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Widescreen Mai 2005


Vielen Dank an Jasy fürs Abtippen!

 

INFO

Kinostart: 5. Mai

Originaltitel Kingdom of Heaven

Genre Action/ Historienfilm

Produktion USA 2005

Laufzeit ca. 145 Minuten

Darsteller Orlando Bloom, Liam Neeson, Eva Green, Edward Norton, Jeremy Irons, David Thewlis

Regie Ridley Scott

FSK N. n. b.

Budget 130 Millionen US-Dollar

Drehorte Spanien und Marokko

 

Krieg und Frieden

 

Nach der vergleichsweise leisen Komödie Tricks lässt Ridley Scott es wieder richtig krachen und schickt Orlando Bloom als Kreuzritter ins Heilige Land. Der Meisterregisseur gewährte Widescreen einen Einblick in sein

Königreich der Himmel

 

 

Der Film und die Stars

Die wichtigsten Darsteller von Ridley Scotts Kreuzritter-Epos und ihre Rollen

 

Orlando Bloom

Orlando Bloom (Der Herr der Ringe, Troja) macht als Balian of Ibelin eine gute Figur – nicht zuletzt dank eines viermonatigen Aufbautrainings. „In dieser Rolle steckt viel von ihm selbst“, sagt der Regisseur.

 

Liam Neeson

Gerade noch in der Rolle des Sexualforschers Alfred Kinsey zu sehen, beweist Liam Neeson (Schindlers Liste, 1993) als Balians Vater Godfrey of Ibelin einmal mehr seine Vielseitigkeit.

 

Jeremy Irons

Jeremy Irons (Lolita, 1997) muss als Tiberias die Geschicke der Stadt Jerusalem lenken. Der Brite gewann 1991 einen Oscar für seine Rolle in Die Affäre der Sunny von B. (1990).

 

Eva Green

Die 24jährige Französin Eva Green spielt Prinzessin Sybilla, die schöne Schwester des Königs. Scott wurde durch ihren ersten Film, Die Träumer (2003) von Bernardo Bertolucci, auf sie aufmerksam.

 

Edward Norton

Der dem Tod geweihte Baldwin IV. wird gespielt von Edward Norton (Fight Club, 1999). Weil das Gesicht des Königs von der Pest entstellt ist, trägt Norton die meiste Zeit eine Maske.

 

Brendan Gleeson

Mit Nebenrollen in hochkarätigen Produktionen wie Gangs of New York (2002) oder Unterwegs nach Cold Mountain (2003) hat sich Reynald-Darsteller Brendan Gleeson einen Namen gemacht.

 

David Thewlis

David Thewlis (Timeline, 2003) wurde für seinen Auftritt als Chaos-Philosoph in Nackt 1993 in Cannes ausgezeichnet. In Königreich der Himmel ist er als Johanniter zu sehen.

 

Marton Csokas

Der Neuseeländer Marton Csokas (Die Bourne Verschwörung, 2004) der die Rolle des Guy de Lusignan übernahm, kennt Bloom aus Der Herr der Ringe, wo er den Elb Celeborn spielte.

 

Jerusalem und die Kreuzzüge

 

1071

Der Türkenstamm der Seldschuken, eine extreme schiitische Sekte, schlägt das byzantinische Heer vernichtend und erobert Syrien und Jerusalem.

1074

Gregor VII. plant, den orientalischen Christen an der Spitze eines Ritterheeres zu Hilfe zukommen.

1096

Papst Urban II. ruft zum ersten Kreuzzug auf.

1099

Erstürmung Jerusalems nach fünfwöchiger Belagerung; Gottfried von Bouillon gründet das Königreich Jerusalem.

1147 – 49

Der zweite Kreuzzug unter Konrad III. und Ludwig VII. von Frankreich scheitert bereits auf dem Weg durch Kleinasien.

1186

beginnt die Geschichte von Königreich der Himmel.

1187

Sultan Saladin schlägt die Christen in der Schlacht von Hattin und erobert Jerusalem.

1189 – 92

Dritter Kreuzzug unter Kaiser Friedrich I. Barbarossa, an dessen Ende Richard Löwenherz einen Waffenstillstand mit Saladin vereinbart.

1244

Die Christen verlieren Jerusalem endgültig an die Moslems.

