Interview aus der ONE
ONE (PotC Special, Deutschland) Mai 2007
Danke an Varda für's Abtippen!
ONE: Dieser dritte Teil von „Fluch der
Karibik“ ist gleichzeitig das Ende der Trilogie. Was hast du
gedacht, als du die allerletzte Szene im Kostüm von Will Turner
gedreht hast?
Bloom: Ich war irgendwie erleichtert, aber auch sehr stolz. Ich habe
enorm viel von mir selbst in die Rolle von Will Turner investiert
und das hat sich letztendlich auch gelohnt. Die drei Filme sind fantastisch
und man spürt deutlich die Spannung, die auf dem Set herrschte.
Wir hatten immer gute Laune, die Energie war unglaublich und wir hatten
alle das Gefühl, wieder 10 zu sein und Piraten spielen zu dürfen.
Natürlich hatten wir Spielzeug zu unserer Verfügung, das
mehrere Millionen Dollar wert war, was die Sache noch spaßiger
machte… Ich bin wirklich sehr glücklich über den Erfolg
der ersten beiden Teile und hoffe inständig, dass der dritte
ebenso gut laufen wird.
ONE: Worin unterscheidet sich „Fluch der
Karibik: Am Ende der Welt“ von den ersten beiden Teilen?
Bloom: Auch wenn es in diesem Film neue Gesichte gibt, unterscheidet
sich dieser dritte Film kein bisschen von den zwei vorherigen. Er
ist die logische Weiterführung und in einem gewissen Sinne auch
eine Synthese der ersten Filme. In „Am Ende der Welt“
treffen wir die Helden wieder, die den Erfolg der ersten Teile ausmachten
und ihre Schicksale sind mehr denn je verworren. Ich denke, die Fans
werden erstaunt sein, dass eine dunkle Seite von Will Turner zu entdecken
gibt, was für mich besonders interessant war. Bis jetzt ist mir
Will doch etwas zu brav, zu glatt gewesen. In diesem dritten Film
wird Will ein Mann, ein richtiger… (Lachen)
ONE: „Fluch der Karibik 2“ war der
erfolgreichste Kassenschlager an den amerikanischen Kinokassen 2006.
Denkst du, der dritte Teil kann ebenso gut abschneiden?
Bloom: Die Zukunft hervorsagen kann ich natürlich nicht, aber
wenn die Zuschauer den zweiten Teil dermaßen gemocht haben,
gibt es keinen Grund, wieso so „Am Ende der Welt“ nicht
ebenso mögen sollten. Die beiden Filme wurden zusammen gedreht,
das Team dahinter ist dasselbe, kurz gesagt, es ist tatsächlich
die Fortsetzung des Abenteuers. Außerdem ist es doch so, wenn
man einen Film sieht und man mag die Geschichte, dann will man doch
das Ende erleben, wissen, wie es enden wird… Daher glaube ich,
das Publikum wird neugierig darauf sein, wie es weitergeht, wie Jack
Sparrow sich wieder aus der Bredouille rettet und auch, wie die Liebesgeschichte
zwischen Will und Elizabeth sich entwickelt…
ONE: Diese Trilogie hat deinen Status als Superstar
bestätigt. Ist diese Berühmtheit für dich heute eher
ein Vorteil oder doch manchmal schwer zu ertragen?
Bloom: Was meine Karriere betrifft, so hat mir der Erfolg vor allen
Dingen eins gebracht: meine Freiheit. Ich kann heute selbst die Entscheidungen
treffen, die mich in eine bestimmte Richtung weiterbringen und brauche
nicht die erstbeste Rolle zu akzeptieren, die man mir anbietet. Wenn
ich Lust dazu habe, in einem kleinen, unabhängigen Film zu spielen,
um mein Image zu durchbrechen, kann ich das jederzeit. Wenn ich Theater
spielen und was Kinofilme angeht, eine Weile pausieren möchte,
ist das ebenso ganz allein meine Entscheidung. Das sind die guten
Seiten des Erfolgs, ich habe es nicht mehr nötig, für eine
Rolle vorzusprechen, sie kommen zu mir. Das lässt mir viele Freiheiten,
andere Dinge zu tun. Ich habe schon unverschämtes Glück!
ONE: Wieso willst du dein Image durchbrechen?
Bloom: Weil ich nicht in eine bestimmte Schublade gesteckt werden
will. Nach den historischen Superproduktionen wie der Trilogie „Herr
der Ringe“, „Kingdom of Heaven“ oder „Fluch
der Karibik“ wollte ich gerne mal was anderes tun. Ich habe
viele Ideen, Projekte, etwas zu schreiben z.B. und vor allem hatte
ich den Eindruck, ich hätte genügend Kostümfilme gedreht,
in denen ich ein Schwert in der Hand halte. Natürlich bereue
ich nichts, aber ich glaube für mich ist ganz einfach die Zeit
gekommen, neue Wege zu gehen.
ONE: Du drehst seit mehr als fünf Jahren
ununterbrochen Filme. Brauchst du nicht erst einmal eine Pause?
Bloom: Oh, ja und ob! Und das habe ich auch vor. Zum ersten Mal seit
langer Zeit beende ich einen Film nicht, während der nächste
schon wartet. Im Moment weiß ich nicht, was ich in einem Monat
mache, nicht mal in sechs Monaten. Ich habe tatsächlich keine
konkreten Projekte oder Pläne, und ich muss sagen, dass mir diese
ungewohnte Situation nicht missfällt. Mir stehen alle Möglichkeiten
offen, besonders die, einfach gar nichts zu tun und mich zu erholen.
