Interview mit Orlando
Bloom aus JOY
Ausgabe: September 2003 erschienen am 12.08.2003
Dank an Dagmar für's Abtippen!
Orlando, stimmt es, dass Sie Schauspieler wurden,
weil Sie schöne Frauen küssen wollten?
(lacht) Das habe ich mal gesagt, und seitdem verfolgt mich der spruch
auf Schritt und Tritt. Aber wegen der Küsse allein bin ich nicht
Schauspieler geworden.
Sondern?
Ich wollte Schauspieler werden, seit ich kapiert hatte, dass es Superman
nicht wirklich gibt. Ich liebe es, mich zu verkleiden und in andere Charaktere
zu schlüpfen. Wenn ich dabei noch schöne Frauen küssen
darf, umso besser.
Mit der Schauspielerei hätte es ja beinahe
nicht geklappt...
Stimmt. Vor 5 Jahren bin ich so blöd von einem Dach gefallen, dass
die Ärzte befürchtet haben, ich könne querschnittgelähmt
sein und nie wieder laufen. Aber sie haben mich so gut zusammen geflickt,
das ich das Krankenhaus nach zwei Wochen wieder verlassen konnte. Ich
bin ein Mensch, der sich sehr leicht verletzt. Ich habe mir schon fast
jeden Knochen einmal gebrochen.
Sind Sie denn so ein Draufgänger?
Eigentlich nicht. Privat hänge ich am liebsten mit Freunden rum,
lese sehr viel und gehe in jede Theateraufführung.
Im Moment haben sie dazu aber nicht viel Zeit.
Seit ich direkt von der Schauspielschule für die "Herr der Ringe"
- Trilogie verpflichtet wurde, bin ich ständig unterwegs gewesen.
Es ist immer noch wie ein großer Traum. Jetzt drehe ich gerade mit
Brad Pitt "Troja" auf Malta. Danach will ich eine Pause machen.
Um mehr Zeit für Ihre Freundin, die "Blue
Crush" - Schauspielerin Kate Bosworth, zu haben?
(lacht) Wer sagt, dass sie meine Freundin ist? Wir haben mal zusammen
Werbung für die Modelfirma Gap gemacht. Sie ist ein unheimlich süßes
Mädchen...
.. und wartet gerade in Ihrem Hotelzimmer auf Sie!
Haben Sie sie etwa durch die Hotellobby turnen sehen? Sorry, über
so persönliche Dinge rede ich nicht gerne. In diesem Job muss man
eine zehn Meter hohe Mauer um sein Herz bauen, um seine Liebe zu schützen.
Sonst endet man wie Jennifer Lopez und Ben Affleck.
In "Fluch der Karibik" spielen Sie an
der Seite von Johnny Depp. Wie kamen Sie mit ihm klar?
Johnny ist eins meiner Idole. Er hat eine Art zu spielen, die unnachahmbar
ist. Brat Pitt ist so ähnlich. Beide sind unglaublich cool. Auch,
weil sie immer mal wieder Rollen annehmen, in denen sie alles andere als
gut aussehen. Ich schaue mir genau an, wie sie spielen, sauge alles auf
-wie ein Schwamm. Sie sind definitiv Vorbilder für mich.
Auf einem Flug nach St. Vincent, wo der "Fluch
der Karibik" gedreht wurde, sollen Sie und Jonny Depp ziemlich betrunken
gewesen sein...
Na ja. Ganz nüchtern waren wir bei der Landung nicht mehr. Allerdings
war es ein Freund von Johnny, der bei der Ankunft so voll war, dass er
die Gangway auf allen vieren runterkrabbeln musste.
Auf Malta sieht man Sie mit Brad Pitt durch die Kneipen ziehen.
Aber bis jetzt haben wir die Bars noch immer im aufrechten Gang verlassen.
Sind Sie eigentlich seekrank geworden, als Sie den
Piratenfilm gedreht haben?
Nein, ich mag das Meer, surfe ja auch leidenschaftlich. Das habe ich während
der Dreharbeiten zu "Herr der Ringe" in Neuseeland gelernt.
Es war nur sehr eng, auf den Booten. Da bekam ich ab und zu Platzangst.
Seit der Rolle als Legolas gelten Sie als Sex-Symbol.
Besser, als wenn die Presse mich mit Quasimodo vergleichen würde
(lacht). Ich versuche das aber nicht ganz so ernst zu nehmen. Und noch
kann ich relativ unerkannt durch die Straßen laufen. Die meisten
kennen mich nur als "Blondine" Legolas - und nicht braunhaarig.
Ihr Vater war der südafrikanische Anti-Apartheid-Kämpfer
und Schriftsteller Harry Bloom.
Er starb mit 68 Jahren in England, als ich vier Jahre alt war. Er war
ein großartiger Mann, saß wegen seines Kampfes gegen die Apartheid
sogar im Gefängnis. Auf sein Buch "Transvaal Episode" bin
ich sehr stolz.
Ist es Zufall, dass Sie in jedem Film kämpfen
müssen?
Ich weiß. In "Troja" spiele ich als Paris allerdings einen
Liebhaber. Da kann ich Pfeil und Bogen endlich mal liegen lassen - und
darf die schöne Helena küssen!