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Va-Va Bloom

Sunday Telegraph (Großbritannien), 27. Mai 2007
Danke an Uschi für's Übersetzen und Abtippen!

Orlando Bloom muss bis ans Ende der Welt reisen, um nicht erkannt zu werden. Im Februar dieses Jahres hat er die Segel gesetzt in Richtung Antarktis auf einem norwegischen Eisbrecher mit seinem Cousin Sebastian Copeland - einem Leiter der neuen Umweltgruppe Global Green -, um die Auswirkungen der globalen Erwärmung selber zu sehen.

Drei Wochen lang freute er sich über die Anonymität, einfach einer der Leute zu sein.

"Es war wunderbar, eine erstaunliche Erfahrung", sagt er begeistert. "Meine Unterkunft war so groß wie eine Bushaltestelle und ich habe die Dusche und Toilette mit 27 anderen Jungs geteilt. Ich habe die Wäsche gewaschen, gekocht und gespült. Niemand hat mich da unten erkannt, nur die Pinguine. Es war eine sehr realistische Erfahrung und hat mich daran erinnert, wie fantastisch die einfachen Dinge sein können.

Die Reise war gut für eine willkommene Dosis Normalität für Bloom. In den vergangenen sechs Jahren ist der 30 Jahre alte britische Schauspieler einer von Hollywoods größten Stars geworden, nachdem er den Elben Legolas in der Herr der Ringe Trilogie gespielt hat und dann den vom Schmied zum Piraten gewordenen Will Turner in drei Filmen von Piraten der Karibik - zwei Trilogien, mit denen er auf vielen Listen mit den "sexiest men" der Welt gelandet ist.

Bis jetzt haben seine Filme über 2,4 Billionen Dollar brutto eingebracht, mehr als die von jedem anderen Schauspieler.

Letztes Jahr war sein Name der am meisten gesuchte männliche Name der Welt in Google News, obwohl er verlegen behauptet, er selbst habe nicht gegoogelt.

Nicht schlecht für einen Kerl aus Kent, in England, der nur auf ein bisschen Theaterarbeit gehofft hat, als der die Drama-Schule vor acht Jahren verlassen hat.

Das Anpacken bei der Schiffsreise hat ihn daran erinnert, wie sehr er das vermisst, was er "normales Leben" nennt. In der vorherigen Woche hat er die U-Bahn in New York genommen.

"Es war großartig. Ich bin seit langem nicht mehr mit der U-Bahn in New York oder in London gefahren und es hat mir klar gemacht, was ich vermisst habe."

Nur ein Hollywood Star könnte mit solcher Begeisterung darüber reden, in eine U-Bahn hineingezwängt zu sein.

"Die Art, wie ich mein Leben lebe, heißt für mich, mich so viel wie möglich nicht vom wirklichen Leben auszuschließen", fährt er fort.

"Ruhm und Berühmtheit können manche Leute dazu bringen, in eine Muschel zu gehen, und es besteht kein Zweifel daran, dass auch ich in dieser Muschel war, aber ich begrüße mehr das wirkliche Leben. Ich bin keiner dieser Leute, die sich selbst in einen goldenen Käfig setzen."

Heute jedoch ist Bloom zurück im goldenen Käfig, verwöhnt in einer großen Suite in einem von Londons teuersten Hotels, als eine Armee von Publizisten sich im Gang draußen beschäftigt.

Er ist hier, um für den dritten Piratenfilm, Am Ende der Welt, zu werben. Er ist schlanker als erwartet, aber er ist unleugbar so gut aussehend wie er auf der Leinwand erscheint, obwohl er so aussieht, als ob es bei ihm letzte Nacht spät geworden wäre.

Er hat kurzes, verstrubbeltes Haar, einen Hauch von Bartstoppeln auf seinem Kinn und er ist leger angezogen in einem Pullover, Jeans und Arbeitsschuhen.

Er erweist sich als freundlich - offen, wenn er es will - aber er kann ebenso ein bisschen zu ernst sein und entgegen seiner Hoffnung auf dem Boden zu bleiben, neigt er zu maßlosem Hollywoodgeschwätz.

Am Ende der Welt ist sein 15. Film. "Wow, ist er das wirlich ?" sagt er und lehnt sich in seinem Sessel nach vorne. "Ich bin wirklich dankbar dafür, ein Schauspieler zu sein. Ich liebe dieses Leben. Es gibt einen Mechanismus, um den Umgang mit Ruhm zu bewältigen, und man lernt es, wenn man älter wird. Ich muss sagen, es war eine wahnsinnige, wahnsinnige Fahrt."

