OBL als Startseite | Lesezeichen setzen Deutschlands größte Orlando Bloom, Legolas und Will Turner Seite - die beste Adresse zum Thema. Bilder, Downloads, Artikel, Community und noch vieles mehr
 

Alles über meinen Vater

Artikel aus der Premiere - November 2005

Vielen Dank an Katrin fürs Abtippen und Übersetzen! 

 

Orlando Bloom und Kirsten Dunst spielen in Elizabethtown, Cameron Crowe's sehr persönlichen Road Trip

 

Cameron Crowe wirft einen Blick auf ein Bild von Orlando Bloom, der am Steuer eines Mietwagens eine Kentuckystraße hinunter saust, an seinem ersten Drehtag für Elizabethtown. Crowe hatte entschieden, die Szene zu drehen, ohne das Auto abzuschleppen, mit einer Kamera außen am Fenster montiert. Stattdessen presste er den Kameramann John Toll plus einen Tonmann und einen zweiten Regisseur mit Bloom ins Auto. Die Sache war, dass er die fahrerischen Qualitäten des jungen Briten nicht eingeschätzt hatte.

„Er war in dieser Szene verloren, also würde ich sagen ‚Achte auf die Straßenschilder!’ und wenn ich das gesagt hätte, hätte jeder im Auto einen Blick auf den Tod erhaschen können,“ sagt Crowe. „Die großartige Sache ist, dass es wirklich ist und nicht die Fahrszene in einem Elvis-Film, wo – na ja, Elvis achtete eigentlich mehr auf die Straße als Orlando. Und nie wurde Orlando davon durcheinander gebracht, wie nah er der jemals schmutzigsten, blutigsten Katastrophe auf einem Kentucky-Highway gekommen ist.

Schieres Überleben war nicht nur ein Motiv für die Crew, aber für Elizabethtown selbst, da es seinen Starttermin veränderte (zum großen Teil zurückzuführen darauf, dass die Hauptrolle umbesetzt wurde, Bloom ersetzte Ashton Kutcher), dann sah es den Drehzeitplan verkürzt, da diejenigen, die Crowe Kirsten Dunst’s „Geschäftsleute“ nennt, das Zeitfenster verengten, in dem die Schauspielerin zur Verfügung stand.

Crowe kam zu dem Projekt, als er noch unter der Annahme von Vanilla Sky litt. Obwohl er 100 Mio. $ in den USA erreichte (und das Doppelte weltweit), größtenteils durch Tom Cruise’s eifriger Pressekampagne, erhielt der Film einige gemeine Schläge von denen, die ein Schlüsselelement in Crowe’s Kundenkreis waren: den Kritikern. Er wurde von Cruise angelockt, Alejandro Amenábar’s „Abre los Ojos“ wieder darzustellen, zu einer Zeit, als er genug von Autobiographie hatte. „ Almost Famous fühlte sich so persönlich an und es war wie ‚Ah, ich kann dieses Zeug nicht mehr länger schreiben...’ich war bereit, in die entgegengesetzte Richtung zu fliehen, und dann kommt hier Abre los Ojos und dann der Treffer eines Schauspielers und ... du musst es dir aus dem Kopf schlagen. Es wurde eine merkwürdige Version des Kino-Punkrock – mach es jetzt, mach es schnell, überdenke es nicht – also beeilten wir uns, ihn fertig zu stellen, der Treffer, der nie passierte. Es war eine gute Übung und ich bin stolz drauf.“

In den Monaten, die dieser Erfahrung folgten, während Crowe ein Drehbuch, das seine Reaktion auf das Columbine-Massker ergründete, zusammengeschustert hatte, fand er sich in einem typischen spät abends-Gespräch mit seiner Mutter Alice wieder, die ihn gerade in Los Angeles besuchte. Wie sie in von Frances McDormand in Almost Famous dargestellt wurde, ist Alice Crowe eine tief nachdenkliche und künstlerisch sensible Kraft der Natur. Als ihr Ehemann Jim auf einem Besuch nach Kentucky 1989 verstarb, war die schnelle Lösung der Familie, den 32jährigen Cameron nach Osten zu schicken, um die Beerdigung zu arrangieren. Im Gegensatz zu Susan Sarandon’s showstoppenden Monolog und Stepptanz im Film, war Alice Crowe so am Boden zerstört, das sie für ein paar Monate fast nicht funktionierte.

