Artikel aus der Marie Claire US
Mai 2005
Danke an Judith für's Übersetzen Abtippen!
Bloomin’ Lovely
Er ist einer von Großbritanniens aufsteigendsten Stars, aber Orlando
sträubt sich immer noch dagegen, seinen Ruhm zu erfassen. Hier spricht
er mit James Motteram über Beziehungsbrüche, kreischende Fans
und Star-Rollen
Orlando Bloom hat ein Talent dafür, dass man sich fühlt, als
hätte man eine gemeinsame Geschichte. Es scheint, dass gelegentliche
Aufenthalte in Los Angeles es immer noch nicht geschafft haben, seine Vorliebe
für den Londoner Akzent anzukratzen oder seine natürliche Gutmütigkeit
zu besudeln. Mit seinem spitzbübischen Lächeln, aufrichtiger als
Plastik, ist er kein Absolvent der Hollywood-Charme-Schule. Er sagt immer
noch ’Du verstehst, was ich meine’ an jedem Satzende. Beinahe
erwartet man, dass er dir auf den Rücken klopft, deine Haare zerwühlt
und dir ein Pint kauft.
Während er mir erzählt, dass er ’das verrückte Tempo
des Londoner Lebens’ vermisst – er hat hier eine Wohnung gekauft,
für die er immer noch nicht die Zeit gefunden hat einzuziehen –
erinnere ich ihn an unser letztes Treffen. Es war vor ungefähr drei
Jahren im ersten Stock eines Pubs in der Nähe von Camberwell. ’Das
war vor so langer Zeit’. sagt er. Die Erinnerungen kommen zurück,
vielleicht nicht an unsere Begegnung, aber an diese Zeit seines Lebens.
Er war gutgelaunt dabei, Outfits für ein Fotoshooting anzuprobieren,
und es war nur Wochen, bevor Peter Jacksons erster Teil von Herr der Ringe
herauskam.
Seitdem fiel das Publikum wegen Blooms blonden Bogenschützen Legolas
in Ohnmacht, sah ihn als degenschwingenden Will Turner in Fluch der Karibik
oder feigen Paris in Troja.
Als verletzliche Version von Errol Flynn (minus Schnurrbart) ist der 28-jährige
Bloom seitdem erblüht wie kein anderer britischer Star. Während
sein Kleidungsstil lässig und modern wirkt, bleibt etwas ansprechend
Altmodisches an ihm. Es ist nicht nur der (echte) Name, der ihn wie ein
Geck aus einem Elisabethanischen Drama klingen lässt: Er hat noch nicht
einmal eine E-Mail-Adresse, geschweige, dass er im Web surft. Er zieht es
vor, Karten und Briefe zu schicken. ’Ich habe nie das E-Mail-Zeitalter
betreten’ sagt er. ’Ich glaube nicht, dass ich die Zeit finden
würde, jedem auf diesem Weg zu antworten. Ich bevorzuge eine persönlichere
Note.’
Dieses Mal mag der Ort gewechselt haben – schickes Hotel statt Pub
– aber der in Canterbury geborene Junge ist immer noch fasziniert
von der Welt, in der er lebt.
’Es war alles eine Art Fahrt im mörderischen Tempo’, überlegt
er. ’Aber es war interessant.’
Bloom ist zurück von einem Urlaub in Brasilien, wo er von Rio bis zur
Küste reiste. Als er nach Salvador kam, fand er sein Nirvana.
’Seit langer Zeit konnte ich die Welt an mir vorbeiziehen beobachten,
ohne selbst beobachtet zu werden. Es war am Ende eines dreiwöchigen
Reiseausflugs, und ich kam an einen Ort, wo ich entspannen konnte. Ich bin
nicht immer ein „Ausstellungsstück“, aber es gibt ein Gefühl
von...’ Er verliert sich, sich selbst bewusst, als klinge er wie ein
weinerischer Schauspieler, der sein Los beklagt. ’Hör zu, ich
liebe meinen Job und die Möglichkeiten, die er mit sich bringt:’
Dieser Zeit ist er sich besonders der Schattenseite des Ruhms bewusst. Als
wir uns trafen war es nur Tage nachdem bekanntgegeben wurde, dass er und
seine Freundin – Schauspielerin Kate Bosworth – sich getrennt
haben.