Bennant nach dem Komponisten Orlando Gibbons aus dem 17. Jahrhundert, wuchs Bloom in Canterbury im Südwesten Englands auf.

Bei ihm wurde Legasthenie diagnostiziert, er sagt, er war weder besonders sportlich noch besonders gelehrt als Kind. Seine Mutter Sonia ermutigte sowohl Bloom als auch seine ältere Schwester Samantha (die jetzt auch Schauspielerin ist), Drama- und Kunstunterricht zu besuchen.

Als er vier war, starb der Mann, von dem Bloom geglaubt hatte, er sei sein Vater - ein berühmter Schriftsteller in Südafrika und Anti-Apartheid Aktivist, der ein Freund von Nelson Mandela war und ebenso eine Haftstrafe abgesessen hat als politischer Gefangener - an einem Schlaganfall.

Neun Jahre später enthüllte seine Mutter, dass Harry nicht sein wirklicher Vater war und dass Colin Stone, ihr Lebensgefährte und Freund der Familie, der Blooms Vormund wurde nach Harrys Tod, tatsächlich sein biologischer Vater war.

"Es ist eine ungewöhnliche Geschichte, aber zeigen Sie mir eine Familie und ich zeige Ihnen eine ungewöhnliche Geschichte", sagte Bloom.

"Ich hatte Glück, wirklich; ich hatte zwei Väter. Ich meine, ich war vier, als Harry starb, aber meine Mutter hat ihn immer sehr gelobt. Er war ein Vorbild für mich." Von Colin Stone sagt er, "ich habe tatsächlich eine großartige Beziehung zu meinem Vater."

Bloom zog nach London, um an das National Youth Theatre zu gehen, als er 16 war, bevor er einen Platz an der Guildhall School of Music and Drama bekam.

Zur selben Zeit ergriff ein Agent die Initiative und hat ihm kleine Rollen im britischen Fernsehen besorgt: im Krankenhausdrama Casualty - er spielte dort einen sich selbst Verletzenden, der sich vom Dach eines Parkhauses stürzt - und in der Detektivserie Midsomer Murders, in der er mit einer Heugabel ermordet wird.

Er hatte ebenso eine Zeile als Strichjunge im Film Wilde.

So weit, so gut. Aber Blooms Karriere endete beinahe, bevor sie begonnen hatte. Während er in Guildhall lernte, im Alter von 21, rutschte er aus, als er versuchte, die Dachterrasse auf dem Haus eines Freundes zu erreichen und fiel drei Stockwerke tief und brach sich seinen Rücken. Ihm wurde gesagt, er würde möglicherweise nie wieder gehen können.

"Ich habe immer gedacht, das bin nicht ich, ihr habt den falschen Typ. Das wird nicht mein Leben sein", erinnert sich Bloom.

"Ich war so entschlossen aus dieser Situation herauszukommen. Daran zu denken, den Rest meines Lebens im Rollstuhl zu verbringen hätte mich zerstört, aber ich ließ mich davon nicht unterkriegen."

(Er hat im Lauf seiner Karriere eine Menge Verletzungen erlitten. Bis jetzt hat er zusammen mit seinem Rücken Rippen, seine Nase, beide Beine, einen Arm, ein Handgelenk, einen Finger, eine Zehe gebrochen und seinen Schädel drei Mal angeknackst, was Bände spricht für sein Engagement und seine Entschlossenheit.)

Zwölf Tage nach dem Unfall spazierte Bloom aus dem Krankenhaus. "Ich hatte sehr viel Glück und seitdem ist alles in meinem Leben eine Dreingabe. Wenn meine Karriere den Bach runter geht, dann spaziere ich immer noch umher. Das Wesentliche im Leben sind immer noch die einfachen Dinge und wenn du von der Verrückheit des Filmemachens eingeholt wirst, kannst du vergessen, was wirklich wichtig ist."

Ein Jahr nach dem Unfall trieb sich Bloom in Mittelerde herum in einer blonden Perücke als der 2931 Jahre alte Legolas Grünblatt.

Nur 48 Stunden bevor er in Guildhall absolvierte, hat Peter Jackson, der Regisseur von Herr der Ringe, Bloom für die Rolle besetzt, die ihn auf den Weg zur sofortigen Berühmtheit bringen würde.

"Ich habe niemals gedacht, dass ich so schnell große Hollywoodfilme machen würde", lacht Bloom. "Ich habe gehofft, ich würde die Gelegenheit bekommen, ein bisschen Theater zu spielen und vielleicht eine Karriere beim Fernsehen zu machen."

