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Blooms Seiltanz

The Scotsman (Großbritannien), 13. Mai 2007
Danke an Sandra für's Übersetzen und Abtippen!

Orlando Bloom, 30, ist momentan der größte Star an den Kinokassen. Erfolgreicher als die altbekannten Leinwandgrößen wie zum Beispiel Sean Connery, Anthony Hopkins und Michael Caine. Sehr viel erfolgreicher als andere Schauspieler in seinem Alter wie Ewan McGregor, Jude Law und der jetzige Bond, Daniel Craig. Wenn Bloom für einen Film im Gespräch ist, kostet es mindestens 10 Mio. $, damit er den Vertrag unterschreibt. Aber wo ist das Feuer? Wo ist die Leidenschaft, die Kontroverse? Man kommt zwangsläufig zu dem Schluss, wenn man dieser schlanken Figur mit dem lässigen Kent-Akzent gegenübersitzt, dass er der britische Schauspieler ist, der am meisten Glück gehabt hat.

Er hatte bisher die unheimliche Gabe, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und Riesenhits an den Kinokassen zu landen. Und das bedeutet mehr als gutes Schauspiel in Hollywood, wo allein das Auftreten in den finanziell erfolgreichsten Filmen alles ist, was zählt.

Als Bloom mit seiner Schauspielausbildung fertig war, war er dafür bestimmt, in Fernsehdramen wie “The Bill” und “Casualty” mitzuspielen – und er hatte tatsächlich einen Auftritt in der letztgenannten Serie, als er noch auf die Schauspielschule ging – bis jemand entschied, dass er ein oder zwei gesprochene Zeilen in einem Film wert war. Sofort wurde er von Peter Jackson engagiert, der mit 150 Mio. $ von der Filmverleihfirma New Line unterstützt wurde, um die „Herr der Ringe“-Saga zu verfilmen. Orlando spielte Legolas Grünblatt, einen Pfeil-schießenden Elb.

Auf einmal flossen Bloom das Geld und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit nur so zu. Dann, im Jahr 2003, stieß er erneut auf Gold, als er von Regisseur Gore Verbinski (der zuvor einen unerwarteten Erfolg mit dem Film „The Ring“ hatte) ausgewählt wurde, in einem Actionfilm über Piraten und Geisterschiffe zu spielen – Fluch der Karibik I. Bloom hatte das Glück, Johnny Depp und Keira Knightley an seiner Seite zu haben und der Film wurde weltweit ein Risen-Hit und schnell wurden zwei Fortsetzungen auf die Beine gestellt.

Blooms Glück schien sich fortzusetzen, als Regisseur Ridley Scott im Jahr 2005 gedrängt wurde, ihn als Balian im Epos “Königreich der Himmel” auftreten zu lassen. Die Kritiken waren allerdings bestenfalls mäßig, insbesondere über Blooms hagere Figur, die ein Schwert schwang. Der Film hatte Schwierigkeiten und Zweifel kamen auf.

Als hätte er auf ein Scheitern gewartet, schrieb Cameron Crowe (gefeiert nach Filmen wie “Jerry Maguire” und “Almost Famous”) ein zeitgemäßes Drehbuch namens “Elizabethtown” und stellte Bloom zusammen mit Kirsten Dunst für die Hauptrollen ein. Der Film war so schlecht und Blooms Leistung so schlecht, dass er beim Venedig-Filmfestival 2005 mit Buh-Rufen überhäuft wurde.

Blooms Wirken als Mann des 21. Jahrhunderts hat ihn als eine solche Fälschung offengelegt, dass das Filmmagazin Premiere einen nicht namentlich erwähnten Agenten zitierte: “Jeder dachte, er sei ein Filmstar – aber er ist es nicht. Punkt.“

Das sollte Blooms Selbstvertrauen in Scherben zurücklassen…sollte man denken. Aber dafür gibt es kein Anzeichen. „Ich lese das alles nicht, egal ob gut oder schlecht”, sagt er. „Ich hatte einige schmerzliche Bemerkungen. Wenn meine Mutter sagt: ‘Keine Angst, es wird dir trotzdem gut gehen.’ sage ich: ‚Ja, mir geht es gut! Was hast du schon wieder gelesen?’ Aber eigentlich möchte ich das gar nicht wissen. Paul Newman hat gesagt, ein Mann ohne Feinde ist ein Mann ohne Charakter und da stimme ich ihm zu.“

Bloom hat das Schauspielen für eine Weile zurückgelassen. Er war auf keiner Leinwand zu sehen seit Fluch der Karibik II. Stattdessen hat er sich entschieden, wieder etwas mehr zu leben.

“Das ist jetzt das erste Mal in acht Jahren, dass ich keinen Job habe, den ich anzutreten habe”, sagt er. Als wir uns in einem luxuriösen 5-Sterne-Hotel treffen, sieht er aus wie ein Mann, der ein Jahr als Aussteiger plant. Er trägt einfache, schwarze Kleidung: Pulli, Jeans, Stiefel. Dazu trägt Glücksketten und –Armbänder. Er lässt sich aufs Sofa fallen und sieht aus, als hätte er nach einem langen Flug nicht geschlafen. Das einzige, was fehlt, ist der Rucksack.

