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Elf Assassin - Starlog Magazine

Starlog Magazine, Mai 2002
Von Ian Spelling

Obwohl Auge und Ohr der Gefährten, verlässt sich Orlando Bloom bei der Mission sonst nur auf seinen Bogen.

Nachdem Orlando J. R. R. Tolkiens Buch " Der Herr der Ringe" las, ahnte er, dass es die Basis für einige außergewöhnliche Filme sein könnte.
"Die Geschichte ist voller Abenteuer, Ungeheuer und Kobolde", begeistert sich der Schauspieler, der die Rolle des Elben Legolas in "Die Gefährten" spielte.
"Es gibt Hobbits und Zwerge. Der Film ist voll von Liebe und Magie- eine ganze Reihe von Gefühlen, die man erfahren kann. Er ist so detailliert. Tolkien war Geschichtsprofessor und brachte in diese Geschichte viel von seinen eigenen Kenntnissen mit ein. Man öffnet diese Bücher, guckt sich die Seiten an und geht verloren in dieser Welt. Das ist es, was daran so erstaunlich ist."

Während der Dreharbeiten in Neuseeland richtete sich Bloom fast mehr nach den Büchern als nach den richtigen Drehbüchern, die Fran Walsh, Philippa Boyens und Regisseur Peter Jackson geschrieben hatten. Jeder- sogar Jackson- tat dies.
"Für alle war es wie eine Bibel", erklärt Bloom. "Die ganze Zeit hatten wir es in der Hand. Ich ging echt das ganze Buch durch und unterstrich alle Informationen, von denen ich das Gefühl hatte, dass ich sie brauchen würde, um meine Rolle und die Reise der Gefährten besser zu verstehen. Ich ging wirklich wie mit einem feinzinkigen Kamm durch, um alles herauszufinden, was es, meiner Meinung nach, für Legolas bedeutete, ein Teil von den Gefährten zu sein. Ich wollte das, was in den Büchern und Drehbüchern stand, mit meiner Rolle verbinden."

"Ich vertrete die Elben und benutze meine elbischen Fähigkeiten, die so etwas wie übermenschliche Kräfte sind. Legolas scheint immer zu wissen, wann den Gefährten Gefahr droht. Das kommt besonders im ersten Film zum Ausdruck. Man sieht ihn oft mit seinem Bogen und seinen Pfeilen. Er ist ein klein bisschen wie ein Mörder und wirklich Auge und Ohr der Gefährten."

Der "umwerfende" Elb

Bloom- ein junger britischer Schauspieler, der bisher nur in kleinen Rollen in U.K.- Fernsehprogrammen und einer Nebenrolle im Film "Wilde" zu sehen war, hatte eine besonders schwierige Herausforderung während der Dreharbeiten zu bewältigen:
Seine Rolle beinhaltet nämlich nicht nur die körperlichen Fähigkeiten wie Bogenschießen, reiten etc., sondern sie weist auch noch einen leichten Hang zum Übernatürlichen auf. Aber dies ist nun einmal die Natur der Elben und deshalb arbeitete Bloom daran, sie möglichst gut zu verkörpern. Mit diversen Hilfsmitteln, wie Make- Up, falschen Ohren und dem Kostüm, verwandelte er sich in einen echten Elb.

"Der Job eines Schauspielers ist, jede Rolle möglichst glaubhaft zu spielen", sagt Bloom, der sich als Teenager mit Tolkiens Trilogie beschäftigte, sie aber erst vollständig am "Herr der Ringe"- Set las.
"Und das versuchte ich mit Legolas auch. Dabei standen seine körperlichen Fähigkeiten auch sehr im Vordergrund. Das Erste, was sie taten, als ich nach Neuseeland kam, war, mir einen Bogen in die Hand zu drücken.
Training mit dem Bogen, lernen mit einem Schwert umzugehen, reiten...- dadurch bekam ich erst ein richtiges Bild von Legolas und seinen Eigenschaften."

