Orlando Bloom
(Cinema September 2003)
Vom heroischen Elbenkrieger zum romantischen Freibeuter : Der Bogenschütze
aus „Der Herr der Ringe“ segelt mit dem FLUCH DER KARIBIK auf
Erfolgskurs
Dank an Caro
für's Abtippen!
Er ist der Schwarm aller Mädels. Und das weiß er, obwohl es
ihn oft verlegen macht. Orlando Bloom, 26, war noch vor wenigen Jahren ein
unbekannter Schauspieler, der hin und wieder im englischen Fernsehen zu
sehen war, ohne dass er sonderlich auffiel.
Dann verbrachte er 18 Monate in Neuseeland, um in Peter Jacksons „Der
Herr der Ringe“-Trilogie den Elbenkrieger Legolas zu spielen. Und
schon bald lag dem Sohn eines südafrikanischen Anwalts und Menschrechtlers
die Welt zu Füßen, oder besser : die Mädchenwelt. Der von
Elijah Wood verkörperte Ringträger Frodo ist zwar der Held der
Serie, aber der blond gezopfte Legolas ist ihr Pin-up. Nie zuvor hat ein
Bogenschütze mehr Herzen getroffen.
Bevor Ende des Jahres mit „Die Rückkehr des Königs“
der letzte Teil der „Ringe“-Trilogie startet, segelt Bloom nun
in „Fluch der Karibik“ im Fahrwasser klassischer Piratendarsteller
wie Errol Flynn oder Tyrone Power. Produzent Jerry Bruckheimer hatte Bloom
schon am Set des Kriegsfilms „Black Hawk Down“ auf das Vorhaben
angesprochen, dem Genre der Seeräuberpistole eine neue Wendung zu verschaffen:
„Damals war das Drehbuch aber noch nicht fertig und das humoristische
Element geringer.“
Bloom heuerte sofort bei Bruckheimer an, wobei auch karrierestrategische
Gründe eine Rolle spielten: Nach seinem fulminanten Durchbruch mit
dem ätherischen Legolas war es an der Zeit, aus dessen Schatten zu
treten und sich in handfesteren Rollen zu erproben. Bloom drehte in schneller
Folge drei sehr unterschiedliche Filme : die australische Gangsterballade
„Ned Kelly“ - 1970 bereits einmal mit Mick Jagger in der Titelrolle
verfilmt - den „Fluch der Karibik“ und „The Calcium Kid“,
eine Komödie über einen Milchverkäufer und Freizeitboxer,
der in seiner Heimatstadt gegen den Weltmeister in den Ring tritt.
Ein weiter Weg für einen Man, dem noch vor fünf Jahren die medizinische
Diagnose gestellt wurde, womöglich nie wieder laufen zu können.
Orlando Bloom fiel 1998 in London von einer Dachterrasse, stürzte drei
Stockwerke tief und brach sich das Rückgrat. Die Ärzte räumten
ihm geringe Chancen ein, doch wie durch ein Wunder konnte er nach mehreren
Operationen als geheilt entlassen werden. Kurz darauf packte er die Koffer
und flog nach Neuseeland.
Seither ist er zum Jetsetter in Sachen Film geworden, zuletzt mit Aufenthaltsort
Malta, wo er unter Regie des Deutschen Wolfgang Petersen („Das Boot“)
„Troy“ dreht, die Verfilmung des Trojanischen Krieges. An der
Seite von Brad Pitt und Eric Bana verkörpert Bloom Trojas Prinzen Paris,
Günstling der Liebesgöttin Aphrodite und Herausforderer des griechischen
Heerführers Menelaos. Erneut eine Kostümrolle. Orlando Bloom scheint
für altertümliche Heldenstoffe förmlich prädestiniert.
Sehnt er sich nicht manchmal nach einer Rolle, die er in ganz normalen Straßenklamotten
spiel kann? „Und wie!“, stöhnt er auf. „Meine Traumrolle
wäre es, endlich mal einen Joe Jedermann zu verkörpern, der mit
drei Freunden in einer Bar sitzt und Karten spielt.“ Ganz ohne Bogen
und Enterhaken. Der Tag wird kommen.