Almost Famous
- Harpers Bazaar (Singapur)
Von Sharon Eldridge, erschienen bei
Harper's Bazaar (Singapur), im Januar 2002
Schon mit seinem ersten Auftritt auf der
großen Leinwand - indem er einen Elben in Peter
Jacksons Interpretation des Fantasyklassikers "Der
Herr der Ringe" verkörpert - hat er einen riesigen
Coup gelandet.
Die Arbeit einer Journalistin ist sicherlich
eine sehr interessante. Im Moment, zum Beispiel, hänge
ich am Telefon und höre gespannt einem 25-jährigen
britischen Schauspieler zu - und auch noch einem, dem
sicherlich eine große internationale Karriere bevorsteht.
Dieser Schauspieler spricht mit mir, ohne eine Spur Überheblichkeit,
in Elbisch. Ja, genau, die Sprache der Elben.
"Es ist sehr schwer, damit umzugehen. Es ist wie...
ich weiß nicht recht... ein bisschen Keltisch, fühlt
sich etwas walisisch an", erklärt der junge
Mann ernsthaft, lässt von dem sich seltsam anhörenden
Dialekt ab, den er in letzter Zeit so oft benutzen musste,
und verfällt in seinen gewöhnlichen, leicht
nuschelnden Akzent der englischen Mittelklasse. Sein Name,
ganz nebenbei - magisch, glamourös und irgendwie
seltsam - ist Orlando Bloom. Und wenn man mal vom Elbischen
absieht, es gibt ein paar Dinge die ihm schwer fallen,
jetzt richtig "damit umzugehen".
Das wohl schwerste mag die Art sein, wie
sich sein Leben jetzt verändert hat, wie es von einem
noch recht unschlüssigen Weg direkt zu dem einer
Berühmtheit geworden ist. Als ein eine Folge von
Peter Jacksons Entscheidung, ihn als den Kriegerelben
Legolas Grünblatt in seiner 360 Millionen US-Dollar
teuren Hommage an JRR Tolkiens "Herr der Ringe"
zu besetzen, wird Bloom jetzt im Moment mit Warp-Geschwindigkeit
vom Niemand zum Star befördert. Vor etwas mehr als
zwei Jahren sah alles noch ganz anders aus. Er stand zwei
Tage vor seinem Abschluss an der berühmten Londoner
Schauspielschule Guildhall School Of Music And Drama als
er entdeckte, dass man ihm den Part zugesprochen hatte.
"Es war vollkommen... kannst du dir so was vorstellen?
Es war einfach wie..." er versucht es zu beschreiben,
aber es fehlen ihm die Worte um seine Aufregung damals
zu beschreiben. "Ich war 22, hatte nur noch zwei
Tage Schauspielschule vor mir und es war so wie "Hier,
jetzt hast du eine Karriere." Bloom. Und dann war's
passiert." Jetzt, wo das HdR Mearchandise richtig
angelaufen ist wird er jeden Tag mit Bildern von Legolas
Actionfiguren, Fotos und natürlich seinen eigenen
Fotos konfrontiert.
Sicherlich hat es vor ihm noch kein Schauspieler
geschafft, ein Paar Spock-ähnliche Ohrprothesen,
Lederstiefel und eine gewisse Geschicktheit mit Bogen
und Pfeil so sexy wirken zu lassen. Aber nicht auf solch
eine rohe, großspurige, muskel- und testosteronprotzende
Conan-Der-Barbar Art. Nein, Blooms Legolas ist eine unheimlich
überlegene Kreatur: Ein Elbenprinz, der mit - wie
sein ganzes Volk (die ältesten Bewohner des mystischen
Königreiches Mittelerde) - unglaublicher Schönheit
und übermenschlichen Sinnen gesegnet ist - und mit
Unsterblichkeit. Legolas Grünblatt mag vielleicht
2931 Jahre alt sein, aber er sieht nicht einen Tag älter
aus als 22.