"Die Bücher sind unglaublich detailliert", fügt er hinzu, "und sie enthalten viele Informationen über die Elben. Elben sind sehr interessante Wesen, aber einige Leute mögen sie nicht, weil sie so magisch und mystisch auf uns wirken. Tolkien erschuf sie als die Erstgeborenen- engelhafte Geister, die in Mittelerde fast so etwas wie Götter sind. Deshalb haben sie diesen übernatürlichen Touch. Fast so, als ob sie immer auf irgendetwas konzentriert wären. Eigentlich kann man das auch mit unserer Zeit vergleichen: Leute gehen zu Yoga- Kursen, meditieren und machen alle möglichen Dinge, um sich selbst zu finden."

"Während ich Legolas war und die Hobbits (Elijah Wood, Sean Astin, Dominic Monaghan, Billy Boyd) beim Dreh herumalberten, war ich normalerweise ruhiger und stiller, damit ich konzentrierter wirkte. Ich versuchte es, so gut wie möglich zu machen. Ich wollte diese Intensität seines Charakters zu fassen bekommen. Ich denke, alles geht von seinen Augen aus. Nicht von dem, was er sagt, sondern von dem, was er tut. Zum Beispiel rennt er nicht, kämpft nicht oder schießt Pfeile einfach so in der Luft herum. Und er spricht nur, wenn Gefahr droht, oder es eine andere wichtige Mitteilung gibt. Er würde sagen ‚Die Orks sind hier' oder ‚Die Situation ist etwas heikel. Wir sollten weitergehen.'
Das ist sein Job."

"Für uns alle war es ein Abenteuer", bestätigt Bloom, "Pete übertrug uns die Verantwortung, etwas aus den Rollen zu machen. Das Make- Up und die falschen Ohren waren mir dabei eine große Hilfe. Ich verbrachte jeden Morgen zwei Stunden mit den Haar- und Make- Up- Artisten. Es machte Spaß und half mir wirklich, mich in diese Rolle richtig hineinzuversetzen. Jeden Morgen bekam ich die Ohren angeklebt, die Perücke aufgesetzt und wurde zu Legolas.. Außerdem nutzte ich diese zwei Stunden, meine Gedanken zu ordnen und glaub´ mir, es kann morgens ziemlich lange dauern, ehe man richtig aufgewacht ist."

Der Film erwies sich auf seiner Premiere im Dezember 2001 als voller Erfolg, so dass er 13mal für den Oscar nominiert wurde (unter anderem in den Kategorien "Best Director" und "Best Pictures"). Bloom war nicht sehr überrascht, dass auch Peter Jackson nominiert war. "Pete ist ein unglaublicher Mann. Er hat das Herz eines Hobbits, die Tollkühnheit eines Zauberers und die Coolness eines Elben. Eben ein bisschen von jedem. Er ist ein sehr konzentrierter Regisseur gewesen und er musste es auch sein. Wenn wir am Set waren, sagte er zum Beispiel `Legolas würde das so machen` und zeigte mir dann, was er meinte. In diesen Momenten konnte ich nur zu ihm gucken, ich denke, allen ging das so."

"Mit der Zeit lernten wir unsere Rollen besser kennen, was wiederum zu einem guten Arbeitsverhältnis mit Peter führte. Wir waren alle vom gleichen Schlag. Alle wussten, was er von uns wollte. Es war cool. Er sagte nur ein Wort, dass präzise zusammenfasste, was ich tun sollte. Zum Beispiel `Denk dran, du bist ein Mörder`, woraufhin ich dann dachte `Okay, ich bin ein cooler, knallharter Mörder.`
Ich stellte mir Legolas als Waffe und seine Pfeile als seine Geschosse vor."

Elbischer Hüter der Gerechtigkeit...

