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Jolie Deutschland
Mai 2005

Vielen Dank an Roxane für's Abtippen!

ORLANDO BLOOM
Man muss ehrlich zu sich selbst sein

Er spielt gern den Helden. Nicht nur im Film, sondern auch im wahren Leben. Große Gefühle, große Gesten, große Worte: Orlando Bloom beherrscht alle drei Varianten. Und manchmal wirkt der Schauspieler fast ein bisschen altmodisch in dem modernen, konsumorientierten Filmbusineß, in dem er sich bewegt. Denn statt sich auf Hollywood-Partys herumzutreiben, beschäftigt er sich lieber mit buddhistischer Philosophie. Aus Überzeugung lebte er bis zum "fleischlastigen" Dreh von "Herr der Ringe" streng vegetarisch. Und er spricht gern von dem hohen Anspruch, den er an sich und seine Leistung als Schauspieler hat. Im Moment ist das Leben des 28jährigen Briten voll im Umbruch. Orlando Bloom ist dabei, sich von seinem Ruf als Teenie-Idol zu verabschieden. Und unter seinen süß-verwegenen-Bartstoppeln kommt ein interessanter Mann zum Vorschein, der sich viele Gedanken macht: übers Leben ("Jeder sollte bei sich selbst anfangen, das Richtige zu tun!"), über die Liebe ("Ich bin verliebt in die Liebe!"), über seinen Ruhm ("Mir ist das alles eher Peinlich!").
Erst kürzlich hat er sich von seiner Freundin, der Schauspielerin Kate Bosworth, getrennt. Die beiden wurden als das junge Traumpaar Hollywoods gehandelt. Doch nach zwei Jahren Glück kam der Cut. Angeblich, weil sie einen zu vollen Drehplan und zu wenig Zeit füreinander hatten. Und wirklich: Seit seinem Auftritt als Elbe Legolas in "Herr der Ringe" und junger Will Turner in "Fluch der Karibik" kam Orlando Bloom kaum dazu, nur einen Moment Luft zu holen.
In kürzester Zeit drehte er einen Film nach dem anderen. Darunter so hochkarätige Produktionen wie die Komödie "Elizabethtown" mit Kirsten Dunst und "Kingdom of Heaven - Königreich der Himmel", in dem er wieder einen Helden mit Schwert geben darf. Diese beiden Filme könnten den Jungstar zum berechtigten Erben von Johnny Depp und Brad Pitt machen. JOLIE-Autorin Rachel Clark sprach mit ihm über Buddhismus, schlimme Lügen und den wahren Sinn des Lebens....