In "Die Gefährten", dem ersten
Teil der HdR Trilogie der jetzt weltweit in den Kinos
ist, ist Legolas einer der acht Auserwählten, die
ausgesucht wurden um den jungen Hobbit Frodo Beutlin (gespielt
von Elijah Wood) zu begleiten und ihn zu beschützen.
Auf den schmalen Schultern des Hobbits liegt eine schwere
Bürde, nämlich Mittelerde von den Fängen
des Dunklen Herrschers Sauron und seines Gehilfen Saruman
(Christopher Lee in Topform) zu befreien.
Als ein geschickter Bogenschütze verspricht Legolas
Frodo seinen Bogen. "Ich bin die Augen und die Ohren
der Gemeinschaft", fügt Bloom mit purem Stolz
hinzu.
Vielleicht ist's eine Überbewertung
des Falles einfach zu sagen, dass Jacksons Trilogie Orlando
Blooms Karriere genau das verleihen könnte, was schon
Francis Ford Coppolas "Der Pate" Al Pacino verlieh.
Im Moment jedoch erscheint es recht zutreffend.
Der junge Pacino trat in zwei Filmen auf, die Kultstatus
erlangten. Und wir wissen alle, was er alles vollbracht
hat.
Die Verfilmung des HdR mag noch jung sein, aber schon
bevor man überhaupt mit dem 18-monatigen Dreh in
Wellington, Neu Seeland, begann hatte der Film eine gewaltige
Masse an Fans, und es dürften jetzt noch mehr geworden
sein. Obwohl Bloom den Film nicht allein auf seinen Schultern
trägt - es ist eher so etwas wie ein Ensemblestück
- hat er doch das gewisse Etwas, diese unbeschreibliche
Kraft eines Stars die die Kamera in ihren Bann schlägt.
Mit seinen gerade mal 1.80 m hat er eine elegante Erscheinung,
sein leichter, athletischer Körperbau wird durch
einen dunklen Typ und Teint abgerundet und bringt wohl
das Herz eines jeden Mädchens zum schmelzen. Seine
Erscheinung beschwört wohl im Gehirn einfach gewisse
Bilder herauf. Er hat einen Touch des "Mister Lover
Lover". Wie Bloom den Reportern gerne erzählt,
wurde er durch "Mädchen und Sport und so ein
Zeug" davon abgehalten, im zarten Alter von 14 den
Herr der Ringe fertigzulesen. Auch verstummen im Internet
die Gerüchte nicht, dass er für kurze Zeit was
mit dem englischen Model Jemma Kidd hatte.
HB: Man sagt von dir, dass du hauptsächlich
wegen der Frauen mit dem Schauspielern angefangen hast.
Und, wurden deine Vorstellungen erfüllt?
OB: [lacht] Nun, zumindest hab ich nicht wegen
einem anderen Grund damit angefangen, obwohl mir auf die
Schnelle kein schlechterer Grund einfällt. Tatsächlich
zitiert man mich da ein bisschen falsch. Der Grund, warum
ich mit dem Schauspielern angefangen hab ist weil, als
ich noch jünger war, ich eine unglaubliche Fantasie
hatte. Und wie die meisten Kinder hab ich immer diese
larger-than-life Charaktere bewundert, die ich entweder
im Theater, TV oder im Kino zu sehen bekam. Als ich dann
alt genug war um zu verstehen, dass diese Charaktere ja
gar nicht real waren, dass sie Schauspieler waren - als
ich dann feststellte, dass ich Superman sein könnte
oder Daniel Day Levis Charakter in "Der letzte Mohikaner"
- da hab ich mir gedacht "Mensch, ich könnte
wirklich Schauspieler werden und all diese Sachen werden."
Einer der ersten Filme, die sich in meinem Kopf einbrannten
war "The Hustler" mit Paul Newmann. Ich hab's
einfach nur geliebt. Ab diesem Zeitpunkt war es ein fester
Entschluss.
HB: Wenn man bedenkt, was in deinem
Leben im Moment so alles passiert, dann muss es dir doch
momentan alles irgendwie unwirklich vorkommen, oder?