Sie trafen sich 2002 am Set eines Gap-Werbespots, und Bloom war sofort hingerissen
von dem Sandra Dee -Starlet aus Beyond the Sea .Die Klatschblätter
spekulierten über alles, von seinem Unwillen sich niederzulassen bis
Bosworths Missbilligung seiner wilden Männerabende. Ehrenwerterweise
meidet Bloom nicht das Thema. ’Es gab viel Rummel, weil wir beschlossen
haben eine Auszeit zu nehmen’, sagt er. ’Aber wir stehen uns
sehr nahe. Es ist unglücklich, dass alles ins öffentliche Blickfeld
gerückt werden muss. Und es ist hart, wenn du reist. Es macht aus Beziehungen
eine Herausforderung.’
Dies ist das erste Mal, dass Bloom gezwungen wurde emotionalen Problemen
in der Öffentlichkeit entgegenzutreten; und es ist ein Fall von ’bis
hierhin und nicht weiter’. ’Ich habe immer alles sehr privat
gehalten, und so beabsichtige ich auch alles zu handhaben’, sagt er.
’Wir haben beide ein großes Jahr vor uns, und wir dachten, dass
wir uns für dieses Jahr etwas Zeit zum weiterentwickeln geben würden.’
Also könntet ihr doch wieder zusammenkommen? Er lächelt, ’Wenn
jemand in die Zukunft schauen könnte, wer kann das schon sagen? Hol
deine Kristallkugel raus, Kumpel.’
Seit unserem Interview hat es schon Berichte gegeben, dass sich das Paar
eines romantischen Candlelight Dinners im Chateau Marmont Restaurant erfreute.
Vielleicht werden sie zur Zeit da sie dies lesen verlobt sein.
Was auch immer das Ergebnis sein wird, eines ist sicher: Bloom lügt
nicht über ihr Arbeitspensum. Während Bosworth Lois Lane in Superman
Returns spielen wird, befindet sich ihr ehemaliger Geliebter in einem „Übergangsjahr“.
Diesen Mai springt Bloom in das Unbekannte und spielt die Hauptrolle in
Königreich der Himmel. In dem Epos von Regisseur Ridley Scott über
die Kreuzzüge spielt er Balian von Ibelin, einen Schmied im Jerusalem
des 12. Jahrhunderts, der aufsteigt um sein Volk zu schützen.
Bloom, der schon mit Scott beim Kriegsfilm Blach Hawk Down arbeitete, las
das Drehbuch im Flugzeug auf dem Rückflug von Mexiko, wo er Troja drehte.
’Ich war nicht auf der Suche nach einem weiteren Historiendrama, aber
es war so ein aufregendes Drehbuch, ich wollte diese Rolle unbedingt. Er
ist ein Held wider Willen, das absolute Gegenteil zu Paris.’
Dasselbe gilt für Bloom. Auch wenn er sich eingesteht zum ersten Mal
die Besetzungsliste anzuführen ’in einem großen, großen
Film’, lenkt er schnell den Druck ab. ’Wenn du mit Ridley Scott
zusammenarbeitest, ist das sein Baby’, sagt er. ’Ich denke,
er ist der Top-Name der Liste. Natürlich gibt es eine gewisse Erwartung
zu sehen, wie das Publikum reagieren wird und ob ich es so lange fesseln
kann.’
Dem Anschein nach braucht er sich keine Sorgen zu machen; angeblich ist
er der Star, der momentan die meisten Internetsuchanfragen bekommt.
’Er ist sich nicht bewusst, wie berühmt er ist,’ sagt Eva
Green, die französische Schauspielerin, die Sybilla darstellt, die
Prinzessin, in die sich Balian verliebt. ’Als wir in Huesca in Spanien
ankamen, warteten viele Fans auf ihn. Mädchen kreischten, und er dachte
sich ’Oh mein Gott! Was ist los?’ Es ist, als ob nach dem ganzen
Wirbelwind um Herr der Ringe Bloom jetzt realisiert hätte, dass er
ein ausgereiftes Idol geworden ist. Die Erfahrung in Spanien hat ihn anscheinend
wachgerüttelt. ’Ich hatte niemals so viel öffentliche Aufmerksamkeit
von Tag zu Tag’, sagt er. ’Ich bin an Mengen bei Premieren gewöhnt,
aber es war etwas zermürbend einer täglichen Prozession gegenüberzutreten.