Als einer der vertrauten Ratgeber ihres Sohnes kiebitzte sie auf die Columbine-Idee, aber sie wurde hellhörig, als er anfing, sie über diese lästigen Tage von 1989 zu befragen. „Ich sagte, ‚Warum schreibst du nicht darüber, wie es war, als du zurück nach Kentucky gingst, wo du nur einmal als Kind gewesen bist?’“ sagt sie. „’Du bist aus Kalifornien und sie aus Kentucky, wie war das? Gab es einen kulturellen Zusammenprall?’ Er war für einige Zeit ruhig und sagte dann ein Wort: ‚Interessant.’ Drei Monate später gab er mir ein Drehbuch.“

Cameron Crowe bestätigt die Empfindungen seiner Mutter, fügt aber hinzu, dass eine spezielle Reise mit seiner Frau Nancy – die die Musik zu dem Film schrieb – auch entscheidend war. „Vor 3 Sommern machte ich mit ihr im Bus einen Roadtrip, kamen durch Kentucky und eines Morgens wachte ich auf und sah nur das Blaugras [Anmerkung der Übersetzerin: Hab mal ein wenig gegoogelt; so wie ich das gesehen hab, ist ne spezielle Grassorte (also Wiese halt, nicht das zum Rauchen ;-) aus Kentucky – allerdings auch ne Musikrichtung] und fühlte das die ganze Welt. Ich sagte nur: „Ich werde ein Mietauto nehmen und einfach für ein paar Tage in Kentucky verloren gehen.“ Diese ganze Filmsache kam irgendwie auf diesem kleinen Roadtrip auf . Das wurde...die Dad-Story.“

Manche haben den Film mit Zach Braff’s „Garden State“ verglichen, aber ein wahrscheinlichere Buchstütze zu Elizabethown ist „Avanti!“, ein Film von 1972 von Crowe’s Mentor, Billy Wilder. In diesem Film reist der Industriemagnat Jack Lemmon nach Italien, um die Leiche seines plötzlich verstorbenen Vaters abzuholen, wobei er, sehr auf die Art, auf die Bloom’s Drew Kirsten Dunst’s  Claire trifft, eine ziemlich aufdringliche, aber attraktive junge Frau (Juliet Mills) trifft, die sein schwankendes Leben auf die wichtigeren Dinge lenkt.

In einer Nike-ähnlichen Firma ist Drew das Wunderkind, das einen wahrscheinlich Teenverzaubernden Sneaker entworfen hat, der in Wahrheit völlig schrecklich ist. Nach einer heiklen Versöhnung mit einer sie-will-eh-Schluss-mit-ihm-machen Freundin (Jessica Biel) und einem vernichtenden Rüffel vor seinem Chef (Alec Baldwin), ist Drew am Rande des Selbstmords als sein Telefon klingelt, um ihn darüber zu informieren, dass sein Vater gestorben ist. Er wird von seiner Mutter und seiner Schwester (Judy Greer) losgeschickt, um die Leiche seines Vaters zu holen, sie verbrennen zu lassen und mit der Asche nach Hause zurück zu kehren. „Von der ersten Einstellung im Film,“ sagt Crowe, „hängt die Furcht schwer in der Luft. Ich dachte immer, es wäre großartig, wenn es als Geschichte über Erfolg und Versagen anfinge, aber das wird von der einen Sache, die alles übergeht, übertrumpft, nämlich Leben und Tod.

