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Buch Review
Orlando Bloom - ein Portrait

aus der Reihe "Stars!", Bertz+Fischer Verlag, ca. 9,90€

Als der Bertz+Fischer Verlag vor ein paar Wochen an mich herantrat und fragte, ob ich ihre Neuerscheinung „Orlando Bloom – ein Portrait“ auf OBL vorstellen könnte, war ich anfangs etwas unentschlossen und teilte dies der netten Dame vom Verlag auch gleich mit - denn eine Bitte zur Rezension ist bei mir nicht einer automatisch positiven Rezension gleichzusetzen; und wie viele von euch wissen neige ich manchmal dazu, sehr offen meine ehrliche Meinung (sowohl positiv wie negativ) von mir zu geben. Es hätte also auch ein böser Zerriss dabei herauskommen können – eine Möglichkeit, die ich der Dame vom Verlag ebenfalls mitteilte und auf welche sie guten Mutes erwidere, dass eine solche Situation wohl nicht eintreten würde.
Es schaut so aus, als habe sie recht behalten.

Aber wieder zurück zum Thema Biografie: Seit in den letzten Jahren alles, was sich auch nur halbwegs „Promi“ schimpfen durfte, seine (Auto-)Biografie verpasst bekam, und wir so viele wirklich nicht wissenswerte Dinge über besagte „Prominenz“ zu lesen bekamen, stehe ich dieser Buchgattung zugegebenermaßen etwas misstrauisch gegenüber (woran nicht zuletzt das Trauma, welches die Dieter-Bohlen-Biografie in mir auslöste, schuld ist).
Als ein Exemplar dieses Buches dann bei mir im Briefkasten landete und ich mir im Weg zur Uni die ersten paar Seiten anschaute war ich positiv überrascht: Es handelte sich dabei nicht um eine reißerische Bio mit allen möglichen Sammelsurien aus
- Orlandos (Liebes-)Leben (was naheliegend und somit befürchtenswert gewesen war),
- angeblichen privaten Details (welche zu wissen ich keinerlei Bedürfnis verspürte)
und sonstigem Trash - sondern diese „Biografie“ entpuppte sich tatsächlich als das, was schon der Titel hatte verlauten lassen: Als ein Portrait Orlandos und (vor allem) seiner Filme.
Im Nachwort kommen die beiden Autorinnen, Sabine Horst und Barbara Schweizerhof, auf Orlandos Fans und vor allem seine Internet Fangemeinde zu sprechen. Neben der Tatsache, dass wir einmal wirklich recht gut wegkommen und man uns zumindest diesmal nicht abspricht, tatsächlich intelligente, selbstständig denkende Wesen zu sein, deren Leben sich nicht nur um Orlando dreht, fällt auch die Bemerkung, dass gerade die Fans im Internet gnadenlose Rezensenten sämtlicher Artikel und News rund um Bloom seien und sofort neue Infos vom „kalten Kaffee“ unterscheiden können.
Und so endet das Buch mit der Hoffnung „Wir würden uns geehrt sehen, wenn dieses Buch dort irgendwann ohne diese Einschränkung [nichts neues zu Tage gefördert zu haben] Erwähnung fände ...“
Dann fühlen Sie sich mal geehrt, Frau Horst und Schweizerhof! Denn trotz dreieinhalb Jahren intensiver „Berichterstattung“ zum Thema Bloom waren selbst für jemanden wie mich einige neue Einsichten und Denkanstöße dabei, denn gerade bei den weniger beachteten Bloom-Filmen (wie z.B. Black Hawk Down, Ned Kelly, Calcium Kid) musste ich feststellen, wie sehr mein eigenes „Wissen“ über diese Streifen und Orlandos Rolle eigentlich an der Oberfläche kratzte; dass viele Anekdoten auch mir neu waren und mir Blooms Filme und die Auswirkungen auf seine Person als ein Ganzes nun „runder“ erschienen.