Ich bin für mich geblieben, um damit klarzukommen. Definitiv habe ich
etwas von dem Druck gefühlt. Es hat mich etwas unerwartet getroffen.’
’Er hat etwas die Angewohnheit, sich zu kümmern,’ gibt
Eric Bana zu, der australische Schauspieler, der seinen älteren Bruder
in Troja spielte. ’Wir verfielen sofort in den älterer-Bruder-jüngerer-Bruder-Modus.
Er lädt dich zum Kaffee ein, und DU wirst ihn am Ende machen!’
Man bekommt den Eindruck, dass Bloom ein Träumer ist. Er war seit jungen
Jahren in Theaterstücke eingebunden. Seine Mutter Sonia ermutigte ihn
und seine ältere Schwester Sam Prosa und Lyrik beim Canterbury’s
Kent Festival vorzutragen. ’Es vermittelte mir ein Sprachgefühl
im Sinne von Aussprache,’ sagt Bloom. Als Kind schwach legasthenisch
wand er sich schließlich der Kunst zu und wählte Fotografie,
Theaterstudien und Bildhauerei als A levels. Seine Mutter betrieb eine Fremdsprachenschule
mit ihrem Partner Colin Stone, und als Resultat dessen kann Bloom Französisch
sprechen.
Mit dreizehn wurde Bloom gesagt, dass Stone sein biologischer Vater sei.
Der Mann, den er für seinen Vater hielt, Harry Bloom, war ein Bürgerrechtsaktivist
in Südafrika. Er arbeitete mit Nelson Mandela und wurde für seine
Ansichten inhaftiert. Als Bloom vier Jahre war, starb er, und Stone wurde
sein Sorgeberechtigter. ’Colin war immer ein naher Freund der Familie,
aber ich dachte, Harry sei mein richtiger Vater gewesen’, sagt er.
’ Ich denke, meine Mutter wartete, damit ich alt genug sei, um es
zu verstehen. Aber wann soll man einem Kind so etwas erzählen? Ich
kenne keine Familie, die keine Geschichte zu erzählen hat. Man wäre
sehr ironisch, wenn man das nicht täte.’
Um dieselbe Zeit trat er dem National Youth Theatre bei und schrieb sich
später in der Guildhall School of Music & Drama ein. In seinem
ersten Jahr hatte er kleine Auftritte in Casualty und Midsummer Murders,
die ihm zu einer Rolle als Strichjunge in Wilde verhalfen.
Als selbsterklärter wandelnder Unfall brach er sich in seinem zweiten
Jahr das Rückgrat und beendete seine Karriere beinahe, bevor sie überhaupt
begann. ’Ich fiel drei Stockwerke, als ich versuchte auf eines Freundes
Dachterrasse zu gelangen. Ich war schon immer jemand, der zuerst handelt
und dann denkt. Es kann aufregend sein, aber das war ein Weckruf. Ich war
beinahe gelähmt.’
Während er dabei ist aufzubrechen und Fluch der Karibik 2 zu drehen,
ist Bloom sehr bedacht gewesen, sich selbst nicht in die Historienfilm-Schublade
zu stecken. Neben Co-Produzenten und Star in Haven, einem low-budget Thriller
der auf den Cayman Islands spielt, wird in diesem Herbst ebenfalls Elizabethtown
anlaufen, wo Bloom an der Seite von Kirsten Dunst einen trauernden Sohn
spielt.
In seinem Privatleben ist Bloom ebenfalls offen für neue Erfahrungen.
Als jüngst zum Buddhismus Konvertierter glaubt er ’Wir kämpfen
uns alle durchs Leben. Ich schätze mich glücklich, aber das heißt
nicht, dass es keine Dinge gäbe, die mir den Atem stocken lassen. Aber
wie schwierig auch immer es an manchen Tagen ist, an anderen Tagen ist es
leichter damit umzugehen.’
Ich erinnere ihn an den U2-Song Some Days are Better than Others.
’Yeah,’ lacht er in sich hinein. ’Lasst uns alle versuchen
wie Bono zu leben!’
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