Interview aus der InStyle
November 2005
Ich küsse gern und gut!
Kinostar ORLANDO BLOOM über Sex
vor dem Kamin und seine sanfte Art, das Herz einer Frau zu
erobern.
Venedig: Auf dem Lido herrsch
plötzlich mehr Gedränge als auf dem Markusplatz. Grund für den
Menschenauflauf ist Orlando Bloom, 28. Er trägt einen schwarzen
Anzug, schwarzes Hemd, schwarze Krawatte und ist gerade auf dem
Filmfest angekommen. Eigentlich will der Star aus der Herr der
Ringe - Trilogie und Fluch der Karibik seinen neuen Film Elizabethtown
vorstellen. Doch dazu kommt er lange nicht. Erst mal muss er die
Hände unzähliger weiblicher Fans schütteln, Autogramme geben...
Aber Orlando macht das gern. Einem Mädchen hilft er sogar dabei, mit
dem Handy ein gemeinsames Foto von ihm und ihr zu schießen. "Ich
bin immer nett - zu allen Menschen", sagt Orlando, als wir ihn
nach dem ganzen Rummel privat und inzwischen in T-Shirt und
ausgewaschener Jeans in seinem Hotel, dem "Excelsior"
treffen. "Seit ich mich nämlich mit Buddhimus beschäftige,
weiß ich, dass alles Böse irgendwann zu mir zurückkommt.",
erklärt er.
Aber Sie scheinen es auch zu
genießen, von Frauen umschwärmt zu werden. Fühlt es sich gut an,
für viele von ihnen ein Sexsymbol zu sein?
Wenn ich mich selbst mal mies
fühle, hilft mir dieses Image wenig. Und so dramatisch ist der Rummel
um mich nun auch wieder nicht. Ich kann zum Beispiel in London immer
noch ohne Bodyguards in der Oxford Street einkaufen gehen. Aber als
ich für meinen letzten Film Königreich der Himmel nach
Spanien kam, war es, als wäre der Zirkus in der Stadt und ich die
Löwennummer, die alle bewundern. Da habe ich es zum ersten Mal
erlebt, dass kreischende Mädchen vor meinem Hotel standen.
Können Sie es nachvollziehen,
wenn man Sie als schön beschreibt?
Eher nicht. Findet man sich selbst
schön? Schönheit liegt im Auge des Betrachters, an sich selbst
entdeckt man sie doch eher selten.
Und was finden Sie bei anderen
Menschen schön? Worauf achten Sie?
Ich achte komischerweise immer auf
den Hals. Und ich mag Finger und Zehen, wenn sie wohl geformt
sind.
Nicht auf die Lippen? Dabei
heißt es doch, Sie seien nur Schauspieler geworden, um schöne Frauen
küssen zu dürfen...
Das habe ich nie gesagt. Und ich
würde mir gerne den Journalisten des Teeniemagazines gern mal
vorknöpfen, der das geschrieben hat. Natürlich habe ich nichts
dagegen, schöne Frauen zu küssen. Aber das ist eher ein positiver
Nebeneffekt, wenn man Schauspieler ist. Außerdem hatte ich bisher
noch gar nicht so viele Kussszenen. In dieser Hinsicht hat es sich
noch nicht einmal richtig gelohnt.
Welcher Filmkuss kommt denn Ihrer
privaten Art zu küssen am nächsten?
Sehen Sie sich Fluch der Karibik
an. Da können Sie mich küssen sehen, dann haben Sie eine
Vorstellung.
Man sieht Sie selten auf Partys.
Feiern oder flirten Sie nicht gern?
Ich habe früh mit dem Feiern
angefangen. Ich war 16, als ich nach London kam, und damals sehr viel
unterwegs. Den Partyteil meines Lebens habe ich abgearbeitet. Heute
mag ich es lieber ruhiger.
Wie sieht dann für Sie eine
perfekte Samstagnacht aus?
Ein privater Abend mit Freunden.
Gutes Essen, anregende Gespräche - und Sex vor dem Kamin gehört
natürlich dazu. (lacht)
Sex mit wem? Es gab während des
Drehs von Elizabethtown Gerüchte, Sie wären in Ihre Kollegin
Kirsten Dunst verliebt. Dabei war Kirsten mit Jake Gyllenhaal liiert
und Sie mit Kate Bosworth...
Ich kann verstehen, dass solche
Gerüchte verwirrend sind. Aber ich möchte bitte mein Liebesleben
nicht öffentlich diskutieren.
Lässt Ihnen Ihr derzeitiges
Arbeitspensum überhaupt Zeit für eine feste Beziehung?
Das Arbeitspensum ist ein Problem.
Wenn man sich nicht regelmäßig sieht, funktioniert eine Beziehung
nicht.
Im Film erobert Kirsten Dunst Ihr
Herz mit einem Mixtape ihrer Lieblingssongs. Haben Sie das früher
auch so gemacht?
Das mache ich heute noch. (lacht)
Ich finde es eine wunderbare persönliche Geste, jemandem seine
Lieblingssongs aufzunehmen. Wenn mir ein Mädchen etwas bedeutete,
nahm ich ihr ein Tape auf - mit mindestens einem Stück von Radiohead.
Waren Sie mit den Tapes auch so
erfolgreich wie bisher in Ihrer Karriere als Schauspieler?
Ich weiß, dass irgendwann die Rolle
kommt, in der ich kolossal versagen werde. Sie muss ja irgendwann
kommen. Und Scheitern gehört zum Leben. Es ist sogar wichtig.
Letztendlich brauche ich vielleicht den Misserfolg, um daran zu
wachsen. Aber ich zerbreche mir nicht den Kopf darüber. Ich gebe mein
Bestes, genieße meinen Beruf und lasse den Rest auf mich zukommen.
Ich bin dankbar für alles, was ich bisher machen durfte. Ich kam von
der Schauspielschule und wurde direkt für die Verfilmung von Herr
der Ringe engagiert. Besser konnte es gar nicht sein.
Bei einem Sturz von einem Balkon
haben Sie sich vor Jahren das Rückgrat gebrochen. Mehrere Tage war
nicht klar, ob Sie wieder laufen können. Wenn man nur knapp einem
Leben im Rollstuhl entgangen ist, relativiert sich da vieles, was
andere als belastend empfinden?
Sicher. Ich weiß vieles von dem,
was ich habe, mehr zu schätzen. Jeder Tag, jeder Film ist wie ein
Geschenk. Ich habe immer noch hin und wieder Rückenprobleme. Der
Schmerz erinnert mich daran, wie viel Glück ich hatte. Es hat mir
geholfen, mich auf das zu konzentrieren, was ich will. Trotzdem bin
ich jetzt kein besonders ängstlicher Mensch. Wenn ich vor etwas Angst
habe, setze ich mich der Situation aus, um die Angst zu
überwinden.
Welche Ängste haben Sie so
überwunden?
Die Angst zu schauspielern. Als ich
zur Schauspielschule ging, hatte ich regelrecht Panik davor, auf einer
Bühne zu stehen. Ich wollte es, konnte es aber aus Angst vor dem
Publikum nicht. Als ich das überwunden hatte, fühlte ich mich
richtig frei. Dennoch habe ich heute noch vor jeder neuen Rolle ein
bisschen Angst. Zweifel, ob ich bewältigen kann, was von mir verlangt
wird. Es ist immer wie der erste Tag in einer neuen Schule.