Bis 1270

folgen vier weitere Kreuzzüge sowie der so genannte Kinderkreuzzug (1212). Alle scheitern letztlich an den Eigeninteressen der beteiligten christlichen Nationen.

                                                                                  

Ridley Scott wird ein hervorragendes Gespür für die Wahl seiner Drehbücher nachgesagt. Zurzeit scheint er damit allerdings weniger Glück zu haben. Sein in Planung befindliches neuestes Werk, A Good Year, handelt von Menschen, die sich der Kunst der Weinherstellung verschrieben haben – und ausgerechnet jetzt macht die kleine Independent-Produktion Sideways mit dem gleichen Thema von sich reden. Doch zunächst einmal wird es monumental: Am 5. Mai soll Scotts neuestes Werk in die Kinos kommen, das Historienepos Königreich der Himmel. Ist es nach einer wahren Flut von Filmen wie Troja oder King Arthur wirklich eine gute Idee, schon wieder tief in der Menschheitsgeschichte zu wühlen?

Solcherlei Bedenken kümmern den Briten herzlich wenig. Schließlich war er es, der mit seinem Gladiator dem schon totgesagten Genre neues Leben einhauchte. Außerdem, so ließ er bei einer ersten Vorführung von gut einer Dreiviertelstunde Material aus Königreich der Himmel in Hamburg wissen, trage er die Idee zu seinem wohl monumentalsten Filmprojekt bereits seit Jahrzehnten mit sich herum. Aufgewachsen mit John Wayne und William Holden, habe er eigentlich schon immer Western machen wollen und letztlich sei ein Ritter ja nichts wesentlich anderes als ein Cowboy im Mittelalter.

Königreich der Himmel handelt von dem jungen Schmied Balian (Orlando Bloom), der irgendwo in der französischen Provinz lebt. Weil er auf tragische Weise Frau und Kind verloren hat, beginnt er an Gott zu zweifeln, was in seiner mittelalterlichen Welt einem Verbrechen gleichkommt. Eines Tages bekommt Balian Besuch von einem gewissen Godfrey of Ibelin (Liam Neeson), der von sich behauptet, sein leiblicher Vater zu sein. Godfrey bietet seinem Sohn an, ihn auf seinem Kreuzzug ins Heilige Land zu begleiten. Nach anfänglichem Zögern schließt sich Balian der aus aller Herren Länder zusammengewürfelten Truppe an. Das Problem: Balian versteht sich zwar bestens darauf, ein Schwert zu schmieden, doch mit der Handhabung von Waffen hapert es ein wenig.

Der weite Weg nach Jerusalem, zu dem auch eine längere Seereise gehört, bietet Ridley Scott und seinem Stab reichlich Gelegenheit, die mittelalterliche Welt monumental in Szene zu setzen. Großartige Aufnahmen majestätischer Segelschiffe gehören ebenso dazu wie knallhart inszenierte Kämpfe in den tiefen, dunklen Wäldern. Die Stakkatoschnitte der Kampfszenen erinnern an die Arena-Sequenzen aus Gladiator und man versucht unwillkürlich in Deckung zu gehen, wenn eine Klinge die Luft zerschneidend in Richtung Kameraobjektiv heransaust. Axthiebe krachen auf schwere Schilde, Holz splittert, der aufgewirbelte Staub brennt förmlich in den Augen, man glaubt, das Brechen von Knochen zu hören und den Atem der heranstürmenden Gegner im Gesicht zu spüren: Gegen die Urgewalt solcher Szenen macht sich das Kampfgetümmel in Wolfgang Petersens Troja wie ein Tanztheater aus. Selbst wenn sich, in einer anderen Szene, die tausendköpfigen feindlichen Heere einfach nur gegenüber stehen, erzeugt Scott eine derartige Spannung, dass man im Zuschauerraum kaum zu atmen wagt.

