Orlando Bloom - Interview
Magazin
Wenn der königliche Krieger Legolas
in Peter Jacksons mit Hochspannung erwartetem "Herr
der Ringe: Die Gefährten" jünger als seine
2931 Jahre wirkt dann kann es nur an zwei Dingen liegen:
Entweder weil Elben eben unsterblich sind - oder weil
der britische Newcomer Orlando Bloom, der den uralten
Krieger darstellt, gerade mal 22 Jahre zählte als
der Dreh begann.
Genau wie in J.R.R. Tolkiens Buchtriologie
ist "Die Gefähten" der erste von drei Filmen
die die epische Geschichte von vielen Abenteurern, die
sich aufmachen um ihr Fantasieland, Mittelerde, von einem
gewaltigen Bösen zu befreien. Alle drei Filme wurden
gleichzeitig in Neu Seeland gedreht und werden in einem
Abstand von je einem Jahr in die Kinos kommen.
Der ungewöhnliche Drehplan zwang Bloom und die anderen
Mitglieder der Verfilmung beinahe eineinhalb Jahre "Down
Under" zu verbringen. Trotz dieser Behinderung ist
es Bloom, der jetzt 24 Jahre zählt, gelungen eine
zweite Rolle in einem weiteren mit Spannung erwartetem
Projekt für sich zu gewinnen, Ridley Scotts Black
Hawk Down, der in 2002 herauskommen wird.
HENRY CARBOT BECK: Wie war es,
Legolas - einen solch wichtigen Charakter in einer so
enormen Produktion - darzustellen?
ORLANDO BLOOM: Es war, als hätte
man die Lotterie gewonnen. Ich meine, stell dir vor...
du wirst in dieses fantastische Land geflogen, man bringt
dir bei wie man mit Bogen und Pfeil umgeht, reitet und
mit dem Schwert kämpft - es war einfach nur krank
und unwirklich! Ich hab mich selbst gezwickt. Erst als
ich ein paar Szenen gedreht hatte ist mir klar geworden,
dass dies wirklich passierte.
HCB: Und es ist deine erste Hauptrolle
in einem Kinofilm. Warst du total eingeschüchtert?
OB: Weißt du, Tolkien hat die
Elben als perfekte Wesen erschaffen, die die Welt voranbringen.
Es ist eine ziemliche Verantwortung dies auf die Leinwand
zu bannen. Und, natürlich, gibt es dann die Leute,
die die Bücher so sehr lieben und sich so für
diese Charaktere interessieren. Außerdem musst du
dir vorstellen, dass ich - der gerade aus der Schauspielschule
gekommen war - auf einmal mit Schauspielern wie Ian McKellen,
Ian Holm und Christopher Lee zusammenarbeitete. Es war
also wirklich unheimlich erschreckend und einschüchternd.
HCB: Liege ich richtig wenn ich
annehme, dass du für den Part ein gewaltiges Training
absolvieren musstest?
OB: Zuerst brachte man mir das Bogenschießen
bei, da es ja Legolas' Lieblingswaffe ist. Ich musste
mit dem Bogen sehr geschickt umgehen können - und
ich hab dann herausgefunden, dass ich doch ein gewisses
Talent dafür hab, denn ich hab Papierteller aus der
Luft geschossen, was ja doch recht cool ist. [lacht]
Und ich musste ein paar recht schwierige
Sachen auf dem Pferderücken machen, wie in diesen
alten Cowboy-und-Indianer Filmen, wo ich einfach die Zügel
losließ und dann mit Bogen und Pfeil anfing zu schießen.
Ich meine, es war wirklich verrückt was ich machen
musste, aber es hat Spaß gemacht und ich hatte ein
großes Zutrauen zu meinem Pferd. Auch wenn ich einmal
runtergefallen bin und mir eine Rippe gebrochen hab. Das
ist jetzt ein Andenken an den Film.
Doch ich muss zugeben dass ich recht anfällig
für Unfälle bin. Ich hab mir meinen Rücken,
meine Rippen, meine Nase, beide Beine, meinen Arm, mein
Handgelenk, einen Finger und einen Zeh gebrochen. Nicht
zu vergessen dreimal eine Fraktur am Schädel.
HCB: Ist das alles während
des Drehs passiert?
OB: Nein, nein [lacht]. Im Lauf meiner
24 Jahre Lebenszeit. In letzter Zeit hab ich mich etwas
zurückgenommen, aber in meiner Jugend war ich recht
verrückt. Vor ca. vier Jahren hab ich mir meinen
Rücken und drei Rippen gebrochen als ich aus einem
Fenster gefallen bin.
HCB: Passiert dir nicht etwas
ähnliches in Black Hawk Down?
OB: Ja. Der Film dreht sich um eine
Gruppe von U.S. Army Rangers und am Anfang des Films fällt
mein Charakter ungefähr 70 Fuß tief aus einem
Helikopter, bricht sich seinen Rücken und eine Vielzahl
anderer Körperteile, und muss schließlich sicher
zu einem Konvoi geschafft werden. Das gehört ja quasi
zum Glaubensbekenntnis der Ranger: "Lasse niemals
einen Mann zurück."
HCB: Wo wir gerade von Loyalität
sprechen, hast du einen Teil von Legolas mit dir genommen?
OB: Ich hoffe doch. Ich hoffe, dass ich
für immer einen Teil von ihm in mir trage. Er hat
einen sehr besonderen Charakter und, natürlich, alle
meine guten Eigenschaften. Ich werde ihn sicherlich nie
vergessen.