Auf den Spuren
von Orlando Bloom
Bravo, 30. Juni 2004
Dank an LauraBloom und Anne für's Abtippen!
Das kleine Theater des St.Edmunds Internats ist menschenleer.
Kein Lachen oder Klatschen füllt an einem Novemberabend im
Jahr 1990 den Raum mit Leben.
Trotzdem sitzt in der ersten Stuhlreihe ein schmächtiger Junge.
Er hat das Kinn in die Hände gestützt und starrt mit seinen
braunen Augen auf die Bühne.
Es ist nicht das erste Mal, dass er sich hier aufhält- denn
immer, wenn der junge Orlando Ruhe sucht, flüchtet er sich
hierher.
Und gerade jetzt braucht der 13- jährige viel Zeit zum Nachdenken,
weil ihm seine Mutter Sonia ein überraschendes Geständnis
gemacht hat: „Sie erklärte mir, dass mein Vater gar nicht
mein echter Vater ist", erinnert sich Orlando Bloom (27).
Er hatte Harry Bloom, der 1981 (Orli war damals 4) im Alter von
68 Jahren gestorben war, immer für seinen wahren Dad gehalten.
Doch sein leiblicher Vater hieß Colin Stone( 61) - ein Freund
der Familie.
Aber Sonia (53) war keine untreue Ehefrau: Nachdem Harry 1974 einen
Schlaganfall erlitten hatte, bestand er darauf, dass sie sich einen
Mann suchte, mit dem sie Kinder haben konnte.
"Harry und meine Mutter ließen sich nie scheiden- und
deshalb wusste ich nichts davon.
Die Story war ein Schlag für mich, aber ich kam zu dem Schluss,
dass ich eigentlich zwei Väter hatte- und fand das ganz okay",
erinnert sich Orli.
Auch sein ehemaliger Englisch- und Theaterlehrer Richard Parson
(45) hat den unglaublichen Optimismus seines ehemaligen Schülers
nicht vergessen: "Als er mit elf zu uns kam, stellte sich heraus,
dass er an Alexie litt. Das bedeutet, dass er sich gelesene Texte
nur sehr schwer merken konnte. Aber anstatt aufzugeben, büffelte
Orlando nur noch härter. Die Texte aus dem Schauspielunterricht
konnte er danach immer perfekt."
Natürlich ist Mr.Parson megastolz auf seinen berühmten
Schüler..."Auf der Bühne war ich der Oberclown und
brachte alle zum Lachen", denkt Orli etwas verärgert an
seinen Karrierebeginn zurück.
"Weil mich alle für zu jung hielten, durfte ich nie einen
Lover spielen."
Die Rolle beherrscht er dafür im echten Leben umso besser:
Obwohl es streng verboten war, schlich er ständig im Mädchenflügel
des Internats herum- und verlor hier mit 14 seine Unschuld.
"Er wird mich dafür hassen, dass ich das ausplaudere...",
grinst Mr.Parson "...aber ich wusste ganz genau, wenn er was
ausgefressen hatte- und dass er bei den Mädchen sehr beliebt
war.
Er hat viele Herzen gebrochen!"
Trotz seiner Karriere hat Orli seine Wurzeln nicht vergessen- und
besucht sooft wie möglich seine Eltern Sonia und Colin sowie
den Ex- Lehrer in Canterbury.
"Erst an Ostern war er hier", erzählt Mr.Parson.
"Und ich habe ihn wieder alleine im Schultheater sitzen sehen.
Hier grübelt er immer noch über das Leben nach!"