Scott behauptet, der immense Stress, der im Rahmen eines solchen Mammutprojektes für ein halbes Jahr zum Normalzustand wird, treibe ihn zu Höchstleistungen an: „Du verlässt dienen Wohnwagen und stehst 95 Menschen gegenüber, die mit irgendwelchen Listen vor deiner Nase wedeln und zweieinhalbtausend stehen mit einer Tasse Tee herum und warten darauf, dass du ihnen sagst, was sie tun sollen. Und das, neben allem anderen, täglich, sechs Monate lang.“ Man ahnt, dass für Scott der Set selbst ein Schlachtfeld ist, auf dem er sich als furchtloser Ritter angesichts einer fast nicht zu bewältigenden Aufgabe zu bewähren hat.

In diesem Sinne ist der Held von Königreich der Himmel eine Art Alter Ego des Regisseurs, auch er wächst an seiner im Grunde unmöglichen Mission. Als sein Vater aufgrund seiner Verwundung stirbt, soll Balian endlich Frieden zwischen Christen und Moslems schaffen. Bei einem ersten Aufeinandertreffen des muslimischen Herrschers Saladin (Ghassan Massoud) mit dem an Lepra erkrankten König Baldwin IV. (Edward Norton) siegt zunächst die Erkenntnis, dass nichts den hohen Preis einer kriegerischen Auseinandersetzung rechtfertigen würde. Als jedoch Saladins Schwester heimtückisch von Christen überfallen und ermordet wird, rüstet Saladin seine Truppen für die große Schlacht um die heilige Stadt Jerusalem. Tausende werden Opfer des Rachbedürfnisses eines Einzelnen. Auch der Held darf, im Rahmen einer Liebesaffäre mit der schönen Prinzessin Sybilla (Eva Green), rein persönlichen Motiven folgen.

Auf den ersten Blick mag es schwer fallen, sich den eher schmächtigen Orlando Bloom als unerschrockenen Ritter vorzustellen, der sich quasi ganz allein der Übermacht Saladins entgegenstellt. Die Verwandlung vom milchbärtigen Hinterwäldler zum glorreichen Helden scheint dem 28-Jährigen aber keine Probleme bereitet zu haben. Sein Regisseur ist jedenfalls überzeugt, dass er dir richtige Wahl getroffen hat: „Ich habe mit Orlando bereits zuvor in Black Hawk Down zusammengearbeitet, habe ihn dabei kennen gelernt und konnte mir diesen Prozess vorstellen. Orlando legte während seines harten Trainings in vier Monaten 15 Pfund Muskeln zu und verlor sie wieder.“

Mit Liam Neeson, Jeremy Irons als Tiberias, Edward Norton als König Baldwin und – in einer kleineren Rolle – dem britischen Charakterdarsteller David Thewlis hat sich Scott, der bei solcherlei Entscheidungen immer das letzte Wort hat, ein paar echte Charakterköpfe ins Boot geholt. „Es ist eine ziemlich große Besetzung und je größer die Besetzung ist, desto schwieriger wird es – und jeder muss entschlossen und genau definiert sein und unterschiedlich aussehen. Jeder muss in seiner Rolle eigenständig sein“, erklärt er.

Ebenso wie die Figur des Balian auf eine historische Person zurückgeht, so orientiert sich die gesamte Erzählung stark an historischen Fakten. Drehbuchautor William Monahan sei im Verlauf seiner Arbeit geradezu zum Historiker und zum Spezialisten für das 12. Jahrhundert geworden. Doch Scott legt stets allergrößten Wert auf die über die eigentliche Handlung hinausweisende, zeitlose Bedeutung einer Geschichte. „Es geht um einen langfristigen Prozess, eine lange Geschichte und deshalb haben wir diesen Augenblick gewählt – und zwei Figuren, die den Frieden bewahren und den Krieg verhindern wollen. Das war mir am wichtigsten.“ In Königreich der Himmel geht es also um die Wurzel eines bekanntermaßen bis heute höchst aktuellen Konflikts.

Wie aktuell, bekamen die Beteiligten während der Dreharbeiten zu spüren: So gab es wegen einiger Kampfszenen Morddrohungen von islamischen Fundamentalisten. Schließlich sah sich das Oberhaupt des Gastgeberlandes, König Mohammed von Marokko, sogar gezwungen, Regisseur und Filmcrew von der Armee bewachen zu lassen.

Manchmal ist – und das weiß Ridley Scott wie kaum ein anderer – Filmemachen eben doch ein bisschen wie Kriegführen.

Filmkritik in Widescreen 06/05!

Steffen Haubner

 

 

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