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Celebrity Interview
Juli 2005
Danke an Jasy für's Abtippen!

Orlando Bloom
Warum…

… ist eigentlich Ihr schwarzer Labrador ständig an Ihrer Seite? Man sieht Sie ja kaum noch ohne ihn – selbst beim Interview.

Sidi gehört einfach dazu, inzwischen. Irgendwann tauchte er plötzlich mit ein paar Kollegen bei den Dreharbeiten zu „Königreich der Himmel“ in Marokko auf. Es war fast so was wie Liebe auf den ersten Blick. Er war damals gerade mal sechs Wochen alt, extrem dünn und völlig verlaust. Ich musste mich einfach um ihn kümmern und dann brachte ich es nicht übers Herz, ihn zurückzulassen. Ich ließ ihn impfen und konnte ihn dann ohne Probleme nach England einführen. Jetzt ist er mein bester Freund. Ich trage seine Milchzähne als Glücksbringer an einer Halskette.

Der edle Ritter in „Königreich der Himmel“ ist Ihre erste richtige Männerrolle. Haben Sie sich durch die Dreharbeiten verändert?

Ja, habe ich tatsächlich, ich glaube, ich bin auch selbst endlich zum Mann geworden. Es gibt einige Parallelen zwischen dem, was im Film passiert, und wie ich mich persönlich entwickelt habe. Es fing schon damit an, dass ich sehr viel trainiert habe, um körperlich präsenter zu wirken. Und dann spiele ich in diesem Film die erste wirkliche Hauptrolle meines Lebens. Zuerst habe ich mir ernsthaft Sorgen gemacht, ob ich dieser Verantwortung tatsächlich gerecht werden kann. Ich konnte nachts vor Aufregung nicht mehr schlafen. Aber ich habe gelernt, mit der Verantwortung umzugehen. Im Film wächst der Ritter an der Größe der Probleme, mit denen er konfrontiert wird. Für mich selbst war es genauso. Ich habe den Film mit einer fürchterlichen Grippe einen Monat lang in der staubigen Wüste Marokkos gedreht. Das ist schon so etwas wie ein religiöses Erlebnis…

Hat die Wüste den für Sie etwas Religiöses?

Die Wüste ist ein guter Ort, um den Geist zu reinigen und zu meditieren. Ich habe mich eindeutig meinem Schöpfer näher gefühlt. Ich bin Buddhist und habe mich lange mit der Religion auseinander gesetzt. Sie ist ein Wegweiser durchs Leben. Ich verstehe vieles besser, bin ausgeglichener, selbstbewusster. Am Ziel sehe ich mich noch nicht, ich bin noch ein Suchender.

Was ist neben dem Glauben noch wichtig für Sie?

Meine Familie, mein Zuhause, Freunde. Im Augenblick bin ich allerdings etwas entwurzelt. Ich pendle zwischen L.A., London und irgendwelchen Drehorten hin und her. Eigentlich lebe ich noch in England und dort ist auch mein Herz. Vor zweieinhalb Jahren habe ich mir ein Haus in London gekauft und seitdem insgesamt gerade mal sechs Wochen dort verbracht. Das ist definitiv zu wenig. Ich habe so oft das Gefühl, heimatlos zu sein, wenn ich irgendwo in der Welt rumhänge. Aber ich habe eine tolle Familie und großartige Freunde. Und der Gedanke an diese Menschen baut mich dann immer wieder auf. Niemand meint es so gut mit dir, wie die Familie. Meine Schwester ist es auch, die mich garantiert auf den Boden zurückholt, sollte ich tatsächlich mal Starallüren oder Ähnliches zeigen. Wenn ich anfange, mich seltsam zu benehmen, kriege ich ernsthaften Ärger mit ihr (lacht laut).

Sie sind quasi allein unter Frauen aufgewachsen, bei Mutter und Schwester. Ihr Vater starb, als Sie vier Jahre alt waren. Hat das Ihre Beziehung zu Frauen beeinflusst?

Ich bin verrückt nach Frauen… Frauen sind einfach wunderbar. Und jeder Mann, der glaubt, er könne seinen Kopf gegen Frauen durchsetzen, unterliegt da einem großen Irrtum. Die Männer denken, sie regieren die Welt. Aber in Wirklichkeit sind es doch die Frauen, die den Laden zusammenhalten. Jedenfalls war das in meinem Leben immer so. Vielleicht begegne ich Frauen auch deshalb mit mehr Respekt. Leider musste ich oft mit ansehen, wie mies meine Schwester mitunter von ihren Freunden behandelt wurde. Für mich stand immer fest: So wollte ich nie zu Mädchen sein.

Es heißt, Sie haben sich von Kollegin und Freundin Kate Bosworth getrennt. Gibt es schon eine neue Freundin?

Sagen wir es mal so: Im Westen nichts Neues… (lacht). Ehrlich gesagt ist die Arbeit zurzeit meine Geliebte. Da ist es schwierig, eine neue Beziehung aufzubauen. Zumal ich nie genau weiß, ob sich die Frauen wirklich für mich oder nur für meine Popularität interessieren. Aber dafür habe ich jetzt ja Sidi. Der hat da eine unglaublich gute Nase und durchschaut Frauen, die es nicht ehrlich meinen.

Gibt es außer Ihrer Familie noch Menschen, von denen Sie wissen, dass Sie es ehrlich mit Ihnen meinen, und die Sie alles fragen können?

Johnny Depp zum Beispiel. Er ist eine große Inspirationsquelle für mich. Ich habe ihn gefragt, wie er mit dem ganzen Rummel um seine Person klargekommen ist. Er meint, man müsse nur immer sich selbst treu bleiben, egal was passiert. „Entscheide dich nie nur wegen des Geldes und vergiss nie, warum du ursprünglich Schauspieler geworden bist“, sagt er. Er hat mich bestärkt, keine Risiken zu scheuen. Schauspieler seien schließlich keine Chirurgen. Niemand würde sterben, wenn wir einen Fehler machen. Und deshalb sollte man als Künstler einfach Dinge ausprobieren. Außerdem hat er mir abgeraten, jemals den Namen eines Mädchens auf den Arm tätowieren zu lassen, egal wie romantisch es ist…

Sind Sie ein Romantiker?

Das ist eigentlich meine Lieblingsrolle. Im Film genauso wie im Leben. Was gibt es Schöneres, als mit kleine Gesten das Herz einer Frau zu erobern? Aufmerksamkeit ist da besonders wichtig. Und Sensibilität. Auch wenn es schon ein bisschen altmodisch klingt: Ich würde gerne von mir behaupten, dass ich ein Gentleman bin. Ich versuche jedenfalls, Frauen immer anständig zu behandeln. Das hat meine Mutter mir beigebracht.

Trotzdem werden Sie eher als Sexsymbol gefeiert denn als Gentleman. Zu Recht? Finden Sie sich sexy genug?

Es gibt Schlimmeres, also dass die Leute einen als sexy bezeichnen. Ich finde es schmeichelhaft. Die Sache mit dem Sexsymbol und die Aufmerksamkeit junger Mädchen ist sowieso irgendwann vorbei. Es wird immer eine neue Boygroup oder einen neuen Star geben. In ein paar Jahren werden meine Poster nicht mehr über den Betten der Teenies hängen. Sicher gibt es erhebendere Momente in meinem Leben, als ein Sexsymbol genannt zu werden… Aber ich stehe ja noch am Anfang. Den Status von Johnny Depp oder Brad Pitt habe ich noch lange nicht. Sollte es aber in zehn Jahren noch so sein, fange ich an, mir ernsthaft Sorgen zu machen.

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