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Widescreen Juni 2006


Vielen Dank an Jasy fürs Abtippen!

 

Fluch der Karibik 2

 

INFO

Kinostart: 27. Juli

OT Pirates of the Caribbean: Dead Man´ s Chest

Genre Abenteuer

Produktion USA 2006

Laufzeit noch nicht bekannt

Darsteller Johnny Depp, Keira Knightley, Orlando Bloom

Regie Gore Verbinski

FSK Noch nicht bekannt

 

Verflucht! Noch mal!

 

Ein Kassenknüller geht in die heiß erwartete Verlängerung: Fluch der Karibik kehrt mit allen Hauptdarstellern zurück auf die Leinwand und wird sogar mit einem dritten Teil noch einen draufsetzen.

 

„Derzeit 1,2 Milliarden US-Dollar, steigend“, erwiderte Disneys Studiochef Richard Cook grinsend auf die Frage, was Fluch der Karibik dem Mäusestudio bis heute dank Kinoauswertung, DVD-Verkauf und Lizenzartikel eingebracht habe. Ein Beitrag, der sich sogar bei den inzwischen mit Budgets von mehreren Hundert Millionen US-Dollar jonglierenden Hollywood-Majors mehr als sehen lassen kann. Kein Wunder, dass dieser Film Rekordergebnisse erzielte, mag man angesichts des Erfolgs des Piratenabenteuers von 2003 im ersten Moment denken. Dabei wird jedoch gerne vergessen, dass Fluch der Karibik noch kurz vor seinem Kinostart eher skeptisch betrachtet wurde, handelte es sich doch …

  1. um ein Piratenabenteuer, also einen Film aus einem Genre, das seit den 60ern als tot und dank solcher Flops wie Roman Polanskis Piraten (1986) und des mit Pauken und Trompeten an den Kassen untergegangenen Streifens Die Piratenbraut (1995) als nicht wiedererweckbar galt.
  2. um die Verfilmung einer (man höre und staune) populären Disney-Themenpark-Attraktion mit animatronischen Piraten. Das klang sehr nach Kinderkram und wenig nach einem potenziellen Kinokassenknüller. Doch der Schein kann bekanntlich trügen: Fluch der Karibik wurde ein Mega-Sommerhit und nach Findet Nemo der erfolgreichste Film des Jahres 2003.

Wer Hollywood kennt, dem ist klar, dass dieser Erfolg die Fortsetzungswahrscheinlichkeit nahe 100 Prozent steigen ließ. Schon zu einem Zeitpunkt, als das Abenteuer noch in den Kinos lief, wurde das Projekt „Fluch-Sequel“ in Angriff genommen. Zu einem solchen noch im Vorfeld des Kinostarts im Juni 2003 befragt, blieb Regisseur Gore Verbinski gelassen. Erst einmal wolle er das Drehbuch sehen, zudem hinge das Ganze davon ab, ob man wieder alle Leute zusammenbekäme, was Jahre dauern könne. Er sehe Sequels mit gemischten Gefühlen, seien sie doch oft nur der Versuch der Studios, den Zuschauern möglichst schnell das zu geben, was sie verlangen, um zugleich den Erfolg so lange wie möglich ausschöpfen zu können.

Doch offenbar war das, was Verbinski einige Monate später zu sehen bekam, ganz in seinem Sinne: Nicht eine, sondern gleich zwei Fortsetzungen sollte es geben, und die Hauptbesetzung des ersten Teils konnte für beide erneut gewonnen werden. Als Budget für die neuen Abenteuer wurden jeweils vermutete 200 Mio. US-Dollar bereitgestellt (bei Teil 1 hatte man noch mit 125 Mio. arbeiten müssen). Dennoch sollte noch eineinhalb Jahre vergehen, bis die erste Klappe fiel. Im März 2005 fand sich das Team in den Walt Disney Studios in Burbank, Kalifornien ein. Gebäude und Schiffe in Form von Miniaturen und einzelnen Sets in Echtgröße – von langer Hand vorbereitet – warteten auf die Crew. Von den Bauten aus der Produktion des ersten Teils war nichts übrig geblieben, was für die Fortsetzungen hätte verwendet werden können, sieht man von einem real existierenden Schiff ab. „Hollywood ist verschwenderisch“, meint Verbinski dazu. „So was wird nach einer Produktion alles abgerissen und zerstört. Gut, die Modelle kannst du in einer Lagerhalle aufbewahren, aber die großen Sektionen der Schiffe, die kannst du nicht aufheben. Sie werden auch gar nicht dafür gebaut, um zu überdauern.“ Und mit einem Schmunzeln: „Nein, so effizient ist Hollywood nicht.“

