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Moviestar September/Oktober 2003


Vielen Dank an Jasy fürs Abtippen!

 

„Ich will kein Idol sein, obwohl das sicher aufregend ist“

Ein Interview mit Orlando Bloom

 

Moviestar: Geht für Sie hier ein persönlicher Wunsch in Erfüllung?

Orlando Bloom: In gewisser Weise kommt es mir gerade so vor, jeden Traum eines Jungen ausleben zu dürfen. In kürzester Zeit spielte ich in Der Herr der Ringe einen Elben, dann einen Soldaten, in Ned Kelly einen Gangster und demnächst einen Actionhelden. Ich bin wirklich sehr glücklich, dass man mir so viele Möglichkeiten bietet, mich als Schauspieler auszutoben, und ich habe dabei verdammt viel Spaß.

 

MS: Reizt Sie nach so vielen Kostümfilmen eine realistischere Rolle?

OB: Absolut! Ich könnte mir gut vorstellen, jetzt einen Film zu machen, in dem es um drei Kerle geht, die am Tisch sitzen und Karten spielen. Aber um ehrlich zu sein, habe ich natürlich mehr Spaß mit den Filmen, die ich in letzter Zeit gedreht habe.

 

MS: Welcher dieser Filme war für Sie das größte Abenteuer?

OB: Die Erfahrungen in Neuseeland, wo alle drei Teile von Herr der Ringe entstanden, lassen sich kaum in Worte fassen. Es war eine überwältigende Zeit und das erste Mal, dass ich so eine große Rolle spielte.

 

MS: Wie erklären Sie sich, dass ausgerechnet Sie es geschafft haben?

OB: Wahrscheinlich war ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Mir war es wichtig, nicht als arbeitsloser Schauspieler zu enden. Dafür muss man kämpfen, und ich fühlte schon als Kind, was ich werden will. Weshalb ich mich in der Schule vor allem in Kunst und Theater anstrengte. Den meisten Spaß hatte ich natürlich in den Theaterkursen. Ich liebte es schon immer, mich in andere Charaktere hineinzudenken, alte Filme zu gucken und ins Theater zu gehen. Es ist auch nicht so, dass mir alles zugeflogen kam. Ich habe mich hochgearbeitet, um da hin zu kommen, wo ich heute bin.

 

MS: Und heute sind Sie mit Johnny Depp und Brad Pitt dick befreundet.

OB: Das stimmt nicht! Lächerlich! Ich erzählte mal, dass es zu Beginn des Films Troy über den trojanischen Krieg ein Dinner mit den Schauspielern gab. Da saßen 20 Leute am Tisch, um sich gegenseitig zu beschnuppern. Seitdem habe ich Brad kaum mehr zu Gesicht bekommen, weil man sich am Set so oft auch nicht über den Weg läuft. Ein anderes Mal traf ich ihn zu einem Drink. Brad ist ein großartiger Schauspieler, der sich so sehr in seine Rolle vertieft, dass er zu diesem Charakter wird. Es beeindruckt mich, dass er nicht nur die typischen Helden spielt. Viggo Mortensen und Johnny Depp sind nicht anders. Das sind sehr liebenswerte Personen, von denen ich viel lernen konnte.

 

MS: Befürchten Sie, dass sich Ihr Leben sehr verändern könnte?

OB: Ich weiß nicht, ob Angst das richtige Wort dafür ist. Der Prozess ist bereits in Gang gekommen, und ich versuche, es nicht allzu ernst zu nehmen. Ich habe kein Interesse daran, ein Prominenter zu werden und will auch kein Idol sein, obwohl das sicherlich sehr aufregend ist.

 

MS: Wie gehen Sie damit um, von Mädchen umschwärmt zu werden?

OB: Wenn ich mir vorstelle, dass manche fünf Stunden warten und ihren ganzen Nachmittag opfern, um ihren Star zu sehen, dann finde ich es richtig, sich ein bisschen Zeit dafür zu nehmen, ihnen Autogramme zu geben. Ich selbst würde so etwas aber nie machen. Man muss sich damit arrangieren, sonst lebt man nur noch in Angst und kann sein Leben nicht mehr genießen. Geholfen hat mir, was mal ein Freund zu mir sagte: Es wird immer Schauspieler geben, die von Teenagern verehrt werden. Sie brauchen das für ihre Wünsche, Sehnsüchte, Phantasien oder was auch immer. Das macht Sinn für mich, und seitdem sehe ich die Sache viel entspannter.

 

MS: Wie schwierig ist es für Sie, ein relativ normales Leben zu führen?

OB: Es ist nur so schwer, wie man es sich macht. Wenn ich auf der Straße spazieren gehe, werde ich selten erkannt. Das liegt auch daran, dass ich gar nicht so aussehe wie auf den meisten Bildern, die mit Photo-Shop bearbeitet wurden.

 

MS: Sie mögen Extrem-Sport. Ist es die Sehnsucht nach der Gefahr?

OB: Ich habe mal Bungee-Jumping in Neuseeland mitgemacht, mag es, mit dem Snowboard runterzuschlittern, aber ich würde nicht sage, dass ich nach Extremen suche. Und beruflich ist es einfach passiert, dass ich mich für meine Rollen körperlich anstrengen muss. Legolas ist jemand, der nicht viel spricht und vor allem physisch viel vollbringen muss.

 

MS: Haben Sie eine Freundin?

OB: Über Familie und Freunde rede ich grundsätzlich nicht. Es ist so schon hart genug, den Kontakt zu ihnen nicht zu verlieren. Sorry!