Herr Bloom, haben Sie eigentlich manchmal das Gefühl, das alles zu schnell geht in Ihrem Leben?
Ja, oft.
Und was tun Sie dagegen?
Ich verbringe Zeit mit meiner Familie, mit meinen Freunden, fahre nach Brasilien, mache Urlaub, verbringe Zeit mit meinem Hund und versuche einfach, zu mir zu kommen.
Sie wirken erwachsener. Liegt vielleicht auch am Bart, den Sie jetzt tragen...
Ja, ich hoffe, das ist jetzt der Übergang für mich vom Jungen zum Mann. Aber ich bin immer noch gern ein junge. Trotzdem: In "Kingdom of Heaven" spiele ich definitiv eine erwachsenere Rolle als bisher.
Haben Sie denn immer noch Probleme mit dem Berühmsein?
Nun, vom Menschlichen her gesehen: Ja. Berühmtheit ist ja nichts Natürliches. Es ist nur eine Frage der Wahrnehmung. Die Leute denken plötzlich, du bist so und so, und projezieren dann Sachen in dich rein, die gar nicht stimmen. Es ist kein ausgewogenes Urteil, das sie von die und von dem Leben, das du führst, haben. Es ist eine ständige Herausforderung für mich, damit richtig umzugehen.
Haben Sie denn schlechte Erfahrungen gemacht?
Ach, es gibt so viele Geschichten über mich und tausende Frauen, über mich und meine angebliche Verlobung und dass ich einen Verlobungsring für 300.000 Dollar gekauft haben soll. Als ich das gehört habe, dachte ich mir nur: Wie kommen die Leute auf so was? Jeder würde sich ärgern, wenn über ihn Lügen verbreitet würden. Lügen sind echt das Schlimmste.
Seit "Fluch der Karibik" haben viele Leute Poster von Ihnen an der Wand. Sie sind ein echtes Role Model. Welche Message möchten Sie Ihren Fans mitgeben?
Na ja, das Wichtigste ist doch, dass man erst mal für sich selbst die Verantwortung trägt im Leben. Dass man ehrlich zu sich ist. Ich glaube, wenn das jeder beherzigen würde, gäbe es viel weniger Ärger auf der Welt.
Schöner Gedanke, aber das wird nicht so schnell passieren....
Ja, leider. Aber irgendwo muss man ja schließlich einmal anfangen.
Sind Sie darum Buddhist geworden?
Der Buddhismus ist in erster Linie eine Philosophie für mich. Ich finde sie faszinierend und sehr konstruktiv, um Dinge zu verstehen, die einem im Leben so begegnen, um neue Lösungsansätze für Probleme zu finden, die das Leben eben so mit sich bringt....
In "Kingdom of Heaven" spielen Sie schon wieder einen Schmied, wie in "Fluch der Karibik"....
Ja. Ich wollte nicht aus der Übung kommen (lacht). Um ehrlich zu sein, war ich nicht auf der Suche nach einem neuen Mantel-und-Degen-Flm. Ich war gerade fertig mit den Dreharbeiten zu "Troja", wo ich den Paris spielte. Noch im Flugzeug las ich das Drehbuch zu "Kingdom of Heaven". Ich war begeistert, auch, weil die Rolle des Ibelin das komplette Gegenteil war zu dem Feigling Paris. Also habe ich zugegriffen...
Sie haben für den Film lange in Spanien gedreht. hat es Ihnen dort gefallen?
Ich liebe Spanien. Ich war überwältigt von der Herzlichkeit, die mir die Leute dort entgegengebracht haben. Es ist ja das erste Mal, dass ich in so einem großen Film die Hauptrolle spiele. Für mich ist das immer noch ein bisschen ungewohnt.
Also, wenn schon die achtjährigen Mädchen verrückt nach Ihnen sind, wie sieht es dann erst bei den 20jährigen aus...
Ach die sind doch viel zu cool, um sich in mich zu verlieben. Die schwärmen alle nur für Johnny Depp. Er ist der eigentliche Bringer. Ich bin nur der Unterhalter, der Mann in der zweiten Reihe.
Ach, und wie erklären Sie sich das Rekordergebnis von 2,5 Millionen Zugriffen auf Ihren Namen bei Google?
Also, wenn es so ein 13jähriges Mädchen glücklich macht, wenn ich Ihr ein Autogramm gebe - bitte. Aber diese Leute kennen mich doch nicht wirklich. Sie haben nur ein Bild, eine gewisse Vorstellung von mir.
Und was ist mit den Mädchen, die alles versuchen um an Ihre Telefonnummer heranzukommen?
Ehrlich gesagt zieh ich in solchen Situationen gern den Kopf ein. Mir ist so was eher peinlich.
Wie gehen Sie im Alltag konkret damit um, berühmt zu sein? Es behandelt Sie doch niemand mehr wie einen normalen Menschen. Sie sind ein Star.
Natürlich gibt es Leute, die mich ganz normal behandeln. Es kommt doch immer darauf an, mit wem man sich umgibt. Ich habe Familie und Freunde. Man muss ja nicht ständig mit andern Stars, Filmregisseuren oder irgendwelchen Agenten ausgehen. Es gibt ganz normale Leute, mit denen man abhängen kann, und die scheren sich nicht die Bohne darum, ob ich nun berühmt bin oder nicht. Die haben ganz andere Probleme!

 

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