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Elizabethtown Review
Filmbeurteilung aus der Cinema, Ausgabe November 2005

Vielen Dank an Jasy fürs Abtippen!

Elizabethtown
Tragikomodie

Der lebensmüde Drew kehrt zur Beerdigung seines Vaters in seine Heimatstadt zurück. Können seine Familie und eine neue Liebe ihn retten?

Nach dem interessanten, aber verwirrenden Experiment „Vanilla Sky“ kehrt Regisseur Cameron Crowe mit dieser romantischen Tragikomodie in sein angestammtes Revier zurück. Zweifellos beherrscht er nach wie vor sein Handwerk, liefert bemerkenswert intelligente Dialoge und unterlegt seinen Film mit einem großartigen Soundtrack. Die meisterhafte Leichtigkeit seines bislang besten Films „Jerry Maguire – Spiel des Lebens“ erreicht er jedoch nicht.
Mit dem von Orlando Bloom verkörperten Drew Baylor hat die Story einen echten Antihelden. Nach einem fürchterlichen Misserfolg als Turnschuh-Designer und der Trennung von seiner Freundin beschließt der Workaholic, seinem Leben ein Ende zu setzen. Doch gerade als er sein heimisches Fitnessgerät als Todeswerkzeug präpariert hat, kommt der Anruf seiner Mutter mit einer traurigen Nachricht: Drews Vater ist gestorben. Also lässt er von seinen Selbstmordplänen ab und macht sich auf in seinen Südstaaten-Heimatort Elizabethtown. Während des Fluges begegnet er der reizend-neurotischen Flugbegleiterin Claire (Kirsten Dunst), die zu seiner guten Fee wird. Bei Problemen mit den Verwandten steht sie ihm als Seelsorgerin zu Seite und bringt ihn schließlich dazu, sich mit den wichtigen Fragen des Lebens zu beschäftigen: „Woher komme ich? Wohin gehe ich? Wie kann ich lieben und geliebt werden?“ Dadurch erkennt Drew mit der Zeit eine Chance, sein Leben wieder in den Griff zu kriegen.
Allein wegen der großartigen Schauspieler möchte mal als Zuschauer diesen Film ins Herz schließen – er macht es einem jedoch schwer. So kommt die Liebesgeschichte, die im Grund alle Zutaten für wunderbares Herzklopfen besitzt, in reichlich unterkühlten Szenen daher. Seltsam auch, dass der dahingeschiedene Vater nicht für wirkliche Trauer bei den Angehörigen sorgt. Stattdessen versucht die Familie, dem Verlust mit lahmen Witzen zu begegnen, was den Eindruck von fehlender Emotionalität nur verstärkt.
Besonders unverständlich erscheint diese Gefühlsarmut, wenn man weiß, dass die Geschichte auf Erlebnissen des Regisseurs beruht. Ist die unpassend erscheinende Sachlichkeit Cameron Crowes Methode, eigene Schicksalsschläge zu verarbeiten? Immerhin lässt er seinen Gefühlen auf der Tonspur freien Lauf: Ein Soundtrack aus exquisiten Stücken von Nancy Wilson über Patty Griffin bis zu The Hollies sorgt für den entsprechenden Blues im Kinosaal. Hier allerdings wäre etwas weniger mehr gewesen. So verlässt man das versöhnliche Südstaatendrama am Ende mit sehr gemischten Gefühlen.

Fazit: Hochrangig besetztes Kleinstadt-Melodram, das ein Loblied auf die Liebe, die Familie und das Leben anstimmt – den Zuschauer aber wenig berührt.

Rezension: Scott Orlin

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