Zum Buch selbst:
Das erste Kapitel dreht sich um Mr. Bloom als Person und versucht, einen Erklärungsansatz für seinen rasanten Aufstieg vom blondgelockten Elben-Newcomer zum schwertschwingenden Hauptdarsteller eines 130-Millionen-Dollar Films innerhalb von nur drei Jahren zu finden.
Doch dann geht es um das, was einen Bloom-Fan wirklich interessieren sollte: Seine Filme. Denn Orlando – ob man’s glaubt oder nicht – ist ja tatsächlich ein Schauspieler, und Angehörige dieser Berufsgattung sollte man ja eigentlich nicht nach ihren persönlichen Eskapaden beurteilen, sondern nach ihren Leistungen und Darstellungen in den mitgewirkten Filmen.
Herr der Ringe, Black Hawk Down, Ned Kelly, Fluch der Karibik, Troja, Calcium Kid, Kingdom of Heaven – alle haben sie ihr eigenes, zwischen 10 und 25 Seiten langes und mit ausgewählten Bildern versehenes Kapitel bekommen. Auch die etwas unklareren Projekte wie Haven, sowie die „Geisterfilme“ Deed Poll und Lullaby Of Clubbland finden Erwähnung und manch erhellende Erklärung.
Dabei wird nicht nur stur der Film an sich abgehandelt, sondern man merkt, dass sich die Autorinnen jeden Film Blooms mehrmals und sehr minutiös vorgenommen haben, dabei seine Leistungen und die Wandlungen seines Charakters verfolgten, interpretierten und schließlich eigene Denkanstöße zum besseren Verständnis gaben.
Die beiden Autorinnen halten bei ihren Ausführungen eine angenehme Balance was Bloom betrifft; man merkt ihnen an, dass sie dem Kerl recht zugetan sind, aber dennoch sind sie für seine Fehler und eher misslungenen Darstellungen ebenfalls nicht blind (so kommt zum Beispiel das vielgelobte „Calcium Kid“ eher schlecht weg, und der von der Kritik so oft zu unrecht verdroschene „Kingdom of Heaven“ erhält ein positives, intelligentes Review, welches auch ich jederzeit unterschreiben würde).
Ein „BRAVO!“-artiges Sprachniveau erwartet man vergeblich: Obwohl in der meiner Meinung nach etwas zu reißerisch titulierten Buchreihe „Stars!“ erschienen halten sich Horst und Schweizerhof sehr mit den von mir so gefürchteten Ausrufezeichen zurück, verwenden eine angenehme, lesbare, wenn auch manchmal ermüdend anglisierte Sprache (Uneingeweihte wird der massiven Gebrauch von schwer übersetzbaren englischen Wörtern wie „love interest“, „underplaying“ „comic relief“ wohl leider teilweise erschlagen) und schaffen so ein Buch, dass leicht und mit großem Interesse lesbar, aber dennoch vollgepackt mit Informationen ist. 16 Farbseiten mit noch mehr Bildern runden das Erscheinungsbild ab.

Zu kritisieren seien nur drei kleinere Fehler, denen die Autorinnen Internet und dem hellsten Stern der britischen Tagszeiten, der „Sun“, sei dank, auf den Leim gegangen sind:
Orlandos Hund heißt nicht Guero sondern Sidi (obwohl die „Sun“ solches einmal groß vermeldete). Den Herrn Monaghan schreibt man leider etwas anders als abgedruckt und Orlando spielte nie – wie in der Filmografie im Anhang erwähnt – in „Smack the Pony“ mit, was leider ebenfalls ein kaum totzukriegendes Internetgerücht ist, an dessen Existenz ich eine gewisse Mitschuld trage: Bei einem Blick in die OBL-Filmografie stellte ich fest, dass wir selbst dort „Smack the Pony“ gelistet hatten, was aber inzwischen als überholte Fehlinfo gilt.

Aber wer weiß, so rasant wie Blooms Karriere momentan noch verläuft lässt sich hoffen, dass es noch eine dritte Auflage dieses kurzweiligen aber informativen Portraitbandes geben wird – in welcher sich diese Fehler vielleicht dann nicht mehr finden lassen ;-)

Wertung: 4,5 von 5 Sternen

Die Dame vom Verlag war auf meine Anfrage, ob wir denn nicht ein solches Exemplar in einem Gewinnspiel auf OBL verlosen könnten, so nett mir wortlos eine weitere Ausgabe zu senden – welche ihr nun in unserem FanArt Contest gewinnen könnt!





 

 

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