Mittelerde, Fluch der Karibik, Trojas Krieg, Kreuzzüge und jetzt auch noch die drei Musketiere: Der Schauspieler, der nie ein Abenteuer scheute, nimmt uns mit an seine geheimsten Orte.
Aber genug mit den Märchen. Die epischen und mythischen Charaktere machten ihn berühmt, aber vielleicht fesseln sie Orlando Bloom auch für immer an einen Rollentypen. Jetzt, mit Sympathy for Delicious, steht seine Karriere an einem Wendepunkt.
„Halte deine Augen immer auf den Horizont gerichtet", rief Orlando Bloom in der Rolle des extravaganten Piraten Will Turner seinem „Kollegen" Jack Sparrow (Johnny Depp), auf dem Deck eines vom Sturm gepeitschten Schiffs, im ersten Fluch der Karibik Film zu. Der britische Schauspieler, zu der Zeit 26 Jahre alt, hätte sich diesen Satz auch selbst zurufen können: Bloom wurde bereits zwei Jahre früher bekannt, durch die Rolle des faszinierenden Elben Legolas in Der Herr der Ringe, aber es war deutlich, dass dies nur der Anfang war. Der Horizont, auf den er ein Auge halten sollte, war da, immer einen Schritt voraus: Schon ist er als Homers Held in Troja zu sehen und später als galanter Ritter in Königreich der Himmel. Historische oder legendäre Charaktere katapultierten den Schauspieler aus Canterbury in fast mythische Dimensionen. So sehr, dass man ihn fast schon im wahren Leben irreal findet, wenn man ihn für ein Interview trifft. Da passt es auch, dass er vor ein paar Monaten die, wie sie genannt wird, schönste Frau der Welt, das australische Supermodel Miranda Kerr, heiratete. Ebenso wie sein Horrorsturz im Jahr 1998, den er glücklicherweise überlebte und der ihn eigentlich für immer an einen Rollstuhl hätte fesseln müssen. Aber hier ist er nun und fährt sein Motorrad. Attraktiv, ruhelos und mit einem offensichtlichen britischen Charme, ist der 33-jährige Orlando Bloom einer der berühmtesten Schauspieler des internationalen Kinos: 2011 wird er als Herzog von Buckingham zu sehen sein, in Die drei Musketiere, einem weiteren klassischen Abenteuer, von Paul W.S. Anderson.
In Sympathy for Delicious, dem Debüt von Regisseur Mark Ruffalo, das beim letzten Sundance Film Festival gefeiert wurde, lässt Bloom jedoch die legendären Charaktere, die ihn so bekannt gemacht haben, links liegen. Lasst uns hier beginnen.
„Sympathy for Delicious", unter der Regie von Mark Ruffalo, kommt nun in die Kinos. Kannst du uns etwas zu deiner Rolle in diesem Film erzählen? Wie ist es mit Mark Ruffalo zu arbeiten?
O.B.: Mark ist einer meiner Lieblingsschauspieler. Und die Möglichkeit, eine Rolle in seinem ersten Film zu bekommen, war großes Glück. James Franco hatte in letzter Minute, wegen zuvor eingegangenen Verpflichtungen, abgesagt, also hatte ich die Gelegenheit, die Rolle zu übernehmen. Sympathy ist ein Projekt, an dem Mark über Jahrzehnte mit seinem langjährigen Freund Christopher Thornton, Autor und Co-Star des Films, entwickelte. Schon bei unserem ersten Treffen erzählte ich Mark, dass ich begeistert über diese Rolle war und dass ich sie gerne für mich interpretieren würde. Ich wollte diese Erfahrungen durchmachen. Stain ist ein ganz anderer Charakter, als die, die ich bisher verkörpert habe. Mit Mark zu arbeiten hat mir geholfen: Ich habe gelernt, dass man kühn, wagemutig und frech sein muss. Er hat mir eine Menge beigebracht.
Du wurdest oft für epische oder fantastische Filme verpflichtet. Wie hast du diese Veränderung erlebt?