OB: Ich versuche es ruhig anzugehen. Sicherlich,
es fühlt sich richtig surreal an in der ganzen Welt
herumzureisen und Publicity zu machen und überhaupt
an solch einem großartigen Projekt wie dem Herr
der Ringe beteiligt zu sein und dadurch so viel Interesse
auf meine Person zu lenken, wer ich bin und was ich überhaupt
so mache. Es ist aufregend und, uhm, manchmal auch irgendwie
einschüchternd, aber ich versuche jeden Tag zu genießen
und ruhig anzugehen, weißt du, es einfach so zu
nehmen wie es kommt. Ich meine, ich weiß, dass man
in der einen Minute ganz oben und in der nächsten
schon wieder bodenlos gefallen sein kann, also versuche
ich einfach mich auf einem Level zu bewegen um mir ein
längeres Leben im Showbiz zu bewahren.
HB: Natürlich. Aber dennoch,
zu diesem Zeitpunkt, die Versuchung jetzt abzuheben und
an deinen eigenen Hype zu glauben muss doch enorm sein.
OB: Ich habe eine Schwester [Samantha Bloom, 26,
die jetzt an der Londoner Guildhall School Of Music And
Drama angefangen hat], die das niemals geschehen lassen
würde. Ich hab einen Cousin der das niemals geschehen
lassen würde und ich habe einen Freundeskreis, der
mich schlagen, wirklich physisch schlagen, würde
wenn ich auch nur einen Moment lang versuchte, mich selbst
auf ein hohes Ross zu setzen. Und ich denke auch, dass
ich unglaubliches Glück mit dem hab was ich mache.
Ich habe einen großartigen Job. Ich kann mich verkleiden
und jemand anderes werden, ganz besonders wenn es jemand
ist wie Legolas ist, solch ein supercooler Elb aus einer
anderen Welt. Es ist so, wie, hm... ich hab total das
Glück und warum sollte ich dass dann nicht akzeptieren
und annehmen?
HB: Wie fühlt es sich für
dich als Schauspieler an, einen Charakter zu verkörpern
der von Generationen von Lesern schon längst angenommen
wurde und geliebt wird? Gibt's da für dich eine Art
Verpflichtung?
OB: Vollkommen. Als ich im Oktober 1999 zum ersten
Mal in Neu Seeland war, war ich vollkommen eingeschüchtert
den Charakter auch wirklich auf die Leinwand zu bringen.
Ich dachte mir "Ich muß alles tun damit der
Charakter so real wie möglich wird und muss ihn so
originalgetreu wie möglich am Buchcharakter halten,
denn schließlich ist er ein Charakter den die Leute
schon seit Jahren in ihren Vorstellungen haben."
Aber an einem Punkt hab ich dann zu mir selbst gesagt
- denn ich war mir der Bürde so sehr bewusst, dass
sie mich hinderte - ich hab mir gesagt, "Weißt
du was? Ich muß loslassen. Man hat mich genommen
weil ich die Möglichkeit in mir hab, den Charakter
zum Leben zu erwecken."
Also hab ich mein bestes getan. Schließlich hat's
damit geendet, dass ich eine Menge an Bewegungstraining
gemacht hab um mich in den Charakter so richtig reinzufühlen.
HB: Bewegungstraining?
OB: Ich hab mir [Akira] Kurosawas "Die sieben
Samurai" angesehen und wollte genauso laufen, wollte
Legolas genau diese Aura, diese Konzentration und Gesammeltheit
verleihen.
HB: Wie hat Peter Jackson dich gefunden?
OB: Es gab ein riesiges Casting für dieses
Projekt und ich hab einfach vorgesprochen, wie vielleicht
auch noch weitere hunderttausende Schauspieler auf der
ganzen Welt. Eigentlich sprach ich für den Charakter
des Faramir vor, aber meine Agentin bekam einen Anruf,
indem man ihr sagte dass ich Faramir nicht bekommen würde.
