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"Orlando Bloom"

aus "DVD Special" Januar'04
eingesendet von: fate

Pirat, Elb und Frauenschwarm

Mit 22 Jahren einen 2931 Jahre alten Krieger zu spielen, ist eine Herausforderung, eine Herausforderung, die Orlando Bloom nicht nur gerne annahm, sondern die er auch mit Bravour meisterte. Der junge Schauspieler hatte das Gefühl, im Lotto gewonnen zu haben. Er war noch nicht einmal ganz fertig mit der Schauspielschule, als Peter Jackson ihn zum Legolas in seiner HERR DER RINGE-Trilogie machte.

Auch wenn Orlando Bloom schon früh wusste, was er werden wollte, hätte er mit einem solch schnellen und gleich weltweiten Erfolg sicher nicht gerechnet. Er kann sich das alles nur folgendermaßen erklären: "Wahrscheinlich war ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Mir war es wichtig, nicht als arbeitsloser Schauspieler zu enden. Dafür muss man kämpfen, und ich fühlte schon als Kind, was ich werden will. Weshalb ich mich in der Schule hauptsächlich in den Fächern Kunst und Theater anstrengte. Den meisten Spaß hatte ich natürlich in den Theaterkursen. Ich liebte es schon immer, mich in andere Charaktere hineinzudenken, alte Filme zu gucken und ins Theater zu gehen. Ich beobachtete auch gern Straßenkünstler, die mich sehr inspirierten. Deswegen reagierte ich sofort, als sich für mich die Chance ergab, von Canterbury nach London zu ziehen. Ich wollte mich weiter motivieren, und es ist auch nicht so, dass mir alles zugeflogen kam. Ich habe mich hochgearbeitet, besuchte eine Schauspielschule, arbeitete im National Theatre, um dort hin zu kommen, wo ich heute bin. Es gibt nun mal kein Handbuch, in dem geschrieben steht, wie man ein erfolgreicher Schauspieler wird."

ES WAR EINMAL IN ENGLAND

Orlando wurde am 13. Janurar 1977 im englischen Canterbury geboren. Den Namen hatte seine Mutter Sonia einem Roman von Virginia Woolf entliehen. Orlando wuchs in dem Glauben auf, der Sohn des Anti-Apartheits-Aktivisten und Autors Harry Bloom zu sein. Der Mann, der für seine Überzeugung sogar ins Gefängnis ging, starb bereits 1981, als Orlando gerade einmal 4 Jahre alt war. Erst mit 13 Jahren erfuhr Orlando, dass nicht Harry Bloom, sondern Colin Stone, der seit dem Tod ein Vater für ihn gewesen war, auch sein biologischer Vater war. Zugegebenermaßen eine ungewöhnliche Familiengeschichte, aber Bloom ist der Meinung, dass man wohl in jeder Familie zumindest eine ähnlich ungewöhnliche Geschichte kennt.
Orlando scheint schon früh ein guter Beobachter und Freund des anderen Geschlechts gewesen zu sein. Sein Entschluss, Schauspieler zu werden, steht zumindest in Verbindung mit seinen Bemühungen bei den Mädchen gut anzukommen. Mit 10 hatte er ein einschneidendes Erlebnis: Gemeinsam mit seiner Freundin schauter er SUPERMAN an und musste feststellen, dass seine Angebetete nur Augen für den Helden auf dem Bildschirm hatte, ihr Interesse an ihm schien völlig verflogen. Da er kurz vorher Festgestellt hatte, dass die coolen Kerle, wie zum Beispiel Superman, keine wirklichen Superhelden sind, sondern von Schauspielern, von mehr oder weniger ganz normalen Menschen lediglich gespielt werden, da war für ihn der Fall klar: Er würde Schauspieler werden - und dann würde er jedes Mädchen haben können. Später mag es andere Gründe gegeben haben, warum er Schauspieler werden wollte, doch so schildert Orlando Bloom selbst seine frühe "Berufung". Er blieb seinem Plan auf jeden Fall treu und ging im zarten Alter von 16 Jahren nach London, um dort die Schauspielschule des National Youth Theatres zu besuchen. Dort verbrachte er zwei Semester. Danach erhielt er ein Stipendium für die British American Drama Academy. Schließlich studierte er mit kleineren Unterbrechungen an der Guildhall School of Music and Drama seinen Traumberuf und machte dort auch seinen Abschluss.
Wie es sich für einen guten Schauspieler gehört, lernte er den Beruf von der Pike auf, dazu gehörte natürlich auch, dass er zunächst viel Theater spielte. Vor allem in klassischen Stücken sah man den Nachwuchs-Mimen zu dieser Zeit. Wie viele andere junge Schauspieler bemühte Orlando sich um kleine Rollen bei Film und Fernsehen. In der Krankenhausnotaufnahme-Serie CASUALTY bekam er eine Gastrolle und in dem Kinofilm über das Leben des exzentrischen Oscar WILDE hatte er ebenfalls einen kurzen Auftritt: als Strichjunge! Sein Glück war es, dass dieser Film recht gut bei Kritik und Publikum ankam und sogar mit einigen Preisen geehrt wurde. So kam es, dass auch andere Regisseure sich ihn anschauten und dabei einen jungen Schauspieler neben den Hauptdarstellern Stephen Fry und Jude Law entdeckten, der ihr Interesse weckte! Doch Bloom beendete zunächst - trotz vorliegender Angebote - seine Ausbildung an der Guildhall School of Music and Drama.

