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Schwerter können das Reden übernehmen
L.A. Times, Mai 2003-06-22

Ein Actionfilm ohne große Explosionen? „Fluch der Karibik“ zählte auf Schwertkämpfe, um die Ware zu liefern.

Was das Publikum von Jerry Bruckheimers Actionfilmen erwartet, liefert er auch: Sie sind schnell, auffallen und dem Prinzip gewidmet, dass keine Explosion zu groß ist.

Daher mag es scheinen, dass die neue Jerry Bruckheimer Produtkion, „Fluch der Karibik“, die demnächst ins Kino segelt, für den Produzenten von „Top Gun“, „Armageddon“, „The Rock“ und „Black Hawk Down“ ein wenig low-tech sind, immerhin können sich Piratenschiffe nur so schnell bewegen wie der Wind sie anschiebt, und das Auffällige kommt von dem Goldzahnlächeln des Kapitäns.

Doch die schiere Präzision eines Energiegeladenen Schwertkampfes kann einen spektakulären Effekt erzielen, der sich nicht leugnen lässt.

„Ich wollte schon immer einen Piratenfilm machen“, sagt Bruckheimer, „während ich aufwuchs liebte ich es, die Schatzinsel und Filme von Errol Flynn anzusehen und ich dachte, wir können etwas machen, das heute irgendwie Spaß machen würde.“

In „Fluch der Karibik“, dem neuesten Versuch der Disney Corporation, mit der Bekanntheit seiner Freizeitparkattraktionen Geld zu machen, verbündet sich der spitzbübische Pirat Johnny Depp mit Hufschmied Orlando Bloom, um die gefangene Keira Knightley von Geoffrey Rush’s Crew von Geisterpiraten zu retten, die dazu verdammt sind, im Mondlicht als Skelette zu erscheinen. Weil es ein Jerry Bruckheimer Film ist, gibt es natürlich Explosionen, aber zum Großteil gibt es Schwertkämpfe, und davon jede Menge.

„Es dreht sich alles um die Geschwindigkeit, den Stil der Klingen und um die Art und Weise, sodass sie irgendwie singen, im Gegensatz zu einfach nur klirren“, sagt Bloom.

Singende Klingen und blendende Geschwindigkeit kann selbst von einem erfahrenen Schwertkämpfer große Konzentration erfordern, aber für einen Schauspieler, der sich sowohl mit einem Schwert als auch seinem Text gerade vertraut macht, besteht immer das Risiko, die Satzzeichen des Dialoges in Form eines klaffenden Wunde oder etwas noch schlimmerem zu setzen. Zum Glück für den Cast kam diese Produktion mitsamt einem Jerry Bruckheimer-Budget von angeblich 125 Millionen Dollar an. Das Geld, das normalerweise für Plastiksprengsätze verschwendet wird, wurde für Training vom Experten ausgegeben.

Bob Anderson, ein 80-Jähriger Engländer mit unglaublichen Referenzen – er brachte Errol Flynn ein oder zwei Dinge bei, als sie 1953 in dem Film „Der Meister von Ballantrae“ zusammenarbeiteten – wurde während des Drehs für vier Wochen engagiert, um seine Weisheiten an den Cast und die Crew weiterzugeben.
„Anderson ist noch sehr leichtfüßig“, sagt Bloom, „er war in der Lage uns zu zeigen, wie man es richtig macht!“

Trotz all seiner Erfahrung und der Bewunderung, die er hervorruft, stellt Anderson die Bescheidenheit eines englischen Gentlemans dar:
„Wir alle stehen auf den Schultern derer, die vor uns hier waren“, sagt er. „In anderen Worten, bilde dir nicht zuviel auf das ein, was du tust, denn jemand anderes hat es dir beigebracht und du fügst nur dein Stück Talent hinzu.“

Er ist jedoch schnell dabei, seinen assistierenden Schwertmeister Mark Ivie zu ehren, der mit Stunt Coordinator George Marshall Ruge und Regisseur Gore Verbinski arbeitete, um die etwa dutzend Schwertkämpfe im Film zu choreographieren. Das Trio brauchte fünf Monate, um zwei zentrale Duelle zu planen, und das fand statt, bevor die Schauspieler überhaupt auftauchten: Die spielerische Vorführung der Künste in der Schmiede des Hufschmieds zwischen Depp und Bloom und die Schlacht in einer dreistöckigen Höhle, in der Depp und Bloom gegen die Crew der untoten Piraten kämpfen.
Einen Schwertkampf im Film zu planen ist nicht ganz so leicht wie einem Schauspieler Fechtunterricht und ein Schwert zu geben, mit dem er Markierungen auf dem Boden treffen soll. Die Überlegungen schließen die Wahl der Waffen, den Kampfstil und persönliche Feinheiten des Charakters mit ein.

„In ‚Piraten’ benutzen wir eine Menge Säbel, dicke gebogene Schwerter“, sagt Ivie. „Wir haben eine Menge fließender und abgehackter Bewegungen. Wir haben versucht, die verschiedenen Stile miteinander kontrastieren zu lassen. Orlandos Charakter ist sehr klassisch trainiert, während Johnnys Charakter, der ja ein Pirat ist, mehr nach dem Motto kämpft: „Alles ist erlaubt.“

Jede Bewegung des Schwertkampfes hat einen Namen. Werden diese Namen während der Vorbereitung zu einer Kampfszene ausgerufen, können sie die Schauspieler durch die graziösen Bewegungen, denen sie entsprechen, mehr wie stämmige Ballerinas aussehen lassen als wie an Skorbut leidende Seehunde mit durstigen Klingen. Sind die Bewegungen jedoch erst einmal drin und wird der Kampf bei voller Geschwindigkeit ausgeführt, ist der Effekt kaum so friedlich wie ein Ballett.

„Wenn der Regisseur „Action“ ruft, geht man total [in der Rolle] auf“, erklärt Ivie, „das Adrenalin, das produziert wird, zieht das Ganze noch viel mehr über die Grenze hinaus. Am Ende des Kampfes denkst du: „Ich will diese Person umbringen!“
Eine zusätzliche Herausforderung war der Einsatz von Spezialeffekten, um die feindlichen Piraten wie Skelette aussehen zu lassen. Ganze Duelle wurden jeweils nur mit der Hälfte eines Kampfduos gefilmt, bei der jede Hälfte sich vorstellen musste, auf den anderen zu reagieren und die Bewegungen perfekt nachzumachen. Andere Kämpfe wurden am Computer ohne irgendwelche Waffen erschaffen.

Lässt man das Nachsehen für Filmtechnik beiseite, werden selbst Menschen, die historische Korrektheit sehr genau nehmen, feststellen, dass die Abwechslung der verschiedenen Stile der Zeit des 18. Jahrhunderts so nahe kommt wie nur möglich. Doch Stunt Coordinator Ruge muss zugeben: „In der wirklichen Welt gab es jede Menge Unterhandlungen, von denen wir nichts lesen.“

Doch egal wie gut durchdacht und tödlich die Schwertkämpfe sind, gibt es immer noch einen Fluch, mit dem gerungen werden muss, und der nichts mit Goldstücken und Geisterpiraten zu tun hat. Die astronomischen Budgets der Piratenfilme aus Hollywood und deren Tendenz, an den Kinokassen unterzugehen, reicht aus, um selbst die mutigsten Studiobosse zum Erzittern zu bringen.

Vielen Dank an Darkchild für die tolle Übersetzung!

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