“Ich habe meinen 30. Geburtstag im Januar gefeiert und irgendwie fühlt es sich anders an. Alles ist nicht mehr so dringend. Ich habe Zeit, zurückzublicken und mich selber zu fragen: Wie viel willst du eigentlich leben? Meine Arbeit war mein Leben, aber jetzt liegen meine Prioritäten anders.“

Eine dieser Prioritäten ist, ein teures Haus in der Nähe von London fertig zu stellen. Eine andere seine Kampagnen für den Umweltschutz, für die er kürzlich aus der Antarktis zurückgekehrt ist. „Ich war Teil einer Umweltschutzgruppe namens Global Green für vier oder fünf Jahre, also habe ich drei Wochen auf einem Norwegischen Eisbrecher aus den 50er Jahren verbracht. Ich habe in einem Raum geschlafen, der nicht größer war als eine Bushaltestelle und war in der oberen Koje. Das Badezimmer musste ich mir mit 27 anderen Leuten teilen. Den Abwasch habe ich auch gemacht – da gab es keine Privilegien.“

Es scheint ihm bewusst zu sein, dass er an einer Art Kreuzung angekommen ist. „Gibt es ein Stück bei dem ich in Gang kommen könnte? Ich will nicht in Londons West End geschoben werden und mich dabei fühlen, als hätte ich die Hosen voll. Andererseits wäre es auch toll, im West End zu spielen und Teil eines Ensembles zu sein. Ich habe vor kurzem Equus gesehen und finde, Daniel Radcliffe (der Harry Potter-Star) hat eine großartige Leistung abgeliefert. Es war eine mutige Entscheidung und hat mich zum Nachdenken gebracht.

Sein Denken hat ihn offensichtlich dazu gebracht, in die andere Richtung zu steuern. „Die Filme, die mir in den letzten Jahren am besten gefallen haben, waren Sachen wie „Der ewige Gärtner“, „Hotel Ruanda“ und “The last King of Scotland” – Geschichten über Menschen, die ein anderes Licht auf die Welt geworfen haben.”
“Ich dachte, wenn Leonardo DiCaprio von “Titanic” über “The Beach” zu “Blood Diamond” gehen kann – warum kann ich sowas dann nicht auch?”

Auf die unweigerlich folgende Frage antwortet er: “Ich hatte unwahrscheinliches Glück. Eine unserer Nationalsportarten ist Rugby und ich fühle mich gerade, als wäre ich getackled und zu Fall gebracht worden. Es ist fast so wie: Glaub ja nicht, dass du den anderen so weit voraus bist, wir sind alle Teil des gleichen Teams! Genau das liebe ich über dieses Land.“

Es ist nicht eine Spur von Ironie in seiner Stimme. Er ist genauso pragmatisch über Paparazzi. „Als wir auf Hawaii für „Fluch der Karibik“ gedreht haben, hat jemand ein Foto von mir gemacht, wie ich gegen einen Felsen pinkle. Es gab auch ein tolles Foto von mir beim Surfen – aber das wollten sie natürlich nicht benutzen…“

Es scheint ein guter Moment zu sein, ihn nach den aktuellsten Fotos zu fragen, auf denen er mit dem Victoria’s Secret Model Miranda Kerr in New York spaziert. Ist sie, wie es berichtet wurde, seine Freundin? „Es ist schon seltsam, oder nicht? Sie ist hübsch, aber ich bin Single. Ich habe immer gesagt, dass ich mit meiner Arbeit verheiratet bin, aber das stimmt nicht mehr. Ich versuche gerade herauszufinden, was ich eigentlich will.“

Was die Gerüchte angeht, so ist Bloom seit seiner Trennung von Schauspielerin Kate Bosworth da genauso relaxt wie bei schlechten Kritiken. „Neulich wurde ich beim Dinner mit dem Regisseur Bryan Singer gesehen. Ich habe ihn kennen gelernt, weil ich Kate am Filmset besucht habe. Er ist der Regisseur von „Superman Returns“. Als ich zurück kam, hat sogar meine Mutter gefragt: Spielst du im nächsten Superman mit?? So entstehen Gerüchte…“
Entgegen dessen ist er jedoch ziemlich wortkarg, wenn das Thema auf seinen momentan sinkenden Eindruck auf Kritiker fällt. Ein Produzent schlägt mit Blick auf Blooms nächste Rolle auf einem leeren Lebenslauf sogar vor, er solle nehmen, was er kriegen kann. Aber trotz den Witzen, den schlechten Kritiken und des fragwürdigen Rufes als Schauspieler bleibt Bloom trotzig.
„Ich liebe es, mich zu verkleiden, Make-up verpasst zu bekommen und mit einem Schwert in der Hand herumzutänzeln. Ich fühle mich als hätte ich einen ganzen Körper aus Arbeit geschaffen und darauf bin ich stolz.“

 

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