In den vergangenen acht Jahren, seit er Legolas gespielt hat, hat Bloom ununterbrochen gearbeitet. Also was ist der Anreiz ?

"Die Kamera liebt ihn, er liebt die Kamera und Leute fühlen sich natürlicherweise zu ihm als Person hingezogen", sagt Jerry Bruckheimer, Produzent von Piraten der Karibik.

Der Co-Star in Elizabethtown, Kirsten Dunst, hat ihre eigene Ansicht. "Er ist eine Art Mann-Junge auf eine Weise; er ist immer noch sehr jungenhaft," sagt sie. "Er ist auf eine Art feminin. Da ist nichts Bedrohliches an ihm, weshalb ihn junge Mädchen mögen."

Bis jetzt, er war ebenso ein Elb wie ein Pirat, hat Bloom so verschiedene Rollen gespielt wie als Milchmann, Schuhdesigner, einen Prinzen und einen Ritter an verschiedenen Orten wie Marokko, Spanien, Mexico, Cayman Inseln und den Bahams.

Er hat Australien besucht für seine Rolle als Joe Byrne in Gregor Jordans Ned Kelly.

"Ich liebe Australier, ich komme wirklich gut klar mit ihnen", sagt er.

"Eric Bana hat einen wunderbaren Sinn für Humor und, natürlich, bin ich gut befreundet mit Heath (Ledger). Beide sind großartige Typen. Australien ist ein fantastisches Land. Ich war erstmals dort, als wir Herr der Ringe in Neuseeland filmten und die Hobbits und ich nach Sidney fuhren, um etwas Spaß zu haben. Wir haben wirklich alle Hemmungen fallen gelassen."

"Ich habe dort ebenfalls einige Zeit mit meiner Ex-Freundin (Kate Bosworth) verbracht. Wir sind dort rumgehangen und sind ins Hunter Valley gefahren."

"Sydney ist eine fantastische Stadt und Melbourne ist ebenfalls großartig. Und mehr als alles andere sind australische Frauen wirklich schön, du wirst verdammt verwöhnt da unten."

Bloom mag seinen Namen in einer Folge von epischen Blockbustern gemacht haben, aber jetzt ist er scharf darauf, sein Schwert an den Nagel zu hängen und wegzukommen von den historischen Kostümen. Er würde ebenso gerne weniger integre Charaktere spielen.

"Es ist wahr; bei all meinen Rollen war eine Tugendhaftigkeit, jetzt möchte ich dass meine Hände schmutzig werden", sagt er.

"Ich möchte einige zeitgenössische Charaktere und mehr einen männlichen Kerl spielen wie Marlon Brando, Steve McQueen, James Dean und Clark Gable."

Wie steht es damit, einige dunklere Rollen zu spielen ? Immerhin sagte der Regisseur von Elizabethtown, Cameron Crowe, von Bloom: "Unter der Welpen-Tatkraft liegt echte Dunkelheit."

"Ich würde das gern tun", nickt er. "Ich möchte einige verschiedene Kanten von Charakteren finden. Alle großen Schauspieler haben ihre bestimmte Atmosphäre. Ich würde gerne herausfinden, was mein spezielles Ding ist. Im Moment heißt es zu fragen "Wer ist Orlando und was will er wirklich tun ?". In meinen 20-ern habe ich eine Menge Fragen gestellt, aber jetzt suche ich nach Antworten.

"Jetzt, da ich die Piratenfilme beendet habe, möchte ich diesen Moment wirklich genießen. Ich muss nicht geradewegs einen anderen Job annehmen. Ich fühle mich richtig aufgeregt in Bezug auf die Zukunft und ich mache gerade eine Bestandsaufnahme. Zum ersten Mal seit längerer Zeit ist es mir möglich darüber nachzudenken, was ist es, das mich dazu inspiriert hat, Schauspieler zu werden ?"

Einige Jahre zuvor, hat er geantwortet, er würde nur schauspielern wegen der Mädchen. Er lacht, als ich ihn daran erinnert habe.

"Ja, das habe ich gesagt, aber das ist nicht wahr." Er grinst mich verschwörerisch an. "Aber, lass mich ehrlich sein, es ist kein schlechter Grund, nicht wahr ?".

Was auch immer die Wahrheit ist, Bloom hatte noch nie Probleme, Frauen anzuziehen. Vier Jahre lang hatte er eine unstete Beziehung mit Bosworth, die sich einen Namen in Blue Crush gemacht hat, aber am ehesten bekannt ist für ihre Darstellung von Lois Lane in Superman Returns.