Aber ob ich denn nicht vielleicht für Legolas lesen
würde? Also hab ich noch mal für Legolas vorgesprochen,
und nachdem sie überprüft haben wie groß
ich bin und all solch ein Zeugs, hab ich einen Anruf erhalten
dass ich den Part bekommen hab. Einige Monate später
hab ich Pete und seine Partnerin Fran getroffen.
Zweiter Teil des Harpers Bazaar Interviews:
Für Bloom resultierte dieses monströse
Castingunterfangen darin, dass er 18 Monate auf der anderen
Seite des Planeten verbrachte - weit, weit weg von seinem
Zuhause im Londoner Statteil Notting Hill und seiner geliebten
Hündin, Maude - und mit Sir Ian McKellen, Sir Ian
Holm, Liv Tyler und Cate Blanchett und deren Eigenarten
konfrontiert wurde. Bloom spricht von dem wahnsinnigen
Unterfangen, alle drei HdR-Filme gleichzeitig gedreht
zu haben, als einem sehr schönen Alptraum. Jedes
Mitglied der Cast konnte gar nicht anders, als zu einem
totalen Tolkien Freak mutieren, um überhaupt mit
dem heftigen Drehtempo und der Storyline mithalten zu
können. Die Bücher wurden zu ihren Bibeln. "Wenn
du dir irgendwann mal als Schauspieler total verloren
vorkamst, es gab immer jemanden den man fragen konnte:
Hey, kannst du mich mal erinnern, was haben wir
denn gerade noch mal vor dieser Szene gefilmt?', denn
es kam schon mal vor, dass wir die vorhergehende Szene
vor mehr als einer Woche gedreht hatten", sagt er.
"Und dann antworteten sie dir: Also, du hast
das und das getan und dich so und so gefühlt...'
und du antwortetest dann: Großartig, genau'
und hast dann die Szene gespielt."
Wenn man bedenkt, wie viel dieser Dreh jeden,
der damit zu tun hatte, abverlangt hat, dann ist's vielleicht
ein bisschen überraschend, dass Bloom wirklich keine
Bedenken hat. Bedenken, die das - wenn auch unwahrscheinliche
- Szenario betreffen, dass das Publikum sich nicht mit
den Filmen anfreunden kann und, was noch besorgniserregender
ist, über die Zeit vollkommen das Interesse an den
Filmen verlieren wird (denn der dritte Teil, "Die
Rückkehr des Königs" wird ja nicht vor
Weihnachten 2003 in unsere Kinos kommen). "Ich kann
wirklich sagen, dass ich nie darüber nachgedacht
hab", gibt er zu. "Ich würde das [was wir
getan haben] gegen nichts in der Welt eintauschen. Wir
haben eine Menge Energie und Liebe in dieses Projekt gesteckt,
und ich denke, dass es richtig ankommen wird und die Welt
es so akzeptieren wird, wie es nun mal ist. Da steckt
viel Herzblut drin, es war ein sehr besonderes Projekt.
Blooms nächster Auftritt auf der Leinwand
- als der amerikanische Soldat Private Todd Blackburn
in Ridley Scotts Black Hawk Down - könnte wohl nicht
unterschiedlicher sein. Auf dem Buch von Mark Bowden basierend
erzählt der Film die Geschichte der Schlacht, die
1993 in Mogadishu, Somalia, abspielte, als US-Elitetruppen
versuchten, zwei Leutnante des dortigen Kriegsherren Mohamed
Farrah Aidid zu entführen. Doch es geht schief, anstatt
dessen werden zwei amerikanische Helikopter abgeschossen
und - daher rührt der Titel des Films - was eigentlich
als ein Unternehmen von einer Stunde geplant war, dauert
geschlagene 15 Stunden und resultiert in dem Tod von 18
Amerikanern und hunderter Somalianer. Bloom wird neben
Josh Hartnett und Ewan McGregor im Film zu sehen sein.
Man erwartet vom Film, ein weiterer Kracher aus Hollywood
zu werden.