Diese Vorstellung reizt mich ehrlich gesagt ganz schön…
ONE: In der heutigen Zeit wirst du als einer
der attraktivsten Männer der Welt gesehen, dein Name zählt
zu den meist gesuchten im Internet. Tut das deinem Ego gut?
Bloom: Um ehrlich zu sein, bin ich auf dieses ganze Gerede um mich
und vor allem um mein Aussehen nicht gerade stolz. Glaubt bloß
nicht, ich würde vor Selbstvertrauen sprühen, nur weil mein
Name in Suchmaschinen am häufigsten eingegeben wird oder irgendein
Magazin mich zum Sexsymbol gewählt hat. Wenn ich das hätte
vermeiden können, hätte ich es getan. Nach „Herr der
Ringe“ erkannten mich die Leute noch relativ wenig auf der Straße,
weil ich doch ganz anders aussehe als im Film (Legolas, der Elb; Anm.
d. Red.) Doch nach dem ersten Teil von „Fluch der Karibik“
änderte sich das schlagartig. Von heute auf morgen wurde mein
Privatleben in den Skandalblättern breit gewälzt, ich auf
Schritt und Tritt verfolgt und auf der Straße erkannt. Ich wäre
damals fast durchgedreht, bis ich mich zusammenriss und mir sagt,
dass dies zu meinem Weg gehöre, dass das der Preis sei, den ich
zahlen müsste, um weiterhin tun zu dürfen, was mir gefällt.
ONE: Hast du Johnny Depp darüber gefragt,
wie er mit der Berühmtheit umgeht?
Bloom: Eines Tages haben wir bei den Dreharbeiten zu „Fluch
der Karibik“ eine Diskussion über dieses Thema gehabt.
Wir hatten gerade eine unglaubliche Szene gedreht und ich fragte Johnny,
wie es nur möglich sei, dass wir so gut bezahlt werden für
etwas, dass dermaßen Spaß macht. Er hat mich auf eine
verschmitzte Art angeschaut und geantwortet: „Unser Privatleben
ist wohl ein gutes Gehalt wert.“ Meiner Meinung nach bringt
das die Sache auf den Punkt. Unser Beruf ist etwas ganz Besonderes,
aber er fordert nun mal seine Opfer.
ONE: Dir ist der Erfolg also noch nie zu Kopf
gestiegen?
Bloom: Zugegeben, in letzter Zeit mache ich mir selbst ein bisschen
Angst. Letzten Januar fühlte ich mich, ich weiß nicht wieso,
plötzlich unbesiegbar, als ob ich bei der Phase ‚Ich bin
der König der Welt’ angekommen wäre und nichts mich
von diesem Thron stoßen könnte. In dem Moment merkte ich,
dass ich dabei war, allmählich den Kontakt mit der Realität
zu verlieren und entschied mich noch rechtzeitig, schnell wieder zur
Erde zurückzukehren.
ONE: Und wie hast du das angestellt?
Bloom: Ich habe meinen Cousin Sebastian Copeland besucht, der gerade
eine Reise in die Antarktis antrat, um das Schmelzen der Gletscher
zu beobachten. Mit ihm verbrachte ich drei Wochen auf einem alten,
norwegischen Schiff, mitten im Nirgendwo, unter sehr harten Bedingungen
zusammen mit ca. 20 anderen Seemännern. Ich schlief in einer
winzigen Kabine, ich kochte und wusch ab für die anderen, ich
schrubbte das Deck, kurz gesagt, ich wurde genauso behandelt wie die
anderen Mannschaftsmitglieder. Diese Expedition hat mir wahnsinnig
gut getan. Es wird vielleicht ein wenig komisch klingen, aber ich
habe mich nie so sehr Pirat gefühlt wie in diesen drei Wochen.
Ich spürte diese Freude an der Freiheit, weit weg von allem zu
sein und einfach über den Ozean blicken zu können. Es gab
keine Kameras, keine Kostüme, aber mir kam es so vor, als könnte
ich Jack Sparrow besser verstehen…
ONE: Hast du dich nie gelangweilt?
Bloom: Nein, nicht ein einziges Mal. Ich las viel, dachte über
mich selbst nach und war ansonsten mit der Arbeit auf dem Schiff sehr
beschäftigt. Von dieser Reise kam ich voller neuer Energien zurück
und kehrte aber auch wieder in die Realität zurück. Mitten
im Eismeer wird einem klar, dass die Pailletten und die Berühmtheit
so unbedeutend sind. Ich bin heute wieder bereit, neue Wege einzuschlagen
und mir selbst zu vertrauen.
ONE: Du praktizierst seit langem den Buddhismus.
Welchen Stellenwert nimmt dein Glaube in deinem Alltag ein?
Bloom: Also erst einmal verbringe ich meine Tage nicht mit meditieren
unter einem Baum. Ich bin Buddhist in dem Sinne, dass ich an die Theorien
einer Glaubensschule aus Japan glaube, die Soka Gakkai heißt.
Als die Skandalpresse in England davon erfuhr, schrieben sie sofort,
ich gehöre zu einer Sekte, was mich verletzt hat. Mein Umgang
mit Religion ist eher einfach. Es ist mehr eine Philosophie und besteht
daraus, die Dinge, die in meinem Leben passieren, zu analysieren,
um daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen zu können. Mein
Ziel ist es ganz einfach, sich als Mensch zu entwickeln und ein reicheres
Leben auf spirituellem Niveau zu führen. Ich glaube an das Schicksal
und dass unser Weg vorgezeichnet ist. Ich glaube, dass das Leben mich
dahin bringt, wohin ich gehen muss, solange ich ehrlich zu mir selbst
bin und zu denen, die ich liebe.