"Rebell mit Kuschelfaktor"
In Style, Ausgabe Januar 2004
Danke an Sil
und Jette für's Abtippen!
ORLANDO BLOOM ist Englands heißester Männer-Export
seit David Beckham. Hollywood eroberte er als Draufgänger
mit guten Manieren
Als kühner, blonder Bogenschütze Legolas
verzückt er nun schon zum dritten Mal in „Der Herr
der Ringe“- Trilogie die Mädchen. Doch spätestens
seit dem Filmhit „Fluch der Karibik“ haben ihn auch
die Mütter im Visier: Orlando Bloom, Englands heißester
Männer-Export seit David Beckham. Beim treffen in der Suite
des New Yorker „Regency“- Hotels allerdings scheint
der 26-jährige Prachtkerl zu versuchen, sein sensationelles
Aussehen nach besten Kräften zu verbergen. Das hagere,
charaktervolle Gesicht verschwindet nahezu unter einem Wirrwarr
langer Locken und der leinwandbekannt durchtrainierte 65-Kilo-Körper
schwimmt irgendwo unter einem Zelt von Hemd. Was soll`s. Wenn
Orlando Bloom aus seinem gar nicht langweiligen Leben zu erzählen
beginnt, klebt man sowieso nur noch an seinen Lippen und alle
Äußerlichkeiten werden ohnehin völlig egal.
Na ja, sagen wir mal, fast egal...
Sie tragen da ein dutzend Ketten um den Hals.
Johnny Depp, Ihr Kollege aus „Fluch der Karibik“,
trägt auch immer zahllose Freundschaftsbänder und
rennt ähnlich lässig herum wie Sie. Wollen Sie ihn
etwa kopieren?
--Nur zu... Sie wären nicht der Erste, der mich Klein-Johnny
nennt (lacht). Nein, meinen Look hatte ich schon, bevor ich
ihn kennen lernte. Und mit dem Sammeln der Ketten begann ich
bereits vor Jahren in Neuseeland. Sie erinnern mich an Menschen
oder Momente, die mir viel bedeutet haben, und diese Dinger
sind klein genug, um sie immer bei mir zu tragen.
Wo kam denn die letzte Kette dazu?
--In Mexiko, wo ich mit Brad Pitt für Wolfgang Petersens
Film „Troja“ vor der Kamera stand. Wann immer es
möglich war, stahlen sich einige Jungs aus der Crew und
ich zum Surfen davon. Und als wir Abschied nahmen, besiegelten
wir unsere fabelhafte Zeit mit einer kleinen Muschelkette.
Ansonsten scheint ihnen Mode nicht so wichtig zu sein...
--Nun, ich schaffe es inzwischen immerhin allein, bekleidet
aus dem Haus zu kommen. Früher suchte meine Schwester die
Klamotten für mich aus. Wir hatten nicht viel Geld, also
stöberte sie durch Woolworth oder durch die Regale der
Heilsarmee. Was sie mitbrachte, sah immerhin cool genug aus,
um damit in jeden angesagten Club Londons zu kommen.
Sie führen ein wildes Partyleben?
--Nicht mehr. Ich habe meine Partyphase exzessiv ausgelebt,
als ich mit 16 Jahren aus der Provinz von Canterbury nach London
zog. Ich habe es eine Zeit lang geliebt- ganz gleich, ob ich
in Schicki-Bars oder illegalen Bretterbuden landete. Aber ich
habe auch genug erlebt, um genau zu wissen, dass ich das alles
nicht mehr brauche und ich meine Energie lieber in meine Arbeit
stecken möchte.
Angeblich ist es Ihrer Mutter zu verdanken, dass Sie Schauspieler
wurden?
--Den Beruf schlug sie nie vor, aber sie förderte mein
Interesse, indem sie mich als Kind egal ob bei Laienfestivals
oder bei Bibellesungen überall anmeldete. Sie sah öffentliche
Auftritte als Übung für mich, bis ich reif genug war,
es professionell zu versuchen.
