"Ich bin kein Sexsymbol"
Kino & Co (Deutschland), Mai 2007
Danke an Sassy für's Abtippen!
Von Null auf Star – der Engländer Orlando Bloom (30) katapultierte
sich mit auftritten in Herr der Ringe, Troja und Fluch der Karibik
in die erste Liga der beliebtesten Filmschauspieler. Doch Ruhm hat
auch seine nervigen Seiten.
Kino&CO: Pirates of the Carribean – Am Ende der
Welt ist wirklich der Schlusspunkt? Echt kein vierter Teil in Aussicht?
Orlando Bloom: Es ist das Ende einer
Triologie. Ich persönlich kann mir auch nicht vorstellen, wie
die Geschichte weitergehen sollte. Für mich ist das Thema abgeschlossen.
Es kommt mir eh schon vor, als ob ich den überwiegenden Teil
meines Erwachsenenlebens auf Seeräuberschiffen verbracht hätte.
Ich brauche Abwechslung. Neu Ideen. Zeit, auch einmal nichts zu tun.
Kino&CO: Einen Gang zurück
schalten?
Orlando Bloom: Ich war gerade drei
Wochen in der Antarktis. Das war eine wichtige Erfahrung für
mich. Ich habe mit 30 Leuten in einem Raum geschlafen. Es gab nur
eine Toilette und eine Dusche für alle. So wie damals im Internat.
Endlich habe ich mich wieder lebendig gefühlt. Es war wunderbar.
Mir ist klar geworden, dass ich meine nächsten Schritte genau
überlegen muss. Im Moment ist alles möglich. Das ist eine
großartige Ausgangsposition. Ich muss nur wissen, was ich will.Und
das will ich mir in aller Ruhe überlegen.
Kino&CO: Welche Art von Rollen
würdest du dir den wünschen?
Orlando Bloom: Ich liebe Filme wie
Hotel Ruanda oder Der letzte König von Schottland. Filme mit
sozialer Relevanz. Filme, die den Blick der Öffentlichkeit auf
einen vergessenen Teil dieser Welt richten. So etwas würde ich
gerne machen.
Kino&CO: Warum kommst du erst jetzt
auf diese Idee?
Orlando Bloom: Komme ich garnicht.
Der Wunsch war schon früher da. Aber die Arbeit an Fluch der
Karibik war schon sehr intensiv, da blieb wenig Zeit für alternative
Projekte. Ich hatte einfach nicht genug Zeit und Freiheit, meinen
Interessen nachzugehen. Aber jetzt bin ich ja erst einmal Arbeitslos.
Kino&CO: Du meinst, du kannst das
Piratenkostüm und Tolkien abschütteln und doch noch als
ensthafter Schauspieler akzeptiert werden?
Orlando Bloom: Das hoffe ich. Schau
doch einmal Leonardo DiCaprios Karriere an. Der wurde mit Titanic
auch über Nacht zum Superstar. Er war ein Pin-Up für junge
Mädchen. Es dauerte vier oder fünf Filme bis er sich von
diesem Image freigespielt hatte. Dann traf er Scorsese und der Rest
ist Filmgeschichte. Ich kenne ihn, er ist ein feiner Kerl. Und seine
Karriere interessiert mich sehr, denn ich glaube, ich kann etwas von
ihm lernen. Nämlich, wie ich mich weiterentwickle.
Kino&CO: Was hilft dir zurück
ins normale Leben, wenn dein Dasein als Star dir zu anstrengend wird?
Glaubst du an etwas.
Orlando Bloom: Ich interessiere mich
für die Philosophie des Buddhismus seit ich siebzehn Jahre alt
bin. Und das hat mir immer sehr gut getan.
Kino&CO: Es gibt wohl nur einen
Mann in der Fimgeschäft, der mehr gebrochene Knochen hatte als
du: Jackie Chan. Du hast dir sogar den Rücken gebrochen und lagst
vier Tage mit der Diagnose im Krankenhaus, dass du nie wieder gehen
kannst. Hat der Buddhismus geholfen, diese Krise zu meistern?