"Die Sache mit Ridley ist die, dass
er das alles schon seit ewigen Zeiten tut, er weiß
was er will und wie er's erreichen kann", sagt Bloom.
"Es gibt wirklich keine Verwirrung am Set. Wenn er
etwas ausgedrückt hat ist er trotzdem noch offen
für die Schauspieler, offen für das, was sie
gerne machen wollen und lässt sich auf ein Gespräch
mit ihnen darüber ein. Er castet Leute, von denen
er denkt, dass sie die Rolle aufleben lassen können
und erlaubt ihnen, sich um die Situation zu kümmern,
lässt sie das tun, was sie tun wollen und müssen.
Ich fühle mich geehrt, dass an einem weiteren großartigen
Film wie diesem mitarbeiten konnte."
Wie Gladiator wird auch von Black Hawk Down
erwartet, dass er eine große Hoffnung für die
Oscars ist - was, wenn man sie denn wirklich noch braucht,
weitere gute Nachrichten für Bloom sind.
HB: Gibt es jemanden, dessen Hollywoodkarriere
dir sehr gut gefiel und den du dir als Vorbild nehmen
willst?
OB: Wahrscheinlich Jonny Depps. Er hat ein paar
wirklich interessante Entschlüsse gefasst und seine
Aufrichtigkeit bewahrt. Ich bewundere so was bei einem
Schauspieler. Auch denke ich, dass Edward Norton eine
sehr interessante Karriere gemacht hat und obwohl Daniel
Day Lewis nie eine solch große Berühmtheit
erlangte, liebe ich doch was er getan hat. Er ist ein
sehr talentierter Schauspieler.
HB: Was denkst du ist das wichtigste,
was du in den letzten zwei Jahren gelernt hast?
OB: Wie ein Film wirklich entsteht, schätze
ich mal. Die Greifbarkeit der ganzen Prozedur macht es
weniger einschüchternd, was sehr gut ist. Im Moment
befinde ich mich einfach in einer großen Wachstumsperiode.
HB: Dafür, dass du erst seit
so kurzer Zeit in der Öffentlichkeit stehst scheinst
du doch überraschend abgebrüht zu sein, was
Interviews und Befragungen betrifft. Musstest du das erst
lernen?
OB: Ist möglich, aber ich denke, dass Ehrlichkeit
das beste Mittel ist. Offensichtlich hab ich in der letzten
Zeit viele Interviews über den Herr der Ringe gehabt.
Ich hab daran 18 Monate gearbeitet und weiß, dass
es eine Menge gibt, worüber ich sprechen kann. Ich
weiß, wie ich mich diesbezüglich fühle.
Und ich denke auch, dass ich teilweise auf diesem Gebiet
mir eine gewisse Selbstsicherheit angeeignet hab. Ich
denke, dass ich ein sehr interessantes Leben hatte und
ich bin sehr dankbar. Wenn ich morgen sterben würde,
dann würde ich mich so fühlen als hätte
ich ein sehr erfülltes Leben gehabt. Ich hab jeden
Moment davon geliebt und dadurch hab ich eine Menge über
Menschen und Beziehungen gelernt. Ich versuche, mich an
gewisse Regeln zu halten um mir das Leben leichter zu
machen und das bedeutet normalerweise, einfach offen zu
sein und ehrlich, damit man es alles genießen kann.
HB: Gibt's in deinem Leben momentan
jemand ganz besonderen?
OB: Meine Karriere ist im Moment das wichtigste
in meinem Leben - und meine Freunde und meine Familie.
Aber es gibt keine Romanze.
HB: Und was machst du dir, um dir
deine Kicks zu holen?
OB: Ich bin unbesonnen, ein ziemlicher Adreanlin-Junkie.
Ich liebe wirklich ausgeflippte Sportarten. Das ist auch
einer der Gründe, warum die ganze Erfahrung in Neu
Seeland so toll für mich war. Ich bin bungee-jumpen
gegangen - ich bin ungefähr sechs Mal vom höchsten
Bunge-Jump in Neu Seeland gesprungen, 134 Meter hoch.