Haben Sie es schwerer, weil Sie Legastheniker sind?
--In der Schule musste ich härter lernen als andere Kinder
und bekam ausgerechnet in der schriftlichen Prüfung des
Theaterkurses dennoch eine Fünf (lacht). Aber ich verzweifle
nicht, Legasthenie bedeutet ja schließlich nicht Mangel
an Intelligenz.
Und dann verletzten Sie sich auch noch vor fünf Jahren
bei einem Sturz auch noch so schwer den Rücken, dass Ihnen
der Rollstuhl drohte...
--Das war wie ein Weckruf für mich. Früher fürchtete
ich die Zukunft, seit dem Unfall erfreue ich mich an so Selbstverständlichkeiten
wie Herumlaufen! Darum lebe ich mein Leben auf bewusst gesunde
Art. Ernährung, Fitness, das Übliche. Doch die Stellen
an meinem Rückgrat, an denen nadeln und Metallplatten zum
Stabilisieren eingesetzt waren, schmerzen bis heute und dagegen
hilft nur physische Stärkung. Ich kann ja nicht bis ans
Ende meiner Tage wie auf Eiern gehen.
Haben Sie erfahrene Kollegen wie Johnny Depp und Brad Pitt
um Rat gefragt, wie Sie mit Ihrem Ruhm als Shootingstar umgehen
sollen?
--Sicher und sie sagen mir alle dasselbe, nämlich: weder
die Hand, die dich füttert, also Hollywood, zu beißen,
noch zu glauben, dass ich für die Wunschvorstellungen der
Fans verantwortlich bin. Erfolg ist nicht als eine Vergrößerung
der Realität. warst du vorher normal, dann bleibst du ziemlich
normal und mit der Anlage zum Idioten wirst du eben zum Riesenidioten.
Ist Ruhm ein Fluch oder ein Segen, wenn man eine Frau kennen
lernen will?
--(Grinst) Ich muss schon sagen: Das war der originellste Versuch
des Tages, etwas über mein Liebesleben herauszufinden.
Dabei war noch nicht einmal die Rede von Kate Bosworth,
Ihrer angeblichen Freundin.
--Und weil ich grundsätzlich ein Gentleman bin, werde ich
auch weiter schweigen. Mir reicht es, wenn Fotografen, die sich
nicht mal zu erkennen geben, meiner Familie und mir auflauern.
An Ruhm werden Sie bald David Beckham Konkurrenz machen.
--Niemand darf so bekannt wie Beckham werden. Das hat die britische
Regierung gesetzlich festgelegt. (lacht wieder)
Wie ist es um Ihre Fußballkünste bestellt?
--Ganz traurig. Ich habe noch nicht einmal ein Lieblingsteam
und wurde deshalb in englischen Pubs schon Opfer jeder denkbaren
Beleidigung. Dabei liebe ich die Natur und Sport unter freiem
Himmel. Aber ich stehe mehr auf Fallschirmspringen, Snowboarden,
Bergsteigen und Surfen.
Können Sie nach einem harten Arbeitstag gut entspannen?
--Überhaupt nicht, das Chill-out-Gen fehlt mir völlig.
Ich grüble viel und neige zum Problematisieren. Derzeit
zum Beispiel macht es mir Sorgen, dass ich Hollywoods Verlockungen
des Geldes erliege. Man bietet mir schreckliche Multimillionen-Gagen
an, doch ich möchte mir weiter treu bleiben, aber gleichzeitig
auch nicht arrogant wirken, wenn ich ablehne.
Sie sehen sehr gut aus. Haben sie das Gefühl, härter
arbeiten zu müssen, damit Sie nicht auf ihr Gesicht reduziert
werden?
--Sicher, Vorerst darf ich zwar strahlende Helden spielen, doch
die Charakterstücke muss ich mir erobern. Und als ob das
Erwachsenwerden nicht schwer genug wäre, mache ich das
auch noch vor Publikum.