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„Kingdom of Heaven“ – eine Review von Jana und Verena
Frankfurt, 28. April 2005, 17:00 Uhr

Als Fox uns Mitte April eine Mail mit der Anfrage, ob wir denn gerne mit ihnen zusammenarbeiten wollten, zukommen ließ, waren wir beinahe fassungslos.
In drei Jahren OBL war uns so etwas Zuvorkommendes von Seiten eines Studios noch nicht begegnet – Halleluja, wir wurden beachtet! OBL war bekannt!

Zur Krönung unserer erfolgreichen „Zusammenarbeit“ (soll heißen: Sie stellten uns einfach ´ne Menge Updatestoff zur Verfügung und ersparten uns Arbeit) wurden Jana und Verena schließlich sogar zu einem Pressescreening mehr als eine Woche vor dem offiziellen Filmstart eingeladen. Einfach unfassbar.
So gingen wir nun hin, um bereits am 28. April um 10:30 Uhr morgens in einer großen Kinoanlage in der Frankfurter City kostenlos und exklusiv den Film zu schauen– zusammen mit einer Menge wichtig-aussehender Leute von Fox und Kritikern bekannter Zeitschriften.
Und da wir beide kein großer Fan von deutschen Synchronisationen sind waren wir zusätzlich sehr davon angetan, bei diesem Screening die original-englische Version gezeigt zu bekommen ?
Und nun sitzen wir hier, haben den langerwarteten „Kingdom of Heaven“ gerade gesehen und sind immer noch ganz hin und weg – aber dazu angehalten, diese Review schnellstmöglich fertigzustellen und euch zu präsentieren.

Entgegen unseren Befürchtungen (denn weder Jana noch Verena konnten „Troja“ sonderlich viel abgewinnen) handelt es sich bei „Kingdom of Heaven“ – zu Deutsch merkwürdigerweise mit „Königreich der Himmel“ übersetzt – um einen wirklich guten Film.
Orlando ist kein Bubi mehr - er ist eindeutig ein Mann! Und was für einer! (Zitat Jana)
Er verkörpert die Figur des Balian, eines vom Schicksal gestraften jungen Mannes, wirklich sehr glaubhaft – und sogar mit mehr als 3 Gesichtsausdrücken, obwohl ein ganz bestimmter, der „leidende Legolas-Blick“ immer wieder mal durchblitzt.

Beide hatten wir uns mit Vorabinfos was den Film betraf ziemlich zurückgehalten und wollten uns so überraschen lassen. Dies geschah auch – denn „Kingdom of Heaven“ (jetzt kurz: KoH) verläuft nicht immer so, wie man es als Zuschauer manchmal befürchten möchte.
Balian, ein junger französischer Schmied, hat seinen Lebenswillen fast verloren. Seine junge Frau beging nach dem Tod des gemeinsamen Kindes Selbstmord – im Mittelalter eine absolute Todsünde.
So ist er nicht nur betroffen von ihrem Tod, sondern wird beständig mit der Aussage konfrontiert, seine Frau sei durch ihre Tat zu ewigen Qualen in der Hölle verdammt.
Durch eine Verkettung verschiedenster Ereignisse findet sich der Schmied als Erbe eines Fürsten in Jerusalem wieder – erst um für seine Sünden zu büßen und dann um zu einer wahren „Führergestalt“ heranzuwachsen, Taktik mit Voraussicht vereint.

Mehr wollen wir euch jedoch auch nicht über den Inhalt verraten – denn lasst euch diesbezüglich lieber selbst überraschen.

Warum also ist KoH ein guter Film?