DER LOTTERIE-GEWINN

Es war schon ungewöhnlich, dass man einem Schauspieler, der gerade dabei war, seinen Abschluss an der Schauspielschule zu machen, eine so große Rolle in einem so großen Projekt anvertraute. Zunächst sprach Orlando Bloom für die Rolle des Faramir vor, doch daraus wurde nichts - statt dessen bat man ihn, sich den Part des Legolas einmal genauer anzuschauen. Er sprach erneut vor - und wurde engagiert. Orlando konnte sein Glück kaum fassen und empfand die Chance, die Peter Jackson ihm damit gab, wie einen Gewinn in der Lotterie: "Ganz gewiss habe ich nicht damit gerechten, dass alles einmal so kommen wird. Ich war auf einer Schauspielschule und die meisten Studenten meines Jahrgangs waren äußerst talentiert. Exzellente Menschen, von denen nur die wenigsten eine Chance bekommen, ihr Talent unter Beweis zu stellen. Einige müssen länger warten, um so eine Chance zu haben, für andere wird es nie passieren."
Bei ihm kam der Erfolg quasi zeitlich mit dem Ende seiner Ausbildung, es handelte sich nur um wenige Tage. 18 Monate verbrachte er mit Peter Jackson und der gesamten DER HERR DER RINGE-Crew in Neuseeland. Neuling Orlando brauchte ein paar Tage, um zu begreifen, in was für einem riesigen Projekt er da gelandet war! Er war der erste der Schauspieler-Crew, der in Neuseeland ankam. Als erstes drückte man ihm einen Bogen in die Hand, damit er sich an das Handwerkszeug des Elben Legolas gewöhnt- schon nach einer Woche schoss er Papierteller aus der Luft. Er bemühte sich um dynamische Bewegungen und versuchte den Bogel als Teil, als Verlängerung seines Körpers, zu sehen. Ebenso wichtig war das Reiten, besonders im zweiten Teil DIE ZWEI TÜRME wurde viel geritten. Er lernte verschiedene Kampfstile und musste dann intensiv üben, die Bewegungen für die Kamera möglichst langsam auszuführen, ohne dass sie lahm wirken.
Nachdem DER HERR DER RINGE: DIE GEFÄHRTEN in die Kinos gekommen war, stief Orlando Blooms Popularität in ungeahnte Gefilde. In manchen Suchmaschinen wurde kein Schauspielername so oft eingegeben wie seiner. Überhaupt wurden 2002 (zumindest bei einer der vielen Suchmaschinen) nur zu fünf Namen mehr Suchanfragen gemacht als zu Orlando Bloom. Er rangierte hinter vier Rappern und Osama Bin Laden!