Dich einfach so in die Luft zu werfen, mit nicht mehr
als etwas an deinem Fuß - das ist ein ganz eigenartiges,
großartiges Gefühl. Und wir sind zusammen snowboarden
gefahren, und ich hab zusammen mit den Hobbits surfen
gelernt.
HB: Mit den Hobbits? Sollte ich jetzt
die Leute in der Psychiatrie schnellstens anrufen?
OB: Ich meinte, ich lernte zusammen mit Billy [Boyd,
auch bekannt als Pippin] surfen und all die anderen machten
dann mit: Dominic [Monaghan, der Merry spielt], Sean [Astin,
unser Sam] und Elijah [muss ich das wirklich noch sagen?!?].
Wir waren ein Haufen junger Typen, und wir wurden wirklich
gute Freunde. Ich hab jetzt Freunde für's Leben gefunden,
dank dieses Films.
HB: Ich hab gehört, dass du
dir vor ein paar Jahren deinen Rücken gebrochen hattest.
Die hast du DAS denn hinbekommen?
OB: Ich bin einfach nur aus einem Fenster gefallen.
Ich hatte eine recht wundersame Genesung. Vier Tage lang
lebte ich mit dem Gedanken, wohl nie wieder gehen zu können.
Und 12 Tage später bin ich dann aus dem Krankenhaus
herausgegangen. Sie haben eine Operation gemacht und mich
wieder zusammengeflickt. Aber, hm, ich ziehe Unfälle
wirklich magisch an: Ich hab mir meinen Rücken, meine
Rippen, meine Nase, beide Beine, meinen Arm, mein Handgelenk,
einen Finger und einen Zeh gebrochen und meinen Schädel
dreimal angeknackst.
HB: Vielleicht solltest du mehr Zeit
drinnen verbringen? Was machst du, um dich einfach nur
auszuruhen?
OB: Nun, einen großen Teil meines Lebens
verbringe ich damit, Filme zu sehen - selbstverständlich.
HB: Welchen Film, den du vor kurzem
gesehen hast, hast du wirklich gemocht?
OB: Oh, Gott. Ich hab gerade diesen französischen
Film namens "Amelie" [von Jean-Pierre Jeunet]
gesehen und ich hab ihn total geliebt. Ein wirklich toller
Film. Hat mir sehr gut gefallen.
Es ist Zeit, zu gehen. Bloom wird morgen
zurück nach London fliegen, und ein paar seiner Freunde
haben jetzt schon geduldig auf ihn - wie sie ihn nennen,
"Orli"- gewartet, dass dieses Interview endlich
vorbei ist und sie ihn auf ein Abendessen entführen
können. Aber auch sie müssen sich bewusst werden,
dass es mit diesem Monster, dem Ruhm, der für Orlando
gerade so am Horizont lauert, in Zukunft gar nicht so
leicht werden wird, ihn einfach nur so für sich zu
haben. Der eigentliche Grund, dass Bloom momentan in L.A.
hängt ist, dass er zusammen mit ein paar Vorständen
von Studios und Regisseuren das "Fundament"
- wie er es nennt - für seine Projekte der nächsten
Monate festlegen will. Sein Publikum, so scheint es, wird
nicht warten müssen. Aber wenn wir gerade schon vom
Publikum reden, was ist mit dem Theater? Diesem Schauspielmedium,
bei dem Bloom vier Jahre lang eine klassische Ausbildung
erhielt, bevor er sich auf nach Neu Seeland machte? Hat
er das jetzt hinter sich gelassen? "Theater ist einfach
etwas sehr wichtiges für einen Schauspieler, und
er sollte es weitermachen", gibt er zurück.
"Ich denke, es hält dich clever und wachsam.
Aber im Moment bin ich einfach mit Filmen und Drehen beschäftigt.
Dies hat mich aber nicht vom Theater weggezogen, dennoch
werde ich einfach jetzt auf dieser Welle weiterreiten
und dann auf eine andere überspringen, einfach mal
schauen, wie weit es mich bringt."