Orlando Bloom: Nein, das war eher Dickköpfigkeit.
Als der Doktor sagte, ich könnte nie wieder gehen, dachte ich:
Nein, das bin ich nicht. Das ist das Schicksal eines anderens nicht
meines. Meine Heilung glich beinahe einem Wunder, denn nach zwölf
Tagen marschierte ich wieder aus dem Krankenhaus.
Kino&CO: Du bist gerade dreißig
geworden. Zeit für die ersten Midlife Crises?
Orlando Bloom: Es fühlte sich
sehr gut an, dreißig zu werden. Irgendwie muss ich mich nicht
mehr so ernst nehmen. Ich bin jetzt alt genug, um glücklich zu
sein, mit dem was ich habe. Die vergangenen Jahre waren wie der ritt
auf dem Rücken eines Tigers. Und durch die öffentlich Aufmerksamkeit
habe ich mich immer weiter in mein Schneckenhaus zurückgezogen.
Ich bin ein wenig schüchtern geworden. Das lasse ich jetzt hinter
mir. Ich werde jetzt ein Mann und der Junge bleibt zurück. Im
wirklichen Leben wie auf der Leinwand.
Kino&CO: Im Kino glänzt du
als Jugendlicher Held. Wie heroisch bist du im wirklichen Leben?
Orlando Bloom: Nacht für Nacht
schnappe ich mir mein Schwert, lege meine Rüstung an und reite
auf meinem treuen Pferd durchs nächtliche London, um Waisen und
Witwen zu retten – zumindest wenn ich nicht gerade beim Clubbing
bin. Tanzen macht mir Spaß. Mehr noch als den Helden zu spielen.
Kino&CO: Scheinst ohnehin kein
Kostverächter zu sein. Du stehst jede Woche mit einer neuen Freundin
in der Zeitung. Zuletzt war sogar von einem Dessous-Model die Rede.
Orlando Bloom: Ich habe keine Ahnung.
Ehrlich nicht. Das passiert mir dauernd. Ich treffe zufällig
irgendeine Frau, man sagt kaum mehr als Hallo zueinander, und trotzdem
heißt es sofort, ich hab was mit der.
Kino&CO: Ehrlich? Ist das so? Du
Armer kannst einem ja richtig leid tun.
Orlando Bloom: Ich merk schon, du glaubst
mir nicht. Okay, ich erzähl dir eine Geschichte: Ich bin in Manhattan.
Will mir vor einem Meeting kurz die Beine vertreten, als ich merke,
dass die direkt vor meinem Hotel einen Film mit Uma Thurmann drehen
und gerade keinen über die Straße lassen. Ich steh da also
blöd rum und warte, als ich den Fotografen sehe. Am nächsten
Morgen lese ich in der Zeitung, dass Orlando Bloom der neue Lover
von Uma Thurman ist.
Kino&CO: Was würdest du aus
heutiger sicht dem Orlando Bloom vor 15 Jahren sagen?
Orlando Bloom: Ich würde sagen:„Vergiss
das mit dem Schauspielern. Schlechte Idee. Viel zu stressig. Schon
mal an Fotografie gedacht? Das ist doch auch ein toller Beruf. Und,
warum hast du mit dem Töpfern aufgehört?
Kino&CO: Du hast getöpfert?
Ist das nicht ein ziemlich peinliches Hobby?
Orlando Bloom: Wieso peinlich? Überhaupt
nicht. Mir gefällt meine Töpferware eigentlich ganz gut.
Die Schalen sind niedlich. Meine Mutter hat sie alle aufbewahrt.
Kino&CO: Neuerdings gibt es Fluch
der Karibik auch als Porno-Comic.
Orlando Bloom: Mann, die Frage musste
ja kommen. Aber das ist noch gar nichts. Kennst du schon die Porno
Version von Herr der Ringe? Die ist noch viel besser.