NEUN FREUDE SOLLT IHR SEIN

Orlando bezeichnet die 18 Monate in Neuseeland als die beste Zeit seines Lebens. Es war eine Herausfprderung und ein surreales Erlebnis zugleich. Wer sitzt beim Mittagessen schon mit Orks und Monstern am Tisch?! Die Crew entwickelte ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl, dass sich unter anderem darin äußerte, dass sich die neun DIE GEFÄHRTEN-Darsteller die Zahl 9 in Elbisch tätowieren ließen. Orlando hat dieses Erinnerungsstück auf der Innenseite seines Unterarms, Elijah Wood ließ es sich auf den Bauch tätowieren. Da pragngte aber schon eine "Jugendsünde" von Orlando, ein Sonnen-Tatoo, das er sich schon als Teenager verpassen ließ (was er heute sehr bereut).
Er ging mit den Hobbits surfen, und einmal geriet er mit Sean Bean alias Boromir in eine Naturkatastrophe: Als sie den weiten Weg von einem Drehort zum anderen wegen Seans Flugangst im Auto zurücklegen wollten, regnete es so stark, dass es zu einem Erdrutsch kam und die beiden schließlich mit dem Hubschrauber gerettet werden mussten.
Auch für Orlando Bloom gingen die Dreharbeiten zu den drei HERR DER RINGE-Filmen nicht verletzungsfrei über die Runden. Seine Freizeitaktivitäten, die aus Surfen, Snowboarding, Skydiving und Bungee-Jumping bestanden, verliefen zwar glimpflich, aber bei einer Szene mit 30 Pferden, die von den Orks verfolgt werden und bei der Orlando mit seinem Bogen hantieren sollte, war sein Pferd einfach nicht mehr zu stoppen: Orlando stürzte, und Gimli alias Johny Rhys-Davies fiel auf ihn drauf. Leider landete er auf einem Stein und brach sich eine Rippe. Das dürfte für Orlando aber eigentlich keine große Sache gewesen sein, denn trotz seiner jungen Jahre hat er sich schon so ziemlich alles gebrochen, was man sich vorstellen kann: seine Nase, beide Beine, den Arm, das Handgelenk, einen Finger, einen Zeh - und sein Schädel hat sogar schon dreimal etwas abbekommen. Seine schlimmste Verletzung hatte er allerdings nach einem Sturz aus dem dritten Stock: Die Diagnose lautete Rollstuhl, doch Orlando hatte noch einmal Glück und konnte das Krankenhaus bereits nach knapp zwei Wochen wieder verlassen, zwar noch auf Krücken, aber am Ende war er wieder vollkommen hergestellt.

DAS GLÜCK BLEIBT IHM TREU

Sein Pech (oder war es Leichtsinningkeit?!), das ihn beinahe die Karriere gekostet und in den Rollstuhl gebracht hätte - entpuppte sich im nachhinein als Glücksfall (im wahrsten Sinne des Wortes!), denn noch bevor er mit der HERR DER RINGE-Trilogie zu internationalem Ruhm kommen sollte, lud man ihn nach Hollywood ein! Niemand geringeres als Ridley Scott war dabei, seinen Film über den Einsatz der US-Truppen in Somalia zu besetzen. Er sollte einen Soldaten spielen, der bei einem Einsatz aus dem Hubschrauber fällt und dessen Rettung zu einer 16 Stunden währenden Schlacht in Mogadischu eskaliert. Orlando stellte sich kurz vor, erwähnte seinen Fenstersturz - und bekam die Rolle! Niemand weiß, ob es nur daran lag, dass man ihm die Rolle anvertraute, aber feststeht, dass Bloom mal wieder Glück hatte - er war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und brachte die richtige Erfahrung mit.
Noch viel mehr Glück hatte er beei der Wahl seines nächsten Projekts: In FLUCH DER KARIBIK ist zwar offiziell Johnny Depp der Star, aber der unbestrittene Liebling (mindestens) aller weiblichen Kino- und nun auch aller DVD-Zuschauer ist Orlando Bloom als Pirat wider Willen. Glück hatte Bloom auch weil er nicht nur wieder Spaß an der Arbeit hatte, sondern diese auch vom Publikum anerkannt wurde und er sich mit den Kollegen (wie schon bei DER HERR DER RINGE) über phantastische Einspielergebnisse freuen konnte. Einen erneuten Ausflug ans andere Ende der Welt machte er für NED KELLY, einen außergewöhnlichen Western über den australischen Nationalhelden Ned Kelly und dessen Bande mit Heath Ledger in der Titelrolle. Der bereits 2003 fertiggestellte Film hat leider noch keinen deutschen Starttermin - Gerüchte zufolge sind die Verantwortlichen mit dem Ergebnis nicht hundertprozentig zufrieden - dennoch ist ein Kino-Starttermin für 2004 vorgesehen. Eine Working-Title-Produktion (neben NED KELLY) ist die Komödie THE CALCIUM KID, in der Orlando den jungen Milchmann und Amateurboxer Jimmy mimt, der, bedingt durch einige bizarre Ereignisse, auf einmal um die Weltmeisterschaft boxt.