Er besticht durch brilliante, hochkarätige Nebendarsteller wie Liam Neeson („Schindlers Liste“), Jeremy Irons („Der Mann in der eisernen Maske“) und den syrischen Filmstar Ghassan Massoud als Sarazenen-Anführer Saladin.
Etwas anderes war von diesen Filmveteranen jedoch kaum zu erwarten – und so ist es vor allem Blooms Darstellung, die angenehm überrascht. Man nimmt ihm den Balian einfach ab, um es schlicht auszudrücken. Fast scheint es, als sei er über die Filme hin zu einem echten Darsteller gereift, der nicht nur als Stichwortgeber im „Herrn der Ringe“ oder als Sidekick von Johnny Depp in „Fluch der Karibik“ fungiert.
Bloom sagte selbst, er habe für den Film 25 Pfund an (Muskel-)Masse zugelegt – und das sieht und „fühlt“ man förmlich. Der Bart und beständige Dreck im Gesicht lässt ihn reifer erscheinen, seine Präsenz auf der Leinwand ist viel bestechender – obwohl frau natürlich immer noch zugeben muss, dass der Kerl ganz eindeutig „etwas hat“.
Nach den verschwommen-verwackelten Bildern in „Troja“ ist es fast ein Genuss, die schön fotografierten Einstellungen und gute Kameraführung des Films ansehen zu können. Manche Einstellungen hätte man glatt abfotografieren und rahmen können, so sehr spielten Farben und Bilder zusammen (was wir allerdings nicht konnten, denn vom Handy zum Fotoapparat hatte man von uns beiden bereits vor dem Einlass zum Kino alles konfisziert, was irgendwie nach Copyright-Verstoßmöglichkeit aussah lol).
Natürlich lässt sich Ridley Scotts Einfluss als Regisseur nicht übersehen. Schon in der ersten Einstellung fühlt man sich leicht an Scotts letzten großen Film, „Gladiator“, erinnert – und dieser Eindruck stellt sich während des Films immer wieder ein – was allerdings nicht negativ gemeint sein muss!
Zwar erlebt man als Orlando-Fan des Öfteren ein so genanntes „Herr-der-Ringe-Deja-Vu“, denn sowohl Jana als auch Verena fühlten sich in mancher Schlachteneinstellung an Peter Jacksons Umsetzung der Schlachten von Minas Tirith oder Helms Klamm erinnert.
Aber dies scheint sowieso das Schicksal eines jeden nach dem HdR gedrehten Kriegs- oder Abenteuerfilms geworden zu sein – Jackson setzte eben Maßstäbe. Und Scott muss sich nicht vor diesen verstecken.
Einzig etwas blass bleibt die weibliche Hauptdarstellerin Eva Green als Sybilla.
Doch da die sich entwickelnde Liebesgeschichte zwischen dem Witwer Balian und der mit einem christlichen Fanatiker verheirateten Sybilla angenehm dezent gehalten ist und immer nur andeutungsweise aufblitzt, so dass sie im Gesamtkontext des Films weder störend noch unglaubwürdig erscheint, kann Greens seichte Performance auch an ihren knapp bemessenen Auftritten liegen.
Und natürlich hat es den ein oder anderen Hollywood-Kitsch-Moment, aber auch diese sind sehr spärlich gesäht und daher im Gesamtkontext zu vernachlässigen ;)

Als vor gut zwei Jahren, also nicht allzu lange Zeit nach den Attentaten vom 11. September, erstmals die Rede von einem Film über die Kreuzzüge und die Auseinandersetzung zwischen Moslems und Christen aufkam, war es sicherlich nicht nur Verena, die diesem anstehenden Werk von vornherein sehr zweifelnd gegenüber eingestellt war.
Es erschien einfach die vollkommen falsche Zeit, um ein solches Kapitel der Geschichte erneut zu thematisieren. Auch die Morddrohungen, die während der Dreharbeiten gegen Crew und Darsteller ausgesprochen wurden, zeugen davon, dass man nicht nur in Deutschland dem ganzen voreingenommen gegenüberstand.
Umso angenehmer ist es zu sehen, dass „KoH“ eine sehr friedensbejahende Botschaft trägt. Niemand wird dämonisiert, der Anführer der muslimischen Sarazenen, Saladin, verkörpert geradezu perfekt einen noblen und charismatischen, zutiefst gerechten Fürsten.
Auch die tragische Gestalt des leprakranken Königs von Jerusalem (Edward Norton, der aber unter einer Metallmaske kaum zu erkennen ist) ist als zutiefst gut und gerecht gezeichnet.
Die einzigen Fanatiker, die im Film vorkommen, sind die christlichen Ritter des Templerordens, ihrer Zeit schon als Fanatiker und absolute Glaubens-Hardliner verschrien. Doch da der Templerorden bereits im 14. Jahrhundert offiziell aufgelöst wurde, mag es wohl niemanden von ihnen mehr beleidigen, dass sie in diesem Film als die bösen, Frauen und Kinder mordenden Fanatiker dargestellt werden.
Und so findet der Film ein schönes und den Zuschauer ansprechendes Ende, indem sich die Erkenntnis breit macht, dass manche Dinge einen Massenmord durch sinnlosen Krieg nicht wert sind, und nicht jeder Verlierer zwingend auch etwas verloren haben muss.

Das einzige, was uns wirklich vor den Kopf stieß, war, dass „KoH“ in Deutschland die FSK-Wertung „ab 12 Jahren“ erhalten hat. Es ist gut möglich, dass wir auf der Pressevorführung nicht den endgültigen deutschen Schnitt des Films, sondern die amerikanische Version (die ab 17 Jahren ist) gezeigt bekamen.
Die erschreckend realistische, blutige Darstellung des Sterbens und Krieges hat manchmal eine geradezu abstoßende Wirkung auf den Betrachter.
„KoH“ ist ein Historienfilm mit Kriegsthema – aber selten wurde in den letzten Jahren auf der Leinwand so gänzlich glanz- und ruhmlos gestorben wie dort.
Der Krieg (und seine Kämpfenden) verlieren irgendwann ihre Persönlichkeit, ein anonymes blutiges Sterben ist der befremdliche, bleibende Eindruck.
Doch dies lässt sich ja ganz hervorragend mit der positiven Aussage des Films vereinbaren, dass Frieden das höchste Ziel eines jeden klar denkenden Menschen sein sollte.
Sowohl im Jerusalem des 12. Jahrhunderts als auch noch in unserer Zeit.

Für euch kommt der Film am 5. Mai in die Kinos – und endlich einmal sind wir beide uns einig: Da können wir euch mit gutem Gewissen reinschicken! ;-)

 






 

 

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