Interview: Markus Tschiedert

 

 

„Die Chance einen Piratenfilm zu drehen, bekommt man nicht zweimal“

Ein Interview mit Gore Verbinski

 

Moviestar: Wie reagierten Sie, als Jerry Bruckheimer Ihnen vorschlug, ein „Karussell“ zu verfilmen?

Gore Verbinski: Zum einen meldete sich der Junge in mir, der sofort brüllte: „Ein Piratenfilm? Klasse!“ So eine Chance bekommt man nicht zweimal, denn das Genre ist nach den Richtlinien Hollywoods schon lange tot. Zum anderen machte ich mir Sorgen, ob dieser Film mehr wäre als ein Werbespot für Disneys Themenpark. In Disneyworld wird ja keine Geschichte erzählt. Die Piraten stehen dort nur in allen erdenklichen Situationen herum, woraus sich viele Ideen entwickeln ließen. Jerry schlug zu meinem Erstaunen Johnny Depp für eine Hauptrolle vor. Bruckheimer und Depp in einem Boot – darauf kommt man nicht sofort. Die Art, wie sich Jerry für eine hochkarätige Besetzung einsetzte, ließen meine letzten Zweifel schwinden. Wir hatten ein wirklich gutes Skript, an dem leider noch geschrieben wurde, als wir zu drehen anfingen. Das ist nicht gerade der beste Weg, aber das Studio schrieb vor, dass wir den Film nur machen können, wenn er im Sommer 2003 in die Kinos kommt. Das habe ich nie ganz verstanden.

 

MS: Wäre der Film noch besser geworden mit fertigem Drehbuch?

GV: Einen Film mit visuellen Effekten und historischen Gewand zu machen, dauert normalerweise zweieinhalb Jahre. Wir schafften es in einem Jahr, was sicher seine schlechten, aber auch seine guten Seiten hat.

 

MS: Ist der Piratenfilm wieder belebt?

GV: Genau kann das keiner sagen. Solche Filme werden doch deshalb nicht mehr gedreht, weil die letzten Versuche an der Kinokasse fehlgeschlagen sind. Fluch der Karibik ist in Amerika gut gestartet, und vielleicht bedeutet das eine neue Chance für den Piratenfilm.

 

MS: Waren Sie oft in Disneyworld?

GV: Ich bin mit dieser Attraktion groß geworden. Vor Beginn der Dreharbeiten besuchte ich sie nur einmal, um es aufzufrischen. Die Drehbuchautoren mussten öfters rein und waren schon richtig fanatisch.

 

MS: Muss man die Attraktion kennen, um den Film zu verstehen?

GV: Nein, obwohl wir einiges übernommen haben. Das Konzept mit den Skeletten und dem Fluch stammt natürlich aus Disneyworld. Als ich als Kind das erste Mal die „Pirates“ besuchte, fürchtete ich mich und war zugleich amüsiert. Diese Mischung aus Grusel und Humor wollte ich für den Film haben.

 

MS: Wie kamen Sie mit Orlando Bloom und Johnny Depp zurecht?

GV: Eigentlich haben mir alle Darsteller zu schaffen gemacht. Wir haben viel gesprochen und diskutiert. Geoffrey Rush ist ein so feinfühliger Schauspieler, dass es schon mal passieren kann, einen Anruf mitten in der Nacht zu bekommen. Keira Knightley war umso zuversichtlicher, was ungewöhnlich ist für eine Schauspielerin die erst 17 ist. Sie steht mit beiden Beinen noch fest auf dem Boden. Meine Schauspieler haben mir vertraut, und ich habe sie stets ernst genommen. Das ist selten, denn es gibt genügend Schauspieler, die mit ihrem Regisseur ein Spiel spielen wollen.

 

MS: Inwieweit hat sich Jerry Bruckheimer in Ihre Arbeit eingemischt?

GV: Wenn man für Jerry arbeitet, geht man natürlich eine Verpflichtung ein. Es geht schließlich darum, was das Publikum von einem Jerry-Bruckheimer-Film erwartet. Das ist etwas, das ich durch meine Erfahrungen mit THe Mexican gelernt habe: Publikumserwartungen dürfen nicht ignoriert werden. Ansonsten ist er ein klassischer Produzent, von denen es heute nur noch wenige gibt. Er orchestriert seine Talente, lässt seinen Regisseur dann aber seinen Job machen.

 

MS: Ursprünglich sollte Alan Silvestri die Filmmusik komponieren …

GV: Ich bin ein großer Fan von Alan Silvestri. Diesmal hat es leider nicht funktioniert, weil wir zu sehr unter Zeitdruck standen. Der Film verlangte nach schnellen Synthesizer-Klängen. Also gingen wir zu Hans Zimmer, der gerade beschäftigt war und uns Klaus Badelt vorstellte, den ich für sehr talentiert halte.

 

MS: Was kommt als nächstes?

GV: Ich würde gern mal etwas Kleineres drehen. Einen Film ohne Effekte. Wenn man auf dem Ozean mit Segelschiffen, Helikoptern, Kameras und Pyrotechnikern ist, kommt man sich vor, als würde man den Verkehr an einer Kreuzung regeln.

 

MS: Warum wollten Sie für Ihre Arbeit an Time Machine keinen Credit?

GV: Weil es ein Gefallen war. Der Regisseur wurde krank, und ich sprang für zwei Wochen ein. Ich musste nichts drehen, aber manches flicken und zusammenfügen. Der Film war im Prinzip schon fertig.

Interview: Markus Tschiedert

 

 

 

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