdem sie seine Beschimpfungen mit einem Drohen mit der Peitsche
ausgeschaltet hatte fragte sie ihn:
„Was für einen gottverdammten Sinn soll es haben ein Pferd
so zu quälen?“
„Ich hab dieses Biest von einem Betrüger gekauft“,
setzte er, vor Wut schnaubend, an und erklärte weiter, „aber
es ist ein sturer Bock. Nichts hat geholfen um seinen Willen zu brechen.“
Ravena wollte sich nicht ausmalen was genau er mit ‚nichts’
meinte.
„Also habt Ihr Beschlossen es zu Tode zu prügeln, oder
was?“ schrie sie ihn an, die Peitsche dabei drohend in der Hand
haltend. Mittlerweile hatte sich schon ein großer Kreis von
Menschen um sie gebildet und langsam realisierte Ravena in was sie
sich da schon wieder reingeritten hatte. Wenn jemand diesem Kerl zu
Hilfe kommen würde, hätte sie keine Chance mehr. Mal ganz
davon abgesehen dass sie für ihr Verhalten ins Gefängnis
kommen würde, denn immerhin gehörte das Pferd nicht ihr,
sondern dem Mann, den sie gerade mit der Peitsche geschlagen hatte.
Aber glücklicherweise schien niemand es für nötig zu
halten einzugreifen.
„Ich hatte beschlossen“, entgegnete der Mann, mit Blick
auf die Peitsche jetzt etwas ängstlicher, „das Bist zum
Abdecker zu bringen. Aber es hat sich gewehrt als wüsste es wohin
ich es bringen würde.“
„Und das wundert Euch?“, Ravena konnte die Kurzsichtigkeit
des Mannes nicht begreifen. War ihm denn nicht klar das man mit Gewalt
bei einem Tier nichts erreichte? Doch plötzlich formte sich in
ihrem Kopf eine Idee wie sie heil aus dieser Situation herauskommen
und dabei beide Seiten zufrieden stellen konnte. Zumindest hoffte
sie das.
„Ihr habt also keine Verwendung mehr für das Pferd?“,
begann Ravena nun entspannter
„N...nein“, entgegnete ihr Gegenüber, von Ravenas
plötzlichem Stimmungswechsel alarmiert. Würde sie ihn jetzt
vielleicht töten? Aber die Menschen würden doch eingreifen,
oder nicht? Immerhin hat sich noch niemand angeschickt ihm zu helfen,
obwohl es doch ganz offensichtlich war, dass er hier den Schaden davon
trug. Der Schmerz in seinen Beinen meldete sich wieder.
„Und den Abdecker müsstet ihr für seine Dienste doch
sicherlich auch entlohnen?“
„Ja...a“, der Mann würde immer nervöser. Was
wollte diese rote Furie nur von ihm?
„Und es ist doch auch offensichtlich das ihr aus dem Fleisch
eines so dürren Pferdes kaum noch Kapital schlagen könntet?“
„Ja...a, wie ich schon sagte, ich wurde hereingelegt. Das ist
ein reines Verlustgeschäft für mich.“, was beabsichtigte
sie mit diesem Verhör nur?
„Dann“, Ravena musste über den verwirrten Gesichtsausdruck
des Mannes beinahe lächeln, „dann macht es euch doch bestimmt
auch nichts aus, das Pferd mir zu überlassen.“
Jetzt zeigte der Bedrohte ganz offensichtlich seine Überraschung.
Mit offenem Munde starrte er sie an.
„Was?“
„Ihr würdet den Abdecker sparen und das Pferd bliebe am
Leben. Also was sagt ihr?“
Der Mann, der anscheinend immer noch eine Falle vermutete, gab zögernd
sein Einverständnis und entfernte sich so schnell wie möglich.
Sein Partner hatte bereits nach Ravenas Peitschenschlag das Weite
gesucht und jetzt begannen auch die Schaulustigen wieder auseinander
zu laufen.
Erleichtert drehte sie sich zu dem Pferd um, ihrem Pferd, verbesserte
sie sich selbst, und streichelte seinen Kopf. Es zeigte keine Anzeichen
von Gewaltbereitschaft.
„Ja du bist ein ganz lieber. Jetzt brauchst du nichts mehr
zu befürchten.“ Es war schon wieder geschehen. Sie hatte
einmal mehr Gehandelt ohne nachzudenken. Wo sollte das noch hinführen?
„Erst die Äpfel, dann die Peitsche- erinnert mich daran
niemals wieder Euer Missfallen zu erregen meine Dame.“ Ravena
erstarrte. Erst einmal in ihrem Leben hatte sie so eine wunderschöne
Stimme gehört- und das war noch gar nicht solange her. Aber das
war doch nicht, das konnte doch nicht...
„Oh ihr Götter, lasst das bitte, bitte, bitte NICHT den
Elben sein...“, bat sie in einem schnellen Stoßgebet,
bevor sie sich langsam umdrehte...
...und sich den schönsten und tiefsten blauen Augen gegenüber
sah, die es, da war sich Ravena sicher, in ganz Mittelerde gab- den
Augen von Legolas Grünblatt.
Kapitel 3
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