Für Bloom, der von einem Mann aufgezogen wurde, von dem er glaubte, dass er sein Vormund sei, aber im Alter von 13 Jahren heraus fand, dass dies sein richtiger Vater war, war die Resonanz eindrucksvoll. „Ich wuchs auf und fühlte mich, als hätte ich keinen Vater,“ sagt er, „aber dann fand ich heraus, dass ich einen habe und somit war die ganze Vater-Thematik eine, die bei mir definitiv jede Menge Gefühle hochbringt.“ In einer Schlüsselszene, in der Bloom in den Sarg blickt und versucht, seine Gefühle zu sortieren, gibt Cameron zu, „Spiele mit ihm gespielt zu haben. Ich wusste, dass der Name seine Vaters Colin ist und so ließ ich den Schauspieler (im Sarg) sagen: ‚Ich bin’s, Colin. Warum warst du letztes Weihnachten nicht bei mir?’ und solche Sachen. Aber Orlando ist kein Spielverderber, er unterbrach nie. Er zog mit.“

Bloom tauchte auf, als sich die Wege von Crowe und Kutcher trennten. Crowe ist diplomatisch („Ich bin immer noch ein Fan und werde ihn anderen Regisseuren empfehlen.“), aber diejenigen, die in diese Situation verwickelt waren, sagen, dass Crowe  verlangt, dass der Schauspieler komplett vertief ist, und Kutcher war zu dieser Zeit ein junger Impresario mit MTV’s Punk’d und anderen Projekten. Bloom war eigentlich der erste Schauspieler, der das Drehbuch in einem Meeting im Chateau Marmont gelesen hat. „Er sagte, ‚Ich habe es bis jetzt keinem außer Nancy gezeigt’,“ sagt Bloom, „’Ich möchte einfach hören, wie die Worte von den Seiten kommen.’“

Dunst, die ein eindrucksvolles Vorsprechen für die Kate Hudson-Rolle in Almost Famous gemacht hatte, zeigte selbst, dass sie Liebe und Wissen über Alternate Rock hatte, das sogar mit dem von Crowe konkurriert. Dunst sagt, dass der natürliche Fluss von Crowe’s Drehbuch hier dabei half, den Charakter zu finden, der nach oben so frech ist, aber darunter so aufgewühlt.  („Er schreibt so wundervolle Charaktere. Sie ist die Königin des Positiven...das glückliche Mädchen; aber keiner ist nur das.“)

Und obwohl der lange Roadtrip, auf den Claire Drew schickt, mit einem leidenschaftlichen Treffen endet, sieht Dunst diese Frage immer noch unter ihrer Romanze ausstrahlen. In der Reaktion auf den Tod findet sie „alles, was du an dir selbst ändern willst, wenn du tapfer genug dafür bist, wenn du alles für etwas gibst, kommt es zu dir zurück. Und ich denke nicht (am Ende des Filmes), dass es so ist, wie ‚Oh, jetzt sind sie zusammen und alles ist so glücklich.’ Es ist auch die Botschaft das – es ein Kampf ist.“

Den Film durch das Minenfeld von Hollywood zu bekommen, fühlte sich auch für Crowe wie ein Kampf an. Aber er sagt, er blieb eingedenk der Erinnerung an seinen Vater. „Letztendlich ist es das, was dich in den langen Stunden weitermachen lässt. Es war mächtig über ihn in dem Kontext der Welt, die er so sehr liebte und die ich später besser kannte, zu schreiben. Es war wirklich gut. Es war auch gut zu sehen, dass meine Mum einen ehrenhaften Kentucky Oberst machte, was meinen Vater zum Lachen gebracht hätte.“

 

   

 

Zurück zum Artikelindex





 

 

 nach oben

Wir sind nicht Orlando Bloom, gehören nicht zu seinem Management und stehen auch sonst in keinerlei Kontakt zu ihm. Briefe und Mails an ihn können von uns nicht weitergeleitet werden. || Disclaimer | Impressum
Texte, Layout und Grafiken Copyright © 2002-2010 OBL.
Design & Inhalte by Verena und dem OBL Team

Seite optimiert für: [Firefox] [1024x768] [JavaScript] [Muchos Colores] [Verdana]

Proudly Hosted by All-Inkl.com

Besucher seit dem 6. Februar 2002

 

 

nach oben