Nach einer vorübergehenden Trennung versöhnten sie sich wieder und verbrachten einige Zeit in Sydney, als sie das letztere hier vor zwei Jahren abdrehte.

Aber sie trennten sich für immer letzten September, nachdem sie "Schwierigkeiten" hatten, so viel Zeit getrennt zu verbringen, nur zwei Monate, nachdem sie gesagt hat, dass eine Hochzeit möglich wäre.

Er will über die Beziehung jetzt nicht reden. "Ich habe nie über mein Privatleben geredet und ich werde es nie."

In den vergangenen zwei Jahren wurde Bloom am Fließband in Verbindung gebracht mit Hollywoods führenden Damen, inclusive Sienna Miller, Kirsten Dunst, Jessica Biel, Penélope Cruz und Uma Thurman. Hat er sich daran gewöhnt, dass sein Liebesleben unter intensiver Prüfung steht ?

"Nein, ich habe es nicht und, um ehrlich zu sein, ich möchte es niemals akzeptieren", sagt er leidenschaftlich. "Es ärgert mich wirklich sehr. Was mich am meisten aufregt am Eindringen in mein Privatleben ist, dass es die Magie eines Momentes tötet, wenn du dich zum ersten Mal verabredest."

Nur ein paar Tage bevor wir uns treffen gibt es Berichte, dass Bloom mit dem australischen Model Miranda Kerr ausgeht, nachdem sie dabei gesehen wurden, wie sie nach einem Appartment suchten und durch den Central Park in New York gingen. Sind sie nun ein Paar ?

Er lacht nervös, bevor er stammelt: "Was ? Machen Sie Witze ? Nein, das stimmt nicht, niemals ... Nein, es ist nicht wahr."

So, er ist zur Zeit Single ? "Ja, das bin ich, tatsächlich. Aber wenn das nicht so wäre, würde ich es Ihnen nicht erzählen." Genießt er es, Single zu sein ? "Ich weiß nicht, was heißt das ?".

Ich sage ihm, da ich seit 15 Jahren mit meiner Frau zusammen bin, bin ich wahrscheinlich nicht die geeignetste Person für die Frage.

"Sind Sie das wirklich ? Sie haben Glück. Ernsthaft, das ist großartig. Ich freue mich darauf in der Lage zu sein, zu sagen, ich bin seit 15 Jahren verheiratet. Mir würde das wirklich gefallen, aber für mich besteht keine Eile, das ganze Zeugs zu machen."

Bloom sagt, abseits vom Filmset genießt er es, so viel Zeit wie möglich mit seinem Hund Sidi zu verbringen, einem streunenden schwarzen Labrador, den er in Marokko während der Dreharbeiten zum Film Königreich der Himmel gefunden hat.

Er ist so vernarrt in das Hündchen, dass er sogar ein Paar von Sidis Welpenreißzähnen in Manschettenknöpfen eingebracht hat. Er redet ebenso aufgeregt über die Renovierung seines Londoner Appartments. Er hat es so umweltfreundlich wie möglich gemacht, mit einem Satz Solarkollektoren auf dem Dach.

"Das ist wichtig für mich; ich habe es wirklich genossen. Ich habe es vollständig erneuert von außen nach innen."

Trotz der Arbeit rund um den Globus ist London immer noch seine Heimat und er lehnt es ab, auf dem ausgetretenen Pfad eines Umzugs nach Los Angeles zu treten.

"Ich liebe es hierher zurückzukommen, es gibt mir den Rückhalt bei meinen Freunden und meiner Familie. Ich liebe es, einfach in den Pub zu gehen. Da ist etwas sehr Spezielles dabei, britisch zu sein, ich liebe mein Land und sein Volk. Wir machen unsere Sachen und lassen uns nicht von den Mistkerlen unterkriegen."

Als unsere Zeit zu Ende geht, klopft Blooms Assistent wie auf Vereinbarung an die Tür und kommt mit einem kompletten englischen Frühstück.

Bloom reibt seine Hände in Vorfreude bevor er im Aufgehäuften auf dem Teller vor ihm stecken bleibt.

Er ist glücklich, wieder zu Hause zu sein. Bevor ich gehe, frage ich, ob er sich jetzt an dieses Leben gewöhnt hat.

"Ich würde niemals anfangen wollen zu denken, dass ich es geschafft habe", sagt er, als er einen Kipper mit der Gabel aufspießt. (Anmerkung d. Ü.: Ein Kipper ist ein geräucherter Fisch, oft gelblich gefärbt abhängig vom Räuchert. Er hat jede Menge Knochen, wozu du Jahre brauchst, um sie herauszupicken). "Weil das eine echte Tragödie wäre".

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