Ein anderer, der ebenfalls wie Peter Jackson für den Oscar des besten Regisseurs nominiert wurde, war Ridley Scott. Er bekam die Nominierung für seinen, auf wahren Tatsachen beruhenden, Film "Black Hawk Down". Bloom, der eine Nebenrolle hatte, arbeitete mit Berühmtheiten wie Josh Hartnett, Ewan McGregor und Tom Sizemore zusammen. Orlando schlüpfte in die Rolle eines unerfahrenen, jungen Soldaten.
"Die Arbeit mit Ridley und Jerry Bruckheimer (Produzent), war sehr angenehm. Man sollte niemals die Chance fallenlassen, mit ihnen zu arbeiten. Eigentlich hatte ich echt keine Ahnung, was mich erwarten würde. Das einzige, was ich wusste war, dass der Film von militärischen Begebenheiten handelt, die 1993 in Somalia passiert sind. Meine Rolle, ist die des grünschnabeligen Soldaten Todd Blackburn, der extra aus Amerika nach Mogadischu gebracht wurde, um dort zu kämpfen. Gleich zu Beginn der Mission fiel er 60 Fuß tief aus einem Helikopter. Das war wirklich der Anfang vom Ende. Er selbst lebt heute allerdings noch. Die oberste Regel eines Soldaten ist, niemals einen Mann zurückzulassen. Als Todd herunterfiel, musste er also wieder geholt werden. Das bedeutete für die Anderen, dass sie gezwungen waren, in diesem, für sie gefährlichen, Gebiet zu landen, um ihn zu retten. Und es war die reinste Hölle."

"Für mich als Schauspieler war es eine großartige Erfahrung. Ich hatte zwar nicht soviel zu tun, aber ich lernte trotzdem, an einem riesigen Set wie diesem zu arbeiten. ‚Herr der Ringe' ist ja deshalb eines der größten Filmprojekte, die es jemals gab, weil gleich drei Filme auf einmal gedreht wurden. Damals in Neuseeland fühlten wir uns wie eine Familie. Dazu kam, dass das Set viel kleiner war, als bei ‚Black Hawk Down. Dort flogen manchmal bis zu acht Helikopter in der Luft, man wurde von sechs bis acht Kameras gefilmt und auf dem Gelände selbst, hielten sich immer 600 bis 800 Personen auf. Mir kam es wie eine riesige Maschine vor, aber es war eben eine andere Möglichkeit, einen Film zu drehen. Ich versuchte, meine Sache durchzuziehen."

Orlando spielte eine kleine, aber ausschlaggebende Rolle in "Black Hawk Down", die sich fast ein wenig mit der des Legolas vergleichen lässt. Legolas war nicht sehr oft zu sehen, aber dank Orlandos Talent, konnte man die Anwesenheit des Elben durch den ganz Film hinweg spüren. Bloom könnte darüber meckern, dass einige seiner Szenen herausgeschnitten wurden( ein paar werden auf der DVD zu sehen sein), aber das ist nicht der Stil eines guten Schauspielers.

"Ich denke, die Leute werden bemerken, dass ich in den zwei anderen Filmen öfter erscheine.", sagt Bloom diplomatisch in Bezug auf den zweiten und dritten Teil, die jeweils im Dezember 2002 bzw. Dezember 2003 in die Kinos kommen werden.
"Auf dem Weg nach Bruchtal gehört Legolas noch nicht zu den Gefährten. Außerdem wurden die einzelnen Rollen sowieso etwas gekürzt. Das war ein bisschen schwierig, da der Film die Leute ja genau damit bekannt machen wollte. Doch als das Ganze drohte, zu lang zu werden, fasste Peter die Rollen so zusammen, dass sie die gleiche Wirkung wie eine ausführlichere Darstellung hatten."

