Captain Depp auf allen Meeren
TV Spielfilm” Ausgabe 19/03
Der Piratenfilm Fluch der Karibik bietet mehr pralle
Kirmes-Action als historisches Abenteuer
Wirklich gut ging es Hollywood in diesem Sommer nicht, trotz der Rückkehr
der Matrix, der drei Engel und des Terminators.
Die US-Fachpresse schrieb schon, es sei vielleicht nicht der schlechteste
Sommer aller Zeiten, er fühle sich nur so an. Echte Hits waren
rar – die Unterwasserkomödie „Findet Nemo“ aus
dem Hause Disney/Pixar war einer. Für die anderen Abräumer
war hauptsächlich ein Mann verantwortlich: Jerry Bruckheimer.
Der Produzent solcher Eventfilme wie „Top Gun“, „Armageddon“
und „Pearl Harbor“ müsste in diesen Tagen eigentlich
mit einem ins Gesicht zementierten Grinsen herumlaufen.
Der Grund: das actionreiche Seeräuberabenteuer „Fluch der
Karibik“ erwies sich als Volltreffer und ist inzwischen mit über
235 Millionen Dollar US-Einspiel die erfolgreichste Bruckheimer-Produktion
aller Zeiten. Der Sonnyboy, der im September 58 Jahre alt wird, konnte
damit in diesem Sommer gleich zwei Rekorde zum Startwochenende brechen.
Zeitweise besetzten seine „Bad Boys 2“ und „Fluch
der Karibik“ Platz 1 und 2 der US-Kinocharts.
Piraten sind wieder in, zumindest dieser hier, Captain Jack Sparrow
(Johnny Depp). Einst war er ein großer Seeräuber, sein Schiff,
die „Black Pearl“, wird heute noch mit Ehrfurcht genannt.
Doch seit sein erster Offizier Barbossa (Geoffrey Rush) eine Meuterei
anzettelte, sinkt der Stern des feschen Freibeuters. Als Barbossa die
schöne Gouverneurstochter Elizabeth (Keira Knightley) entführt,
schließt Jack sich dem furchtlosen Schmied Will Turner (Orlando
Bloom) zur Verfolgung an. Jack will sein Boot zurück, Will aber
fürchtet um Elizabeth. Finsterling Barbossa hat mehr im Sinn: Der
Goldanhänger um Elizabeths Hals soll helfen, einen Fluch von ihm
und seinen Piraten zu nehmen, der sie im Mondschein zu Skeletten werden
lässt.
Ein Piratenfilm für 125 Millionen Dollar (für die gruselig-grandiosen
Skelett-Effekte wurde das Edel-Effekthaus ILM verpflichtet) ist ein
gewaltiges Risiko. Das Genre hing zuletzt ziemlich in den Seilen, alle
Versuche der letzten Jahre waren Flops (siehe nächste Seite).
Die Drehbuchautoren Terry Rossio und Ted Elliot („Shrek“)
hatten den Disney-Studios schon 1992 eine Idee, basierend auf der Disneyland-Touristenattraktion
„Pirates of the Caribbean“, vorgeschlagen. Damals hielt
man sie für verrückt: eine Achterbahnfahrt als Vorlage für
einen Kinofilm?
Inzwischen plant man bei Disney nicht nur eine Fortsetzung, im November
kommt die Geisterbahnadaption „The Haunted Mansion“ in die
US-Kinos.
„Pirat ist der Traum eines jeden Fünfjährigen“,
bestätigt Johnny Depp. „Beim Dreh gab es einen Moment, in
dem Orlando und ich uns ansahen, und es nicht fassen konnten, dass wir
dafür auch noch bezahlt werden. Zuletzt wurde meine Tochter gefragt,
was ihr Daddy von Beruf ist, und sie hat gesagt: Pirat. Schauspieler
ist dagegen wohl ein ganz schöner Abstieg.“
Ohne Johnny Depp, der „mehr als schockiert“war, dass ausgerechnet
er die Hauptrolle in einem Big-Budget-Film wie diesem spielen sollte,
wäre „Fluch der Karibik“ nur ein lautes, buntes Fantasyspektakel
mit den üblichen Zutaten eines modernen Piratenmärchens. Depps
überdrehter, mit (echten) Goldzähnen ausgestatteter Captain
Sparrow, irgendwo zwischen bekifft und beschwipst, gibt dem Piratengericht
die nötige Würze. Die Inspiration fand Depp woanders: „Ich
halte Piraten für die Rockstars des 18.Jahrhunderts. Und Keith
Richards von den Rolling Stones ist für mich nun mal der größte
Rockstar aller Zeiten. Also wurde Keith die Basis für meine Rolle.“
Und ´ne Buddel voll Rum?
Danke an Keira für die Abschrift!