O.B.: Nach Fluch der Karibik hatte ich das Gefühl, dass ich meine Kariere überdenken müsse. Ich arbeitete in einem Theater in Londons West End und machte dort außergewöhnliche Erfahrungen, dieses unglaubliche Stück, In Celebration von David Storey, auf die Bühne zu bringen. Nach zehn Jahren an Sets von epischen Filmen, wie du ja schon sagtest, suchte ich etwas, dass mich auf ein neues kreatives Level heben sollte, mir helfen sollte, mein Leben auf eine neue Stufe zu bringen. Ich machte eine Pause, die mir erlaubte, Dinge in den richtigen Perspektiven zu sehen. Ich war für sechs Wochen auf einem Boot in der Antarktis, mit einer Expedition von Wissenschaftlern und ohne die Möglichkeit mit dem Rest der Welt zu kommunizieren. Ich konnte mit meinen eigenen Augen die Schönheit der Natur sehen, die Zerbrechlichkeit dieser Lebenswelt und ich verstand, was dort auf dem Spiel steht. Ich begann für UNICEF zu arbeiten und sammelte ein paar Arbeitserfahrungen, um zu verstehen, wie die Organisation Gemeinschaften und das Leben von Frauen und Kindern in den ärmsten Ländern der Welt veränderte. Ich gründete eine Firma, um Filme zu produzieren, die ich gerne gedreht sehen wollte, und ich lernte am eigenen Leib, wie kompliziert diese Dinge sind. Filme machen, erzählte mir Cameron Crowe mal, ist wie einen Blitz in einer Flasche einzufangen. Ich freue mich, sagen zu können, dass ich es gerade geschafft habe, den ersten Spielfilm, The Good Doctor zu drehen, produziert von meiner Firma unter der Regie von Lance Daly, einem sehr talentierten irischer Regisseur, dessen erster Film Kisses mich wirklich überwältigt hatte. Es war diese Kombination und viele andere Erfahrungen, die mich wachsen ließen.
Ironischerweise spieltest du oft starke und dynamische Männer, obwohl du von dir selber sagst, du seiest ein wenig zerbrechlich. Wie bist du mit Gegensatz umgegangen?
O.B.: Ich kann gar nicht glauben, dass ich mich jemals als zerbrechliche Person beschrieben habe. Natürlich, ich bin ein Mensch. Mit Fehlern, gestehe ich. Es gab eine Zeit, in der ich extreme Rollen spielte, wie Legolas in Der Herr der Ringe und Balian in Königreich der Himmel, ich liebte diese Rollen, aber sie waren genau genommen nur Charaktere in Filmen, in denen ich die Ehre hatte mitspielen zu dürfen. Das und mehr kann ich tun, Fehler machend und immer mit dem Versuch daraus zu lernen.
Ich bezog mich auf eine physische Schwäche: Ich habe gelesen, dass du an ernsten körperlichen Verletzungen gelitten hast, als du jünger warst, zum Teil sogar an Filmsets. Ist das wahr?
O.B.: Ja, ich hatte eine eher schwierige Kindheit.
Lass uns über Style reden, wie sollte ein Mann deiner Meinung nach leben und sich kleiden?
O.B.: So wie er sich am wohlsten fühlt.
Du bist Brite. Welche Musiker unter deinen Landsmännern magst du am meisten?
O.B.: Es ist mit peinlich, aber ich bin wirklich nicht sonderlich up-to-date, was die britische Musikszene angeht.
Wenn du ein paar Alben nennen müsstest, die du magst, nicht unbedingt aktuelle, welche würdest du wählen?
O.B.: Die komplette Diskographie von Radiohead, aber auch Dylan, Ben Harper, Leonard Cohen, U2, Stones, Roses.
Wie hast du angefangen zu schauspielern? War es etwas, das du wolltest oder bist du da zufällig zu gekommen? Oder war es eher eine Veranlagung?
O.B.: Das ist was, dass ich schon als Kind immer wollte.
Du hast deine Schauspielkarriere begonnen, als du noch sehr jung warst. Welche Schauspieler haben dich am meisten inspiriert?
O.B.: Johnny Depp, Daniel Day-Lewis, Paul Newman, James Dean, Marlon Brando, Robert De Niro, Al Pacino, Cary Grant. Die Liste ist endlos. Ich schätze immer noch die Arbeit von vielen Schauspielern meiner Kollegen und Superstars.
Lass uns über Orlando Bloom als Mann reden; Familie, Hobbys und Freunde. Kannst du kochen? Was isst du gerne? Gibt es ein gutes Restaurant, dass du den Lesern von GQ Style empfehlen würdest?
O.B.: Ich fahre gerne Motorrad und Mountainbike. Ich liebe es auch, in den Bergen Snowboard fahren zu gehen oder im Meer surfen. Ich kann auch Steak und Brathähnchen zubereiten und ich liebe es im The Wolseley in London zu essen.
Viele unserer Leser sind unglaublich leidenschaftlich, wenn es zu Motoren kommt. Was denkst du über Menschen, die gerne schnell Auto oder Motorrad fahren? Magst du die Geschwindigkeit und das Risiko?
O.B.: Schnell mit einem Auto oder auf einem Motorrad zu fahren, ist dumm, aber es macht Spaß. Macht es auf einer Rennstrecke, wenn möglich, oder lasst es sein.