"Im ersten Teil von ‚Herr der Ringe' geht es ausschließlich um den Ring, seine Geschichte und die Auswahl der Gefährten, die Frodo begleiten sollen. Der Film erläutert all die Sachen, die wichtig waren: Was ist der Ring? Wo ist der Ring? Wer wird der Ringträger sein? Wo muss der Ring hingebracht werden? Wer hilft Frodo bei seinem Auftrag? Wer ist gut, wer ist böse? Das alles wurde erklärt. Und jetzt, wo wir gesehen haben, wie sich die Gefährten im ersten Teil nähergekommen sind, wird in den beiden anderen Teilen die Bedeutung des Gefährtenbundes und dessen Rolle den Zuschauern näher gebracht."

Elbenkrieger

Während der Reise verlieren die Gefährten auch einige ihrer Begleiter.
"Am Ende von ‚Herr der Ringe- Die Gefährten', löst sich die Gemeinschaft auf.", erklärt Bloom, "Wir haben Boromir verloren, machen aber ohne ihn weiter. Man wird im nächsten Film ein paar mehr Action- Szenen zu sehen bekommen, zum Beispiel bei großen Kriegen, und man wird jedes Wesen auf einer persönlicheren Ebene kennenlernen. Pete war sich schon bewusst, dass er im ersten Film die Leute mit einer beträchtlichen Menge Personen bekannt machen musste. Als ich den Film das erste Mal sah, war es schon ein cooles Gefühl, zu wissen, dort mitgewirkt zu haben und mit den anderen Schauspielern zusammengewesen zu sein. Pete wurde der Geschichte und den Rollen gerecht, aber ich wollte natürlich mehr. Ich bin ein Schauspieler. Jeder Schauspieler möchte tiefer in seine Rolle blicken lassen, aber ich bin eigentlich zufrieden mit dem, was man jetzt im Kino sehen kann. Man erfährt das über Legolas, was man wissen muss. Hoffentlich wird er später noch etwas ausführlicher behandelt. Sogar im Buch war er nur still anwesend. Und das war ich im Film auch."

Wegen "Herr der Ringe" ist Orlando nun weltweit bekannt. Für ihn ist London zwar immer noch sein Zuhause, aber in der letzten Zeit war er meistens unterwegs, um den Film zu promoten. Außer in HDR ist er zum Beispiel auch noch in dem Drama "Lullaby of Clubland" zu sehen, welches England im Sommer und die USA im Winter erreichen wird. Und danach...

"Ich habe keine Ahnung, welche Reaktionen nun auf ‚Herr der Ringe' folgen werden.", meint Bloom, "Es hat mir jedenfalls geholfen, etwas bekannter zu werden. Außerdem haben sich für mich nun völlig neue Möglichkeiten eröffnet. Das ist echt aufregend. Ich war drei Jahre lang an der ‚Guild Hall School for Music and Drama', wo ich das Theaterspielen lernte. Ich möchte immer wieder zum Theater zurückkehren, aber ich bin auch sehr mit dem Schauspielern verbunden. Die Beziehung zur Kamera, die man als Schauspieler hat, ist total interessant für mich."

"Der Film hat mir ein ganz neues Gebiet eröffnet. Das ist manchmal ein bisschen unheimlich. Er hat mir ermöglicht, zu reisen, mit sehr guten Schauspielern und einer tollen Crew zusammenzuarbeiten. Während ich für 18 Monate in Neuseeland lebte sprachen wir natürlich über viel den Film, aber auch über uns selbst."

"Man kriegt so viele Gedanken bei so etwas Großem und Beliebten.", überlegt Orlando Bloom, "Weil die Gemeinschaft des Ringes, einfach gesagt, ein wahres Labor von Liebe ist. Es ist ein großartiger Film und ich denke, über ihn zu reden, hat mir wirklich geholfen, zu verstehen, wer ich bin und was ich gemacht habe. Der Film gab mir einen Weg, das auszudrücken."

 

Vielen Dank an Katharina für diese wirklich detailgetreue Übersetzung!

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