Opulente Bilder aus dem Orient
Ridley Scotts blutiges Epos "Königreich der Himmel"
läuft jetzt im Kino
Weser Kurier, 07.05.05.
Dank an Sandra für's Abtippen!
BERLIN. Ein Mann, ein Schwert, eine Mission. Nach dem
oscargekrönten "Gladiator" und dem antiken Rom hat
sich Regisseur Ridley Scott bei seinem neuen Blockbuster-Kandidaten
für Kreuzritter und das mittelalterliche Jerusalem entschieden.
Frauenschwarm Orlando Bloom spielt in "Königreich der Himmel"
den verwegenen Helden, an seiner Seite Namen aus dem Charakterfach
wie Liam Neeson und Jeremy Irons. Es ist ein bildgewaltiges Epos mit
vielen Kampfszenen geworden, mit einem Hauch Romantik und einer sehr
plakativen Toleranz-Botschaft: Religiöse Fanatiker gab es schon
immer, Krieg ist grausam.
Opulent sind die Bilder aus dem Orient, märchenhaft die Herrscherpaläste,
riesig die Heere, die Scott mit digitaler Technik auf die Wüstenhügel
zaubert. Allem 15 000 Kostüme wurden für den Film gefertigt.
Um zu zeigen, wie blutig die Kreuzzüge waren, lässt Scott
in den Schlachten die Knochen knacken und das Blut in Zeitlupe spritzen,
was nicht jedermanns Sache ist. "Krieg ist Krieg", sagt
der Regisseur. Die Wirklichkeit der Kreuzzüge sei noch viel grausamer
gewesen. ER hat die Zeit zwischen dem zweiten und dritten Kreuzzug
gewählt, als es einige Jahre der Toleranz gab. "Mich interessiert,
warum das damals möglich war, und heute nicht."
Scott und sein Drehbuchautor William Monahan haben gründliche
Quellenkunde betrieben. "Sie wissen nicht, wer Saladin war?"',
fragt der Brite in Interviewrunden und referiert mir Hingabe über
den weitsichtigen moslemischen Herrscher. Auch dem weisen König
Baldwin IV gab es – wie viele andere Figuren – wirklich.
Im Film verbirgt sich der Leprakranke hinter einer silbernen Maske,
von Schauspieler Edward Norton sieht man nur die Augen.
Das – nicht ganz leicht entwirrbare – Epos beginnt im
Jahr 1186. Balian (Bloom), ein junger Schmied in Frankreich, hat Frau
und Kind verloren, als Ritter Godfrey von Ibelin (Neeson) mit seinem
Tross bei ihm auftaucht – er ist Balians Vater, wie sich herausstellt.
Godfrey gewinnt Balian für den Kampf um das Heilige Land. Wenig
später zückt der junge Ritter zum ersten Mal das Schwert.
Seine Mission: den Frieden in Jerusalem wahren, was ihm nach überstandenen
Intrigen und Schlachten auch gelingt.
Interessant ist, wie sich Scott um ein ausgewogenes Bild von Moslems
und Christen bemüht. Der aktuelle Bezug ist offensichtlich, wo
doch US-Präsident George W. Bush nach den Anschlägen vom
11. September von einem "Kreuzzug" gegen den Terror sprach.
Die "New York Times" gab das Script Islamkennern schon zu
lesen, bevor der Film überhaupt fertig war. Scott ist sich der
Verantwortung bewusst, so dass in seinem Film kein pauschales Gut
und Böse zu finden ist.
Gedreht wurde die 145-minütige Saga in Spanien und Marokko. Neben
Religion und Historie spielt die Romantik eine untergeordnete Rolle,
was gerade die weiblichen Orlando-Bloom-Fans bedauern könnten.
Nach einer Odyssee durch Meer und Wüste begegnet Balian der märchenhaften
Prinzessin Sibylla, gespielt von der 24-jährigen Eva Green, die
nach Bertoluccis "Die Träumer" nun im großen
Mainstream-Kino zu sehen ist. Der 28 Jahre alte Bloom ("Herr
der Ringe", "Troja") hat sich für den Film einige
Muskeln zugelegt und empfiehlt sich wieder einmal als Actionheld und
möglicher neuer James Bond.
Rund 100 Millionen Euro hat "Königreich der Himmel"
gekostet. Mit seinen Spezialeffekten, der Regieleistung Scotts und
seinem Diskussionswert für das Feuilleton dürfte das Ganze
ein kommerzieller Erfolg werden, auch wenn er wahrscheinlich nicht
übermäßig viele weibliche Zuschauer in die Kinos locken
wird.
In seiner Heimat erntete "Sir Ridley" Lob: Ein "sensationeller
Film", schreibt die "Times". Der Observer sprich doppeldeutig
vom "Leinwand-Gott".