DIE ZUKUNFT IST BLOOMIG!

An vier weiteren Filmen ist Orlando noch beteiligt. Das nächste Großprojekt ist natürlich Wolfang Petersens TROY. Wieder musste Orlando für die Dreharbeiten dieses monumentalen Kostümfilms, der auf Homers Ilias beruht, sein heimatliches London verlassen, denn gedreht wurde zwar auch in England, doch hauptsächlich standen die Sets in Malta und Mexiko.
Orlando Bloom mimt in der über 100 Millionen Dollar teuren Verfilmung der antiken Geschichte um den Prinzen Paris, der 1193 vor Christus die schöne Griechin Helena, die Frau von Menelaos, dem König von Sparta, entführt und damit einen Krieg der zwei Völker auslöst. Die Griechen, unterihnen der ruhmreiche Held Achilles (Brad Pitt), beginnen eine lange und blutige Belagerung von Troja, die eine ganze Dekade dauern sollte...
Bis wir dem (teils barbrüstigen) Orlando als verliebten Paris nach Troja folgen können, müssen wir uns noch bis zum 20. Mai 2004 gedulden, erst dann soll Wolfgang Petersens Epos in die deutschen Kinos kommen. Als nächstes steht der Independent-Film HAVEN auf Orlandos Drehplan. Die Geschichte handelt von zwei zwielichtigen Geschäftsleuten (Bill Paxton und Gabriel Byrne), die auf die Cayman Inseln fliehen, um einer staatlichen Anklage in ihrer Heimat zu entgehen. Dies löst eine Kettenreaktion aus, in deren Verlauf der Brite Shy (Orlando Bloom) ein Verbrechen begeht, dass sein Leben verändert.
Auf eine erneute Zeitreise geht Orlando Bloom dann für Ridley Scott, mit dem er ja bereits bei BLACK HAWK DOWN zusammengearbeitet hatte: KINGDOM OF HEAVEN spielt im 12. Jahrhundert zur Zeit der Kreuzzüge. Orlando spielt den jungen Schmied Salaq Ul-Hul, der zum Ritter geschlagen wird, ein Königreich rettet und sich in die Prinzessin von Jerusalem verliebt. Das heißt, dass Orlando mal wieder seine Sachen packen muss und seine Freundin Kate Bosworth (BLUE CRUSH - gerade auf DVD erschienen, und DIE REGELN DES SPIELS), mit der er im letzten Februar Urlaub in der Karibik gemacht hat, wird ab dem 12. Januar, wenn die Dreharbeiten in Marokko beginnen, auch nicht viel von ihrem Liebsten haben. Aber Orlando Bloom hat schon angekündigt, dass er demnächst eine längere Pause einlegen will - es sei ihm gegönnt, denn immerhin warten noch einige Filme mit ihm auf ihre DVD- bzw. Kinoveröffentlichung. Für Nachschub ist also - vorerst - gesorgt, und lange wird Orlando es ohnehin nicht ihne Arbeit aushalten!

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