Von Burbank führten die Dreharbeiten später weiter auf die Bermudas und die karibischen Inseln Dominica und St. Vincent, wo die Außenaufnahmen entstanden. Ähnlich wie bei Der Herr der Ringe oder dem zweiten und dritten Teil der Matrix-Trilogie wurden die beiden Piratenfilm-Fortsetzungen diesmal nicht mit zeitlichem Abstand hintereinander gedreht, sondern teils im Anschluss aneinander, teils sogar parallel. Wie Produzent Jerry Bruckheimer betont, war dies nicht nur aus finanziellen Gründen ein notwendiges Unterfangen. Schließlich wäre es mehr als schwierig gewesen, bei den vielen prominenten Darstellern alle ein drittes Mal unter einen Hut zu bringen. „Hätte wir uns erst nur auf Teil zwei konzentriert, hätte es drei oder vier Jahre dauern können, bis wir wieder alle für einen dritten zusammenbekommen hätten.“ Angesichts eines Drehbuchs für Teil zwei, an dem während der Produktion erneut gefeilt wurde, und eines noch gar nicht fertig gestellten dritten Skripts dürfte der Crew bei so mancher Einstellung kaum klar gewesen sein, in welchem der beiden Filme die Szene dann zum Einsatz kommen würde.

Heute, im Mai 2006, befindet sich das zweite Piratenabenteuer bereits in der Postproduktionsphase, am dritten wird noch eifrig gearbeitet. Teil zwei startet in Deutschland am 27. Juli. Der Start für das dritte Freibeuterabenteuer ist für Mai/ Juni nächsten Jahres angekündigt. So sichert man sich je einen Kassenschlager in zwei aufeinander folgenden Jahren. Da freut sich die Finanzabteilung des Filmstudios.

Und worum dreht sich nun der zweite Teil? Klar, die süße Elizabeth (Keira Knightley) und der schnuckelige Will (Orlando Bloom) wollen endlich heiraten. Ebenso klar, dass ihnen Kumpel Jack Sparrow (Johnny Depp) dabei einen Strich durch die Rechnung macht. Denn Freund Jack hat ein Problem – das heißt Davey Jones (Bill Nighy) und ist der medusaähnliche mit Tintenfischarmen als Kopf- und Barthaare gezeichnete Kapitän des sagenumwobenen Geisterschiffs „Der fliegende Holländer“. Davey hat noch ein Hühnchen mit Jack zu rupfen und den guten Saufkumpan einst böse verflucht. Seine Mannschaft besteht aus einer Truppe dubioser Gestalten, die durch die langen, verfluchten Jahre auf See allmählich fisch- und grätenähnliche Erscheinung angenommen haben. Und zu allem Überfluss taucht auch noch Wills Vater, der alte Stiefelriemen Bill (Stellan Skarsgard), auf, und macht seinem Sohnemann das Leben zusätzlich schwer.

Aber egal, was die Handlung auch bietet, alle Erwartungen lasten eh nur wieder auf einem einzigen Mann: Johnny Depp als schrulliger und trinkfester Aufschneider Jack Sparrow. Mit seiner Performance, die ihm im ersten Teil sogar eine Oscar-Nominierung einbrachte – eine bemerkenswerte Ehrung für eine komödiantische Rolle in einem Fantasy-Abenteuer – steht und fällt das ganze Team. Das weiß auch sein Regisseur Gore Verbinski, und daher dürfte gewiss sein, dass die Hauptfigur diesmal wieder die besten Lacher auf ihrer Seite haben wird.

Bleibt nur noch die Frage, warum man aus dem Originaltitel des zweiten Abenteuers, Pirates of the Caribbean: Dead Man ´s Chest, nicht den deutschen Titel Fluch der Karibik: Totenmanns Kiste gemacht hat, sondern den englischen Pirates of the Caribbean: Fluch der Karibik 2. Das ist derzeit noch das Geheimnis der Marketingabteilung des deutschen Filmverleihs. Aber bis zum Kinostart bleibt ja noch Zeit, bei der Namensplanung des Films umzudenken. Übrigens: Teil 3 hat auch schon einen englischen Titel: Uncharted Waters. Ob die deutsche Übersetzung „Unbekannte Gewässer“ lauten könnte, ist derzeit leider noch unbekannt. Wir fischen für Sie weiter im Trüben.

 

TIM SÜNDERHAUF

 

 

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